Literatur und Kunst
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Wecker Utopia Danger Dan MontageKonstantin Wecker und Danger Dan senden mit ihren aktuellen Musik-Alben Hoffnungssignale in pandemischen und bleiernen Zeiten   

18.08.2021: Ein altgedienter Liedermacher und ein junger Rapper haben Musik-Alben veröffentlicht, die beide musikalisch durchaus Überraschendes zu bieten haben als auch textlich den Zuhörer*innen Bedenkenswertes mit auf den Weg geben. Günther Stamer hat sich die beiden Alben angehört:

 

Konstantin Wecker (Jahrgang 1947) und Danger Dan (Daniel Pongratz, Jahrgang 1983) haben sich auf den CDs sowohl mit ihrer eigenen Biografie auseinandergesetzt als auch Stellung zum gesellschaftspolitischen Ist-Zustand unseres Landes bezogen . "Das Private ist politisch und das Politische ist privat" lautete schon Ende der 60er Jahre ein viel zitierter Sponti-Spruch. Und genau diesen Zusammenhang spiegeln beiden Alben wider und lassen die Zuhörer*innen mit einigen Prisen Widerständigkeit und utopischen Gedankenspielen versehen, zurück.

"Nennt mich gerne einen Spinner, der nicht in unsere Zeit passt"

Konstantin Weckers CD ist sowohl Konzert- als auch Konzept-Album. Konzert insofern, als dass er seine Zuhörer zu einer knapp einstündigen Veranstaltung mitnimmt, bestehend aus zehn Liedern und vier Prosatexten. Abgeschlossen wird die "Veranstaltung" mit drei Zugaben (als solche so auch auf dem Cover vermerkt). Konzeptalbum deshalb, weil es thematisch "die Person Wecker" ins Zentrum stellt, der in den Liedern und Texten einen poetisch-kritischen Blick gleichermaßen auf sich selbst und auf die aktuellen gesellschaftlichen Zustände wirft.

"Ist denn die Welt in ihrer Nacht / vielleicht ein Trugbild das ich mir / jahrzehntelang nur selbst gemacht? / Die ganze Welt nur ausgedacht?" fragt er sich in dem "Prolog" zu Beginn der CD in Faust-Manier. "Ein Ahnen nur. Kein Wissen. Nur eine Spur von dem, was diese schöne Welt im innersten zusammenhält."

Weckers Auseinandersetzung mit sich selbst - auch mit dem Älterwerden - ist ein wesentlicher Teil des Albums. In den Titeln "Es gibt kein Recht auf Gehorsam" und "Schäm dich Europa" präsentiert sich Wecker bekannt widerständig – kämpferisch. Untrennbar mit Wecker verbunden ist die antifaschistische Ballade "Willy". Diesen erstmals 1977 veröffentlichten Klassiker präsentiert Wecker auf "Utopia" in neuer Version und erzählt darin von einem im letzten Jahr in Hanau vom Rechtsterroristen ermordeten Vili-Viroel Paun. der den Rassisten stoppen wollte und von diesem schließlich mit mehreren Schüssen getötet wurde.

Dem Titel "Utopia" angemessen, versammelt das Album aber auch visionäre Blicke auf eine mögliche friedvolle Gesellschaft und dem Weg dahin, "die durch Poesie und Widerstand geprägt ist." Der Rezensent der "Süddeutschen Zeitung" (16.6.21). findet, dass die CD "irgendwie ein Hippie-Album geworden" ist, weil der Titelsong an John Lennons vor fünfzig Jahren veröffentlichtes "Imagine" erinnert. Bei Wecker heißt es: "Nennt mich gerne einen Spinner, der nicht passt in unsere Zeit. Doch ihr lebt in einem Alptraum." Und Wecker beschwört "eine Welt ganz ohne Grenzen / und statt Wettbewerb und Neid / teilen wir endlich gleichberechtigt / unsere Freude unser Leid."

Eine bessere Kennzeichnung als "Hippie-Album" (abgesehen davon, dass John Lennon sich wohl kaum als "Hippie" gesehen hat) wäre vielleicht ein "Prinzip Hoffnung-Album". "Und jedes Kunstwerk, jede Philosophie hatte und hat ein utopisches Fenster, worin eine Landschaft liegt, die sich erst bildet. Wie in der menschlichen Seele Noch-Nicht-Bewußtes dämmert, so in der Welt Noch-Nicht-Gewordenes," schreibt Ernst Bloch [1], und dieses utopische Fenster hält Konstantin Wecker auf seinem Album offen.

Ausdrücklich hervorzuheben sind die vielfältigen Klangfarben, die dieses Album prägen: Über reine Klavierbegleitung, über Cello und Gitarre bis hin zu kammerorchestralem Sound, der an die Orchestersuiten Hanns Eislers erinnert ("Das wird eine schöne Zeit") reicht die musikalische Klangbreite. Und selbst Weckers Prosatexte sprühen vor Musikalität.

Meine Empfehlung: Die CD als Konzert genießen – sich eine Stunde ungestört Zeit nehmen für Konstantin Wecker und seinen Musiker*innen.

 

"Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt"

Danger DanDas Solo-Album des "Antilopen Gang"- Mitgliedes Danger Dan, der - statt wie sonst zu rappen – hier in bester Liedermacher Manier a la Wader/Wecker/Mey über prägende persönliche Erlebnisse singt (u.a. seine Schulzeit am Aachener Gymnasium), oder darüber, dass er Sex-Touristen gerne verprügeln möchte. Vor allem aber enthält das Album pfiffige Liebeslieder.

Am bekanntesten ist natürlich der Titel-Song, der von Danger Dan am 9. April zusammen mit dem Pianisten Igor Levit in Böhmermanns "ZDF Magazin Royale" performt wurde. Dieser Titel schaffte er es gar in die deutschen Single-Charts und das Video wurde bisher über 5 Millionen Mal bei You Tube aufgerufen. Darin singt Danger Dan u.a.

"Faschisten hören niemals auf, Faschisten zu sein
Man diskutiert mit ihnen nicht, hat die Geschichte gezeigt
Und man vertraut auch nicht auf Staat und Polizeiapparat
Weil der Verfassungsschutz den NSU mit aufgebaut hat
Weil die Polizei doch selbst immer durchsetzt von Nazis war
Weil sie Oury Jalloh gefesselt und angezündet haben
Und wenn du friedlich gegen die Gewalt nicht ankommen kannst
Ist das letzte Mittel, das uns allen bleibt, Militanz"
(vollständiger Text hier)

Neben diesem Lied bleiben vor allem die originellen Liebeslieder im Kopf – romantisch, versponnen und zumeist unkitschig. Am schönsten vielleicht "Eine gute Nachricht", das durchaus Erinnerungen an Rio Reiser aufkommen lässt. Wer musikalische Abwechselung erwartet, wird bei dieser CD nicht auf seine Kosten kommen. Es ist ein reines Klavieralbum mit Gesang; hier und da wird das Klavierspiel sparsam mit Streichern oder Akkordeon "veredelt" (wäre m.E nicht nötig gewesen). Apropos Klavieralbum mit Gesang: Mein Lieblingsalbum dieses Genres bleibt nach wie vor "Rio Reiser, Am Piano I" (1998).

txt: Günther Stamer

Anmerkungen
[1] Ernst Bloch, Freiheit und Ordnung, Frankfurt/Main 1986, S. 188

Konstantin Wecker Utopia

 

Konstantin Wecker: Utopia
Sturm & Klang Musikverlag 2021
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Danger Dan Das ist alles

 

Danger Dan: Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt   
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