Der Kommentar

Rezo Die Zerstoerung der CDUKommentar von Leo Mayer

24.05.2019: Ein Video macht Furore. In einem grandiosen 50minütigen Video zerlegt Rezo die CDU. Er beweist, dass die CDU die Reichen immer reicher macht, während die Mehrheit verliert, dass die CDU an völkerrechtswidrigen Kriegen beteiligt ist, dass CDU-Politiker*innen inkompetent sind und lügen, dass die CDU unsere Zukunft und unser Leben zerstört – und dass die SPD nicht besser ist.

 

Die Zerstörung der CDU.
Rezo ja lol ey
Die Europawahl bzw EU-Wahl steht vor der Tür. Ob CDU, SPD oder AfD gute Parteien sind, die im Einklang mit Wissenschaft und Logik stehen, versuche ich in diesem Video zu beantworten. In jedem Fall: Geht wählen am nächsten Wochenende. Sonst entscheiden Rentner über eure Zukunft und geil ist das nicht.

 

Aber an einer Stelle liegt Rezo ein bisschen daneben: Wer ist schuld am Klimawandel? Wir, die Menschen, meint Rezo.

Dabei haben doch die menschlichen Lebens- und Gesellschaftsformen, die ja bekanntlich historisch und kulturell sehr verschieden ausfielen, über Zehntausende von Jahren die Existenz des homo sapiens nicht gefährdet. Es ist erst der globale Kapitalismus, also eine sehr junge Wirtschaftsform, der diese gigantischen Zerstörungswirkungen entwickelt.

Es liegt auf der Hand, dass eine Produktionsweise, die auf grenzenlosem Wachstum basiert, weil ihre Triebkraft nicht die Befriedigung menschlicher Bedürfnisse ist, sondern die getrieben wird durch die Konkurrenz und die Jagd nach dem maximalen Profits - für den es keine natürliche Obergrenze gibt -, in einer begrenzten Welt an ihre Grenzen stoßen, bzw. diese Welt vernichten muss.

Zwar setzten sich im Kapitalismus umweltschonende Technologien tendenziell durch, weil höhere Ressourcenproduktivität - wenn z.B. aus einer Tonne Stahl etc. mehr Gebrauchsgüter als vorher hergestellt werden - zu höherer Arbeitsproduktivität und damit zu einem höheren Gewinn führt. Aber der ressourcenschonende Effekt wird durch das kapitalistische Produktionswachstum zunichte gemacht. Im Rahmen der kapitalistischen Produktionsweise haben umweltschonendere Technologien bisher nicht dazu geführt - und werden auch nicht dazu führen -, dass der Verbrauch von Ressourcen und der Ausstoß von Abfall gesunken wäre.

Die Steigerung der Ressourcenproduktivität hat die Naturzerstörung nicht gestoppt, weil das Produktionswachstum nicht gestoppt worden ist. Und dieses kann nicht gestoppt werden, so lange die Gesetzmäßigkeiten der kapitalistischen Produktionsweise die wirtschaftlichen Prozesse bestimmen und jeden einzelnen Kapitalisten zwingen, sein Kapital fortwährend auszudehnen, den maximalen Profit zu erzielen und seine Produktion auf ständig erweiterter Stufenleiter fortzusetzen, um sein Kapital zu erhalten.

Das Kapital ignoriert - und muss in seinem systemimmanenten Streben nach Maximalprofit ignorieren -, dass wir auf unserem Planeten in einer endlichen Welt mit ihren objektiven Grenzen leben. Die Natur ist weder in der Lage, in ständig wachsendem Maße der Produktion die Rohstoffe zu liefern noch deren Abfälle aufzunehmen. Die Folge ist die unaufhaltsam voranschreitende Zerstörung der Natur.

Dazu kommt, dass im globalen Kapitalismus die Multis die Staaten in einen Wettlauf um die günstigsten Bedingungen für die Kapitalverwertung jagen. In diesem Wettbewerb weigern sich die Regierungen, die Kapitalverwertungsbedingungen durch Umweltauflagen zu verschlechtern. und selbst wenn es gelingt, in dem einen oder anderen Staat strengere Umweltschutzrichtlinien zu erkämpfen, werden die unterlaufen, wenn dafür andere Staaten die "internationalen Investoren" einladen, ihre Produktion in ihr Land zu verlagern, wo man sie nicht behindern wird. Oder wenn in Brasilien, dem Land mit dem größten Regenwaldgebiet der Erde, ein Neofaschist regiert, der den Klimawandel leugnet und der Agro-Industrie und umworbenen internationalen Investoren freie Hand bei der Vernichtung der brasilianischen Regenwälder lässt.

Es ist ziemlich klar, dass die gegenwärtige Produktions- und Konsumtionsweise nicht aufrecht zu erhalten ist. Die Frage ist nur, ob alles so weiterläuft bis ins Chaos, oder ob ein demokratisch organisierter Übergang eröffnet wird. Aber es ist wohl so, wie Elmar Altvater schrieb, dass selbst unter "der Drohung der Klimakatastrophe eher die Existenz des Planeten in Frage gestellt wird als die des kapitalistischen Wirtschaftssystems".

Man kann also in Abwandlung eines berühmten Satzes von Max Horkheimer auch sagen: Wer vom Klimawandel spricht, darf vom Kapitalismus nicht schweigen. Oder noch einfacher, Wer die Ursachen beim "Menschen" sieht, liegt daneben.

Leo Mayer

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Ratschlag marxistische Politik:

Gewerkschaften zwischen Integration und Klassenkampf

Samstag, 20. April 2024, 11:00 Uhr bis 16:30 Uhr
in Frankfurt am Main

Es referieren:
Nicole Mayer-Ahuja, Professorin für Soziologie, Uni Göttingen
Frank Deppe, emer. Professor für Politikwissenschaft, Marburg

Zu diesem Ratschlag laden ein:
Bettina Jürgensen, Frank Deppe, Heinz Bierbaum, Heinz Stehr, Ingar Solty

Anmeldung aufgrund begrenzter Raumkapazität bis spätestens 13.04.24 erforderlich unter:
marxlink-muc@t-online.de

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