Kapital & Arbeit
Tools
PDF

verdi konferenz19.03.2018: Kritische Debatte am 21. Februar 2018 im Darmstädter Gewerkschaftshaus: FunktionärInnen der ver.di diskutieren über die politischen und organisatorischen Herausforderungen ihrer Gewerkschaft.

 

Der Saal des Darmstädter Gewerkschaftshauses "proppenvoll“ und neun der dreizehn Fachbereiche des ver.di-Bezirks Südhessen vertreten: Anziehungspunkt war die FunktionärInnenkonferenz am 21. Februar 2018 mit dem Titel: "ver.di zukunftsfähig gestalten. Politische oder strukturelle Veränderungen – was hat Vorrang?" Nach der Begrüßung durch Michaela Stasche, ver.di-Vertrauensleutesprecherin bei der Stadt Rüsselsheim, zeichnete der südhessische ver.di-Bezirksvorsitzende Jürgen Johann schlaglichtartig den Weg der ver.di seit ihrer Gründung nach. Hinweise aus seiner Sicht von außen auf die hiesigen Gewerkschaftaften im Allgemeinen und auf ver.di im Besonderen gab einleitend Thomas-Eilt Goes vom Soziologischen Forschungsinstitut Göttingen (SOFI). Sein Vortrag kann hier nur grob inhaltlich dargestellt werden.

Als erkennbare gesellschaftliche Entwicklungstrends benannte der Soziologe: das Management der Unternehmen setzt auf erhöhte Flexibilität und Kosteneinsparung (auch durch unsichere Beschäftigungsverhältnisse); die soziale Ungleichzeit wächst seit der Agenda 2010 und einem Niedriglohnbereich von bis zu 25 Prozent der Arbeitsverhältnisse; Arbeitszeit wird gesellschaftlich "willkürlich" umverteilt (Rückgang der Arbeitslosenquote bei Zunahme von Minijobs und Teilzeitbeschäftigung sowie Verlängerung der Arbeitszeit durch Überstunden); der Staat spart im Sozi-albereich; die Anzahl gewerkschaftlich Organisierter sowie Betriebsräte und tarifgebundener Unternehmen geht zurück; die Unternehmer und staatlichen Arbeitgeber können ihre Macht in der Gesellschaft wie in den Betrieben und Dienststellen ausweiten.

Damit einher geht eine Steigerung der Produktivität der Leistung, die auf Dauer zu höherer Arbeitslosigkeit führen kann, neue Kontrollmethoden am Arbeitsplatz, eine Beschleunigung und Verdichtung der Arbeit sowie ein Verwischen der Grenzen von Arbeit und Freizeit. Als drängende gewerkschaftliche Handlungsfelder bezeichnet der Wissenschaftler den Ausbau der gewerkschaftlichen Basis, also der Mitgliederzahlen und ihrer Aktionsfähigkeit, in den Betrieben und Dienststellen; die Einflussnahme für eine grundlegende Veränderung in der Gesellschaft und der Sozialpolitik; die Überwindung sozialer Spaltung (Ungleichheit); die Entschleunigung von Arbeit und die Verkürzung der Arbeitszeit, um einen vorzeitigen Verschleiß der Arbeitskraft zu verhindern; der offensive Kampf gegen neue Kontrollmöglichkeiten (Stichworte: Industrie oder Dienstleitung 4.0).

Thomas-Eilt Goes scheint nicht an die Erfolge des früheren (auch gewerkschaftlichen) Mottos: "Wahltag ist Zahltag", durch das "Kreuz an einer anderen Stelle" – schon gar nicht bei der AfD – zu denken, wenn er eine "glaubhafte politische Alternative" zum Bestehenden als unerlässlich hervorhebt. Die Gewerkschaften mit ihrer Dachorganisation DGB sieht er in der Verantwortung, hierzu eine bundesweite Strategiedebatte zu organisieren. Die Einleitung eines politischen Richtungswechsels müsse als Markierungspunkte setzen: die Abschaffung unsicherer Beschäftigungsverhältnisse wie Befristung, Leiharbeit, Werkvertrag, Mini- und Midijobs; die Schaffung armutsfester Renten; die Verstaatlichung des Gesundheitswesens, um dort die Profitorientierung sozialer Fürsorge zu beseitigen; die Verkürzung der Arbeitszeit, durch die möglichst viele Vollzeitarbeitsplätze geschaffen werden könnten. Hierzu müsse den Beschäftigten wieder klar (gemacht) werden, dass Gewerkschaften und gewerkschaftliches Engagement einen maßgeblichen Beitrag zu einer politischen Alternative leisten können und sollten.

