Internationales

02.04./ ergänzt 03.und 04.04.2024: In der Nacht von Sonntag auf Montag hat Tel Aviv seine Truppen aus dem Al Shifa Krankenhaus in Gaza-Stadt abgezogen. Überall liegen Leichen. Berichte über summarische Hinrichtungen von Zivilist:innen. ++ Francesca Albanese: Israel überschreitet alle roten Linien ++ Israelischer Luftangriff tötet Mitarbeiter von Hilfsorganisation ++ Angriff auf iranische Botschaft in Syrien ++ Neue US-Waffenlieferung an Israel ++ UN-Sonderberichterstatterin Francesca Albanese: "Es ist Zeit für ein Waffenembargo und Sanktionen"

 

Vom Al Shifa-Krankenhaus in Gaza-Stadt, aus dem sich die israelischen Truppen in der Nacht von Sonntag auf Montag zurückgezogen haben, ist nicht mehr viel übrig. Das Al-Shifa war einst das größte Krankenhaus in den besetzten Gebieten. Es versorgte 30 Prozent des Bedarfs in Gaza. Jetzt gibt es es nicht mehr. Wenn der Plan von Anfang an darin bestand, den Gazastreifen unbewohnbar zu machen, dann war die Zerstörung von Al-Shifa für dieses Projekt unerlässlich.

Bereits Mitte November hatte das israelische Militär das Krankenhaus besetzt und anschließend einen Propagandafilm veröffentlicht, in dem behauptet wurde, dass im Keller Waffen gefunden worden seien. Eine eindeutige Hamas-Präsenz, geschweige denn eine Kommandozentrale, konnte Israel nicht nachweisen. Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte Volker Türk sagte am 17. November, dass man "ein Krankenhaus nicht angreifen darf, wenn keine eindeutigen Beweise vorliegen". Türk forderte eine Untersuchung, aber die Angelegenheit war für Israel bereits im Voraus abgeschlossen. Das Krankenhaus war bereits angegriffen und ausgeschaltet, die Öffentlichkeit mussten nur noch der israelischen Propaganda glauben.

Dies wurde zur Blaupause für die folgenden Angriffe auf die übrigen Krankenhäuser im Gazastreifen, eine Kampagne, die Forensic Architecture als "systematisches Muster der Einschüchterung und Gewalt durch das israelische Militär im Rahmen der laufenden Invasion" bezeichnet. Israel will den Zusammenbruch der sozialen Ordnung im Gazastreifen herbeiführen, und dazu muss es seine Krankenhäuser zerstören.

Am 18. März geriet das Al Shifa Krankenhaus zum zweiten Mal ins Visier des israleischen Militärs - zwei Wochen lang Überfälle, Maschinengewehrfeuer, Luftangriffe, Explosionen, Brände und Razzien. Nach Angaben der Palästinensischen Rote Halbmond-Gesellschaft (PRCS) wurden bei der Razzia Krankenhausgebäude von israelischen Streitkräften in Brand gesetzt, und Zivilschutzteams durften die Feuer nicht löschen. Das wichtigste Gesundheitszentrum des Gazastreifens, das am besten ausgestattete und spezialisierte Zentrum, besteht nur noch aus Trümmern und von Flammen geschwärzten Gebäuden. Es hat praktisch aufgehört zu existieren; es wird zig Millionen Dollar kosten, um die Schäden an den Gebäuden zu beheben und neue Geräte zu kaufen. Derzeit sind im südlichen Gazastreifen nur noch vier Krankenhäuser mit minimaler Kapazität in Betrieb, die über 80 % der Bevölkerung versorgen müssen.

Gazakrieg AlShifa noerdliche Nachbarschaft 2024 04 01Ganze Stadtteile in der Nähe des Al-Shifa-Krankenhauses wurden während der israelischen Belagerung zerstört (Foto: MEE/Mohammed al-Hajjar)

Augenzeugen berichteten von Tod und Zerstörung in dem medizinischen Komplex, in dem zahlreiche vertriebene Palästinenser Zuflucht gefunden hatten.

