Der Kommentar

Stephan Lessenich 30.01.2018: Jedes Jahr analysiert Oxfam die Statistiken zur weltweiten Vermögensverteilung. Die neuesten Erhebungen zeigen: Das reichste Prozent der Menschen strich 82 Prozent des im vergangenen Jahr erwirtschafteten Vermögenswachstums ein, während die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung leer ausging.  

Ein Kommentar von Stephan Lessenich

Jedes Jahr aufs Neue offenbart der Oxfam-Bericht zu Armut und Reichtum Erschreckendes: Die Lebenschancen auf dieser Welt sind in einem geradezu unglaublichen Maße ungleich verteilt.

Man kann aber auch sagen, dass Oxfam alle Jahre wieder das allseits Bekannte enthüllt: Der globale Kapitalismus kennt wenige Gewinner, denen es möglich ist, sich auf geradezu obszöne Art und Weise zu bereichern. Und er schafft viele Verlierer, die in menschenunwürdigen Verhältnissen leben und unter unsäglichen Bedingungen arbeiten müssen.

Dass beides, Gewinnen und Verlieren, im globalen Kapitalismus miteinander zusammenhängt, kann nicht oft genug deutlich gemacht werden: Die Einkommen und Vermögen der Reichen und Superreichen dieser Welt werden aus der Arbeit und der Armut von großen Bevölkerungsmehrheiten rund um den Globus geschöpft. Das ist das eigentlich Skandalöse an den Verhältnissen, die Oxfam zu Beginn eines jeden Jahres dokumentiert: Die einen bereichern sich auf Kosten der anderen.

Dieses Prinzip gilt in jedem einzelnen Land dieser Welt – und es gilt ebenso im Weltmaßstab. In praktisch allen Ländern der Welt wächst die soziale Ungleichheit, können Reiche und Superreiche immer mehr Einkommen und Vermögen auf sich konzentrieren. Aber auch weltweit sind die Ungleichheiten nach wie vor extrem: Wäre die gesamte Welt ein einziges Land, so läge die Einkommensungleichheit desselben auf dem Niveau Südafrikas, seines Zeichens eines der ungleichsten Länder überhaupt.
Nationale und globale Umverteilung

So gesehen hat die ungeheure Kluft zwischen Arm und Reich immer einen doppelten Index, einen nationalen und einen globalen. Überall dort, wo das gute Leben der Reichen dieser Welt auf Kosten der schlechten Arbeit ihrer Armen zur Sprache kommt, muss daher immer beides Thema sein: Die national wie global krasse Ungleichverteilung von Lebenschancen. Und immer dann, wenn es um Politiken zur Bekämpfung solch extremer Ungleichheiten geht, hat beides auf der Agenda zu stehen: nationale und globale Umverteilung.

Beides zusammenzudenken und beides gleichzeitig anzugehen, das ist die politische Herausforderung unserer Zeit. Eine doppelte Herausforderung, die so groß ist, dass nicht nur der öffentliche Druck auf Unternehmen und Regierungen, auf „die Wirtschaft“ und „die Politik“ gefragt ist. Sondern auch die Selbstbefragung der national und global Bessergestellten, ob und wie sich die systematische Ungleichverteilung von Lebenschancen überhaupt rechtfertigen lässt. Ob die Welt weiterhin damit (und davon) leben kann, ein globales Südafrika zu sein.

Diese gesellschaftliche Lebens-, ja Überlebensfrage ist nicht nur an die Adresse der national Reichen und Superreichen zu richten, sondern auch an die der global Privilegierten und Hyperprivilegierten. Sie ist eine Frage nicht nur der verheerenden Folgen des „Neoliberalismus“, sondern eine der Funktionsweisen kapitalistischer Ökonomie als solcher. Und sie stellt sich nicht nur mit Blick auf die Macht wirtschaftlicher Eliten, eine Politik zu ihren Gunsten herbeizuführen. Sondern sie betrifft auch die Bereitschaft vieler Menschen in den reicheren Gesellschaften dieser Welt, unsägliche Arbeits- und Lebensbedingungen hinzunehmen, solange sie selbst nicht unmittelbar davon betroffen zu sein meinen.

