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Corona Impfstoff Abdala Sinocac06.12.2021: Die armen Länder haben bei der Verteilung des Impfstoffs gegen Covid-19 das Nachsehen. Für Big Pharma gehen Profite vor Gesundheit. Jetzt springen China und Kuba in die Bresche und liefern Impfstoffe.

 

Die armen Länder haben bei der Verteilung des Impfstoffs gegen Covid-19 das Nachsehen. BionTech/Pfizer und Moderna verkaufen ihre Impfstoffe in die zahlungskräftigsten Länder – Profit geht vor Infektionsschutz. Sie blockieren sogar, dass die reichen Länder Impfstoffe an die armen Länder verschenken bzw. sie verlangen "Ausgleichszahlungen", weil jede Dosis, die unentgeltlich beispielsweise von Deutschland nach Afrika gespendet wird, dort nicht mehr verkauft werden kann, auch nicht zu einem niedrigeren Preis. So sind von der angekündigten einen Milliarde Impfstoffdosen, die im Rahmen der Covax-Initiative an ärmere Länder abgegeben werden sollten, erst 15 Prozent zusammengekommen. Zudem blockiert die Europäische Union, allen voran Deutschland, den Antrag von mehr als 100 Ländern an die Welthandelsorganisation, den Patentschutz für Impfstoffe, Medikamente und Hilfsmittel gegen Corona vorübergehend aufzuheben.

Deshalb hat "Global Nurses United", ein Dachverband der mehr als 2,5 Millionen Pflegekräfte aus insgesamt 28 Ländern vereint, vor den Vereinten Nationen Beschwerde gegen die EU und vier weitere Länder eingereicht. Ihr Vorwurf: Die Regierungen verhindern durch ihre Blockade, dass Impfstoffe für die ganze Welt zugänglich gemacht werden. Das habe den "Verlust ungezählter Leben verursacht" und komme einer Menschenrechtsverletzung gleich.

Corona EBI no profit on pandemic EL

Unterzeichnen Sie die Initiative:

Europäische Bürgerinitiative:
Kein Profit durch die Pandemie!  Jeder verdient Schutz vor Covid-19   

 

Während die reichen Länder bereits mit der Auffrischungsimpfung und der Impfung von Kindern begonnen haben, sind in den armen Ländern erst ein paar Prozent der Bevölkerung geimpft; in Südafrika liegt die Impfquote mit 24 Prozent noch überdurchschnittlich hoch für den Kontinent, in Kenia liegt sie bei 5,5 Prozent, in Tansania bei 1,5 Prozent, im Tschad bei 0,4 und in der Demokratischen Republik Kongo bei 01, Prozent.

Um die Pandemie wirklich zu beenden, wäre eine gerechte Verteilung des Impfstoffs weltweit eine Notwendigkeit. Doch die letzten zwei Jahre haben gezeigt, dass der Maßstab staatlichen Handelns in Europa auch in einer Pandemie der Profit von Big Pharma ist, und nicht die Gesundheit der Bevölkerung. Von "Impfstoff-Apartheid" spricht der Präsident der Republik Südafrika, Cyril Ramaphosa.

China: Eine Milliarde Impfdosen für Afrika

Jetzt hat Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping dem afrikanischen Kontinent eine Milliarde Impfdosen zugesagt, 600 Millionen Impfdosen wird China kostenlos zur Verfügung stellen und weitere 400 Millionen sollen Unternehmen beider Seiten gemeinsam in Afrika produzieren. Diese Initiative ergänzt die 200 Millionen Corona-Vakzine, die China schon bisher (zum Teil kostenlos) abgegeben hat. Damit will Peking das Ziel der Afrikanischen Union unterstützen, 60 Prozent der afrikanischen Bevölkerung bis 2022 zu impfen.

Xi Jinping kündigte diese Impfstoff-Initiative per Videokonferenz bei der Eröffnung der alle drei Jahre stattfindenden Tagung des China-Afrika-Forums FOCAC an. Das "Forum on China–Africa Cooperation" ist ein 2000 gegründetes offizielles Forum zwischen der Volksrepublik China und allen Staaten Afrikas mit Ausnahme von Eswatini (Swasiland).

Zudem hat sich China verpflichtet, afrikanischen Finanzinstituten eine Kreditlinie in Höhe von 10 Milliarden Dollar für kleine und mittlere Unternehmen zur Verfügung zu stellen und chinesische Unternehmen aufzufordern, in den nächsten drei Jahren einen ähnlichen oder zumindest nicht geringeren Betrag auf den Kontinent zu leiten. Da die afrikanischen Länder unter der von der Corona-Pandemie ausgelösten Krise schwer getroffen sind, sagte der chinesische Staatschef Xi zu, China werde die afrikanischen Hauptstädte von der Zahlung der bis Ende des Jahres fälligen zinslosen Kredite zu befreien.

