Aus Bewegungen und Parteien

08-05.2026: Die Flotilla-Aktivisten Thiago Ávila und Saif Abu Keshek in israelisches Gefängnis verschleppt. Vorwurf:  Mitgliedschaft in einer Terrororganisation ++ Staatsanwaltschaft Rom ermittelt wegen Freiheitsberaubung ++ Hilfsflotte setzt ihre Fahrt fort. Nächster Halt: Türkei. Danach: der Gazastreifen. ++ Washington erwartet von Verbündeten "entschiedene Maßnahmen" gegen die Flotille ++ Andrea Sceresini berichtet von Bord der Global Sumud Flotille

 

Am 29. April waren Schiffe der Internationalen Hilfsflotte für Gaza von der israelischen Marine in einem Akt der Piraterie internationalen Gewässern vor Kreta geentert und die Besatzungen verhaftet worden. (siehe kommunisten.de, 30.4.2026: Israelischer Piratenakt: Schiffe der Hilfsflotte für Gaza in internationalen Gewässern gekapert)

Die 181 festgenommenen Aktivist:innen wurden später an Griechenland übergeben, mit zwei Ausnahmen: der Brasilianer Thiago Ávila und der spanisch-palästinensische Aktivist Saif Abu Keshek wurden nach Israel verschleppt und sind im Shikma-Gefängnis in Ashkelon inhaftiert. Die israelischen Behörden werfen ihnen u.a "Unterstützung des Feindes in Kriegszeiten" sowie die Mitgliedschaft in und Unterstützung einer Terrororganisation vor.

Global Sumud Flotilla2026 Thiago Avila Saif Keshek GerichtThiago Ávila und Saif Abu Keshek bei Anhörung vor israelischem Gericht


Nach Angaben ihrer Anwälte wurden sie stundenlang unter extremen Bedingungen verhört: Schläge, Drohungen und Demütigungen, völlige Isolation, Schlafentzug. Die Anwältin Lubna Tuma, die Àvila besuchen durfte, sagte: "Als ich ihn traf, war er am ganzen Körper mit deutlich sichtbaren Blutergüssen übersät, und sein linkes Auge war geschwollen. Jetzt sitzt er in einer Zelle ohne Fenster." Seit der Festnahme sitze er in Isolationshaft, "mit gefesselten Händen und verbundenen Augen", so die Anwältin. Der israelische Geheimdienst Schin Bet habe ihn beschuldigt, einer terroristischen Organisation anzugehören. "Als wir jedoch um Informationen zu den Anklagepunkten baten, weigerten sie sich, uns diese zu geben."

Die israelischen Behörden haben zwar den Einsatz von Gewalt während der Enterung der Flottille eingeräumt, jedoch jeden Vorwurf der Folter zurückgewiesen.

Die Anwälte von Thiago Ávila und Saif Abu Keshek stellen die Zuständigkeit der israelischen Justiz infrage. Die Aktivisten seien in internationalen Gewässern festgesetzt worden, argumentierten die Anwälte.

Zudem fanden die Festnahmen auf einem unter italienischer Flagge fahrenden Schiff statt, das somit der italienischen Gerichtsbarkeit unterliegt: eine Entführung im wahrsten Sinne des Wortes, zu der die Staatsanwaltschaft Rom inzwischen Ermittlungen aufgenommen hat, in der unter anderem auch der Straftatbestand der Freiheitsberaubung in Betracht gezogen wird.

Aus Genua drohen die Hafenarbeiter vom Kollektiv der Autonomen Hafenarbeiter CALP mit einem Aufruf zum Generalstreik, wenn Thiago und Saif nicht aus den israelischen Gefängnissen freigelassen werden!

Die Regierungen Brasiliens und Spaniens haben den kriminellen Überfall und die Verschleppung der beiden Aktivsten scharf verurteilt und die sofortige Freilassung verlangt. Die EU und Deutschland schweigen. Die Freiheit des internationalen Schiffsverkehrs spielt in diesem Fall wie auch bei der US-Blockade gegen Kuba keine Rolle.

