Literatur und Kunst

16.01.2026: Vor 90 Jahren wird in dem dystopischen Polit-Roman "It Can’t Happen Here" von Sinclair Lewis der Aufstieg und die Herrschaft eines Trump-Präsidenten beschrieben.

 

US-Präsident Donald Trump nannte nach den jüngsten Militäraktionen in Nigeria und Venezuela (einschließlich Kidnapping des Präsidenten Maduro und seiner Frau) als weitere mögliche Ziele schon mal den Iran, Kuba, Kolumbien und auch Grönland.

Die 2,16 Millionen Quadratkilometer große Insel ist offiziell autonomes Gebiet, in Wirklichkeit Kolonie des NATO-Mitglieds Dänemark. Es gehört dadurch zum NATO-Gebiet, nicht aber zur EU. Die USA unterhalten auf Grönland seit 1951 zwar eine Militärbase, doch das ist Trump nicht genug. "Wir brauchen Grönland, unbedingt. Wir brauchen es zur Verteidigung," verkündet er. Und seine Sprecherin Karoline Leavitt erklärte: "Der Präsident und sein Team erörtern eine Reihe von Optionen, um dieses wichtige außenpolitische Ziel zu erreichen, und selbstverständlich steht dem Oberbefehlshaber der Einsatz des US-Militärs jederzeit als Option zur Verfügung."

Katie Miller Groenland Soon++++++++++++++++
Katie Miller, Ehefrau von Donald Trumps Vize-Stabschef, hat mit einem Beitrag auf der Plattform X zu Grönland für Empörung in Dänemark gesorgt. Das Posting von Miller zeigt eine Karte von Grönland in den Farben der US-Flagge. Darüber steht in Großbuchstaben "Bald". 
https://x.com/KatieMiller/status/2007541679293944266

Zu den jüngsten militärischen Optionen der US-Regierung kommentierte selbst die traditionell US-freundliche "Frankfurter Allgemeine" am 6.1. ungewohnt hellsichtig: "Ein lupenreiner Demokrat ist Trump nicht. Besonders in seiner zweiten Amtszeit gerät seine Herrschaft zusehends autoritärer, das zeigen nicht nur seine Angriffe auf die Opposition, die Justiz und die Presse. In Venezuela interessieren ihn weniger die Menschenrechtslage als die Frage, wie sich der Ölreichtum des Landes zugunsten amerikanischer Firmen ausbeuten lässt. Es würde wundern, wenn dabei nicht etwas für den Trump-Clan abfallen sollte."

 

Trump Donroe Doktrin Trump War Room  
kommunisten.de, 09.01.2026:

Donroe-Doktrin: Trumps Angriff auf Venezuela ist Teil eines imperialistischen Plans zur Durchsetzung der US-Vorherrschaft in Lateinamerika

 

Und wie sieht’s im Innern der USA aus? Die diesjährige Fußball-WM findet in einem Staat statt, wo Beamte der Abschiebebehörde ICE mit vermummten Gesichtern durch Städte ziehen und willkürlich Menschen festnehmen oder erschießen. Trump befiehlt willkürlich Einsätze der Nationalgarde in den Bundesstaaten, das Gesundheitswesen wird geschreddert, das Bildungsministerium und weitere Institutionen werden zu einem großen Teil aufgelöst. Politische Angriffe auf Hochschulen, Justiz und Presse gehören zum täglichen Geschäft. Unterstützung findet Trump dabei vielfach vom Obersten Gerichtshof, in dem seine Anhänger über die Mehrheit verfügen.

ICE NYT Like a military occupation  
kommunisten.de, 14.01.2026:
"Like a military occupation" - wie eine militärische Besetzung

 

"platt, ungebildet, ein oftmals überführter Lügner"

Schon vor 90 Jahren wird in einem Roman eine rechte nationalistische Machtergreifung in den USA und der Rausch der Gemeinsamkeit beschrieben, die in eine faschistische Herrschaft mündet. "Das ist bei uns nicht möglich" lautet der deutsche Titel des dystopischen Polit-Romans "It Can’t Happen Here" von Sinclair Lewis.

