Kapital & Arbeit
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14.07.10: Die Ölpest im Golf von Mexico ist ein Fanal für die hemmungslose Zerstörung der Ökosysteme durch die Öl-Multis. Eine neue Studie des UN-Umweltprogramms UNEP zeigt, dass BP kein Einzelfall ist. "Der Raubbau an der Natur durch die Wirtschaft setzt sich seit Jahren ungehindert fort", sagte der Leiter des UN-Umweltressorts Achim Steiner bei der Vorstellung der Studie. Die 3000 bedeutendsten Konzerne verursachen dieser Studie zufolge jährlich einen Umweltschaden von annähernd 2000 Milliarden Euro. Bei ihrer Jagd nach Profit schenken die Unternehmen dem Arten- und Umweltschutz keine Beachtung. Mit der Folge, dass Wildnis, Arten, Lebensräume und Ökosysteme in immer schnellerem Tempo verschwinden.

Im Jahr 2002 hatten sich 192 Länder beim Umweltgipfel in Johannesburg darauf verpflichtet, bis 2010 den Verlust der Artenvielfalt "global, regional und national" zu bremsen. Mit der neuen Studie muss die UN nun einräumen, dass diese Ziele nicht erreicht werden. Die Arten sterben heute 100-mal schneller aus, als die Evolution vorgibt. Täglich sterben bis zu 130 Arten aus, vernichten die Holzkonzerne Urwälder von der eineinhalbfachen Fläche der Schweiz, Moore werden trockengelegt, Flüsse in Betonbetten begradigt, die Oberfläche zubetoniert, Luft und Wasser verschmutzt. Jedes Jahr gehen zwölf Millionen Hektar landwirtschaftlicher Fläche verloren.

"In vielen Konzernen gilt noch immer die Devise: Natürliche Ressourcen sind unerschöpflich", warnen die Umweltexperten der UN. Sie kritisieren, dass nur zwei der hundert größten Konzerne der Welt den Erhalt der Ökosysteme als ein strategisches Ziel ihrer Unternehmenspolitik definieren. Von 1100 befragten Spitzenmanagern internationaler Konzerne fürchtet nur jeder Vierte, dass Artensterben und die Zerstörung ganzer Ökosysteme das eigene Geschäft beeinträchtigen könnte. So sehen die Vereinten Nationen auch den Grund für diese Ignoranz der Konzerne in den fehlenden Folgen für die Bilanz der Unternehmen. Insofern ist BP eine Ausnahme. Denn für BP ist der Kampf gegen die Ölpest zum Kampf und Wettlauf um das eigene Überleben geworden. Die Rechnung für Aufräumarbeiten und Entschädigungszahlungen könnte eine Größenordnung erreichen, die BP zum Übernahmekandidaten für andere Öl-Multis macht. Generell gelte jedoch, so Achim Steiner, dass die Nutzung des Ökosystems keinen Marktpreis habe. "Kosten für Umweltschäden tragen Versicherer, die Bevölkerung und Steuerzahler", sagte der UN-Umweltchef. Er fordert, dass durch Abgaben und Steuern die Nutzung der Umwelt nach dem Vorbild der CO2-Verschnutzungsrechte einen Preis bekommen müsse.

Ob angesichts der Dimension und Geschwindigkeit der Umweltzerstörung mit solchen Instrumenten der Weg in die ökologische Katastrophe aufzuhalten ist, wird stark bezweifelt. Susan George meint: "Der Kapitalismus ist das berühmte Fahrrad, das immer in Schwung bleiben muss, wenn es nicht fallen soll, und die Konzerne stehen in Konkurrenz zueinander, um zu sehen, wer am kräftigsten in die Pedale treten kann, bevor er an die Wand fährt."

Auch die DKP sieht die Notwendigkeit, dass die kapitalistische Produktionsweise überwunden werden muss, um eine umweltschonende und nachhaltige Produktions- und Konsumtionsweise zu erreichen. "Die Krise ist Ausdruck dafür, dass die kapitalistische Produktionsweise an ihre natürlichen Grenzen stößt. Weil höhere Ressourcenproduktivität - wenn z.B. aus einer Tonne Stahl etc. mehr Gebrauchsgüter als vorher hergestellt werden - zu höherer Arbeitsproduktivität führt, setzen sich umweltschonende Technologien im Kapitalismus tendenziell durch. Aber deren ressourcenschonender Effekt wird durch das kapitalistische Produktionswachstum zunichte gemacht: Da die Verwertung des Werts der Selbstzweck des Kapitals und die wachsende Aneignung des abstrakten Reichtums das treibende Motiv kapitalistischer Produktion ist, kennt das Kapital kein Maß außer sich selbst und leugnet jegliche Grenzen. Die Folge ist die unaufhaltsam voranschreitende Zerstörung der Natur.

Im Rahmen der kapitalistischen Produktionsweise haben umweltschonendere Technologien bisher nicht dazu geführt - und werden auch nicht dazu führen -, dass der Verbrauch von Ressourcen und der Ausstoß von Abfall gesunken wäre. Die Steigerung der Ressourcenproduktivität hat die Naturzerstörung nicht gestoppt, weil das Produktionswachstum nicht gestoppt worden ist. Und dieses kann nicht gestoppt werden, so lange die Gesetzmäßigkeiten der kapitalistischen Produktionsweise die wirtschaftlichen Prozesse bestimmen und jeden einzelnen Kapitalisten zwingen, sein Kapital fortwährend auszudehnen, den maximalen Profit zu erzielen und seine Produktion auf ständig erweiterter Stufenleiter fortzusetzen, um sein Kapital zu erhalten.

Das Kapital ignoriert - und muss in seinem systemimmanenten Streben nach Maximalprofit ignorieren -, dass wir auf unserem Planeten in einer endlichen Welt mit ihren objektiven Grenzen leben. Die Natur ist weder in der Lage, in ständig wachsendem Maße der Produktion die Rohstoffe zu liefern noch deren Abfälle aufzunehmen. Wie Marx prognostiziert hat: Die kapitalistische Produktionsweise untergräbt beide Quellen des sachlichen Reichtums: die menschliche Arbeitskraft und die äußere Natur."

(Der Weg aus der Krise: Der Mensch geht vor Profit - Den Kapitalismus überwinden)

txt: lm
foto: pepeketua

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