02.09.2026: Nach dem Überfall auf Venezuela im Januar sichern sich die USA nun den Zugriff auf ein Fünftel der venezolanischen Ölreserven ++ Trump spricht vom "größten Öl-Deal in der Weltgeschichte", Delcy Rodríguez von "historischem" Abkommen ++ Venezuela steht komplett unter Vormundschaft ++ Enge Zusammenarbeit zwischen Caracas und Washington ++ Venezuela unterstützt USA bei Demontage des Internationalen Strafgerichsthofes
Am 28. August 2026 verkündete US-Präsident Donald Trump "DEN GRÖSSTEN ÖL-DEAL DER WELTGESCHICHTE".
"Wir sprechen von Milliarden von Dollar, die wir in Fässern mit venezolanischem Öl herausholen werden, wir werden es so schnell wie möglich von dort herausholen und unsere Reserven damit füllen. Wir werden uns das alles nehmen, wir haben den Krieg damit mehrmals bezahlt."
Donald Trump
Der Präsident belobigte dabei US-Außenminister Marco Rubio, Kriegsminister Hegseth und die "hochgeachtete Interims-Präsidentin" von Venezuela, Delcy Rodríguez.
Nach dem Überfall auf Venezuela im Januar und der Entführung von Venezuelas Präsidenten Nicolas Maduro hat sich die herrschende Klasse der USA nun einen bedeutenden Teil des venezolanischen Erdöls unter den Nagel gerissen. Bereits im Januar, kaum war Maduro "gefasst und entfernt", verkündete Trump, dass die "größten Ölkonzerne der Welt" nach Venezuela gehen würden."Wir werden unsere sehr großen US-Ölkonzerne, die größten der Welt, dorthin schicken, damit sie Milliarden von Dollar investieren, die stark beschädigte Infrastruktur, die Ölinfrastruktur, reparieren und anfangen, Geld zu verdienen."
Mit dem Abkommen mit der Marionettenregierung in Caracas übernehmen die USA nun offiziell die Kontrolle über ein Fünftel der venezolanischen Ölreserven - die als die größten weltweit gelten -, 17 Ölfelder mit Reserven von 65 Milliarden Barrel. Zum Vergleich: Die USA verfügen über Ölreserven von 46 Milliarden Barrel.
Der nun formalisierte Raub des venezolanischen Öls hat ein historisches Ausmaß. Die USA sichern sich 55 Prozent der effektiven Fördermenge der 65 Milliarden Barrel. Bei aktuellen Rohölpreisen von 80 bis 90 Dollar pro Barrel entsprächen diese Mengen potenziellen Umsätzen um die drei Billionen US-Dollar.
Dimensionen, die durch andere Raubzüge wie durch den Putsch im Iran 1953 oder den Krieg und die Besatzung des Irak bei weitem nicht erreicht wurden. Jakob Reimann hält die These plausibel, dass die USA "mit der gesicherten Kontrolle über das venezolanische Öl den größten einzelnen Ressourcenraub in der postkolonialen Ära durchführen. Womöglich sogar in der Geschichte des Kapitalismus insgesamt". [1]
Venezuela steht komplett unter Vormundschaft.
Für die Ausbeutung dieser Ölvorkommen soll ein privates Joint Venture gegründet werden, das, gemessen an den kontrollierten Vorkommen, aus dem Stand das zweitgrößte Ölunternehmen der Welt sein würde – hinter dem Riesen Saudi Aramco. Die USA gehen lt. Informationen des Weißen Hauses eine Partnerschaft mit dem venezolanischen Unternehmen North American Blue Energy Partners (Nabep) ein. Die von Trump geduldete Statthalterin in Caracas, Delcy Rodríguez, gewähre dem Unternehmen für 100 Jahre die Rechte an diesen Ölfeldern.
Das Weiße Haus erklärte weiter, das Abkommen werde für die USA "keine Kosten" verursachen. Das US-Verteidigungsministerium solle einen Eigentumsanteil von 35 Prozent an der Nabep-Muttergesellschaft erhalten. Außerdem werde den USA über das Außenministerium das Recht garantiert, 20 Prozent der Fördermenge zum Selbstkostenpreis zu erwerben. Die Mehrheit der Vorstandsmitglieder in dem Joint Venture solle aus US-Bürgern bestehen. Bei der Ernennung habe die US-Regierung ein Vetorecht.
Die USA entscheiden, wieviel Öl verkauft wird und die Erlöse kommen auf ein Konto in New York. US-Außenminister Marco Rubio entscheidet dann, wie das Geld in Venezuela ausgegeben wird.