Global denken, lokal handeln: Dieses Motto reicht nicht mehr aus, wenn es gilt, dem guten Leben der einen auf Kosten der schlechten Arbeit der anderen ein Ende zu bereiten. Globales Denken verlangt nach nationalem und transnationalem Handeln. Und zwar bevor schon wieder der nächste Oxfam-Bericht erscheint – und neuerlich das Bekannte enthüllt.

Prof. Dr. Stephan Lessenich arbeitet am Lehrstuhl für Soziale Entwicklungen und Strukturen (Institut für Soziologie der Ludwig-Maximilians-Universität München). Von 2013 bis 2017 war er Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Soziologie. 2016 wurde sein Buch „Neben uns die Sintflut. Die Externalisierungsgesellschaft und ihr Preis“ (Hanser Berlin 2016) veröffentlicht. Buchbesprechung: »Leben wie Trump in 'America'? Aktuelle Bücher hinterfragen die 'imperiale Lebensweise'«
Lessenich ist Ko-Vorsitzender der Partei MUT.

Text übernommen von isw

Wir sprechen über Palästina

Gazakrieg Grafik Totoe 2024 04 07

mit Rihm Miriam Hamdan von "Palästina spricht"

Wir unterhalten uns über den israelischen Vernichtungskrieg, die Rolle Deutschlands (am 8. und 9. April findet beim Internationalen Gerichtshof in Den Haag die Anhörung über die Klage Nicaraguas gegen Deutschland wegen Beihilfe zum Völkermord statt), die Situation in Gaza und dem Westjordanland und den "Tag danach".

Onlineveranstaltung der marxistischen linken
Donnerstag, 18. April, 19 Uhr

https://us02web.zoom.us/j/82064720080
Meeting-ID: 820 6472 0080


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Logo Ratschlag marxistische Politik

Ratschlag marxistische Politik:

Gewerkschaften zwischen Integration und Klassenkampf

Samstag, 20. April 2024, 11:00 Uhr bis 16:30 Uhr
in Frankfurt am Main

Es referieren:
Nicole Mayer-Ahuja, Professorin für Soziologie, Uni Göttingen
Frank Deppe, emer. Professor für Politikwissenschaft, Marburg

Zu diesem Ratschlag laden ein:
Bettina Jürgensen, Frank Deppe, Heinz Bierbaum, Heinz Stehr, Ingar Solty

Anmeldung aufgrund begrenzter Raumkapazität bis spätestens 13.04.24 erforderlich unter:
marxlink-muc@t-online.de


 

Farkha2023 21 Buehnentranspi

Farkha-Festival 2024 abgesagt.
Wegen Völkermord in Gaza und Staatsterror und Siedlergewalt im Westjordanland.
hier geht es weiter zum Text


 

 

UNRWA Gazakrieg Essenausgabe

UNRWA Nothilfeaufruf für Gaza
Vereint in Menschlichkeit, vereint in Aktion

Mehr als 2 Millionen Menschen, darunter 1,7 Millionen Palästina-Flüchtlinge, zahlen den verheerenden Preis für die Eskalation im Gazastreifen.
Zivilisten sterben, während die Welt zusieht. Die Luftangriffe gehen weiter. Familien werden massenweise vertrieben. Lebensrettende Hilfsgüter gehen zur Neige. Der Zugang für humanitäre Hilfe wird nach wie vor verweigert.
Unter diesen Umständen sind Hunderttausende von Vertriebenen in UNRWA-Schulen untergebracht. Tausende unserer humanitären Helfer sind vor Ort, um Hilfe zu leisten, aber Nahrungsmittel, Wasser und andere lebenswichtige Güter werden bald aufgebraucht sein.
Das UNRWA fordert den sofortigen Zugang zu humanitärer Hilfe und die Bereitstellung von Nahrungsmitteln und anderen Hilfsgütern für bedürftige Palästina-Flüchtlinge.
Dies ist ein Moment, der zum Handeln auffordert. Lassen Sie uns gemeinsam für die Menschlichkeit eintreten und denjenigen, die es am meisten brauchen, die dringend benötigte Hilfe bringen.

Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge

Spenden: https://donate.unrwa.org/gaza/~my-donation


 

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