"Hier gibt es kein Leben. Der Komplex liegt in Trümmern und kann nicht wiederbelebt werden."
Ismail al-Ghoul von Al Jazeera in einem Bericht aus dem al-Shifa

"Die Gebäude aller Abteilungen sind verbrannt, und die Struktur des Komplexes ist von innen beschädigt worden", so Ismail al-Ghoul von Al Jazeera in einem Bericht aus dem Al Shifa. "Nach dem, was wir sehen können, scheint es, dass die Besatzungstruppen absichtlich den Gesundheitssektor ins Visier genommen und den größten medizinischen Komplex in Gaza-Stadt zerstört haben."

 

Gazakrieg AlShifa Klinik WHO Video 2024 04 07Video: Mitarbeiter der WHO inspizieren das völlig zersörte Al-Shifa-Krankenhauses. WHO-Chef Tedros Ghebreyesus sagte, das Krankenhaus sei in Schutt und Asche gelegt worden, zurückgeblieben sei eine "leere Hülle mit menschlichen Gräbern".
https://twitter.com/QudsNen/status/1777002426312146970

Mit der Zerstörung der Klinik werde dem Gesundheitssystem im Gazastreifen das Herz ausgerissen, sagt WHO-Sprecherin Margaret Harris.

Gazakrieg AlShifa 2024 04 01 3Al Shifa Krankenhaus, 1. April 2024 (Foto: MEE/Mohammed al-Hajjar)

 

Bilder zeigten Hunderte von Menschen, die auf den Erd- und Schuttbergen auf und ab gingen, in die Panzer und Bulldozer den Innenhof des Al Shifa Krankenhauses verwandelt hatten. Rund um das Krankenhaus wurden Gebäude zerstört oder durch die Explosionen und Brände schwer beschädigt. Planierraupen der Armee haben einen Behelfsfriedhof auf dem Krankenhausgelände umgepflügt. "Die Besatzung hat jegliches Leben hier zerstört", sagte einer der Anwohner.

Gazakrieg AlShifa Klinik von MSF 2024 04 01Die israelische Armee hat auch die Klinik der Ärzte ohne Grenzen in der Nähe des Al-Schifa-Krankenhauses zerstört.

 

Das Gesundheitsministerium des Gazastreifens und Augenzeugen berichteten über den Fund von Hunderten von Leichen - darunter mit Hand- und Fußschellen
gefesselte -, von denen einige verwest oder verstümmelt waren, die in und um den medizinischen Komplex gefunden wurden. Manche von ihnen seien von abziehenden Fahrzeugen überrollt worden.

Vor allem aber prangerten sie die summarischen, kaltblütigen Hinrichtungen an, die das israelische Militär bei der Jagd auf Hamas- und Dschihad-Kämpfer und politische Führer durchgeführt haben soll. Selbst Ärzte und Krankenschwestern wurden in den vergangenen zwei Wochen nicht verschont, wie von lokalen Medien zitierte Zeugen berichteten.

Israel exekutierte medizinisches Personal während des Angriffs auf das Al Shifa Krankenhaus, sagt Dr. Tanya Haj-Hassan von Ärzte ohne Grenzen MSF

 

"Die Situation ist katastrophal. Vom medizinischen Personal wurden einige getötet, andere gefoltert, andere inhaftiert und verschleppt", sagte Raed al-Nims, ein Sprecher des Palästinensischen Roten Halbmonds PRCS, gegenüber Al-Jazeera. "Augenzeugenberichten und offiziellen Berichten zufolge wurden viele der Zivilisten hingerichtet. Sie wurden von den israelischen Streitkräften getötet, darunter medizinisches Personal, Ärzte und Krankenschwestern. Sie wurden von den israelischen Soldaten gezielt hingerichtet."