Bereits jetzt kassieren die USA beim venezolanischen Öl kräftig ab. Die US-Invasion hat Venezuelas Ölindustrie zu einer Einnahmequelle für Washington gemacht. Seit dem Überfall im Januar ist der venezolanische Erdölexport um 30 Prozent gestiegen. Die Gründe liegen weniger in Investitionen als vielmehr in der höheren Auslastung der bestehenden Förderanlagen und den gestiegenen Verkäufen, weil die US-Sanktionen aufgehoben wurden. Wobei das Öl nicht mehr nach Kuba und China fließt, sondern in die USA, die es mit einer "Bearbeitungsgebühr" weiterverkaufen.
Der Gewinn fließt auf internationale Konten, die treuhänderisch von den USA verwaltet werden, und wird von dort je nach nationalem Bedarf an venezolanische Banken verteilt, immer vorbehaltlich der Genehmigung durch die Vereinigten Staaten und den Treuhandfonds. Trump sagt, er kontrolliere die Verwendung der Erlöse persönlich.
Laut Financial Times nahm Washington bis Juli 2026 über 13 Milliarden Dollar aus venezolanischen Ölverkäufen ein. Chevron und Shell tauschten seit April 2026 Anteile an den ergiebigsten Feldern des Orinoco-Gürtels, Washington öffnete per Generallizenz auch BP, Eni und Repsol den Zugriff. Der "größte Deal der Weltgeschichte" ist damit die Krönung eines längst laufenden Ausverkaufs der Rohstoffe eines souveränen Staates.
Nebenbei lässt Washington Venezuela für seine eigene Besetzung bezahlen. Der Ökonom Francisco Rodríguez sagt, die Trump-Regierung habe Venezuela 4,7 Milliarden US-Dollar – das sind 32 % seiner diesjährigen Ölexporte – in Rechnung gestellt, um die Kosten für die Invasion des Landes zu decken. Das Ausmaß sei mit den Reparationszahlungen Deutschlands nach dem Ersten Weltkrieg vergleichbar.
Wie weit die Abhängigkeit Venezuelas vom Imperium im Norden reicht, zeigt sich damit nicht erst bei der Förderung des Öls, sondern auch bei der Verfügung über die daraus erzielten Einnahmen.
Enge Zusammenarbeit zwischen Caracas und Washington
Der US-amerikanische Angriff vom 3. Januar auf Venezuela war der Auftakt für eine neue Form des Protektorats. Formal bleibt Venezuela souverän, tatsächlich ist das Land in eine totale Abhängigkeit von den USA geraten. Die USA sitzen bei allen strategischen Entscheidungen nicht nur mit am Tisch sitzen, sondern haben auch das letzte Wort. Wie Trump im Januar angekündigt hatte: Er werde "das Land regieren".
Wie reibungslos diese Zusammenarbeit zwischen Washington und Caracas funktioniert, zeigt nicht zuletzt die perfekt abgestimmte Kommunikation nach außen rund um das jüngste Energieabkommen, das Venezuela und die USA am 28. August abgeschlossen haben: US-Präsident Donald Trump spricht zum US-amerikanischen Publikum und verspricht niedrige Benzinpreise, Außenminister Marco Rubio übersetzt die Maßnahme in Privatinvestitionen und Arbeitsplätze für Venezuela und Interimspräsidentin Delcy Rodriguez beschwichtigt, dass die Souveränität Venezuelas durch das Abkommen unangetastet bleibe und die engen diplomatischen Beziehungen zu den USA ein guter Weg seien, das Land wirtschaftlich voranzubringen.
Delcy Rodríguez spricht von "historischem" Abkommen
"Diese Initiative ist das Ergebnis der Stärkung der Beziehungen zwischen Venezuela und den Vereinigten Staaten, und sie wird einen bedeutenden Investitionsfluss erleichtern, der auf die Erholung und den Wiederaufbau strategischer Infrastruktur für die Entwicklung unserer Kohlenwasserstoffindustrie abzielt, sagte die "Interimspräsidentin" Delcy Rodríguez am 29.8.2026 [https://x.com/delcyrodriguezv/status/2093499305063543068]
In einer Rede am 30. August spricht sie von einem "historischen" Abkommen" mit den USA, der außer den mehr als 100 Milliarden Dollar an Investitionen auch mehr als 209 Milliarden Dollar an Steuereinnahmen für den Staat einbringen würde, erklärte sie. Auf diese Weise werde die Vereinbarung "eine bedeutende Wirkung für die Wiedergeburt unserer Nation" haben. Eine höhere Ölproduktion werde Arbeitsplätze und höhere Einkommen mit sich bringen und auch Handel, Bauwirtschaft und öffentliche Dienstleistungen beleben. [https://x.com/delcyrodriguezv/status/2093913564926906557]
Der ehemalige venezolanische Planungsminister und heutige Harvard-Professor Ricardo Hausmann verurteilt das Abommen als verfassungswidrig. Als Interimspräsidentin verfüge Rodríguez über keinerlei Autorität, in diesem historischen Maß die Plünderung ihres Landes einzufädeln: Diese "unrechtmäßige Übergangsregierung" verfüge "über keinerlei Legitimität, dieses verfassungswidrige Abkommen abzuschließen", schreibt Ricardo Hausmann. Artikel 12 der venezolanischen Verfassung schreibt ausdrücklich vor, dass sämtliche Kohlenwasserstoffvorkommen "der Republik gehören und Teil des öffentlichen Eigentums" und "daher unveräußerlich und nicht übertragbar" sind.
