Internationales

29.05.2026: Israel weitet Landbesetzung in Gaza aus und macht Gaza zu einem Ort, an dem man nicht mehr leben kann ++ trotz sogenanntem Waffenstillstand Massaker an der Bevölkerung ++ UN: Israel setzt "systematisch" sexualisierte Gewalt als Kriegswaffe ein

 

Israel kontrolliert bereits 60 % von Gaza. Jetzt hat Netanjahu die Ausdehnung auf 70 % angeordnet. Das bedeutet, dass mehr als 2,3 Millionen Menschen an einen Wüstenstreifen am Meer gezwungen werden, der nicht größer als 109 qkm ist – eine Fläche, die der Stadt Heidelberg mit ihren 155.000 Einwohnern entspricht.

Wie soll eine so zusammengedrängte Bevölkerung in Zelten überleben, unter Belagerung, ohne Sicherheit, ohne ausreichende Nahrung oder Wasser, während sie jeden Tag bombardiert und getötet wird? Ein zusammengebrochenes Gesundheitssystem, zerstörte Krankenhäuser und Kinder, die in Angst, Hunger und Krankheit leben, in einem Raum, der grundlegend ungeeignet für menschliches Leben ist.

" Hier kämpfen die Menschen nicht nur gegen den Tod durch Bombardements, sondern auch gegen Moskitos, Fliegen, Ameisen, Ratten und Skorpione"

Ohne ausreichend sauberes Wasser, fast ohne medizinische Versorgung, aber mit großen Müllbergen, die nicht abtransportiert werden. 40 Millionen Tonnen Müll in ganz Gaza sind ein idealer Nährboden für Epidemien und Krankheiten. In mindestens 80 Prozent der Lager wimmelt es von Nagetieren. Ärztinnen und Ärzte, die in Gaza arbeiten, berichten, dass sie viele Patienten – darunter auch Kinder – haben, deren Zehen und Finger von Nagetieren angenagt und zerbissen wurden. Auch Krätze und Flöhe sind weit verbreitet. Es gibt keine ordentliche Abfallentsorgung, Vertilgungsmittel gegen Ratten und Reinigungsmittel wie beispielsweise Seife dürfen nicht nach Gaza eingeführt werden.

Gaza Zeltstadt


"Gaza ist kein Ort mehr, an dem man leben kann. Jeder Tag ist ein neuer Kampf ums Überleben. Es gibt nicht genug Wasser, keine Stromversorgung, keine Medikamente und nicht einmal die Mindestmenge an Nahrung. Abgenutzte Zelte, die Menschen weder vor der Sommerhitze noch vor der Demütigung der Vertreibung schützen können, Schutt, der Straßen und Erinnerungen verschlingt, Und Kinder, die zu den Klängen von Hunger und Angst einschlafen. Hier kämpfen die Menschen nicht nur gegen den Tod durch Bombardements, sondern auch gegen Moskitos, Fliegen, Ameisen, Ratten und Skorpione, in einer Umgebung, der Wasser, Medizin, Sicherheit und Würde geraubt wurde", schreibt der Arzt Mohammad Hamad aus Gaza.

Die Fortsetzung des israelischen Völkermordes an den Palästinensern und eine furchtbare humanitäre Katastrophe vollziehen sich vor den Augen der Welt.

Bomben und Raketen trotz "Waffenstillstand"

Das Blut, die Schreie und die Tränen, die Gaza in diesen Tagen des angeblichen "Waffenstillstands" heimsuchen, unterscheiden sich nicht von denen, die durch zwei Jahre israelischer Bombardements verursacht wurden. "Ich habe Gaza innerhalb von zwölf Monaten zweimal besucht. Die Kampfhandlungen hörten nie auf. Es verging keine Minute, in der man nicht Schüsse hörte. In der man den Beschuss nicht am ganzen Körper spürte", sagte die Präsidentin des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Mirjana Spoljaric Egger.

Und es ist kein Zufall, dass ein Wohnhaus an einem religiösen Feiertag angegriffen wird, an dem Familien zusammenkommen. In diesen Häusern, das ist bekannt, leben Generationen von Palästinensern, und die Raketen machen keinen Unterschied.

Nach dem Massaker am Vorabend von Eid al-Adha, dem islamischen Opferfest am 27. Mai, hat ein weiteres Massaker den ersten Tag der Feierlichkeiten mit Blut getränkt, als am Abend Flugzeuge das Zentrum von Gaza-Stadt bombardierten. Bei dem Angriff kamen mindestens 10 Menschen ums Leben, einige von ihnen waren in den Flammen gefangen. Unter den Opfern waren ein 9-jähriger Junge, zwei Schwestern im Alter von 12 und 13 Jahren, ein weiteres 12-jähriges Mädchen und ein 81-jähriger Mann. Tel Aviv erklärte, zwei hochrangige Hamas-Offiziere ins Visier genommen zu haben.

