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Papst 2022 10 0205.10.2022: Der Papst bat am Sonntag um einen Waffenstillstand in der Ukraine und um Friedensverhandlungen ++ Zelensky antwortet mit einem Dekret, das jegliche Verhandlungen mit Russland verbietet ++ Vatikan für 'Schemata des Friedens' statt 'Schemata des Krieges' ++ Papst: Dies ist ein "Weltkrieg" zwischen "Imperialismen". "In jedem Konflikt sind die einfachen Menschen die wahren Opfer, die für die Torheiten des Krieges mit ihrer eigenen Haut bezahlen."

 

 

Der Papst bat am Sonntag um einen Waffenstillstand in der Ukraine und richtete sich direkt an Putin mit der Bitte, die militärische Intervention zu stoppen, und an Zelensky, Verhandlungen zuzustimmen. Der ukrainische Präsident hat dem katholischen Kirchenoberhaupt mit einem Dekret geantwortet, das jegliche Verhandlungen mit dem Präsidenten der Russischen Föderation Wladimir Putin verbietet. Die USA und Deutschland sagten der Ukraine weitere Waffen zu, um die Ukraine vollständig, einschließlich der Krim, zurück zu erobern.

Die Besorgnis des Papstes - er ist derzeit einer der ganz wenigen Staatsoberhäupter der Welt, das wirklich über Frieden spricht – wächst mit der zunehmenden Eskalation des Krieges um die Ukraine. Papst Franziskus warnt davor, zu meinen, dass es sich um einen Krieg zwischen Russland und der Ukraine handele. "Nein: Dies ist ein Weltkrieg", der zu einer Bedrohung für die ganze Welt geworden ist, so Papst Franziskus in einer Aussprache mit Jesuiten bei seiner Reise nach Kasachstan.

Der Papst: Putin beende den Krieg! Zelensky soll für ernsthafte Friedensvorschläge offen sein

"Die Menschheit ist erneut mit der atomaren Bedrohung konfrontiert", sagte Franziskus beim Angelusgebet am Sonntag (2.10.) im Petersdom . "Nach sieben Monaten der Feindseligkeit sollten alle diplomatischen Mittel eingesetzt werden, auch die, die bisher noch nicht eingesetzt wurden, um diese ungeheure Tragödie zu beenden. Der Krieg an sich ist ein Irrtum und ein Horror!"

Papst Franziskus rief in seiner Ansprache zu einem sofortigen Waffenstillstand auf. "Wir müssen die Waffen ruhen lassen und die Voraussetzungen für Verhandlungen schaffen, die zu Lösungen führen können, die nicht mit Gewalt durchgesetzt werden, sondern einvernehmlich, gerecht und stabil sind. Und das werden sie sein, wenn sie auf der Achtung des unantastbaren Wertes des menschlichen Lebens, der Souveränität und der territorialen Integrität eines jeden Landes sowie der Rechte von Minderheiten und der berechtigten Anliegen beruhen."

"Wie viel Blut muss noch fließen, damit wir verstehen, dass Krieg niemals eine Lösung ist, sondern nur Zerstörung?"

Franziskus bedauerte auch die jüngsten Entwicklungen, nämlich die Annexion der vier ukrainischen Regionen Donezk, Luhansk, Saporischschja und Cherson, die nach der Invasion vom 24. Februar teilweise besetzt wurden. "Ich bedauere zutiefst", so der Papst, "die schwerwiegende Situation, die in den letzten Tagen entstanden ist, mit weiteren Aktionen, die den Prinzipien des internationalen Rechts widersprechen. Vielmehr erhöht sich dadurch die Gefahr einer nuklearen Eskalation, so dass weltweit unkontrollierbare und katastrophale Folgen zu befürchten sind".

Er richtete einen direkten Appell an den russischen Präsidenten Wladimir Putin, "auch aus Liebe zu seinem Volk, diese Spirale von Gewalt und Tod zu stoppen". An Ukraine-Präsident Wolodymyr Zelensky appellierte er "in großer Betroffenheit über das unermessliche Leid des ukrainischen Volkes infolge der Aggression, die es erlitten hat", "für ernsthafte Friedensvorschläge offen zu sein".

