Wirtschaft

Amazon Streik 2021 03 22 306.10.2021: Der Online-Gigant Amazon hat nachgegeben: In Italien wurde ein Abkommen über einen Tarifvertrag für die 20.000 Beschäftigten und die Wahl von Betriebsräten unterzeichnet. Dieses einzigartige Ereignis in Europa ist das Ergebnis des weltweit ersten Streiks am 22. März, bei dem die gesamte Lieferkette einbezogen war.

 

Der weltweit erste Streik in der gesamten Lieferkette von Amazon Italien am 22. März trägt erste konkrete Früchte. Der Online-Riese unterzeichnete jetzt im Arbeitsministerium ein Abkommen mit den Transportgewerkschaften Filt Cgil, Fit Cisl und Uilt Trasporti über Arbeitsbeziehungen und Vertretung der Beschäftigten.

Dies ist in diesem gewerkschaftsfeindlichen Konzern einzigartig in Europa und das Ergebnis des Erfolgs der von den Gewerkschaften organisierten Mobilisierung. Der Streik am 22. März ist der erste Fall in der Welt, in dem sich die Arbeiter*innen der gesamten Lieferkette von Amazon, von den Lagern bis zu den Kurieren, an einem Streik beteiligen: die 9.000 festen Mitarbeiter von Amazon Italy Logistics, die in riesigen Lagerzentren und in den kleinsten Stationen über die Halbinsel verstreut sind, weitere 9.000 befristet Beschäftigte sowie ca. 1.500 Leiharbeiter*innen. Am stärksten war die Streikbeteiligung bei den ca. 19.000 Fahrer*innen, von denen keiner ein direkter Amazon-Beschäftigter ist, die es aber auch in der Zeit des lockdown ermöglichten, ein fast normales Leben zu führen, weil sie jede Art von materiellen Gütern nach Hause bringen.

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Amazon Italien: erstmals gesamte Lieferkette bestreikt    

 

Amazon wog die Entscheidung für ein Abkommen gegen das Risiko ab, dass neue Streiks dem von Jeff Bezos gegründeten Giganten einen enormen wirtschaftlichen und Image-Schaden zugefügt hätten.

Das Abkommen gilt für insgesamt etwa 20.000 Beschäftigte - feste Mitarbeiter*innen, befristet Beschäftigte und Leiharbeiter*innen - in allen Amazon-Lager aller Größenordnungen, von großen Hubs bis hin zu kleinen Stationen. In allen Niederlassungen, in dem es Gewerkschaftsmitglieder gibt, werden gewerkschaftliche Betriebsgremien - Rappresentanze Sindacali Aziendale RSA - gebildet. Der nächste Schritt ist, Rappresentanze Sindacali Unitarie RSU [1] zu wählen, eine gewerkschaftliche Vertretung im Betrieb, die von allen Beschäftigten gewählt wird.

Das Abkommen sieht insbesondere die gegenseitige Anerkennung der Konfliktparteien und des nationalen Vertrags "Logistik, Fracht und Schifffahrt" als "Regulierungsinstrument" für die Arbeits- und Gewerkschaftsbeziehungen vor. Filt Cgil, Fit Cisl und Uil Trasporti betonen, dass die Vereinbarung "die Aufnahme von Verhandlungen über organisatorische Fragen wie Zeitpläne, Schichten, Arbeitsbelastung, über regulatorische Elemente wie die korrekte Anerkennung der Einstufungsebenen, über die Themen Gesundheit, Sicherheit und Prävention am Arbeitsplatz, Ausbildung und wirtschaftliche Fragen" wie die Ergebniszulage ermöglicht.

Die Verhandlungen hatten kurz nach dem Streik im April begonnen, und die Ausarbeitung des Textes zog sich über Monate hin. Es wurde für Amazon von Salvatore Iorio, dem Personalchef von Amazon Italien, unterzeichnet, aber jeder Schritt musste von der europäischen Zentrale in Luxemburg gebilligt und in den Vereinigten Staaten eingesehen werden. "Um das Wort 'Verhandlung' einzufügen", erklärt ein Gewerkschafter, "mussten wir tagelang auf grünes Licht warten".

Von der Vereinbarung ausgenommen sind noch etwa 20.000 Fahrer*innen, eine Tätigkeit, die sich ständig ausweitet. Für sie wollen die Gewerkschaften in Kürze ein ähnliches Abkommen mit Assoespressi abschließen, ein Zusammenschluss von 81 Transportunternehmen, die fast ausschließlich für Amazon arbeiten. Dabei sind noch zwei Forderungen des Unternehmerverbandes umstritten und für die Gewerkschaften nicht akzeptabel: Änderungen der Regelungen für den Krankheitsfall und Änderungen der Sonntagsarbeit, die den nationalen Vertrag verschlechtern würden.

"Eine wichtige Vereinbarung über die Arbeitsbeziehungen und die Anerkennung der Rolle der Gewerkschaften", sagte Maurizio Landini, Generalsekretär der Gewerkschaft Cgil. Das erzielte Ergebnis ist "die Frucht des gewerkschaftlichen Engagements, der Mobilisierung, der vielen Proteste und Kämpfe der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer". 

Das Abkommen mit Amazon ist ein weiterer Erfolg der Gewerkschaften in Wirtschaftsbranchen, die bisher einen sehr niedrigen gewerkschaftlichen Organisationsgrad aufweisen und in denen die Beschäftigten ohne tariflichen und gewerkschaftlichen Schutz der Willkür der Unternehmen ausgesetzt sind. Nach einem 24-stündigen Streik der Fahrradkuriere der Essenslieferdienste in ganz Italien gegen Scheinselbstständigkeit, Diktat der Algorithmen und Prekarität im März 2021 hat JUST EAT die 4.000 Kuriere in Beschäftigungsverhältnis und Tarifvertrag übernommen. Jetzt geht der Kampf darum, dass auch die anderen Lieferdienste gezwungen werden, die Rechte der Beschäftigten zu respektieren.

Italien Rider Streik 2021 03 26 2


Fahrradkuriere, hört die Signale!
JUST EAT übernimmt nach Streik 4.000 Kuriere    

 

Anmerkung

[1] Eine Rappresentanze Sindacali Unitarie RSU ist eine Gewerkschaftsvertretung, die von der gesamten Belegschaft gewählt wird. Dabei schlagen die Gewerkschaften die Kandidat*innen für die RSU vor. 2/3 des Gremiums wird dann von den Beschäftigten gewählt, während 1/3 direkt durch die Gewerkschaften bestimmt wird.

 

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Es referieren:
Nicole Mayer-Ahuja, Professorin für Soziologie, Uni Göttingen
Frank Deppe, emer. Professor für Politikwissenschaft, Marburg

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