Dieser Roman aus dem Jahr 1935 klingt in großen Teilen wie eine Schilderung der US-Gegenwart. Der Roman beschreibt mit Blick auf den in Europa an die Macht gelangten Faschismus den Aufstieg des Senators Buzz Windrip, der der Wählerschaft verspricht, das Land wieder zu Wohlstand und Größe zu führen. Windrip präsentiert sich dabei als Verfechter des "vergessenen kleinen Mannes" und "traditioneller" amerikanischer Werte, der seinen Wähler:innen Lohn und Brot verspricht.

Dabei ist Buzz Windrip im Grunde eine peinliche Gestalt, ein berufsmäßiger Durchschnittsmensch: Er ist "platt, ungebildet, ein oftmals überführter Lügner, seine Weltanschauung nahezu idiotisch, während seine berühmte Frömmigkeit die eines Reisenden in religiösen Artikeln und sein noch berühmterer Humor der schlaue Zynismus eines Dorfkrämers" ist. Wer würde so jemanden wählen? Niemand! Das, was in Deutschland 1933 und in Italien 1922 geschehen ist, ist in den USA nicht möglich – wird von einer Reihe von Figuren zu Anfang des Romans im Brustton der Überzeugung geäußert.

Das erweist sich allerdings als Irrtum. Buzz Windrip gewinnt die Wahl und erlässt sogleich ein Ermächtigungsgesetz, mit dem er sich selbst die absolute Macht zusprechen lässt. Zusätzlich zu diesen Maßnahmen beschneidet Windrip die Rechte von Frauen und Minderheiten und beseitigt die einzelnen Bundesstaaten, indem er das Land in Verwaltungssektoren unterteilt. Die Regierung dieser Sektoren wird von Behörden geleitet, bei denen es sich in der Regel um prominente Geschäftsleute handelt.

Diejenigen, die eines Verbrechens gegen die Regierung beschuldigt werden, müssen sich vor Gerichten verantworten, die von Militärrichtern geleitet werden.

Der Roman endet mit einer totalen Machtausübung eines "Führers", dem Terror von Spezialeinheiten, die Jagd auf Andersdenkende und Minderheiten machen, der Gleichschaltung aller Medien, der Tilgung humanistischen Kulturgutes und letztlich der Errichtung von Konzentrationslagern.

Die Mehrheit der Amerikaner:innen befürwortet diese Maßnahmen, da sie diese als schmerzhaften, aber notwendige Schritte zur Wiederherstellung eines "America Great Again" ansehen. Als der versprochene wirtschaftliche Wohlstand ausbleibt und zu befürchten ist, dass immer mehr Bürger:innen desillusioniert werden, erfolgt eine Invasion in Mexiko, um den Patriotismus im Land wieder neu zu entfachen.

Parallelen nicht nur zu historischen Vorbildern - auch zur Gegenwart?

Hier bei uns kann nicht passieren, was in Europa passiert, denn die USA sind ein freies Land.

Davon ist anfangs auch Windrips Gegenspieler, der aufrechte Demokrat Doremus Jessup überzeugt. Er ist Journalist und Chefredakteur einer Zeitung. Da er sich das "Recht anmaßt, ein paar Tausend Lesern zu erzählen, was los ist", sagt sich Jessup, habe er auch die "priesterliche Pflicht, die Wahrheit zu sagen". Aber was heißt schon Wahrheit in dem entstehenden "neuen Amerika"? Jessup wird vors Gericht gestellt, er wird beschimpft, verleumdet, verlacht, geschlagen - schließlich wird er in ein Konzentrationslager gesperrt.

Dieser Roman über eine USA auf den Weg in den Faschismus war von Sinclair Lewis bewusst als eine politische Aussage konzipiert und als eine Warnung an seine Landsleute gedacht. Er ist einer der frühesten eindeutig antifaschistischen Romane der US-Literatur (neben "Die eiserne Ferse" von Jack London aus dem Jahre 1907).

