Wirtschaft

22.11.2022:  “Gebt uns die Acht oder es kracht”. “8 Prozent für 12 Monate, keinen Tag länger und sockelwirksam”! Darauf wurde in wochenlangen Warnstreiks erfolgreich hinmobilisiert. Immer mehr Belegschaften und Kollegen haben dabei die 8 angesichts von 2-stelligen Inflationszahlen und des Nachholbedarfs aus Corona Zeiten als viel zu gering und damit als nicht verhandelbare Minimalforderung angesehen. Ein Abschluss unterhalb dieser Marke mitten im Warmlaufen empfinden jetzt nicht wenige als Abpfiff, bevor der Kampf mit guten Siegeschancen überhaupt erst angepfiffen wurde.

 

Das Resultat sieht nur auf dem ersten Blick rosig aus. Sicher deutlich besser als in der Chemiebranche. So gesehen ein großer Erfolg. Und doch: das Ergebnis ist mit 8,5% für 24 Monate eine Halbierung der von vielen Kollegen als schon nicht ausreichend hohen Ausgangsforderung.

IGM Tarifrunde2022 Abschluss

Trotz Auslaufen des Tarifvertrags im September 2022 kommt die erste sockelwirksame Tariferhöhung von 5,2 % erst im Juni 2023. Für das darauffolgende Jahr im Mai gibt es 3,3 Prozent. Damit werden die Metaller ein weiteres Jahr tariflich mit sinkenden Einkommen gebunden. Nur Naive können glauben, dass die Inflationsrate bis dahin wieder Normalniveau erreicht hat.

Die 3.000 Euro abgabenfreien Sonderzahlungen muss man als das ansehen, was sie sind: "schöne" Trostpflaster für 2 bis 3 Jahre Nullrunde seit Corona ohne nachhaltigen Effekt für die Kollegen bei oft zweistelligen Gewinnen [1] der Unternehmen. Noch gestern kam die Meldung, dass die DAX Konzerne, ganz vorne dabei die Metallkonzerne, ihr historisch bestes Ergebnis erzielt haben.

Selten sind die Bedingungen für einen erfolgreichen Streik in der Metallindustrie so günstig gewesen wie diesmal [2]. Die Rückmeldungen aus den Betrieben zeugten von einer eindeutigen Kampfbereitschaft, die 8 Prozent zu erstreiken. Hohe Auftragsbestände bei bestehendem Fachkräftemangel, Höchstpreise bei Kunden durch Ausnutzung der Inflationsrate, Preisdruck auf abhängige Lieferanten sowie Konzentration auf Premiumprodukte bei den deutschen Nobelautomarken – ein Streik hätte die Kapitalseite da vollkommen auf dem falschen Fuß erwischt. Eine Chance, den Reallohnabbau wirkungsvoll aufzuhalten, wurde vertan.

Fazit: Der Abschluss ist kein Grund zum Jubeln. Das Ergebnis verlangsamt den sozialen Abstieg für Millionen Metaller, aber verhindert ihn nicht. Der Weg für weitere generelle Einbußen bei Reallöhnen und -gehältern wird mit abschlagsfreien Einmalzahlungen lediglich versüßt. Es droht am Ende, wenn die Inflation nur so bleibt wie vorhergesagt, der massivste Einbruch der ökonomischen Lebensverhältnisse für die Metallbeschäftigten seit Bestehen dieser Republik.

Es gilt jetzt das Tarifergebnis im Kleingedruckten weiter zu bewerten. Immerhin hat sich der Präsident von Gesamtmetall dahingehend geäussert, dass es für Betriebe in Notlage “Differenzierungen” gebe. [3] Auch das lässt für die betroffenen Belegschaften nichts Gutes erhoffen.

Die Warnstreiks haben gezeigt, wie stark die Beschäftigen, hervorragend organisiert von ihrer Gewerkschaft, den Unternehmern die Stirn bieten können. Leider trägt der jetzt vorliegende übereilte Abschluss nicht zur Stärkung dieses entstandenen Vertrauens bei. Auch das Umfeld könnte unserer IG Metall Organisation noch schwer zu schaffen machen. Verdi fordert 10,5 %. Aber noch wichtiger ist, dass die Einkommen laut aktueller Gehaltsstatistik in etlichen Bereichen zuletzt stärker gestiegen sind als in der Metallindustrie (Siehe Gehaltsstatistik Handelblatt 9.11.2022) [4]. Die aktuellen Zahlenerhebungen könnten die Frage aufwerfen: haben die Mitglieder der “kampfstarken” IG Metall am Ende das Nachsehen?

Bleibt noch die Frage, ob nicht der Abschluss Zulieferbetriebe oder auch Maschinenbauer in Schwierigkeiten hilft und damit die Arbeitsplätze vieler Kollegen:innen rettet. Untersuchungen zeigen, dass Lohnverzicht diesen Firmen nicht weiterhilft. Ursache sind entweder Preisdruck durch die Großen bei gleichzeitiger Inflation, falsche Produktstrategien angesichts der Transformation sowie Lieferkettenprobleme. Zu diesem Ergebnis kommen selbst maßgebliche wirtschaftsnahe Untersuchungen (siehe “Krise und E-Mobiltät treffen Zulieferer mit voller Wucht” (Automobil Produktion, Juli 2022, Mogge Roland Berger) [5].

