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Indonesien Militaerputsch196517.07.2020: Nach dem Militärputsch in Indonesien 1965 wurden über eine Million Menschen von paramilitärischen Truppen gefoltert oder ermordet. Aus bislang geheimen Akten geht hervor, dass Deutschland den antikommunistischen Putsch unterstützte. Als Staatssekretär setzte sich Karl Carstens (CDU) für die Putschisten ein. Nach den Massakern wurde er Bundespräsident.

 

Weltweit unterstützte die Bundesrepublik Deutschland als Frontstaat des Westens antikommunistische Putsche, von Chile 1973 bis zur Türkei 1980. Nun freigegebene Dokumente belegen eine deutsche Unterstützung für den Militärputsch 1965 in Indonesien. Die Täter des Massenmords sind bis heute straflos geblieben. Es wurden zwischen 500.000 und drei Millionen Menschen, die als Anhänger der Kommunistischen Partei Indonesiens (PKI) oder Angehörige der unter Generalverdacht gestellten chinesischen Minderheit galten, ermordet.

Aus t-online-Recherchen in den Beständen des BND (Bundesnachrichtendienst) geht nun eine Kooperation mit den Putschisten hervor. Unter anderem scheint der spätere Bundespräsident Karl Carstens dafür mitverantwortlich gewesen zu sein, dass Gelder an die Putschisten flossen.

Geld für „das Abschlachten von Kommunisten“

Die Akten deuten darauf hin, dass die Bundesregierung bereits im Vorfeld über den Putsch informiert war und den Militärs finanzielle Unterstützung in Höhe von mindesten 1,2 Millionen DM zusicherte. Gleichzeitig hatte die Bundesregierung Kenntnis über die Massaker. So schildert ein BND-Bericht mit dem Titel „Föhrenwald“ ein „regelrechtes Abschlachten von Kommunisten“, nur wenige Tage danach wird über die „dringende Bitte“ indonesischer Generäle um „Geldmittel, die – aus naheliegenden Gründen – nicht der indonesischen Staatskasse entnommen werden können“ diskutiert. Die 1,2 Millionen DM sollen als Barzahlung der Fortsetzung der „antikommunistischen Säuberungsaktion“ dienen und werde „hauptsächlich für Sonderaktionen gegen KP-Funktionäre und zur Durchführung von gesteuerten Demonstrationen benötigt“. Weiterhin solle das Geld der Produktion antikommunistischen Propagandamaterials dienen.

Zahlung muss heimlich erfolgen

Mit dem Material wurden Demonstrationen und Pogrome angestachelt, die von staatlich bewaffneten Milizen durchgeführt wurden. Die Bundesregierung sorgt sich nun um Bekanntwerden dieser Zahlungen: „Eine etwaige Hilfe in der vorgesehenen Art könnte jedoch – bei Bekanntwerden – sowohl für den Geldgeber wie auch für den Empfänger kaum übersehbare Folgen haben. Eine derartige Unterstützung kann daher überhaupt nur unter schärfster Abschirmung der Übermittlungswege gegeben werden“. Auch wenn auf dem Dokument handschriftlich eine Ablehnung formuliert ist, gibt es deutliche Hinweise darauf, dass dennoch Gelder geflossen sind. So ist ein Teil der Dokumente weiterhin unter Verschluss.

Späterer BND-Chef Wessel: Zahlungen erfolgt

Dem Autor der Recherche, Jonas Mueller-Töwe, liegt ein Entwurf eines Vortrags des späteren BND-Chefs Gerhard Wessel vor dem Vertrauensgremium des Bundestags vor. Darin heißt es: „Im Oktober 1965 bereits bestehende enge Verbindungen zum indonesischen strategischen ND [Nachrichtendienst, Anm. d. Red.] ermöglichten Unterstützung (Berater, Geräte, Geld) des indonesischen ND und militärischer Sonderorgane bei Zerschlagung der KPI (und Entmachtung Sukarnos – Steuerung und Unterstützung von Demonstrationen)."