Caracas: Demonstration gegen das Energieabkommen und den Ausverkauf des Landes an die USA.
https://x.com/Nexo_Latino/status/2094585954400927959
Venezuela unterstützt USA bei Demontage des Internationalen Strafgerichsthofes
Wie hörig die Regierung in Caracas der Trump-Regierung ist, zeigt sich auch daran, dass Venezuela aus dem Internationalen Strafgerichtshof (ICC/IStGH) austritt. Nachdem US-Außenminister Marco Rubio erklärte, die USA würden den ICC "Stück für Stück" zerlegen, gab der venezolanische Außenminister Felix Plasencia am 24. Juli bekannt, dass Venezuela die UNO über ihre "unwiderrufliche" Entscheidung informiert habe, aus dem Gerichtshof auszutreten.
Das US-Außenministerium lobte in einem Beitrag auf X diesen Schritt als Zeichen einer "Partnerschaft bei den von den USA angeführten Bemühungen, den korrupten und wertlosen IStGH aufzulösen". [https://x.com/statedept/status/2081139851597156361]
Die Monroe-Doktrin 2.0 als Vorlage für Landnahme und Raub
Es ist die Monroe-Doktrin mit den Mitteln des 21. Jahrhunderts oder anders ausgedrückt, ihre Version 2.0: Entführung des Staatschefs, Installation gefälliger Verwaltungen und die gewaltsame Aneignung der Bodenschätze eines fremden Volkes, – ein Dreiklang mit langer Tradition, kaschiert als Investitionsabkommen, verkündet mit der Marktschreierei eines Immobilienmoguls, der das größte Geschäft seines Lebens gemacht zu haben glaubt, auf Kosten eines Landes, das seine Toten zählt: Venezuela wurde im Juni 2026 von Erdbeben erschüttert mit über 6.500 Toten. Während das Land seine Toten begräbt, sichert sich der Nachbar dessen wertvollste Ressource
Die 1823 von US-Präsident James Monroe verkündete Doktrin erklärte den amerikanischen Kontinent für europäische Kolonialmächte für tabu – offiziell ein Akt antikolonialer Solidarität mit den jungen lateinamerikanischen Republiken. In Wirklichkeit ging es um die Sicherung des Kontinents als exklusive Verwertungssphäre des heranwachsenden nordamerikanischen Kapitals. Nicht die Befreiung Lateinamerikas von Fremdherrschaft war das Ziel, sondern der Ausschluss konkurrierender Kapitale – Großbritanniens, Frankreichs, Spaniens – von einem Markt- und Rohstoffraum, den die USA selbst zu erschließen gedachten.
Die "Bananenkriege" in Mittelamerika, die Errichtung der Kanalzone in Panama, die Präsenz der United Fruit Company als Staat im Staate, spätere Umstürze wie in Guatemala 1954 oder Chile 1973 sind Kapitel derselben Logik: Die Monroe-Doktrin funktioniert seit ihrer imperialistischen Kategorisierung als Rechtstitel, unter dem Washington Lateinamerika als Hinterhof behandelt, in dem eigene Kapitalinteressen jederzeit Vorrang vor der Souveränität der dortigen Staaten haben.
Der Venezuela-Deal von 2026 steht exakt in dieser Tradition – nur dass er den Umweg über einen Stellvertreterputsch gar nicht mehr braucht. Das entspricht faktisch weniger einer Wirtschaftspolitik als mehr einem staatlich exekutierten Raub. Ursprünglich sollte die Monroe-Doktrin europäische Kolonialmächte aus Lateinamerika heraushalten; bis heute fungiert sie offen als Eigentumsordnung des US-Imperialismus über einen ganzen Kontinent.
Siehe auch
Donroe-Doktrin: Trumps Angriff auf Venezuela ist Teil eines imperialistischen Plans zur Durchsetzung der US-Vorherrschaft in Lateinamerika
txt: Willy Sabautzki / Leo Mayer
Anmerkungen
[1] Der größte Raub: Venezuelas Öl und ein Imperium im Niedergang: https://etosmedia.de/politik/der-groesste-raub-venezuelas-oel-und-ein-imperium-im-niedergang/
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