Internationales

21.09.2023: Der globale Süden erhebt seine Stimme: In der kubanischen Hauptstadt Havanna ging am Samstag (16.9.) das Gipfeltreffen der G77 mit einem dringenden Appell zur Schaffung einer neuen Weltwirtschaftsordnung zu Ende. ++ Zur gleichen Zeit gründeten die drei westafrikanische Länder Mali, Niger und Burkina Faso in Bamako (Mali) die Allianz der Sahel-Staaten (AES), um eine "Architektur der kollektiven Verteidigung und des gegenseitigen Beistands zum Wohle der Bevölkerungen zu schaffen".

G-77+China fordern neue Weltwirtschaftsordnung

Die G77 sind der größte Zusammenschluss der Entwicklungs- und Schwellenländer bzw. des globalen Südens. Gegründet von 77 Ländern gehören heute 134 Staaten der G77 an, in denen beinahe 80 Prozent der Weltbevölkerung leben. China wird von den G77 als Mitglied geführt; es gibt selbst allerdings an, mit der Gruppe zwar eng zusammenzuarbeiten, ihr aber nicht in aller Form anzugehören. Kuba hat in diesem Jahr den G77-Vorsitz inne.

G77 Tagung2023

Zu den etwa 30 Staats- und Regierungschefs, die an der Tagung teilnahmen, zählen Luiz Inácio Lula da Silva (Brasilien), Gustavo Petro (Kolumbien), Nicolás Maduro (Venezuela) und Alberto Fernández (Argentinien). Teilgenommen haben auch der UN-Generalsekretär António Guterrez, Südafrikas Außenministerin Naledi Pandor, ihr saudischer Amtskollege Faisal bin Farhan sowie für China Li Xi, Politbüromitglied und Sonderbeauftragter von Präsident Xi Jinping.

Vor dem Hintergrund des Krieges um die Ukraine geraten die Entwicklungs- und Schwellenländer mehr denn je unter Druck, sich im Machtkampf des Westens gegen Russland und China auf eine Seite zu schlagen. Gleichzeitig bietet ihnen der Aufstieg Chinas, Indiens und weiterer Länder die Chance, zwischen verschiedenen Kooperationspartnern zu wählen und aus dieser neuen Wahlfreiheit Kapital zu schlagen. Die Entwicklungsländer hoffen, von einer multipolaren Weltordnung zu profitieren

Sowohl die kubanischen Delegierten mit Präsident Díaz-Canel in seiner Eröffnungsrede als auch einige der international wichtigsten Staats- und Regierungschefs legten in ihren Reden den Schwerpunkt auf die Notwendigkeit, eine multipolare internationale Ordnung zu schaffen, durch die sich der globale Süden Gehör verschaffen kann, eine "gerechtere" internationale Finanzarchitektur, von der die Entwicklungsländer profitieren können, entschlossene und koordinierte Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels und zur Verringerung des Rückstands in den Bereichen Technologie, Innovation und Gesundheit - ein Rückstand, der während der Covid-19-Pandemie dramatisch zutage trat - sowie die Gewährleistung eines gleichberechtigten Zugangs zur künstlichen Intelligenz auch für den globalen Süden.

Die Verabschiedung der Erklärung von Havanna zum Abschluss des G77+China-Gipfels bestätigte das Ansehen der kubanischen Diplomatie. Es war sicherlich ein komplexes Unterfangen, 114 der 134 Mitglieder der Gruppe - von denen die meisten in Bezug auf Politik, Wirtschaft, Sprache, Religion, wissenschaftliche Entwicklung und regionale und internationale Bündnisse wenig gemeinsam haben - zusammenzubringen und eine Vereinbarung auf einer gemeinsamen Plattform zu konsolidieren. Aber es wurde mit großem Erfolg abgeschlossen.

Mali, Niger und Burkina Faso gründen Allianz der Sahel-Staaten (AES)

Zeitgleich mit der Abschlusstagung der G77 in Havanna trafen sich die Regierungschefs der drei westafrikanische Länder Mali, Niger und Burkina Faso in Bamako, der Hauptstadt von Mali, zur Gründung der Allianz der Sahel-Staaten (AES), um eine "Architektur der kollektiven Verteidigung und des gegenseitigen Beistands zum Wohle der Bevölkerungen zu schaffen".

"Dieses besiegelte Bündnis zwischen den Bruder- und Freundschaftsländern Mali, Burkina Faso und Niger ist ein entscheidender Schritt für die Sicherheit und Verteidigung unserer Bevölkerung", begrüßte die Präsidentschaft der Republik Niger die historische Unterzeichnung der Liptako-Gourma-Charta. "Gemeinsam werden wir eine friedliche, wohlhabende und vereinte Sahel aufbauen."

