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16.03.2011: Ab 1. Juli können es die Senioren krachen lassen. Denn nach der der Nullrunde im Vorjahr, werden Mitte dieses Jahres ihre Altersbezüge erhöht -  um ein ganzes Prozent.  Nach der Rentenformel, die sich nach der Erhöhung der Bruttolöhne im Vorjahr richtet, müsste der Anstieg mehr als doppelt so hoch sein, wären da nicht die diversen Kürzungsfaktoren. So dürfen nach der gesetzlich festgelegten Rentengarantie, die Renten auch bei negativer Lohnentwicklung nicht gesenkt werden; u.a. wäre das im Vorjahr der Fall gewesen. Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Die Kürzungen werden bei folgenden Erhöhungen angerechnet und schrittweise nachgeholt = Nachholfaktor. Hinzu kommt, dass vor der Bundestagswahl die Große Koalition ein paar Promille bei der Rentenerhöhung zusätzlich draufgelegt hat. Auch diesen Wahlspeck müssen die Rentner nun zurückzahlen. Dazu kommt der Riesterfaktor (2003 von Rot-Grün festgelegt) und der Nachhaltigkeitsfaktor (2004 ebenfalls Rot-Grün) (siehe dazu isw-wirtschaftsinfo 43). Daraus resultiert die jetzige Mini-Erhöhung. Es wird auch in den nächsten Jahren nicht mehr werden.

Allein der Nachholfaktor summiere sich auf 3,8 % schätzt das Arbeitgeber-Institut für Wirtschaftsforschung (IW). Vom rechnerisch möglichen Rentenanstieg - berechnet nach der Rentenformel - wird dann jeweils nur zur Hälfte gewährt, bis der Betrag abgetragen ist. Dann bleiben aber immer noch die anderen Kürzungsfaktoren.
 
Für den künftigen Lebensstandard der Rentner ist das verheerend. Denn alle Experten gehen davon aus, dass die inflationäre Entwicklung in den folgenden Jahren wieder stärker wird. Drei Prozent jährliche Preissteigerung sind durchaus im Bereich des Möglichen, wenn nicht gar mehr. Wenn davon nur ein Prozent durch die Rentenerhöhung ausgeglichen wird, bleibt eine reale Rentensenkung von zwei Prozent im Jahr. Fortgesetzt über zehn Jahre würde das bedeuten, dass eine Rente von 1000 Euro nach zehn Jahren nur noch knapp 810 Euro wert ist; den Rest hat die Inflation aufgefressen.

Wie das isw berechnete, haben die RentnerInnen bereits in den Jahren 2004 bis 2007 durch drei Nullrunden, eine Mini-Erhöhung von 0,5 % (2007), Erhöhung und volle Übernahme der Pflegeversicherung, Erhöhung der Krankenkasse und Sonderbeitrag zur Krankenkasse insgesamt und durch die inflationäre Entwicklung ein Minus bei ihrer realen Rente von 8,3 Prozent hinnehmen müssen (= Kaufkraftverlust). Mit anderen Worten: Sie haben de facto eine Monatsrente im Jahr verloren (siehe isw-wirtschaftsinfo 41, S. 38)

Auch in diesem Jahr haben die RentnerInnen schließlich weniger Kaufkraft in der Geldbörse. Die zu erwartende einprozentige Erhöhung wird bereits teilweise  liquidiert durch die auf die Rentner entfallende Erhöhung des Krankenversicherungsbeitrages um 0,3 % und etwaige Zusatzbeiträge, die sie alleine tragen müssen. Die Inflationsrate wird dieses Jahr mindestens zwei Prozent betragen, im Februar lag sie bereits bei 2,1 % - Tendenz steigend. Der Kaufkraftverlust der Rentner dürfte trotz Rentenerhöhung in diesem Jahr eineinhalb bis zwei Prozent betragen.

Der Sozialverband VdK nannte die Mini-Erhöhung "weiße Salbe" und fordert die Streichung sämtlicher Kürzungs- und Nachholfaktoren, da sie willkürlich seien und bei Beibehaltung die Gefahr sich ausbreitender Altersarmut drohe.

Text: Fred Schmid (Vorabdruck aus isw-wirtschaftsinfo 44, das Anfang April erscheint)

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