Gazakrieg AlShifa Aerzte 2024 04 03Unter der Leitung von Dr. Marwan Abu Saada, dem Krankenhausdirektor des Al-Shifa-Krankenhauses, improvisieren Ärzte des Krankenhauses eine achtminütige Pressekonferenz vor dem zerstörten Krankenhaus.
https://twitter.com/Malcolm_Ishmeal/status/1775425504029655544

 

Einundzwanzig Patient:innen wurden bei den israelischen Angriffen getötet, weitere 107 befinden sich noch im Krankenhaus, darunter vier Kinder, warnt die WHO. Der Generaldirektor der WHO, Tedros Adhanom Ghebreyesus, bekräftigte auf X, dass "Krankenhäuser respektiert und geschützt werden müssen; sie dürfen nicht als Schlachtfelder benutzt werden". Worte, die an Israel gerichtet waren, aber vielleicht auch an die Hamas, die nicht geleugnet hat, dass ihre Männer in dem Krankenhaus waren, die sie als verantwortlich für humanitäre Fragen bezeichnete. Die islamische Widerstandsbewegung hat stets bestritten, eine Militärbasis in Al Shifa eingerichtet zu haben, ein Argument, das Israel beim Angriff auf das Krankenhaus im vergangenen November und auch jetzt wieder verwendet hat.

 

Der norwegische Arzt Dr. Mads Gilbert aus Tromso, der lange Zeit in Gaza gearbeitet hat, unter anderem im Al-Shifa-Krankenhaus, sagt, die Belagerung der Einrichtung habe ihr Fortbestehen zerstört. "Die israelischen Besatzungstruppen haben heute Nacht 78 Jahre tapferer medizinischer Geschichte beendet", sagte Gilbert gegenüber Al Jazeera .
Das Krankenhaus wurde 1946 erbaut und war das wichtigste Aushängeschild für die Gesundheitsversorgung der Menschen im Gazastreifen, sagte er.
"Dies ist ein so trauriger Tag, ich habe den ganzen Morgen geweint."
Unterdessen ist das Schicksal der 107 kritischen Patienten, die vor zwei Tagen in einen alten Teil des medizinischen Komplexes verlegt worden waren, nach wie vor unbekannt, so Gilbert.
Die Leute suchen jetzt nach Leichen und finden "die schrecklichsten verwesten Leichen mit Maden, die aus den Augen kommen".
"Die Maden, die jetzt aus den Leichen im al-Shifa-Krankenhaus kriechen, sind in Wirklichkeit Maden, die aus den Augen von Präsident Biden und den EU-Führern kommen, die nichts tun, um diesen schrecklichen, schrecklichen Völkermord zu stoppen", sagte der Arzt.

 

Israel: eine der erfolgsreichsten Operationen

Das israelische Militär bezeichnete die Razzia als eine der erfolgreichsten Operationen des seit fast sechs Monaten andauernden Krieges in Gaza. Es gab an, zahlreiche Hamas-Kämpfer, darunter auch hochrangige Vertreter, getötet zu haben. Ein Sprecher sagte, es seien rund 900 mutmaßlich "militante" Personen verhaftet und Waffen, wertvolle Geheimdienstinformationen und über 3 Millionen Dollar in verschiedenen Währungen beschlagnahmt worden, ohne dass Patient:innen oder Zivilist:innen zu Schaden gekommen seien. Dazu veröffentlichte Aufnahmen sollen in dem Krankenhaus-Komplex sichergestellte Waffen und Geld zeigen, die von der Hamas und der militanten Palästinensergruppe Islamischer Dschihad verwendet worden seien.
"Die Truppen haben ihre präzisen Operationen im Bereich des Shifa-Krankenhauses abgeschlossen und das Gebiet verlassen", teilte das israelische Militär mit.

 

Gazakrieg totes Maedchen 2024 03 19Totes Mädchen im Al Shifa Krankenhaus, 19.3.2024
Israels Premier Benjamin Netanyahu sagte am Sonntag, in dem Gebiet der Klinik seien mehr als 200 Terroristen getötet worden. 

 

Für Verteidigungsminister Gallant hat der Angriff auf das Krankenhaus in Gaza-Stadt Israel sogar "dem Ziel des Zusammenbruchs der Hamas näher gebracht und deutlich gemacht, dass sich die Organisation von innen heraus auflöst". Anschließend lobte er die Truppen und Geheimdienste, die an dem Angriff beteiligt waren oder dazu beigetragen haben.