"Es ist kein Verbrechen, Solidarität zu zeigen und zu versuchen, humanitäre Hilfe für die palästinensische Bevölkerung im Gazastreifen zu leisten"
Thameen al Kheetan, Sprecher des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte

Eine klare Stellungnahme zum Fall der beiden "ohne jegliche Anklage" inhaftierten Personen kam von Thameen al Kheetan, Sprecher des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte, der die "sofortige Freilassung" der beiden Gefangenen fordert. "Es ist kein Verbrechen, Solidarität zu zeigen und zu versuchen, humanitäre Hilfe für die palästinensische Bevölkerung im Gazastreifen zu leisten, die sich in einer Situation extremer Not befindet", sagte der Beamte. "Die beunruhigenden Berichte über schwere Misshandlungen, denen Abu Keshek und Ávila ausgesetzt waren, müssen untersucht werden, und die Verantwortlichen müssen vor Gericht zur Rechenschaft gezogen werden." Der UN-Sprecher fordert ein "Ende der willkürlichen Inhaftierungen durch Israel und der Anwendung einer weit gefassten und vagen Anti-Terror-Gesetzgebung, die im Widerspruch zum internationalen Menschenrechtsrecht steht".

Beide Aktivisten befinden sich nach Angaben ihrer Anwälte im Hungerstreik, um gegen ihre Haftbedingungen und die Inhaftierung zu protestieren. Offizielle Anklagen wurden bislang nicht erhoben.

Nächster Halt: Türkei. Danach: der Gazastreifen.
Für Palästina und gegen alle Regime der Unmenschlichkeit.

Derweil setzen die restlichen Schiffe der Hilfsflotte ihre Fahrt fort. Nächster Halt: Türkei. Danach: der Gazastreifen. Für Palästina und gegen alle Regime der Unmenschlichkeit.

Nach Medienberichten hat Washington auf Bitte Jerusalems die türkische Regierung aufgefordert, die Schiffe an ihrer Fahrt nach Gaza zu hindern. US-Außenminister Marco Rubio habe entsprechende Botschaften an türkische Regierungsvertreter übermittelt, hieß es in Medienberichten.

Washington erwartet von Verbündeten "entschiedene Maßnahmen" gegen die Flotille

Bereits am Tag nach dem israelischen Überfall (30.4.) hatte der Sprecher des US-Außenministeriums, Tommy Pigott, die Flotte als "unbegründeten, kontraproduktiven PR-Gag" diffamiert. Er sagte, Washington erwarte von den Verbündeten, "entschiedene Maßnahmen zu ergreifen“, darunter die Verweigerung des Hafenzugangs, des Anlegens, der Ausfahrt und des Auftankens für Schiffe, die an der Mission beteiligt sind.

"Die Vereinigten Staaten werden prüfen, wie sie mit den verfügbaren Mitteln Konsequenzen gegen diejenigen verhängen können, die diese pro-Hamas-Flottille unterstützen, und unterstützen die rechtlichen Schritte unserer Verbündeten dagegen", sagte Pigott.

 

 

Global Sumud Flotilla2026 Kurs Tuerkei

 

AN BORD DER GLOBAL SUMUD FLOTILLE

Andrea Sceresini berichtet für il manifesto von Bord der Internationalen Hilfsflotte für Gaza:

Obwohl sie über zwanzig Jahre alt ist, gilt die Bianca, das Boot, auf dem ich mich befinde, als eines der wendigsten der Flottille. Man sagt, sie habe gute Segel, vor allem aber einen zuverlässigen und leistungsstarken Motor, und während der Abfangaktion am 29. April wurde sie ihrem Ruf gerecht, indem sie es schaffte, sich unbeschadet bis an die Grenze der griechischen Hoheitsgewässer durchzuschlängeln. Heute wird die Bianca zusammen mit den anderen 33 Booten, die dem Hinterhalt der IDF entkommen sind, wieder in See stechen, um die Stadt Marmaris in der Türkei zu erreichen.

Von Ierapetra auf Kreta, wo wir uns bis heute Morgen aufhielten, sind es etwa 180 Seemeilen – eine relativ kurze Strecke, die uns jedoch zumindest auf zwei Abschnitten zwingen wird, in internationale Gewässer vorzudringen. Ist es denkbar, dass Israel diese Passagen nutzt, um die Global Sumud Flottille erneut anzugreifen? Und wenn ja, auf welche Weise wird es das tun?