Niger Video Gruendung AES 2023 09 16 2Video: https://fb.watch/naEYCJp6qW/

Malis Übergangspräsident Oberst Assimi Goïta erklärte dazu: "Jede Verletzung der Souveränität und territorialen Integrität einer oder mehrerer Vertragsparteien wird als Aggression gegen die anderen Vertragsparteien angesehen und verpflichtet alle Vertragsparteien zu Beistand und Abhilfe."

Mit der Charta verpflichten sich die Vertragsparteien auch, Terrorismus und organisierte Kriminalität zu bekämpfen. Die drei Staaten sind vom islamistischen Terrorismus bedroht, seit die NATO im Jahr 2011 unter Missbrauch einer UN-Resolution mit Libyen, das einst reichste Land Afrikas zurück ins Mittelalter, zur Scharia und seit der Ermordung von Muammar al-Gaddafi zum Bürgerkrieg bombte.

"Frankreich und die europäische Union müssen jetzt lernen, uns zu respektieren!
Schluss mit Verachtung und Unhöflichkeit von gestern. Der heutige Niger kann keine Respektlosigkeit und Rücksichtslosigkeit mehr dulden!"

An der Tagung in Bamako nahmen die Staatschefs und Verteidigungsminister teil. Bei einer Arbeitssitzung der Verteidigungsminister und leitender Generäle der drei Länder trafen sie mit einer Delegation russischer Militärs zusammen.

Video von 2nacheki: Mali, Niger und Burkina Faso gründen eine neue Union zur Bekämpfung der ECOWAS


Video: https://youtu.be/FZMtxgFbemE

Auch an diesem Wochenende forderten in Niamey, Hauptstadt von Niger, wieder mehrere Hunderttausend Menschen den Abzug der französischen Truppen aus Niger.

Niger Kundgebung 2023 09 16

In den Ländern südlich der Sahara "glauben die Menschen nicht mehr an eine Hilfe, die aus Güte angeboten wird. Sie stellen die Art der gegenwärtigen Beziehungen in Frage, die weder demokratisch noch kohärent erscheinen, und sehen sich einer kolonialen Schuld gegenüber, die nie beglichen wurde", sagt der kamerunischen Journalist Alain Foka.

Afrika ist nicht arm! Afrika ist ausgeplündert!

Es wird behauptet "Niger ist arm", "Burkina Faso ist arm", "Mali ist arm“, "Benin ist arm“, "Togo ist arm" usw.: "Afrika ist arm".

Niger Uranmine ArlitDoch in einem nigrischen TV-Sender wird vorgerechnet: In Niger werden jährlich 130.000 Tonnen Uran gefördert, zu einem Marktpreis von 200 € (131.118 CFA-Franc) pro Kilogramm. Aber Frankreich bezahlt Niger Uran nur 0,80 € (4.000 CFA) pro Kilogramm. Und das seit mehr als 50 Jahren.
"Frankreich stahl 50 Jahre lang in Niger die schwindelerregende Summe von 592 267 000 000 CFA-Franc, mit anderen Worten 592 Billionen zweihundertsiebundsechzig Milliarden CFA-Franc. Und diese Berechnung wird nur für den Uranbereich von Niger gemacht. Wenn man die Ressourcen in Niger, Guinea, Burkina Faso, Mali, Togo usw. berechnet, werdet ihr sehen, dass es dieselben Plünderungen sind, die Frankreich auf Kosten der afrikanischen Staaten aufgebaut hat. .. Frankreich hat die afrikanischen Länder geplündert und plündert immer noch... Frankreich hat die afrikanischen Staaten, vor allem die französischsprachigen, arm gemacht. ... Wir brauchen keine Hilfe. Wir sind reich. Wir können uns durch uns entwickeln. Mögen Frankreich und Europa uns in Ruhe lassen! Wir müssen verhindern, dass Frankreich und Europa sich in unsere afrikanischen Angelegenheiten einmischen. Wir müssen jegliche französische und europäische Investitionen in unsere afrikanischen Staaten ablehnen, denn das ist eine Falle für die Überausbeutung und die Herrschaft über die afrikanischen Länder durch Frankreich und Europa."

Putschserie in Westafrika

Die katastrophale soziale Lage des Großteils der Bevölkerung, die skrupellose Bereicherung der politischen Führungen, die neokoloniale Ausbeutung durch den Imperialismus und die Bedrohung durch den dschihadistischen Terror haben in jüngster Zeit in Westafrika zu einer Serie von Militärputschen geführt.