Trump entpuppt sich als Wiedergänger eines Windrup.

Dass ein US-Präsident, wie ihn Sinclair Lewis beschrieben hat, neunzig Jahre nach seiner erschreckenden Fantasie tatsächlich drauf und dran ist, die US-Gesellschaft in dem beschriebenen Sinne umzumodeln, ist erschreckend.

"Ich beabsichtige, den Vereinigten Staaten eine solche Rüstung zu geben und sie in der Erzeugung von Kaffee, Zucker und Nickel so unabhängig von jeder Einfuhr zu machen, dass man auf die übrige Welt pfeifen kann – und für den Fall, dass die Welt dann die Unverschämtheit haben sollte, ihrerseits auf Amerika zu pfeifen, dann muss ich mich ihrer annehmen und nach Recht und Ordnung sehen."
Buzz Windrip

So lässt er den Protagonisten Windrup zu seinen Plänen sagen: "Ich habe grundlegende (wenn auch noch nicht spezifizierte) Pläne, um alle Löhne möglichst zu steigern und die Preise aller durch diese hoch entlohnten Arbeiter hergestellten Waren möglichst tief zu senken; ich bin hundertprozentig für die Arbeiter, aber hundertprozentig gegen alle Streiks; ich beabsichtige, den Vereinigten Staaten eine solche Rüstung zu geben und sie in der Erzeugung von Kaffee, Zucker und Nickel so unabhängig von jeder Einfuhr zu machen, dass man auf die übrige Welt pfeifen kann – und für den Fall, dass die Welt dann die Unverschämtheit haben sollte, ihrerseits auf Amerika zu pfeifen, dann muss ich mich ihrer annehmen und nach Recht und Ordnung sehen."

Trump Praesident Venezuelas++++++++++++++++++++++
Auf seinem Account bei Truth Social veröffentlichte US-Präsident Donald Trump am Sonntag, 11.1.2026, ein Foto von sich selbst mit der Beschreibung "amtierender Präsident von Venezuela“.
Trump erklärte, seine Regierung werde Venezuela und seine Ölvorkommen während einer Übergangsphase "verwalten". 
https://truthsocial.com/@realDonaldTrump/posts/115879509461234235


Die selben Worte kann man heute vom aktuellen US-Präsidenten hören. Verblüffend an Lewisʼ Roman ist also nicht nur, welche Parallelen er zu den historischen Vorbildern, sondern auch zur Gegenwart aufweist: die angeblichen Interessen des kleinen Mannes, die vertreten werden sollen, der Widerwille gegen das etablierte politische System und die Medien, die Skrupellosigkeit beim Umgang mit der Wahrheit ("Fake News"), ihr Rassismus, ihre Beschwörung einer nie dagewesenen idyllischen Vergangenheit, ihr Fremdenhass und ihr geschichtsblinder Nationalismus. Trump entpuppt sich als Wiedergänger eines Windrup.

 

"Die einzige Grenze meiner Macht als Oberbefehlshaber der Streitkräfte der USA beim Einsatz globaler Macht ist meine eigene Moral. Mein eigener Verstand. Das ist das Einzige, was mich stoppen kann. Ich brauche kein Völkerrecht, denn ich will niemanden verletzen. Die US-Regierung wird das Völkerrecht respektieren, aber ich bin der Schiedsrichter, ob seine Einschränkungen auf die USA angewandt werden."
Donald Trump, New York Times, 8.1.2026

Dem Autor Sinclair Lewis (1885-1951) wurde 1930 als erstem US-Amerikaner der Nobelpreis für Literatur zugesprochen. Lewis wusste vieles über den Aufstieg der Nazis durch seine zweite Frau Dorothy Thompson. Sie war Auslandskorrespondentin in Berlin und hatte Hitler sogar persönlich interviewt.

