06.02.2026: Heute Streik an den Kais des Mittelmeers, aber auch in den USA, Kolumbien, Venezuela und Brasilien ++ Sie vereint die Forderung: Keine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen und der Löhne! Keine Waffen nach Israel!
Zum ersten Mal streiken die Hafenarbeiter am selben Tag an den Kais des gesamten Mittelmeers, mit Beteiligung auch in Kolumbien, Venezuela, Brasilien und den Vereinigten Staaten.
Der heutige grenzüberschreitende Streik wird von den Gewerkschaften ENEDEP (Griechenland), LAB (Baskenland), LIMAN-IS (Türkei), ODT (Marokko) und USB (Italien) organisiert, um gegen die Kriege in der Welt zu protestieren und gegen die Verschlechterung der Arbeitsbedingungen und Löhne zu kämpfen.
"Ein sorgfältig geplanter Streik, dessen erste Schritte während des Transportkongresses des Weltgewerkschaftsbundes 2025 in Athen unternommen wurden. Er wuchs mittels mühsamer und herausfordernder Arbeit, bis er Realität wurde", sagt Pierpaolo Leonardi von der italienischen Basisgewerkschaft USB.
"Die Hafenarbeiter senden ein starkes Signal der internationalen Solidarität gegen die Militarisierung der Häfen, den immer noch andauernden Völkermord in Palästina, den Waffenhandel und den Wettlauf zum Krieg, den wir derzeit erleben. Ein starkes Signal gegen den Imperialismus und die Verletzung des Völkerrechts und zur Verteidigung der Selbstbestimmung der Völker.
Im Mittelpunkt des Protests stehen die Arbeitsbedingungen der Arbeiterinnen und Arbeiter. Die Kriegswirtschaft hat bereits unsere Löhne gekürzt, unsere Rechte ausgehöhlt und wichtige öffentliche Dienstleistungen zerstört. Die Verlagerung wirtschaftlicher Ressourcen auf Rüstung und Kriegsindustrie wirkt sich direkt auf die Löhne und Arbeitsbedingungen aus, verlängert die Arbeitszeiten und erschwert die Möglichkeit, unsere Arbeit als schwere Arbeit für die Renten anzuerkennen", heißt es von der USB.
Demonstrationen und Aktionen finden in allen wichtigen Häfen Europas, Nordafrikas und des Nahen Ostens statt - von Piräus bis Bilbao, von Tanger bis Hamburg. In Italien wird in Genua, Livorno, Triest, Ravenna, Ancona, Civitavecchia, Salerno, Bari, Crotone, Palermo und Cagliari gestreikt.
In Hamburger Hafen werden seit Tagen keine Container mit tierischen Importen abgefertigt. Die Gewerkschaft Verdi setzt auf Schwerpunktstreiks in besonders sensiblen Bereichen und hat das zuständige Veterinär- und Einfuhramt im Hamburger Hafen zum Streik aufgerufen. Rund 600 Lkw stauten sich nach Angaben von Verdi bis Donnerstag an. Das führt zu Verzögerungen in den Lieferketten. Die Gewerkschaft fordert unter anderem sieben Prozent mehr Entgelt – mindestens 300 Euro monatlich – sowie bessere Bedingungen für Nachwuchs- und studentisch Beschäftigte.
"Die europäischen Häfen dürfen nicht zur logistischen Basis Israels für das Massaker an den Palästinensern werden."
Markos Bekris, Vorsitzender der griechischen Hafenarbeitergewerkschaft ENEDE
Die Hafenarbeiter haben eine lange Geschichte von Streiks, aber eine so breite Mobilisierung gab es seit den Protesten gegen die Liberalisierungen der Bolkestein-Richtlinie in den frühen 2000er Jahren nicht mehr. Diesmal ist die Initiative noch breiter und globaler.
Der Streik ist der Höhepunkt einer Reihe von Aktivitäten gegen Waffentransporte, die 2019 in Genua begannen, als die Hafenarbeiter den Hafen blockierten, um die Einhaltung des Gesetzes 185/1990 zu fordern, das den Versand von Waffen in Kriegsgebiete verbietet. Damals war der Empfänger Saudi-Arabien, das den Jemen bombardierte. (siehe kommunisten.de, 24.9.2019: Hafenarbeiter in Genua verweigern Verladung von Kriegsmaterial)
Mit dem Krieg um die Ukraine und dem israelischen Vernichtungskrieg in Gaza haben die Waffenlieferung noch weiter zugenommen. Als Reaktion darauf nahmen auch die Mobilisierungen zu und breiteten sich auf Häfen von Livorno, Neapel und nach und nach auf andere Häfen aus.
Im Mai 2021 hatten die Hafenarbeiter von Ravenna die Lieferung von Waffen an Israel verhindert (siehe kommunisten.de, 27.5.2021: Hafenarbeiter vereiteln Waffenlieferung an Israel)
Am 4. Februar 2025 wurde in Ravenna eine Ladung von Kanonenkomponenten von den Behörden beschlagnahmt, die für Israel bestimmt war. Die Hafenarbeiter hatten mit Streik gedroht.