Anschließend wurde über die Debatte in den Fachbereichen zum Vorhaben des Bundesvorstands gesprochen, die bisherigen 13 Fachbereiche künftig in 4 zusammenzufassen. Das Impulspapier aus Südhessen: "ver.di ohne Fachbereiche", spielt dabei wohl nicht selten eine Rolle, doch scheint hier und dort eine gewisse "Trägheit" oder "Müdigkeit" für den Versuch einer gezielten Einflussnahme auf den Umstrukturierungsprozess zu bestehen. Bemängelt wurde, dass der Anstoß zur Veränderung von "oben" komme und dabei ein "demokratisch organisierter Prozess" fehle. Die ver.di-Struktur sei eine "perfekte Membran", bei der "alles von »oben« nach »unten«, aber nichts in umgekehrter Richtung" laufe. ver.di lasse klare politische Ziele in der Tarif-, Sozial- und Gesellschaftspolitik vermissen. Würden diese in einer "breiten Mitgliederdiskussion" erarbeitet, könne erst wirklich zielführend darüber beraten und entschieden werden, welche "Struktur dazu passt".

Die von Thomas-Eilt Goes geforderte Strategiedebatte wurde auch hier für einen notwendigen Weg aus der Krise gewerkschaftlicher Organisation und Politik gesehen, nur müsse sie "an der Basis der DGB-Gewerkschaften" aufgebaut und geführt werden. Das Impulspapier des Bezirksvorstands Südhessen der ver.di: "ver.di ohne Fachbereiche", soll für eine längerfristige innergewerkschaftliche Diskussion auch auf den anstehenden Konferenzen auf allen Ebenen vorbereitet und dort eingebracht werden.

aus: Kuckuck - Informationen der ver.di Südhessen für Betriebsräte und Beschäftigte, Nr. 112, 19. März 2018

 

Nagorny Karabach 2020 11 11

Online Veranstaltung der Rosa Luxemburg Stiftung Hessen:

Armenien und Aserbaidschan nach dem Krieg um Berg-Karabach

25.1.2021 um 19 Uhr mit
Kerem Schamberger und
Hovhannes Gevorkian

Es wird um eine Anmeldung per email gebeten: hessen@rosalux.de

Mehr Infos: https://hessen.rosalux.de/veranstaltung/es_detail/CQ4UE/armenien-und-aserbaidschan-nach-dem-krieg-um-berg-karabach

 ++++++++++++++++++++++++++++++++

Der Kommentar

Was tun mit Twitter & Co? Die Tech-Giganten brauchen demokratisch legitimierte Regeln

Was tun mit Twitter & Co? Die Tech-Giganten brauchen demokratisch legitimierte Regeln

Von Katja Kipping

20.01.2021: Es begann mit einem Tweet, und zwar mit meinem. Nachdem Twitter und Facebook am Samstag die Accounts vom scheidenden US-Präsidenten Donald Trump sperrten, wollte ich mich der Freude um diese l...

weiterlesen

marxistische linke - Partnerin der Europäischen Linken

Autobahn-Baustopp - der "Mietendeckel der Mobilität"?

Autobahn-Baustopp - der

Was der "Hambi" für den Kohleausstieg ist, kann der "Danni" für das Ende neuer Autobahnen sein     
von Sabine Leidig *)

Ich schreibe diesen Text am 21. November 2020, während Räumung und Rodung im ...

weiterlesen

Videos

Chile: Nach der Revolte - ein Zwischenbericht

Chile: Nach der Revolte - ein Zwischenbericht

Ein Film von Gaby Weber

14.01.2020: Gaby Weber hat soeben ihren neuen Film über die Revolte in Chile fertiggestellt. Ihr Fazit: im Moment hat die Regierung Zeit gewonnen, aber die Ruhe ist trügerisch. Wenn die neue Verfas...

weiterlesen

++++++++++++++++++++++++++++++++

Zum Vormerken: 50 Jahre MSB Spartakus - 12. Juni 2021 in KölnMSB konstituiert

Liebe Freundinnen und Freunde, wir möchten Euch einladen:

Am 22. Mai 1971 wurde der Marxistische Studentenbund Spartakus (MSB) in Bonn gegründet. Er war in den 1970ern und 1980ern einer der einflussreichsten Studierendenverbände, in dem sich mehrere tausend Studentinnen und Studenten organisierten. Im Mai 2021 wird dieses Ereignis fünfzig Jahre her sein. Wir nehmen es zum Anlass, zu einer Wiederbegegnung einzuladen.
Weiterlesen

++++++++++++++++++++++++++++++++

Dossier "Linke Strategien"

Im Dossier "Linke Strategien" sind Artikel zusammengestellt, die auf kommunisten.de in verschiedenen Rubriken erschienen sind und sich mit Fragen linker Strategie, Neuformierung der Linken, etc. befassen.

Zum Dossier


EL Star 150

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.