Über den Twitter Account des Pilotbezirkes Baden-Württemberg (https://twitter.com/IGMetall_BW/status/1593431814080798720) ergießt sich seit heute Morgen (Anm.: 18.11.) eine Flut bitterer Kommentare, nur wenige äußern sich zufrieden. Hier einige typische Beispiele als Stimmungsbild:

  • • Tarifergebnis. 5,2 Prozent. Es sind jetzt 10,4% Inflation. Die 5,2% für Juni 2023 werden bis dahin von der Inflation bis nächstes Jahr gefressen.
  • Die Einmalzahlungen hätten dieses Jahr kommen müssen und nicht aufgeteilt in 2023 und 2024.
  • Nennt mir einen Grund, warum Leute eintreten sollten!?! Im Juni? Der alte Tarifvertrag ist im September ausgelaufen. Habt ihr diese Nacht irgendwas getrunken?
  • Nicht schlecht bei voraussichtlich 20% Inflation in der gleichen Zeit!
  • Miserables Verhandlungsergebnis. Passend dazu gestern die Meldung, dass die DAX-Konzerne so hohe Gewinne erwirtschaften wie noch nie.
  • Hoffentlich lehnt die Tarifkommission das Ergebnis noch ab. Bei Inflation 2022+2023 von 10 % -> 12 % Reallohnverlust Kündigung geht raus.
  • 3,3% 2024 wenn die Inflation 15% ist, geil!
  • Es gibt dann nach 5 Jahren (letzte Erhöhung 2018) 5,2% also 1% jedes Jahr ohne Gewerkschaft kann man das auch selber besser verhandeln
  • Alles mehr ist toll, aber könnt ihr bitte noch erklären, warum das über 24 Monate jetzt genau so gut oder besser ist als 8% über 12 Monate?

Klären wir auf. Es ist nicht die gewerkschaftliche Organisierung, die falsch läuft. Es sind Illusionen über Konzertierte Aktionen mit dem Kapital und es ist das Einknicken vor dem Druck von Unternehmen, politischer Eliten und systemerhaltener Verhältnisse auch beim eigenen Führungspersonal. Es kommt jetzt mehr denn je darauf an, dass von unten die Initiative ergriffen und die offene Diskussion zum Zusammenhalt geführt wird.

Text übernommen von Forum Gewerkschaftliche Linke Berlin
https://gewerkschaftliche-linke-berlin.de/?p=15393

Anmerkungen

[1] https://www.dividendenchecker.de/dividende_dax.php
[2] https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/streit-uber-tarifentgelte–der-metallindustrie-droht-ein-arbeitskampf-8870194.html
[3] Tarifeinigung IG Metall: Einmalzahlungen und Lohnerhöhungen (handelsblatt.com)
[4] https://www.handelsblatt.com/meinung/morningbriefing/morning-briefing-neue-zahlen-zum-gehaltsplus-keine-lohn-preis-spirale-in-sicht/28796740.html
[5] https://www.automobil-produktion.de/management/krise-und-e-mobilitaet-treffen-zulieferer-mit-voller-wucht-533.html

Wir sprechen über Palästina

Gazakrieg Grafik Totoe 2024 04 07

mit Rihm Miriam Hamdan von "Palästina spricht"

Wir unterhalten uns über den israelischen Vernichtungskrieg, die Rolle Deutschlands (am 8. und 9. April findet beim Internationalen Gerichtshof in Den Haag die Anhörung über die Klage Nicaraguas gegen Deutschland wegen Beihilfe zum Völkermord statt), die Situation in Gaza und dem Westjordanland und den "Tag danach".

Onlineveranstaltung der marxistischen linken
Donnerstag, 18. April, 19 Uhr

https://us02web.zoom.us/j/82064720080
Meeting-ID: 820 6472 0080


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Logo Ratschlag marxistische Politik

Ratschlag marxistische Politik:

Gewerkschaften zwischen Integration und Klassenkampf

Samstag, 20. April 2024, 11:00 Uhr bis 16:30 Uhr
in Frankfurt am Main

Es referieren:
Nicole Mayer-Ahuja, Professorin für Soziologie, Uni Göttingen
Frank Deppe, emer. Professor für Politikwissenschaft, Marburg

Zu diesem Ratschlag laden ein:
Bettina Jürgensen, Frank Deppe, Heinz Bierbaum, Heinz Stehr, Ingar Solty

Anmeldung aufgrund begrenzter Raumkapazität bis spätestens 13.04.24 erforderlich unter:
marxlink-muc@t-online.de


 

Farkha2023 21 Buehnentranspi

Farkha-Festival 2024 abgesagt.
Wegen Völkermord in Gaza und Staatsterror und Siedlergewalt im Westjordanland.
hier geht es weiter zum Text


 

 

UNRWA Gazakrieg Essenausgabe

UNRWA Nothilfeaufruf für Gaza
Vereint in Menschlichkeit, vereint in Aktion

Mehr als 2 Millionen Menschen, darunter 1,7 Millionen Palästina-Flüchtlinge, zahlen den verheerenden Preis für die Eskalation im Gazastreifen.
Zivilisten sterben, während die Welt zusieht. Die Luftangriffe gehen weiter. Familien werden massenweise vertrieben. Lebensrettende Hilfsgüter gehen zur Neige. Der Zugang für humanitäre Hilfe wird nach wie vor verweigert.
Unter diesen Umständen sind Hunderttausende von Vertriebenen in UNRWA-Schulen untergebracht. Tausende unserer humanitären Helfer sind vor Ort, um Hilfe zu leisten, aber Nahrungsmittel, Wasser und andere lebenswichtige Güter werden bald aufgebraucht sein.
Das UNRWA fordert den sofortigen Zugang zu humanitärer Hilfe und die Bereitstellung von Nahrungsmitteln und anderen Hilfsgütern für bedürftige Palästina-Flüchtlinge.
Dies ist ein Moment, der zum Handeln auffordert. Lassen Sie uns gemeinsam für die Menschlichkeit eintreten und denjenigen, die es am meisten brauchen, die dringend benötigte Hilfe bringen.

Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge

Spenden: https://donate.unrwa.org/gaza/~my-donation


 

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