Nun sind zwei weitere palästinensische Krankenhäuser umstellt, das Amal und das Nasser in Khan Yunis, und es besteht die Gefahr, dass sie das gleiche Schicksal erleiden wie das Al Shifa. Bei einem israelischen Luftangriff auf das Al-Aksa-Krankenhaus sind nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Sonntag vier Menschen getötet und 17 weitere verletzt worden, darunter vier Journalist:innen. Ein Team der WHO sei Augenzeuge des Angriffs gewesen, teilte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus im Onlinedienst X mit. Israel behauptet, im Innenhof des Al-Aksa-Krankenhauses habe sich mutmaßliche eine Kommandozentrale des Palästinensischen Islamischen Dschihad befunden.

 

Israelischer Luftangriff tötet Mitarbeiter von Hilfsorganisation

Bei einem vom israelischen Militär ausgeführten Drohnenangriff wurden am Montag (1.4.) sieben Mitarbeiter der Hilfsorganisation World Central Kitchen (WCK) getötet. Auf ihrer Website schrieb WCK, die sieben Getöteten kämen aus Australien, Polen, dem Vereinigten Königreich und den Palästinensischen Gebieten; eine Person habe die doppelte Staatsbürgerschaft Kanadas und der Vereinigten Staaten. WCK erklärte, die israelischen Streitkräfte hätten "trotz Absprachen" einen Konvoi angegriffen, "als er das Lager in Deir al-Balah verließ". Das Team habe dort 100 Tonnen Nothilfe abgeladen, die Stunden zuvor mit einem Schiff aus Zypern eingetroffen waren.

Gazakrieg Dayman Sobol von World Central Kitchen 2024 04 01Das ist Damian Sobol, ein polnischer Staatsbürger, der bei World Central Kitchen arbeitete und am Montag vom israelischen Militär ermordet wurde.

Gazakrieg killed WCK workers 2024 04 01
Satellitenbilder zeigen den Abstand zwischen den einzelnen bombardierten Fahrzeugen mit dem WCK-Logo und wie die israelische Besatzungsarmee sich Zeit nahm, um die gesamte Besatzung mit Präzision und Vorsatz zu eliminieren.
Das zweite Fahrzeug wurde bombardiert, nachdem es die Überlebenden des ersten Fahrzeugs gerettet hatte, während das dritte Fahrzeug bombardiert wurde, nachdem es die Überlebenden des zweiten Fahrzeugs gerettet hatte.

Gazakrieg killed WCK workers Satellite images 2024 04 01


Die US-Hilfsorganisation kündigte an, ihre Arbeit vorerst auszusetzen. Auch andere Hilfsorganisationen sehen von Lieferungen ab, es sei zu gefährlich, Lastwagenkonvois in den Norden zu schicken. Dem UNRWA, der wichtigsten UN-Organisation im Gazastreifen, hat Israel Nahrungsmittelkonvois in den nördlichen Gazastreifen untersagt, wo 70% der Palästinenser:innen mit der größten Lebensmittelknappheit konfrontiert sind.

UN: "Unvermeidliches Resultat" der Kriegsführung

Die Vereinten Nationen erhoben schwere Vorwürfe gegen Israel. Der Vorfall sei "ein unvermeidliches Resultat dessen, wie dieser Krieg aktuell geführt wird", sagte UN-Sprecher Stéphane Dujarric. Er verwies dabei auf UN-Zahlen, wonach in Gaza bislang mehr als 180 humanitäre Helfer getötet worden seien. Der Tod der Mitarbeiter von WCK zeige "eine Missachtung des humanitären Völkerrechts und eine Missachtung des Schutzes von humanitären Arbeitern" auf, den das Gesetz eigentlich vorschreibe, erklärte Dujarric.

"Da ich weiß, wie Israel operiert, gehe ich davon aus, dass die israelischen Streitkräfte die #WCK-Mitarbeiter absichtlich getötet haben, damit sich die Geber zurückziehen und die Zivilbevölkerung im Gazastreifen weiterhin in Stille verhungern kann. Israel weiß, dass die westlichen Länder und die meisten arabischen Länder keinen Finger für die Palästinenser rühren werden."
Francesca Albanese, UN-Sonderberichterstatterin, https://twitter.com/FranceskAlbs/status/1775243387043471706


