Wirtschaft

01.11.2023: Nach sechs Wochen Arbeitskampf haben nach Ford auch Stellantis und General Motors eine Vereinbarung mit der Gewerkschaft der Automobilarbeiter UAW unterzeichnet. ++ Jetzt kommen Tesla, Toyota, Honda oder BMW ins Visier der Gewerkschaft

Die Gewerkschaft der Automobilarbeiter UAW hat mit ihrer neuen linken Führung bei den drei Autofirmen in Detroit einen klaren Sieg errungen, als GM am 30. Oktober als letztes Unternehmen nach Ford und Stellantis eine vorläufige Vereinbarung unterzeichnete. Bis zum Ende ihrer allerersten "Stand Up!"-Strategie, mit der sie die Autokonzerne durch plötzliche Streiks ohne vorherige Ankündigung in wichtigen Montagewerken, Zuliefererbetrieben und Verteilzentren aus dem Gleichgewicht brachte, hatten am Schluss rund 50.000 Beschäftigte die Arbeit niedergelegt.

Einzelheiten der vorläufigen Vereinbarung zwischen der UAW und GM waren zwar nicht im Detail bekannt, es wurde jedoch erwartet, dass sie den Vereinbarungen mit Ford und Stellantis, ehemals Fiat/Peugeot/Jeep/Chrysler, ähneln, wenn nicht sogar mit ihnen identisch sein würde. Bei Ford und Stellantis erhalten die Beschäftigten während der viereinhalbjährigen Laufzeit dieser Verträge eine Lohnerhöhung von 25%, eine sofortige Bonuszahlung von 11% und die Wiederherstellung der Lebenshaltungskostenanpassung (COLA). Zusammengenommen sind das mehr als 32 % und damit fast das, was die Gewerkschaft gefordert hat.

Die vorläufigen Verträge von Ford und Stellantis ähneln einander, weisen jedoch je nach Unternehmen einige spezifische Unterschiede auf. Bei allen drei Autokonzernen werden unmittelbar nach der Ratifizierung Leiharbeiter:innen, die seit mindestens neunzig Tagen beschäftigt sind, automatisch zu regulär Vollzeitbeschäftigten, und auch die Renten werden erhöht. (siehe kommunisten.de: USA: Einigung zwischen UAW und Ford: 25% Erhöhung)

Die Stellantis-Vereinbarung beinhaltet nicht nur ein Streikrecht gegen Werksschließungen, wie es auch bei Ford durchgesetzt wurde, sondern zudem das Recht, für gewisse Produkt- und Investitionsentscheidungen zu streiken. Die UAW sicherte sich auch die Zusage von Stellantis, dass das stillgelegte Montagewerk in Belvidere, Illinois, wieder eröffnet wird.

In einer Hinsicht war GM der Erste, nämlich bei der Gültigkeit des Rahmenvertrages für alle künftigen Beschäftigten in der Elektrofahrzeugindustrie (Batteriefertigung), während die beiden anderen nachzogen.

Der Prozess ist noch nicht abgeschlossen, die Vereinbarung muss von den UAW-Mitgliedern noch angenommen werden.In der Zwischenzeit haben sie die Arnbeit wieder aufgenommen.

Die Leiter:innen der Gewerkschaftsgruppen der Ford-Standorte trafen sich am 29. Oktober in Detroit und stimmten einstimmig dafür, die vorläufige Vereinbarung, die bis April 2028 gelten soll, ihren 57.000 Mitgliedern zur Ratifizierung vorzulegen. Die Leiter:innen der UAW-Betriebsgruppen von Stellantis treffen sich ebenfalls in Detroit, um ihren Pakt zu überprüfen, der 43.000 Mitglieder betrifft. Bei GM sind 46.000 UAW-Mitglieder beschäftigt.

"Wieder einmal haben wir erreicht, was noch vor wenigen Wochen für unmöglich gehalten wurde. Insbesondere bei Stellantis haben wir nicht nur einen Rekordvertrag erzielt, sondern auch begonnen, das Blatt im Krieg gegen die amerikanische Arbeiterklasse endlich zu wenden. Zu Beginn der Verhandlungen wollte das Unternehmen 5.000 Arbeitsplätze abbauen. Unser unbefristeter Streik hat die Rechnung komplett verändert. Nicht nur haben wir diese Arbeitsplätze gerettet – wir haben den Spieß umgedreht. Denn bis zum Ende des ausgehandelten Tarifvertrags wird Stellantis 5.000 neue Arbeitsplätze schaffen. Man kann es nicht anders sagen: Wir retten hier wirklich den amerikanischen Traum."
Shawn Fain, Präsident der UAW