Weiter rief er Politiker weltweit auf, alles zu tun, um den andauernden Krieg zu beenden. "Alle Akteure des internationalen Lebens und die politischen Führer der Nationen fordere ich auf, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um den andauernden Krieg zu beenden, ohne sich in gefährliche Eskalationen hineinziehen zu lassen, und Initiativen zum Dialog zu fördern und zu unterstützen. Bitte lassen Sie die jungen Generationen die gesunde Luft des Friedens atmen, nicht die verschmutzte Luft des Krieges, der Wahnsinn ist!", so das Kirchenoberhaupt.

Franziskus fragte: "Wie viel Blut muss noch fließen, damit wir verstehen, dass Krieg niemals eine Lösung ist, sondern nur Zerstörung?"

"Nach sieben Monaten der Feindseligkeiten", so der Papst abschließend, "sollten wir zu allen diplomatischen Mitteln greifen, auch zu denen, die bisher noch nicht genutzt wurden, um dieser unermesslichen Tragödie ein Ende zu setzen. Der Krieg an sich ist ein Irrtum und ein Horror!"

'Schemata des Friedens' gegen 'Schemata des Krieges' durchsetzen

Nach der Ansprache des Papstes am Sonntag kommt vom Vatikan durch einen Leitartikel des Leiters des Dikasteriums für Kommunikation, Andrea Tornielli (der "Kommunikationsminister" des Vatikans), eine Art authentische Interpretation der Worte des Pontifex.

Es liege nicht nur an Putin und Zelensky, sondern auch an anderen Staats- und Regierungschefs sowie internationalen Organisationen "mit Nachdruck zu einem Waffenstillstand aufzurufen und Dialoginitiativen zu fördern, um das durchzusetzen, was Papst Franziskus 'Schemata des Friedens' nennt, anstatt weiterhin 'Schemata des Krieges' anzuwenden, indem man sich einem verrückten Wettrüsten unterwirft, das die Hoffnungen auf eine internationale Ordnung begräbt, die nicht mehr auf dem Recht des Stärkeren und auf den alten Militärbündnissen beruht", schreibt Tornielli in einem am 3. Oktober in vatikanischen Medien veröffentlichten Leitartikel. "Seit jenem 24. Februar, der mit dem Einmarsch der Russen in die Ukraine den Beginn des Krieges markierte, scheint sich alles wie von selbst zu beschleunigen, fast so, als ob der Sieg des einen über den anderen der einzig mögliche Ausgang wäre".

Das Modell, auf das sich der Papst beziehe, seien stattdessen die Vereinbarungen von Helsinki aus dem Jahr 1975, "die einen bedeutenden Wendepunkt für das vom Eisernen Vorhang durchzogene Europa und für die in zwei Blöcke geteilte Welt darstellten".

Papst Franziskus: "Dies ist ein Weltkrieg. Ich sehe Imperialismen im Konflikt."

In einem Gespräch mit 19 Jesuiten, das Mitte September während der Reise des Papstes nach Kasachstan stattfand und von Civiltà Cattolica [1] veröffentlicht wurde, warnte Franziskus davor, die Komplexität der Situation zu unterschätzen. "Man darf nicht vereinfachen", sagte er, "wir müssen die Dynamik untersuchen, die den Konflikt ausgelöst hat" und bezieht sich dabei vor allem auf die "internationalen Faktoren, die zur Auslösung des Krieges beigetragen haben".

"Es herrscht Krieg, und ich denke, es ist ein Fehler zu glauben, dass es sich um einen Cowboy-Film handelt, in dem es gute und böse Jungs gibt. Und es ist auch ein Irrtum zu glauben, dass es sich hier um einen Krieg zwischen Russland und der Ukraine handelt und das war's. Nein: Dies ist ein Weltkrieg."

Er bekräftigte zwar, dass "das Opfer dieses Konflikts die Ukraine ist", betonte aber, dass das Schlüsselwort in diesem Konflikt "Imperialismus" sei.