Mit den Generalstreiks für die Global Sumud Flotilla im vergangenen September und Oktober erreichten die Proteste einen vorläufigen Höhepunkt. In Genua und Livorno, von Triest bis Ancona, von Neapel bis Salerno, wurde der Handelsverkehr zu blockiert. In Genua gingen Zehntausende Menschen auf die Straße, mit drei Kundgebungen im Hafen. Die Gewerkschaft CGIL hatte sich am Fährterminal versammelt, während USB, SiCobas, Cub und die Hafenarbeiter von CALP die Zufahrt Albertazzi besetzten, wo sich später auch Studenten anschlossen und den Verkehr und die Zufahrten zum gesamten Hafengebiet blockierten. (siehe kommunisten.de, 26.9.2025: Italien: Generalstreik für Gaza und 5.10.2025: Weltweit für Gaza)
Genua, 22.9.2025: Blockade des Hafens
Ähnliche Proteste gab es in Griechenland, wo im vergangenen Juli die Hafenarbeiter von Piräus Munitionslieferungen für Tel Aviv blockierten.
"Wir wollen unsere Arbeit nicht der Rüstungsindustrie widmen", sagt Markos Bekris, Vorsitzender der griechischen Hafenarbeitergewerkschaft ENEDEP. "Die europäischen Häfen dürfen nicht zur logistischen Basis Israels für das Massaker an den Palästinensern werden. Die internationale Mobilisierung dient dazu, die Stimmen in einem gemeinsamen Protest gegen alle Kriege, Ungleichheiten und AUSBeutung zu vereinen.“
"Der Transit von Waffen ist sowohl ein rechtliches als auch ein ethisches Problem“, sagt José Nivoi, nationaler Koordinator der USB für Hafenarbeiter und Sprecher des Autonomen Hafenarbeiterkollektivs CALP in Genua. "Wir wollen nicht Komplizen eines Handels sein, der dazu dient, unschuldige Erwachsene und Kinder zu töten.“
"Die Kriegswirtschaft hat bereits unsere Löhne gekürzt, unsere Rechte ausgehöhlt und wichtige öffentliche Dienstleistungen zerstört."
Erklärung der italienischen Basisgewerkschaft USB
Die Organisatoren haben den Protest mit einem anderen grundlegenden Thema verknüpft, nämlich dem der Löhne: "Das Gehalt eines Hafenarbeiters liegt zwischen 1.700 und 2.500 Euro pro Monat, je nach Schicht“, erklärt Nivoi. "Bis vor wenigen Jahren war das ein angemessener Betrag, aber seit dem Beginn des Krieges in der Ukraine sind die Inflation, die Energie- und Lebensmittelpreise sowie die Hypothekenzinsen gestiegen. Die Vertragsverlängerung sieht eine Erhöhung um 120 Euro netto pro Monat ab 2027 vor, was nicht ausreicht, um die gestiegenen Lebenshaltungskosten zu decken.“ All dies", so schließt er, "während die Reeder ihre Gewinne enorm gesteigert haben und die Regierungen in die Aufrüstung statt in Renten und Unterstützung für die Armen investieren“.
Runter mit der Rüstung - Rauf mit den Löhnen
Die Hafenarbeiter befürchten, auch aufgrund der zunehmenden Automatisierung beim Be- und Entladen ihren Arbeitsplatz zu verlieren. Randstad bestätigt, dass die Zahl der Hafenarbeiter zwischen 1980 und 2020 um 28 % zurückgegangen ist, während der Güterverkehr um 21 % zugenommen hat. Davon profitierten große Reedereien wie die italienisch-schweizerische MSC, die mit 20 % der globalen Seelogistik und einer Flotte von 963 Containerschiffen führend ist. Allein im letzten Jahr wurden dank Rekordumsätzen über hundert Schiffe gekauft oder gechartert. Im Jahr 2022 (letzte veröffentlichte Bilanz) erreichte das Unternehmen einen Umsatz von 86,4 Milliarden Euro und einen Nettogewinn von 36,2 Milliarden Euro. Diese Ungleichheiten betreffen nicht nur die Hafenarbeiter, sondern alle Bürger.
"Der Streik am Freitag ist kein isoliertes Ereignis", erklärt Cinzia Della Porta vom Vorstand der USB. "Wir werden unseren Kampf als klassenorientierte Gewerkschaft fortsetzen und den Widerstand gegen den Krieg mit sozialen Kämpfen um Löhne, öffentliche Dienstleistungen und Arbeiterrechte verbinden.
Wir werden weiterhin die internationale Koordination zwischen den Arbeitern vorantreiben, insbesondere in strategischen Sektoren wie Häfen, Logistik, Transport und öffentlichen Dienstleistungen. Die USB wird weiterhin gegen die Kriegsökonomie, gegen Waffenlieferungen, gegen die Beteiligung Italiens an NATO-Kriegen kämpfen, gegen Waffenlieferungen an die Ukraine, in Solidarität mit dem palästinensischen Volk gegen den Genozid in Gaza. Unser Kampf gegen den Krieg ist untrennbar mit dem Kampf für soziale Gerechtigkeit und die Würde der Arbeiter verbunden. Wir werden unseren Kampf in Italien und auf internationaler Ebene innerhalb des Dachverbandes World Federation of Trade Unions (WFTU) fortsetzen."