Zusätzlich wird China dem Kontinent 10 Milliarden seiner IWF-Sonderziehungsrechte zukommen lassen, die vom Internationalen Währungsfonds für die Bekämpfung der wirtschaftlichen Folgen der Pandemie zur Verfügung gestellt werden. Im Unterschied zu Deutschland, das die deutschen Sonderziehungsrechte von 36 Mrd. US-Dollar nicht den armen Ländern zur Verfügung stellt, wie von IWF und G7 vorgeschlagen, sondern bei der Bundesbank bunkert, um deren Fremdwährungsreserven zu erhöhen. (siehe kommunisten.de: "Bundesbank zockt auf Kosten der armen Länder ab")

Kuba exportiert nun Covid-Impfstoffe

Noch im August und September hatte Kuba den bislang schwersten Corona-Ausbruch zu bewältigen, der das Gesundheitssystem an die Belastungsgrenze brachte. Seither gehen die Infektionszahlen auf der Insel spürbar zurück. Das liegt auch an der fortschreitenden Impfkampagne. Knapp 90 Prozent der Bevölkerung sind mittlerweile vollständig geimpft.

Kuba hat sich von Beginn der Pandemie an auf die Entwicklung eigener Impfstoffe konzentriert. Weil die Vereinigten Staaten seit 60 Jahren ein mörderisches Wirtschaftsembargo über das Land verhängt haben, das den Import von US-Waren untersagt, war den kubanischen Forscher*innen und Behörden rasch klar: Es würde für ihr Land kaum möglich sein, Impfstoffe und Medikamente von außen einzukaufen. "Es war also das Beste zum Schutz unserer Bevölkerung, unabhängig zu sein", sagt Vicente Vérez Bencomo, Generaldirektor des Finlay-Instituts für Impfstoffe in Havanna. "Wir wollten uns bei der Impfung unserer Bevölkerung ausschließlich auf unsere eigenen Fähigkeiten verlassen, nicht auf die Entscheidungen anderer. Und das Leben gibt uns recht." Impfstoffvorräte würden von reichen Ländern gehortet, daher hätten viele ärmere Länder Schwierigkeiten, Zugang zu Impfdosen zu erhalten, so Bencomo.

Neben China springt jetzt Kuba in diese Bresche. Das staatliche Unternehmen Bio Cuba Farma verfügt nach eigenen Angaben über eine jährliche Produktionskapazität von 100 Millionen Dosen für Abdala, Soberana 02 und die Auffrischungsdosis Soberana plus. Gerade erst wurde ein hochmoderner Biotech-Komplex in der Sonderentwicklungszone Mariel vor den Toren Havannas eingeweiht. Die neue Einrichtung könne 30 Millionen Dosen Abdala in sechs Monaten herstellen, sagt Generaldirektorin Catalina Álvarez Irarragorri.

Das kubanische Vakzin Soberana 02 weist in klinischen Studien eine hohe Wirksamkeit von 92,4 Prozent auf. In Kombination mit einem weiteren Impfstoff wirkt es auch gegen die hochansteckende Delta-Variante von Sars-CoV-2, die weltweit zu einem sprunghaften Anstieg von Hospitalisierungen und Todesfällen geführt hat. In Kuba ist Delta inzwischen für fast alle Covid-19-Infektionen verantwortlich.

Derzeit werden Abdala und Soberana 02 von Experten der Weltgesundheitsorganisation WHO geprüft. Eine offizielle weltweite Zulassung durch die UN-Organisation würde die internationale Vermarktung erleichtern. Aber auch ohne diese zeigen einige Länder Interesse an den kubanischen Vakzinen und es wurden bereits Lieferverträge abgeschlossen.

Ende September schickte Kuba eine erste Charge mit fünf Millionen Dosen Abdala nach Vietnam. Auch Venezuela und Nicaragua werden mit mehreren Millionen Dosen Abdala bzw. Soberana 02 beliefert. Vietnam und Venezuela planen zudem, ab Januar selbst mit der Produktion von Abdala zu beginnen. Der Iran produziert den Impfstoff Soberana 02, nachdem zuvor bereits klinische Phase-III-Tests in dem Land durchgeführt wurden. Voraussichtlich werden auch in Argentinien und Mexiko demnächst kubanische Impfstoffe produziert werden.


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