Der Angriff auf den Hilfskonvoi ist weder Versehen noch Zufall. Für Israel sind die Angriffe auf Hilfskonvois und Hilfsorganisationen sowie die gezielte Zerstörung von Infrastruktur und vor allem der medizinischen Versorgung integraler Bestandteile der Strategie des Vernichtungskrieges. Dies geht aus einem Anfang November vergangenen Jahres durchgesickerten Dokuments der Netanjahu-Regierung zur ethnischen Säuberung des Gazastreifens hervor (siehe kommunisten.de, 3.11.2023: "Wieder eine Nakba? Durchgesickerte Dokumente bestätigen israelischen Plan, Palästinenser:innen nach Ägypten zu vertreiben")

In der Zwischenzeit hat Israel der UNO einen Vorschlag zur Auflösung des UNRWA, der Agentur zur Unterstützung palästinensischer Flüchtlinge, unterbreitet. Die britische Zeitung "The Guardian" berichtet, dass der israelische Generalstabschef, General Herzi Halevi, den UN-Beamten, die Israel besuchten, den Antrag Ende letzter Woche vorgelegt hat.

Angriff auf iranische Botschaft in Syrien

In Damaskus ist bei einem israelischen Raketenangriff ein Konsulatsgebäude des Irans zerstört worden. Mehrere Menschen starben. Unter den Toten sind auch zwei Generäle der Revolutionsgarden. Irans Präsident Ebrahim Raissi teilte laut der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim mit, die Attacke in Damaskus werde nicht unbeantwortet bleiben.

Bereits am Freitag waren bei schweren israelischen Luftangriffen im Nordwesten Syriens in der Provinz Aleppo mehr als 50 Menschen getötet worden. Der Beobachtungsstelle für Menschenrechte zufolge waren die meisten Opfer syrische Militärangehörige. Auch Mitglieder der schiitischen Hisbollah-Miliz seien unter den Opfern gewesen, hieß es.

Die Angriffe zeigen, dass die israelische Regierung auf eine Eskalation des Konflikts zusteuert. Sie provoziert den Iran und Syrien zu Gegenschlägen. Die Gefahr einer größeren Auseinandersetzung zumindest zwischen Israel und Iran und damit auch zwischen Israel und der Hisbollah ist sehr stark gewachsen.

Ali Vaez, der Leiter des Iran-Projekts der International Crisis Group, ist der Meinung, dass die Gefahr einer Ausweitung des Konflikts bestehe, dass dies aber für Israel nicht von allzu großer Bedeutung sein könnte.

"Das bringt Israel in eine Win-Win-Situation, denn Israel weiß, dass der Iran nicht in einen regionalen Krieg hineingezogen werden will. Wenn es also seine Angriffe gegen iranische Einrichtungen und Mitarbeiter in Syrien ausweitet, wird es wahrscheinlich keine Kosten verursachen, und wenn der Iran antwortet und Vergeltung übt, wird dies zu einem gerechtfertigten Vorwand für eine Ausweitung des Krieges."

"An dem Tag, an dem Israel eine ausländische Botschaft in einem Drittland bombardierte, tötete es auch humanitäre Helfer von World Central Kitchen. Israel überschreitet jede mögliche rote Linie, immer noch völlig ungestraft. Jetzt Sanktionen. Jetzt Anklagen."
Francesca Albanese, UN-Sonderberichterstatterin; https://twitter.com/FranceskAlbs/status/1775104162818072830

Spannungen zwischen Autonomiebehörde und Hamas

In diesen Stunden steigen die Spannungen zwischen der Palästinensischen Autonomiebehörde in Ramallah und der Hamas, nachdem Agenten des Sicherheitsdienstes auf Befehl von Abu Mazen, dem Präsidenten der Autonomiebehörde, in der Nacht zum Samstag gemeinsam mit dem ägyptischen Roten Halbmond und mit israelischer Genehmigung, aber ohne Abstimmung mit der islamischen Bewegung, einen humanitären Konvoi vom Rafah-Übergang nach Gaza eskortiert hatten. Die Hamas reagierte mit der Verhaftung von 10 Agenten der Autonomiebehörde. Zwei weitere Agenten wurden unter ungeklärten Umständen am Kuwait-Kreisel getötet.

