Am 5. Oktober stellte Isabella M. Weber in der Urania Berlin die wichtigsten Aspekte ihres neuen Buches "Antifaschistische Wirtschaftspolitik" vor.
"Diese Buch hat angefangen in der Nacht, in der Donald Trump zum zweiten Mal gewählt wurde. Ich habe an diesem Abend getweetet, können wir nun endlich eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Frage der antifaschistischen Wirtschaftspolitik haben, und meinte das tatsächlich erstmal einfach nur so als ernsthafte Frage", sagt Isabella Weber.
Die Demokraten hätten die Auswirkungen der dramatisch gestiegenen Lebenshaltungskosten verkannt und so Trump mit seiner Ressentiment-Politik das Feld überlassen. Ihr Tweet ging viral und setzte eine weltweite Debatte in Gang.
Nach vereinzelten Stellungnahmen, die den Begriff weiter beleuchteten, legte sie im Oktober 2026 den Band "Antifaschistische Wirtschaftspolitik" vor, der zugleich auf Deutsch und Englisch erschien. Während dessen Analysen und Vorschläge sich vornehmlich auf die US-Wirtschaftspolitik beziehen, wurden die im Rahmen der Vorbereitungen publik gemachten Überlegungen bereits vor Erscheinen auch breit in Deutschland rezipiert und durch sie selbst wie durch Medien und andere Akteure auf die deutsche Situation bezogen – vornehmlich bezüglich der erstarkenden AfD.
"Wenn wir den weiteren Aufstieg der extremen Rechten verhindern wollen, brauchen wir eine Wirtschaftspolitik, bei der die Bedürfnisse und die Würde der Menschen im Mittelpunkt stehen. … Zentrale Forderungen sind bezahlbare Güter des alltäglichen Bedarfs, die demokratische Kontrolle der Konzernmacht, und Kooperation statt Nationalismus."
In "Antifaschistische Wirtschaftspolitik" argumentiert Weber wie eine Wirtschaftspolitik, die allen Menschen ein Leben in Würde ermöglicht, den weiteren Aufstieg der extremen Rechten verhindern könnte.
Antifaschistische Wirtschaftspolitik richte sich auf die materiellen Bedingungen, die den Faschismus als attraktive Alternative erscheinen ließen. Es brauche eine Neuausrichtung der Wirtschaftspolitik, in der die Demokratie wieder darauf ziele, die Lebensgrundlagen zu verbessern und der Markt der Demokratie diene statt umgekehrt. Der Staat müsse sich konsequent um die Grundbedürfnisse der Menschen herum organisieren. Dazu entwickelt sie ein Bündel von Maßnahmen und Änderungsvorschlägen bezüglich des zugrundeliegenden Systems. Förderlich sein könnten etwa strategische Preiskontrollen essenzieller Güter (besonders in Krisenzeiten), Investitionen in bezahlbaren Wohnraum, öffentlicher Verkehr und Kinderbetreuung. Zudem sollten aus ihrer Sicht Produkte wie Getreide, Reis und Öl eingelagert werden, um in Krisen die Preise stabil halten zu können. Auch stabile Beschäftigungsverhältnisse und gute Löhne zu sichern durch gewerkschaftliche Mobilisierung gehört ebenso dazu wie eine ökologische Wirtschaftspolitik, die die Lebensgrundlage nachhaltig sichere.
Isabella Maria Weber (geb. 1987 in Nürnberg) ist Professorin für Volkswirtschaftslehre an der University of Massachusetts Amherst in den USA und leitet die Chinaforschung am dortigen Political Economy Research Institute.