Gestern, als die Vorbereitungen für die Abfahrt auf Hochtouren liefen, wurde praktisch über nichts anderes gesprochen. Das als am wahrscheinlichsten angesehene Szenario ist ein Angriff mit Drohnen, aber es ist nicht auszuschließen, dass die Spezialeinheiten aus Tel Aviv auch neue Entermanöver versuchen könnten. Im Übrigen haben die Männer Netanjahus bewiesen, dass sie auf die Sympathien der Regierung in Athen zählen können, die bei der letzten Abfangaktion offen mit ihnen kooperierte und die alles in allem beschließen könnte, auch bei dieser Gelegenheit "ein Auge zuzudrücken".

Was Ankara betrifft, sieht die Sache hingegen ganz anders aus. Die Türkei – die im Gegensatz zu ihren Nachbarn die Bewegung offen unterstützt – wird von den meisten als eine Art sicherer Hafen angesehen. Diese Perspektive hat jedoch in den letzten Tagen zahlreiche Diskussionen ausgelöst, vor allem unter den Aktivisten, die in den letzten Jahren mit dem kurdischen Widerstand sympathisiert haben und heute zu Recht nichts mit dem "genozidalen Regime Erdogans" zu tun haben wollen. Anscheinend müssen sie sich jedoch damit abfinden.

Zwischen dem 9. und 10. Mai – wie gestern angekündigt wurde – wird die Türkei nämlich eine regelrechte internationale Versammlung der Global Sumud Flotilla ausrichten, bei der "die Teilnehmer, Organisatoren, Partner und internationalen Experten zusammenkommen, um die politische Strategie neu zu bewerten und zu vertiefen sowie den Kurs der Mission zu verfeinern" .

Das bedeutet – vereinfacht gesagt – dass der Weg von Ierapetra nach Marmaris einer langen Pause der Neuausrichtung vorausgehen könnte, in der sich die Aktivisten im Wesentlichen über einige grundlegende Punkte einigen müssen: Inwieweit könnte eine mögliche Fortsetzung der Mission "bis nach Gaza" das Schicksal von Thiago Ávila und Saif Abukeshek, den beiden Sprechern der Bewegung, die sich derzeit in Israel in Haft befinden, negativ beeinflussen? Welchen Grad an Gewalt könnten die nächsten Angriffe der IDF erreichen, je näher man dem Gazastreifen kommt?

Und noch etwas: Ist es wirklich sinnvoll, die 34 verbliebenen Boote (zu denen noch vier aus Sizilien, fünf aus Griechenland und zwölf aus der Türkei hinzukommen werden) in einer Mission zu gefährden, die leider in einer x-ten Razzia enden könnte?

Es sind Fragen, die spalten, heute mehr denn je, auch wenn die meisten Aktivisten – einschließlich derer, die die Gefangenschaft erlebt haben – nach wie vor entschlossen scheinen, bis zum Ende durchzuhalten. "Ich habe dieses ganze Gerede satt", sagt Andrew aus den Vereinigten Staaten, "ich bin hierhergekommen, um nach Gaza zu gelangen, und genau das will ich auch tun." Aber der Weg ist natürlich noch sehr lang.

übernommen von il manifesto, 8.5.2026
eigene Übersetzung

Geschafft: Mehr als eine Million Unterschriften
Weiter unterzeichnen, damit auch Deutschland die Schwelle überspringt

EBI Assoziierungsabkommen EU Israel klein

Europäische Bürgerinitiative "Gerechtigkeit für Palästina" erreicht mehr als 1 Million Unterschriften  ++ Schwelle in elf Ländern übersprungen, Deutschland schwach ++ Italien setzt Verlängerung des Verteidigungsabkommens mit Israel aus ++ EU will Sanktionen gegen Israel erörtern – neue Position der ungarischen Regierung steht noch aus
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Neues von der Solidaritätskampagne: Abdeckplanen zum Schutz vor Regen. Gaza wird nicht vergessen!

Gaza Soliaktion Regenplanen 2025 12 2
zum Text hier
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