Minister fordert jüdische Besiedelung von Gaza

Der für die Entwicklung des Negev und Galiläas zuständige israelische Minister Yitzhak Wasserlauf von der rechtsextremen Partei Eretz Jisra'el Shelanu forderte gestern erneut den Wiederaufbau der jüdischen Siedlungen im Gazastreifen, um einen "totalen Sieg" über die Hamas zu erreichen. "Ein totaler Sieg bedeutet die Rückkehr in die Siedlungen. Dies ist die Strafe (der Hamas) für das, was sie am 7. Oktober getan hat. Wenn wir das nicht tun würden, wären unsere Soldaten umsonst gefallen", sagte Wasserlauf, der die Armee aufforderte, so bald wie möglich einen Bodenangriff auf Rafah zu starten.

Die jüngste Offensive, wie sie genannt wird, sollte gestern in einer Videokonferenz zwischen Israel und den USA besprochen werden, wie vier israelische und US-amerikanische Beamte dem Nachrichtenportal Axios zufolge mitteilten. Das Treffen sollte eigentlich schon letzte Woche stattfinden, aber Israel beschloss, es abzusagen, nachdem die USA ihr Vetorecht im UN-Sicherheitsrat am 25. März nicht ausgeübt hatten, um die Verabschiedung einer sofortigen Waffenstillstandsresolution im Gazastreifen zu ermöglichen. CNN zufolge werden die USA Israel "Alternativen" anbieten, um sein Ziel der "Zerschlagung" der Hamas zu erreichen, ohne einen Angriff im südlichen Teil des Gazastreifens zu starten.

Neue US-Waffenlieferung an Israel

Die Washington Post berichtet, dass die USA am selben Tag, an dem bei israelischen Luftangriffen sieben humanitäre Helfer im Gazastreifen getötet wurden, die Lieferung von Tausenden von Bomben an Israel genehmigt haben. Ungeachtet der Differenzen zwischen Netanjahu und US-Präsident Biden erwägt die US-Regierung die Freigabe eines weiteren 18 Milliarden Dollar schweren Rüstungspakets für Israel. Das Paket beinhalte unter anderem F-15-Flugzeuge und Munition. Dieser Verkauf ist unabhängig von der 14 Milliarden Dollar schweren Hilfe für Israel, um deren Genehmigung Biden den Kongress im Rahmen eines umfassenden 95 Milliarden Dollar schweren Zusatzpakets für die nationale Sicherheit gebeten hat, das auch Hilfen für die Ukraine und Taiwan enthält.

Washington gewährt Israel jährlich 3,8 Mrd. USD an Militärhilfe, und die Regierung hat sich bisher gegen Forderungen gewehrt, den Waffentransfer an Bedingungen zu knüpfen, obwohl hochrangige US-Beamte Israel wegen der hohen Zahl der zivilen Todesopfer kritisiert haben. Vergangene Woche erklärte das Außenministerium jedoch, es habe bei keinem Vorfall eine Verletzung des humanitären Völkerrechts durch Israel festgestellt.

Israel will Krieg bis zum Endsieg

Die israelischen Behörden haben bereits erklärt, dass sie den Krieg fortsetzen wollen, bis sie die Hamas endgültig besiegt haben, und behaupteten, dass nicht einmal der Internationale Gerichtshof (IGH) sie daran hindern könne.

Israel wird derzeit vor dem IGH wegen Verstoßes gegen die Völkermordkonvention angeklagt, nachdem Südafrika eine Klage eingereicht hat. In der Zwischenzeit hat das Gericht Israel noch einmal aufgefordert, Maßnahmen zu ergreifen, um Völkermord in Gaza zu verhindern und die Lieferung humanitärer Hilfe zu ermöglichen.

Letzte Woche legte die UN-Menschenrechtsexpertin Francesca Albanese dem UN-Sicherheitsrat einen Bericht vor, in dem sie feststellte, dass Israel in seinem Krieg gegen den Gazastreifen mehrere Akte des Völkermords begangen hat und ein Waffenembargo gegen das Land verhängt werden sollte. (siehe kommunisten.de, 27.3.2024: "UN-Bericht: Anatomie eines Völkermordes")

Der Krieg begann am 7. Oktober im Anschluss an den Hamas-Angriff in Israel, bei dem etwa 1.100 Menschen getötet und fast 250 Menschen von der bewaffneten Gruppe gefangen genommen wurden.