Sein Roman von 1935 "Das ist bei uns nicht möglich" war in den USA sehr erfolgreich und hatte eine starke politische Wirkung. Eine Bühnenfassung, die im Herbst 1936 Premiere feierte wurde gleichzeitig in 21 Theatern aufgeführt. In Deutschland erlebte das Stück seine Uraufführung am 20. September 2017 in den Kammerspielen des Deutschen Theaters (Berlin).

Der Roman erschien 1936 in Amsterdam in deutscher Sprache, in der DDR erneut 1984. Als Trump seine erste Präsidentschaft antrat, hat der Berliner Aufbau-Verlag den Roman im Jahr 2017 erneut veröffentlicht (2020 auch in einer Taschenbuch-Ausgabe).

Trump – Gallionsfigur des "democratic backsliding"?

Angesichts eines Trump in den USA und den Erfolgen der Rechten in Europa ist er von großer Aktualität. Auch weil der Roman wenig Hoffnung macht, dass sich eine solche Herrschaft, wenn sie sich einmal durchgesetzt hat, schnell wieder verabschieden würde. Der Roman endet jedenfalls nicht besonders zuversichtlich.

Trumps Politik ist Ausdruck einer aktuellen Spielart imperialistischer Herrschaft.

Sie ist Teil der Auseinandersetzung um die Neuordnung der Welt, vor deren Hintergrund sich auch die EU und Deutschland bewegen. Nicht zuletzt ist daher auch die deutsche und europäische Aufrüstung maßgeblich der Gefolgschaft der USA geschuldet, um die europäische Flanke der NATO gegenüber Russland und China zu sichern.

Wird die Trumpsche Politik eines rechtsautoritären Nationalismus dauerhaft Bestand haben?

Darüber gehen die Meinungen unter den Linken auseinander. Ingar Solty z.B. bezweifelt, dass Trump dauerhaft eine breite Zustimmung in der Bevölkerung findet. Gerade die breit gefächerte Arbeiterklasse – von weißen Wählern bis hin zu Latinos, Asian-Americans und Native Americans – hätte ihn zunächst vor allem aus Frustration über die Biden-Administration und ihre schwierige wirtschaftliche Situation gewählt. Und diese Erwartungen wird Trump auf Dauer nicht erfüllen können.[1]

Der Politikwissenschaftler Bernd Greiner ist da skeptischer: "Dank eifriger Hilfstruppen aus der Mitte der Gesellschaft und einer immer blutleereren Demokratischen Partei gelang es rechten Populisten, die Klassenkämpfe der frühen Jahre zunehmend in Kulturkriege umzubiegen. Mit Beschwerden über den Zustand der Kultur ließen sich höhere Erträge einfahren als mit einer Debatte über ökonomische Missstände. Werteverfall wog schwerer als der Verlust von Arbeitsplätzen und der Bankrott von Farmen. Wirtschaftliches galt als politikferner Bereich, wo entweder die Kräfte der Natur oder Gottes Wille herrschen."[2]

Die MAGA-Bewegung (MakeAmericaGreatAgain) und Trumps Politik, die gegen Migration, Freihandel, gegen Minderheitenrechte, gegen internationale Institutionen Front macht, scheint also hegemoniale Kraft und Anziehungskraft auszuüben. Soziologen sprechen von einer "rechtspopulistischen Revolution" und der Gefahr eines "democratic backsliding" - nicht nur in den USA sondern auch in weiten Teilen Europas.

txt: Günther Stamer

Buch Das.ist bei uns nicht moeglich TB Aufbau


Sinclair Lewis: Das ist bei uns nicht möglich.

Roman
Aufbau TB, Berlin 2020, 442 Seiten, 16 Euro
Hier bestellen: https://www.aufbau-verlage.de/aufbau-taschenbuch/das-ist-bei-uns-nicht-moglich/978-3-7466-3694-8 

 

   

 

 

 

 

 

Anmerkungen

[1] Ingar Solty: Trumps Triumph? Gespaltene Staaten von Amerika, autoritärer Staatsumbau, neue Blockkonfrontation. VSA Verlag, Hamburg 2025

[2] Bernd Greiner, Weißglut. Die inneren Kriege der USA, C.H. Beck 2025


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