Bereits vor Beginn des Krieges habe er sich sehr besorgt geäußert, "weil die NATO an Russlands Türschwelle getreten sei, ohne zu verstehen, dass die Russen Imperialisten sind und Unsicherheit an ihrer Grenze fürchten.", so der Papst in dem Gespräch. "Ich sehe Imperialismen im Konflikt. Und wenn sie sich bedroht und im Niedergang begriffen fühlen, reagieren die Imperialismen, indem sie denken, dass die Lösung darin besteht, einen Krieg zu entfesseln, um dies wieder gutzumachen, und auch Waffen zu verkaufen und zu testen."

Papst Franziskus:

"Das Opfer dieses Konflikts ist hier die Ukraine. Ich möchte darlegen, warum dieser Krieg nicht vermieden wurde. Um das zu verstehen, muss man die Dynamik untersuchen, die den Konflikt ausgelöst hat. Es gibt internationale Faktoren, die zur Auslösung des Krieges beigetragen haben. Ich habe bereits erwähnt, dass ein Staatschef im Dezember letzten Jahres zu mir kam und mir mitteilte, dass er sehr besorgt sei, weil die NATO an Russlands Türschwelle getreten sei, ohne zu verstehen, dass die Russen Imperialisten sind und Unsicherheit an ihrer Grenze fürchten. Er äußerte die Befürchtung, dass dies einen Krieg auslösen würde, der zwei Monate später ausbrach. Man darf also nicht zu einfach über die Ursachen des Konflikts nachdenken. Ich sehe Imperialismen im Konflikt. Und wenn sie sich bedroht und im Niedergang begriffen fühlen, reagieren die Imperialismen, indem sie denken, dass die Lösung darin besteht, einen Krieg zu beginnen, um dies wieder gutzumachen, und auch Waffen zu verkaufen und zu testen.

So wird beispielsweise behauptet, dass der spanische Bürgerkrieg zur Vorbereitung des Zweiten Weltkriegs geführt wurde. Ich weiß nicht, ob das wirklich der Fall ist, aber es könnte so sein. Ich zweifle jedoch nicht daran, dass wir bereits den Dritten Weltkrieg erleben. In einem Jahrhundert haben wir drei erlebt: eine zwischen 1914 und 1918, eine zwischen 1939 und 1945, und jetzt erleben wir diesen.

Seit Februar bemühen wir uns, die Herzen vom Hass zu befreien. Für uns ist dies eine vorrangige pastorale Verpflichtung. Wir sagen den Menschen, dass es nicht christlich ist, jemanden zu hassen. Aber die Spaltung ist eine Last, die wir tragen. Jeden Tag beten wir den Rosenkranz für den Frieden.

"In jedem Konflikt sind die einfachen Menschen die wahren Opfer, die für die Torheiten des Krieges mit ihrer eigenen Haut bezahlen."

Das ist es, was wir tun müssen: die Herzen vom Hass befreien. Vom ersten Tag des Krieges bis gestern habe ich ständig über diesen Konflikt gesprochen und auf das Leid der Ukraine hingewiesen. Am Tag der Unabhängigkeit des Landes war die Flagge auf dem Petersplatz zu sehen, und ich habe natürlich darüber gesprochen. Nachdem ich über die Ukraine gesprochen habe, wollte ich noch ein Wort zum Leid der beiden Völker, des ukrainischen und des russischen, sagen. Denn in Kriegen sind es die Menschen, die leiden, die Menschen. Es sind wie immer die Armen, die zahlen. Und das erzeugt Hass. Diejenigen, die Krieg führen, vergessen die Menschlichkeit und schauen nicht auf das konkrete Leben der Menschen, sondern stellen Partei- und Machtinteressen über alles. In jedem Konflikt sind die einfachen Menschen die wahren Opfer, die für die Torheiten des Krieges mit ihrer eigenen Haut bezahlen."

 

Anmerkungen

[1] https://www.laciviltacattolica.it/articolo/liberare-i-cuori-dallodio-papa-francesco-incontra-i-gesuiti-della-regione-russa/ 

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