Israel antwortete mit einem Vernichtungskrieg aus der Luft, zu Lande und zu Wasser, bei dem mehr als 32 000 Palästinenser:innen, davon 70 Prozent Frauen und Kinder, getötet, der größte Teil der Bevölkerung des Gebiets vertrieben, Gaza in eine unbewohnbare Mondlandschaft gebombt und ein Drittel der Bewohner an den Rand einer Hungersnot getrieben wurde. 600 israelische Soldaten wurden getötet, von denen 256 bei Kämpfen in Gaza gefallen sind.

UN-Sonderberichterstatterin Francesca Albanese: "Es ist Zeit für ein Waffenembargo und Sanktionen"

Francesca Albanese Interview 2024 04 02UN-Sonderberichterstatterin Francesca Albanese: "Es ist Zeit für ein Waffenembargo und diplomatische, politische und wirtschaftliche Sanktionen gegen das israelische Regime wegen seines Völkermordes. .. Die fortwährende Nakba muss ein für alle Mal gestoppt und behoben werden. Dies ist ein Gebot, das den Opfern dieser höchst vermeidbaren Tragödie und den künftigen Generationen in diesem Land geschuldet ist."
https://twitter.com/UN_SPExperts/status/1775139192231608322


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Wir unterhalten uns über den israelischen Vernichtungskrieg, die Rolle Deutschlands (am 8. und 9. April findet beim Internationalen Gerichtshof in Den Haag die Anhörung über die Klage Nicaraguas gegen Deutschland wegen Beihilfe zum Völkermord statt), die Situation in Gaza und dem Westjordanland und den "Tag danach".

Onlineveranstaltung der marxistischen linken
Donnerstag, 18. April, 19 Uhr

https://us02web.zoom.us/j/82064720080
Meeting-ID: 820 6472 0080


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Ratschlag marxistische Politik:

Gewerkschaften zwischen Integration und Klassenkampf

Samstag, 20. April 2024, 11:00 Uhr bis 16:30 Uhr
in Frankfurt am Main

Es referieren:
Nicole Mayer-Ahuja, Professorin für Soziologie, Uni Göttingen
Frank Deppe, emer. Professor für Politikwissenschaft, Marburg

Zu diesem Ratschlag laden ein:
Bettina Jürgensen, Frank Deppe, Heinz Bierbaum, Heinz Stehr, Ingar Solty

Anmeldung aufgrund begrenzter Raumkapazität bis spätestens 13.04.24 erforderlich unter:
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UNRWA Gazakrieg Essenausgabe

UNRWA Nothilfeaufruf für Gaza
Vereint in Menschlichkeit, vereint in Aktion

Mehr als 2 Millionen Menschen, darunter 1,7 Millionen Palästina-Flüchtlinge, zahlen den verheerenden Preis für die Eskalation im Gazastreifen.
Zivilisten sterben, während die Welt zusieht. Die Luftangriffe gehen weiter. Familien werden massenweise vertrieben. Lebensrettende Hilfsgüter gehen zur Neige. Der Zugang für humanitäre Hilfe wird nach wie vor verweigert.
Unter diesen Umständen sind Hunderttausende von Vertriebenen in UNRWA-Schulen untergebracht. Tausende unserer humanitären Helfer sind vor Ort, um Hilfe zu leisten, aber Nahrungsmittel, Wasser und andere lebenswichtige Güter werden bald aufgebraucht sein.
Das UNRWA fordert den sofortigen Zugang zu humanitärer Hilfe und die Bereitstellung von Nahrungsmitteln und anderen Hilfsgütern für bedürftige Palästina-Flüchtlinge.
Dies ist ein Moment, der zum Handeln auffordert. Lassen Sie uns gemeinsam für die Menschlichkeit eintreten und denjenigen, die es am meisten brauchen, die dringend benötigte Hilfe bringen.

Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge

Spenden: https://donate.unrwa.org/gaza/~my-donation


 

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