Seit dem sogenannten Waffenstillstand am 10. Oktober 2025 hat Israel in Gaza 922 Palästinenser getötet und 2.786 verletzt. Im gleichen Zeitraum bargen Teams des Zivilschutzes 781 Leichen aus den Trümmern. In den letzten Wochen haben die Angriffe an Zahl und Intensität zugenommen. Die israelische Regierung und die staatlichen Sender verkünden täglich die vollständige Besetzung des Gazastreifens.

Israel weitet Besatzungsgebiet aus

Gestern (28.5.) erklärte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bei einer öffentlichen Veranstaltung: "Früher hatten wir 50 % des Gazastreifens, jetzt sind wir bei 60 %. Ich habe angeordnet, auf 70 % zu erhöhen." Denjenigen im Saal, die ihm zuriefen, er solle den gesamten Gazastreifen besetzen, antwortete der Ministerpräsident amüsiert: "Schritt für Schritt, fangen wir mit 70 % an."

Der israelische Sender Channel 14 bestätigte das Vorhaben und sprach von einem mit den Vereinigten Staaten koordinierten Plan, die Besatzung durch fortwährende Bombardierungen und Tötungen in dem Teil des Gazastreifens auszuweiten, den Tel Aviv derzeit nicht kontrolliert. Für Palästinenser soll das Überleben in Gaza unmöglich gemacht werden, damit die israelische Abteilung für "freiwillige" Auswanderung aktiv werden kann. Diese wurde im März mit dem Ziel gegründet, die Bevölkerung in jedes Land der Welt zu deportieren, das nicht Palästina oder Israel ist. Zahlreiche Menschenrechtsorganisationen haben betont, dass keine Evakuierung als "freiwillig" bezeichnet werden kann, wenn unmögliche Lebensbedingungen geschaffen werden.

UN: Israel setzt "systematisch" sexualisierte Gewalt als Kriegswaffe ein

Obwohl die Erklärungen der Regierung unvereinbar sind mit den Verpflichtungen und dem UN-Mandat des von Trump geleiteten Friedensrats, äußern sich die Vereinigten Staaten weder zu den Drohungen ihres Verbündeten noch zu den Tausenden von Verstößen gegen den Waffenstillstand. Sie betrachten die Frage des völligen Mangels an Finanzmitteln als vorrangig. Laut einem Artikel der Financial Times sind die Kassen der von Donald Trump an der Spitze geführten Organisation völlig leer, während die ohnehin schon wackeligen Beziehungen zwischen Tel Aviv und den Vereinten Nationen eskalieren. Die UNO hat Israel gestern auf die Liste der Länder und Organisationen gesetzt, die im Verdacht stehen, "systematisch" sexualisierte Gewalt als Kriegswaffe einzusetzen.

Die Liste der Misshandlungen umfasse etwa "Vergewaltigungen, auch mit Gegenständen, Gruppenvergewaltigungen, versuchte Vergewaltigungen, körperliche Gewalt gegen die Genitalien, gezielte Schüsse auf die Genitalien", heißt es in dem noch unveröffentlichten Report von UN-Generalsekretärs António Guterres.

Als Vergeltungsmaßnahme hat Tel Aviv angekündigt, die Beziehungen zu Generalsekretär António Guterres "auf Eis gelegt" zu haben.

Foto oben: rote Linie: vor Waffenstillstand am 25.10.2025; gelbe Line: mit Waffenstillstand vereinbarte Linie; blaue Linie: 70 Prozent von Gaza durch Israel besetzt

Geschafft: Mehr als eine Million Unterschriften
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EBI Assoziierungsabkommen EU Israel klein

Europäische Bürgerinitiative "Gerechtigkeit für Palästina" erreicht mehr als 1 Million Unterschriften  ++ Schwelle in elf Ländern übersprungen, Deutschland schwach ++ Italien setzt Verlängerung des Verteidigungsabkommens mit Israel aus ++ EU will Sanktionen gegen Israel erörtern – neue Position der ungarischen Regierung steht noch aus
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Neues von der Solidaritätskampagne: Abdeckplanen zum Schutz vor Regen. Gaza wird nicht vergessen!

Gaza Soliaktion Regenplanen 2025 12 2
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