Die Vereinbarungen haben auch das Potenzial, den Grundstein für ähnliche gewerkschaftliche Kämpfe und Forderungen nach höheren Löhnen und besseren Arbeitsbedingungen bei anderen nicht gewerkschaftlich organisierten Automobilherstellern wie Tesla und Toyota zu legen. Auch die deutschen Hersteller BMW, Mercedes-Benz und Volkswagen betreiben große Produktionsstätten in den US-Südstaaten. Der Einfluss von Gewerkschaften ist in diesen Staaten historisch schwach. Weder im BMW-Werk in South Carolina noch im Mercedes-Werk in Alabama oder im VW-Werk in Tennessee gibt es Gewerkschaftsvertretungen, welche die Interessen der Belegschaft vertreten. Trotzdem könnten die von der UAW erkämpften Lohnerhöhungen zu einer ähnlichen Forderung unter der dortigen Belegschaft führen.

Der eigentliche Gewinner dieses Kampfes ist mehr als alles andere das Gewerkschaftskonzept selbst.

Shawn Fain, der Präsident der UAW, bezeichnete die vorläufigen Vereinbarungen als ein Signal an die Gewerkschaft, dass es an der Zeit ist, Initiativen bei der Firma Tesla zu starten, die den ständig expandierenden Markt für Elektroautos dominiert, sowie bei ausländischen Unternehmen wie Toyota, Honda oder BMW. "Wir wollen uns organisieren, wie wir es noch nie zuvor getan haben. Wenn wir 2028 an den Verhandlungstisch zurückkehren, dann nicht zur Verhandlung mit den Big Three, sondern mit den Big Five oder Big Six", sagte Fain. Unternehmen, in denen die Gewerkschaften noch nicht vertreten sind, können damit rechnen, dass die UAW dieselbe harte Linie fahren wird, die Fain gegen Ford, GM und Stellantis anwandte. Und selbst wenn diese Gewerkschaftskampagnen scheitern, wie es in der Vergangenheit oft der Fall war, könnten sie die Konzerne dazu bewegen, den Beschäftigten vorzeitig Lohnerhöhungen zu gewähren, nur um die Gefahr eines Streiks abzuwenden.

"Mit diesem Deal gehen wir jetzt aus der Defensive in die Offensive über; ja, wir gehen über vom verwalteten Niedergang der amerikanischen Arbeiterklasse zu einer neuen Ära in der Automobilproduktion."
Shawn Fain, Präsident der UAW

Wir sprechen über Palästina

Gazakrieg Grafik Totoe 2024 04 07

mit Rihm Miriam Hamdan von "Palästina spricht"

Wir unterhalten uns über den israelischen Vernichtungskrieg, die Rolle Deutschlands (am 8. und 9. April findet beim Internationalen Gerichtshof in Den Haag die Anhörung über die Klage Nicaraguas gegen Deutschland wegen Beihilfe zum Völkermord statt), die Situation in Gaza und dem Westjordanland und den "Tag danach".

Onlineveranstaltung der marxistischen linken
Donnerstag, 18. April, 19 Uhr

https://us02web.zoom.us/j/82064720080
Meeting-ID: 820 6472 0080


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Logo Ratschlag marxistische Politik

Ratschlag marxistische Politik:

Gewerkschaften zwischen Integration und Klassenkampf

Samstag, 20. April 2024, 11:00 Uhr bis 16:30 Uhr
in Frankfurt am Main

Es referieren:
Nicole Mayer-Ahuja, Professorin für Soziologie, Uni Göttingen
Frank Deppe, emer. Professor für Politikwissenschaft, Marburg

Zu diesem Ratschlag laden ein:
Bettina Jürgensen, Frank Deppe, Heinz Bierbaum, Heinz Stehr, Ingar Solty

Anmeldung aufgrund begrenzter Raumkapazität bis spätestens 13.04.24 erforderlich unter:
marxlink-muc@t-online.de


 

Farkha2023 21 Buehnentranspi

Farkha-Festival 2024 abgesagt.
Wegen Völkermord in Gaza und Staatsterror und Siedlergewalt im Westjordanland.
hier geht es weiter zum Text


 

 

UNRWA Gazakrieg Essenausgabe

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Vereint in Menschlichkeit, vereint in Aktion

Mehr als 2 Millionen Menschen, darunter 1,7 Millionen Palästina-Flüchtlinge, zahlen den verheerenden Preis für die Eskalation im Gazastreifen.
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Das UNRWA fordert den sofortigen Zugang zu humanitärer Hilfe und die Bereitstellung von Nahrungsmitteln und anderen Hilfsgütern für bedürftige Palästina-Flüchtlinge.
Dies ist ein Moment, der zum Handeln auffordert. Lassen Sie uns gemeinsam für die Menschlichkeit eintreten und denjenigen, die es am meisten brauchen, die dringend benötigte Hilfe bringen.

Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge

Spenden: https://donate.unrwa.org/gaza/~my-donation


 

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