Ausbildung indonesischer Geheimdienste und Militärs

Deutschland bildete systematisch Geheimdienst und Militär des Suharto-Regimes aus. Dabei begann die Zusammenarbeit bereits vor dem Putsch gegen die realsozialistisch orientierte Sukarno-Regierung.

Späterer Bundespräsident Karl Carstens

Der ehemalige SA-Mann, das NSDAP-Mitglied und späterer Bundespräsident Karl Carstens war als Staatssekretär für Waffendeals mit verschiedensten antikommunistischen Diktaturen und Militärs verantwortlich. In diesem Rahmen empfing Carstens 1965 den indonesischen Brigadegeneral Achmed Sukendro, der vom deutschen Botschafter in Jakarta als einer „der fähigsten und energischsten Antikommunisten“ gelobt wird. Carstens schreibt bereits im Vorfeld des Treffens „Schon vor Monaten“ habe Sukendro ihm gesagt, „die Armee warte nur auf den Vorwand, die Kommunisten zu vernichten“. Sukendro gilt als Architekt des indonesischen Massenmords und wurde offenbar sogar vom damaligen Außenminister Gerhard Schröder (CDU) empfangen.

Islamisten werden als antikommunistische Mordbrenner eingesetzt

Gemeinsam mit den USA unterstützte die Bundesregierung Sukendro, der islamistische Milizen bewaffnen und Pogrome begehen lässt. In dem „Föhrenwald“-Bericht des BND heißt es: „Auf Mittel- und Ostjava erfolgte zunächst ein regelrechtes Abschlachten von Kommunisten, in erster Linie durch fanatische Moslems. (...) Man lässt zumindest seitens der Armeeführung diesen anarchistischen Geschehnissen bewusst freien Lauf (...). Die vielen antikommunistischen Aktionen (...) sind selbstverständlich von der Armeeführung sorgfältig vorbereitet und die Bereitschaft der Massen (...) hierfür geweckt.“

Hinweise auf Mitverantwortung Deutschlands für die Ermordung von 500.000 Zivilist*innen

Der Historiker Geoffrey B. Robinson stellte gegenüber t-online fest: „Die Dokumente scheinen eine Mitverantwortung Deutschlands für die vorsätzliche und ungesetzliche Tötung von etwa einer halben Million Zivilisten zu zeigen sowie für die Masseninternierung von etwa einer Million weiterer.“ Weiter heißt es: „Das würden wir heute Verbrechen gegen die Menschlichkeit nennen.“


übernommen von ANF News
https://anfdeutsch.com/hintergrund/geheimdokument-deutschland-unterstuetzte-massenmord-in-indonesien-20353

 

  mehr zum Thema  
  Der Genozid und Deutschlands heimliche Hilfe  
  Der Bundespräsident und die Putschisten  

 

 

 

The Act of Killing – Der Akt des Tötens

 
   
  The Act of Killing ist ein Dokumentarfilm aus dem Jahr 2012 von Joshua Oppenheimer über drei Männer, die in den 60er Jahren Mitglieder einer indonesischen Todesschwadron waren und heute als Helden gefeiert werden. Die Dokumentation zeigt uns Killer, die heute zu den Gewinnern zählen, und die Gesellschaft, die sie selbst mit prägten. Sie wurden nicht in die Illegalität gezwungen, behielten ihre Macht bei und schrieben selbst Geschichte. So wurden sie schließlich zu Rollenvorbildern für junge Mitglieder der paramilitärischen Einheiten.  

 

 

The Look of Silence

 
  The Look of Silencehttps://archive.org/details/The_Look_Of_Silence  
  Durch Joshua Oppenheimers filmische Arbeit mit den Verantwortlichen des Genozids in Indonesien 1965/66 erfährt eine Familie, unter welchen Umständen ihr Sohn getötet wurde und wer die Mörder waren. Der jüngste Bruder beschließt, die Mauer des Schweigens zu durchbrechen. Er überwindet die Angst, unter der die Angehörigen und Nachfahren der Opfer bis heute leiden, und tritt den Männern gegenüber, die seinen Bruder auf dem Gewissen haben - unvorstellbar in einem Land, in dem die Mörder noch immer an der Macht sind.  

 

 

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