Internationales

alt24.03.2011:  Seit letzten Samstag haben die USA, England und Frankreich (und einige ihrer Satelliten und Wasserträger) den Krieg gegen Libyen eröffnet - endlich darf man wieder wieder für eine 'gute Sache' die Hochtechnologie der westlichen Bewaffnung zum Einsatz bringen. Die herrschenden Medien machen gute Geschäfte mit Direktberichten (möglichst nah am Ereignisort) und vielen Knechten der bürgerlich imperialistischen Aggressoren in diesen Medien sieht man an, was die TAZ am Montag dieser Woche ganz offen schrieb: "Freude über Luftangriffe".  Denn es geht ja allen nur um den 'Schutz der Zivilbevölkerung' - dafür darf man schon mal jedes Völkerrecht beiseite schieben.

Dass die geistigen Führer dieses Gutmenschentums in unserem Land - besonders prominent: Cohn-Bendit und Grünen-Chef Özdemir - diese Art des modernen Kreuzrittertums immer dann mit Vehemenz entdecken, wenn es den hegemonialen und imperialen Ansprüchen der USA, der BRD, der EU besonders dient, ist die eine Seite. Die andere Seite bleibt ihr Wegschauen bzw. Ignorieren des 'Schutzes der Zivilbevölkerung', wenn es den erwähnten Interessen nicht nutzt. Dieser Beispiele ist Legion. Ein ständiges und besonders gewichtiges ist die Reaktion auf das gewalttätige und Rache suchende Vorgehen der israelischen Regierung gegenüber der palästinensischen Nation, wie etwa in dem nachstehend beschriebenen kürzlichen Militäreinsatz. Auffallend, dass unsere Menschenrechtsmilitaristen den Mund in solchen Fällen nicht für 'Sanktionen' oder westliche Militäraktionen zum 'Schutz der Zivilbevölkerung' aufkriegen:

Hunderte von Soldaten des israelischen Militärs (IDF) drangen am Vormittag des 12. März' auf Militärfahrzeugen in das Dorf Awarta südlich von Nablus im Westjordanland ein und besetzten es, angeblich auf der Suche nach den Mördern von fünf Mitgliedern Siedlerfamilie in der (illegalen) israelischen Siedlung Itamar. Der brutale Mord war am gleichen Tag frühmorgens verübt worden und Awarta ist das nächst zu Itamar gelegene palästinensische Dorf.

Fünf Tage lang verhängte das Militär in dem Dorf eine Ausgangssperre und durchsuchte in dieser Zeit Wohnungen und verhaftete rund 300 der Bewohner, der jüngste war ein 14 Jahre alter Junge. Viele Männer wurden in die örtliche Jungenschule gebracht, wo ihnen Fingerabdrücke und DNA-Proben abgenommen wurden, einige wurden zum Militärstützpunkt bei Übergang Huwwra gebracht. Laut dem Bürgermeister Quays Awwad sind eine Woche nach der Militäraktion noch 55 Männer in Haft, gegenwärtig immer noch knapp 20. Einige der Verhafteten berichteten, dass sie von den Soldaten misshandelt wurden, während sie verhaftet und in Handfesseln waren. Laut Angaben der Bewohner wurde sogar eine 75 Jahre alte Frau mit Handschellen gefesselt und musste auf dem Boden sitzen, während die Soldaten ihr Haus durchsuchten. Auch eine 80-jährige Frau wurde von den Soldaten geschlagen.

Drei skandinavische Aktivisten der ISM waren während der fünftägigen Durchsuchungsaktion der IDF in Awarta - von Samstagnachmittag bis Mittwochmorgen. Von Dächern der Häuser des Dorfes wurden sie Augenzeugen, wie die israelischen Soldaten in die Häuser eindrangen, die Männer festsetzten und die Familien draußen zum Abwarten zwangen, während sie die Wohnungen durchsuchten und in großem Umfang das Eigentum der Bewohner zerstörten. Dabei setzten sie Blendgranaten ein und schossen in die Luft. Die ISM-Aktivisten besichtigten ebenfalls Wohnungen, die die Soldaten durchsucht hatten und fanden zerschlagene Fenster, zerschnittene Stromleitungen, zerschlagene Möbel und verunreinigtes Trinkwasser - alles ein Werk des Militärs.

Die Soldaten äusserten gegenüber den ISM-Aktivisten, dass sie den oder die Mörder der Siedlerfamilie suchten und: "Wir werden dieses Dorf durchsuchen bis wir jemanden gefunden haben." Im Prozess dieser 'Suchaktion' in den Häusern, zerstörten die Soldaten gerahmte Bilder, Möbel, Fernsehanlagen und Gaskocher. Sie schlugen Löcher in Wände und Böden, stahlen Geld und Schmuckstücke und gossen Flüssigkeiten über Computer. Das Militär beschlagnahmte 30 Häuser, um in den vier Nächten der Besatzung von Awarta dort zu schlafen. Aus etlichen Häusern jagten die Soldaten die Familien raus, so dass diese in den Nächten draußen geschützte Stellen oder eine Unterkunft bei Nachbarn zum Schlafen suchen mussten. In anderen Häusern zwangen sie die Familien in einem Raum zu nächtigen, während die Soldaten den Rest des Hauses belegten. In den besetzten Häusern verrichteten die Soldaten ihre Notdurft in Wohnräumen und nutzten die Bettwäsche als Toilettenpapier.