Der malische Verleger Omar Sylla erklärt: "Unsere Kinder streben nach radikalen Veränderungen, doch ihre Forderung nach voller Souveränität, nach Achtung der Person, wird von Frankreich nicht aufgegriffen. Was sie fordern, ist echte Demokratie, und die Putschisten sind in ihren Augen ein Weg dorthin, ein Moment des Übergangs. Aber an dem Tag, an dem die Militärs die Erwartungen enttäuschen, werden sie ihrerseits vertrieben, denn die Zivilgesellschaft ist hartnäckig".

Zuletzt hat in Gabun am 30. August 2023 das Militär die Regierung übernommen. Der Putsch folgte auf die Bekanntgabe der Ergebnisse der betrügerischen Wahlen, bei denen Ali Bongo, der Sohn von Omar Bongo, der seit der Unabhängigkeit mit Unterstützung der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich an der Spitze des Landes stand, als Präsident bestätigt worden war.

Ein anderer Kontext als in Niger, wo General Abdourahamane Tiani am 26. Juli den Präsidenten Mohamed Bazoum, ein enger Verbündeter Frankreichs und der Europäischen Union, verhaftete.

In Mali übernahm Oberst Assimi Goïta 2020 die Macht mit der Absicht, ein Übergangsregime zu schaffen, das in der Lage ist, den islamischistischen Terror zu bekämpfen, die Unversehrtheit des Staatsgebiets und das Funktionieren des Staatsapparats zu gewährleisten. Im Jahr 2021 übernahm eine Militärjunta unter dem Befehl von Oberst Mamady Doumbouya die Macht in Guinea. In Burkina Faso übernahm Anfang 2022 Oberstleutnant Paul-Henri Sandaogo Damiba mit Hilfe der Armee die Staatsführung, wurde aber im Herbst von Hauptmann Ibrahim Traoré abgelöst.

Trotz der Unterschiede spiegeln die Staatsstreiche einen Weg wider, der das frankophone Afrika eint: Aufstände junger Soldaten, die "immer den Beifall der Bevölkerung erhalten, die von den gewählten politischen Persönlichkeiten enttäuscht war", unfähig, "eine gerechte Verteilung des Reichtums" zu gewährleisten und schuldig, "Marionetten in den Händen ausländischer Mächte, insbesondere Frankreichs, zu sein", wie Francis Kpantidé in FranceCulture betont.

Der kamerunische Journalist Alain Foka spricht auf seiner offiziellen Website von "afrikanischen Soldaten, die ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen wollen, da andere Optionen gescheitert sind"

Insbesondere Ibrahim Traoré, seit dem Staatsstreich vom 30. September 2022 Interimsstaatschef von Burkina Faso und mit 34 Jahren das jüngste Staatsoberhaupt der Welt, knüpft an Thomas Sankara an. Die Revolution in Burkina Faso, die am 4. August 1983 begann und Sankara den Spitznamen "Che Guevara Afrikas" einbrachte, dauerte vier Jahre, bis er am 15. Oktober 1987 von einigen seiner Mitstreiter ermordet wurde. [1] Doch Sankaras Revolution bleibt ein Beispiel und eine Referenz für alle Völker Afrikas.

"Die Putschserie in der Sahelzone kann entweder das Ende der schlechten Regierungsführung einläuten oder ihre Verlängerung mit Waffengewalt bedeuten. Wir stehen am Beginn einer noch nie dagewesenen Ära, deren Umrisse wir nicht genau kennen, aber wir sind verpflichtet, eine Antwort zu suchen".
Hamadoun Touré, ehemaliger malischer Minister

Niger Mali Burkina gemeinsam

Gemeinsam werden wir es weit bringen!

 

Anmerkungen:

[1] Lebenslange Haft für Ermordung des "afrikanischen Che Guevara"
https://kommunisten.de/rubriken/internationales/8489-lebenslange-haft-fuer-ermordung-des-afrikanischen-che-guevara


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Unter diesen Umständen sind Hunderttausende von Vertriebenen in UNRWA-Schulen untergebracht. Tausende unserer humanitären Helfer sind vor Ort, um Hilfe zu leisten, aber Nahrungsmittel, Wasser und andere lebenswichtige Güter werden bald aufgebraucht sein.
Das UNRWA fordert den sofortigen Zugang zu humanitärer Hilfe und die Bereitstellung von Nahrungsmitteln und anderen Hilfsgütern für bedürftige Palästina-Flüchtlinge.
Dies ist ein Moment, der zum Handeln auffordert. Lassen Sie uns gemeinsam für die Menschlichkeit eintreten und denjenigen, die es am meisten brauchen, die dringend benötigte Hilfe bringen.

Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge

Spenden: https://donate.unrwa.org/gaza/~my-donation


 

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