Eine Vielzahl der Häuser wurden auf diese Weise bis zu dreimal in den fünf Tagen der Besetzung 'durchsucht' und zerstört. Die Soldaten hatten offensichtlich kein erkennbares Vorgehensmuster bei der Auswahl der zu durchsuchenden Häuser oder der zu verhaftenden Menschen. "Es sah alles sehr nach Zufallsprinzip aus", stellte ein ISM-Aktivist fest. In mindestens einem Fall, am Montag, den 14. März, wussten die Soldaten nicht einmal den Mann eines gerade verhafteten Mannes und mussten die Familie danach fragen. Dieser Mann war das Mitglied des Dorfgemeinderates, Salim Qawaric. Annähernd 25 Soldaten drangen in sein Haus ein, verursachten schwere Zerstörungen am Eigentum der Familie, welche dabei im Hintergrund zusehen und warten musste. Am folgenden Tag kamen die Soldaten zurück und durchsuchten die Wohnungen nochmals, was zu neuen Zerstörungen an Haus und Hausrat der Familie führte.

Den ISM-Aktivisten wurde nicht erlaubt, Bilder zu machen. Als sie das trotzdem machten, richteten die Soldaten die Gewehre auf sie und schrien: "Macht keine Fotos!" Einem der Aktivisten wurde die Speicherkarte gestohlen, nachdem ein Soldat die Kamera mit Gewalt an sich gebracht hatte.

Während und als Folge der 'Durchsuchung' des Dorfes waren viele Familien ohne Gas, Essen, Wasser und Medikamente.

Es gab zahllose Berichte über physische Misshandlungen. Nach Berichten von Augenzeugen wurde der 28-jährige Machmud Zaqah mit auf dem Rücken gefesselten Händen und verbundenen Augen von mindestens 6 Soldaten über eine Zeit von zwei Stunden geschlagen, wobei er zwischenzeitlich immer wieder das Bewusstsein verlor und kein Gefühl mehr in Armen und Beinen hatte. Es gelang seiner Familie, ihn heimlich ins Rafidia-Krankenhaus in Nablus zu schaffen.  Er hatte eine ausgekugelte Schulter, Rückenverletzungen und ein bös verdrehtes Fußgelenk. Die Bewohner von Awarta berichteten ferner, dass Kinder von den Hunden, die die Soldaten bei sich führten, gebissen wurden. Ein junger körperbehinderter Mann wurde von einem Hund so gebissen, dass er ins Krankenhaus gebracht werden musste. Loay Medjet Abdet ist dadurch psychisch so verängstigt worden, dass er bei jedem Betreten seines Hauses einen neuen Angriff des Hundes erwartet.

Etwa 300 israelische Siedler, von denen etliche maskiert waren, drangen am Samstag, den 12. März, in das Dorf Awarta ein und warfen Scheiben von Fenstern mit Steinen ein, und sie brachen zwei Bewohnern die Arme. Die Dorfbewohner versuchten, ihre Wohnungen zu schützen - und wurden dabei von den Soldaten mit Tränengas beschossen.

Den ISM-Aktivisten war klar, dass die Repressalien der IDF in Awarta eine Form der kollektiven Bestrafung und Rache waren. Als ein Aktivist fragte: "Warum müsst ihr nur all diese Menschen so bestrafen?" entgegnete ein Soldat: "Wir müssen sie bestrafen, damit sie endlich verstehen lernen." Obwohl diese systematische Art der kollektiven Bestrafung nach internationalem Recht ungesetzlich ist, wird sie immer wieder vom israelischen Militär überall in der Westbank und im Gaza-Streifen angewandt.

Als Krankenwagen das Dorf zu erreichen versuchten, wurden sie vom israelischen Militär fest und zurück gehalten. Am 15. März konnten die ISM-Aktivisten selbst an einem Checkpoint in der Nähe von Awarta feststellen, dass Krankenwagen mehrere Stunden festgehalten wurden, bevor sie schließlich in das Dorf einfahren durften. Als Besatzungsmacht hat Israel nach Artikel 56 der Genfer Konvention die Verpflichtung, die Arbeit von medizinischem Personal in dem Konfliktgebiet nicht zu behindern.

Das dieses Ereignis nicht einmalig und allein stehend ist, zeigt ein Bericht der ihr 'Schweigen brechenden israelische Soldaten' auf, über den wir vor einiger Zeit schon berichteten. In deutschen Medien fanden sich zu der Militäraktion in Awarta lediglich Zeilen, wie diese: "Es gab Razzien und Verhaftungen in umliegenden palästinensischen Ortschaften, und einige der Straßensperren, die in den letzten Monaten entfernt worden waren, wurden neu aufgestellt." Dass es sich um eine völkerrechtswidrige Terrorisierung der Palästinenser handelte, war all unseren 'Schützern der Zivilbevölkerung' an der Seite der westlichen Imperien nicht der Rede wert. Awarta ist übrigens seit Jahren immer wieder ähnlichen Terrormaßnahmen von israelischer Seite ausgesetzt.

PS: Bis jetzt wurden die Mörder der Siedlerfamilie offenbar nicht gefunden.

Text und Übersetzung: hth  /  Quelle: ISM  (mit weiteren Bildern und englischen Berichten)

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Farkha Festival Komitee ruft zu Spenden für die Solidaritätsarbeit in Gaza auf

CfD communist solidarity dt
zum Text hier
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Farkha2023 21 Buehnentranspi

Farkha-Festival 2024 abgesagt.
Wegen Völkermord in Gaza und Staatsterror und Siedlergewalt im Westjordanland.
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Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge

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