26.08.2026: Nach Netanyahus absurdem Befehl, Gaza zu bombardieren, um das Spiel der Kinder zu unterbinden, mischt sich nun Trumps Schöpfung ein. Und palästinensische Eltern sehen sich gezwungen, ihre Kinder daran zu hindern, Drachen zu basteln ++ Israelische Streitkräfte besetzen ein UNRWA-Schulungszentrum in Ostjerusalem
Als "militante Aktivitäten" bezeichnet das Board of Peace das Fliegen handgefertigter Drachen über dem Himmel von Gaza: Gestern hat sich das Board of Peace, ein von Trump ins Leben gerufenes Gremium, das darauf abzielt, die Überreste des Völkerrechts und seiner Institutionen zu demontieren, zu einem Phänomen geäußert, das die israelische Regierung seit Sonntag zu einer Frage der nationalen Sicherheit erhoben hat: das Drachensteigen in Gaza, das unter palästinensischen Mädchen und Jungen weit verbreitet ist, weil es nur sehr wenig recyceltes Material erfordert, um ein wenig Abwechslung zu bieten.
Seit Beginn des Vernichtungskrieges hat das israelische Apartheidregime die Einfuhr großer Mengen an Spielzeug in den Gazastreifen verhindert und den Kindern damit eine Freude vorenthalten, die einst Teil ihres Alltags war. Da es den Familien immer schwerer fällt, Spielzeug zu kaufen, haben die Kinder begonnen, sich selbst welches zu basteln – aus jedem Material, das sie finden können.
Für ein Kind ist ein Drachen ein einfaches Spielzeug, für das man nur sehr wenig braucht. Ein Stück Papier oder Stoff, ein paar Stäbchen, ein langes Stück Schnur, ein offener Platz und eine leichte Brise reichen aus, um ihn in den Himmel steigen zu lassen.
Doch seit Sonntag sind die Drachen in einen ganz anderen Kontext geraten: Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz wies die Streitkräfte am Sonntag an, jeden in Gaza in die Luft gebrachten Drachen als militärische Bedrohung, als "Kriegshandlung", zu betrachten: "Ein Drachen ist wie eine Drohne zu behandeln, mit oder ohne Sprengstoff." Jeder, der einen Drachen steigen lässt, werde "sofort und mit größter Härte" bestraft.
Der Minister drohte mit gezielten Angriffen auf Gebiete, die als Startplätze für die Drachen gelten, sowie mit der Evakuierung der Bewohner aus den Gebieten, die als Quelle der Starts angesehen werden. Evakuierungsbefehle sind für das israelische Regime neben Bomben das wichtigste Mittel zur Vertreibung der palästinensischen Bevölkerung.
Ihm schloss sich Premierminister Netanjahu selbst an, der erklärte, er habe die Armee angewiesen, "alles in ihrer Macht Stehende zu tun", um gegen diese "tödliche Waffe" vorzugehen, "sie zu treffen, diejenigen zu treffen, die sie einsetzen, und den Ort zu treffen, von dem aus sie gestartet wird".
Da konnte Trumps Board of Peace (BoP) nicht zurückstehen. "Alle militanten Aktivitäten in Gaza müssen eingestellt werden, einschließlich des Drachensteigens", sagte ein Beamter des BoP.
Im Hintergrund steht eine seit langem bestehende Politik, die in diesen drei Jahren unerträgliche Ausmaße erreicht hat: Gaza unbewohnbar zu machen, indem man den Menschen alles vorenthält – sowohl lebensnotwendige Güter wie Wasser, Nahrungsmittel, Medikamente – als auch all das, was das Leben zu mehr als bloßem Überleben macht: ein Zuhause, die Schule, saubere Kleidung, ein Stück Schokolade oder ein Spiel, das der Fantasie und Vorstellungskraft Raum gibt und einen – wenn auch nur für wenige Stunden – aus dem Albtraum herausholt.
Die Hamas reagierte umgehend auf die Drohungen Israels und warf Tel Aviv vor, "Vorwände zu erfinden" und zu versuchen, "die Fortsetzung der Aggression gegen unser Volk zu rechtfertigen".
Und nun sind es die Eltern selbst und die Volkskomitees in Gaza, die dem ein Ende setzen wollen, aus Angst, dass ein Stück Papier oder Stoff zum x-ten Vorwand wird, den Tel Aviv nutzt, um die Bombardierungen gegen die palästinensische Bevölkerung fortzusetzen.
"Wir arbeiten unermüdlich und tun alles in unserer Macht Stehende, um diese Praxis zu beenden – nicht, um die Kindheit unserer Kinder einzuschränken, denen bereits die grundlegendsten Rechte auf Spielen und ein Leben in Sicherheit vorenthalten wurden, sondern um ihr unschuldiges Leben zu schützen", heißt es in einer gestern veröffentlichten Erklärung.
Der Absurdität des israelischen Vernichtungskrieges sind keine Grenzen gesetzt.
Ben Gvir: "UNRWA in unseren Händen"
Derweilen hat das israelische Regime das UNRWA-Zentrums in Kafr ’Aqab in Ostjerusalem am Dienstag (25.8.) besetzt und die UN-Mitarbeiter vertrieben. Dabei schoss das israelische Militär mit scharfer Munition auf Jugendliche, die sich in dem Zentrum aufhielten. Das Qalandiya Training College ist die älteste von der UNRWA, der UN-Agentur für palästinensische Flüchtlinge, betriebene Berufsschule für palästinensische Jugendliche.
https://x.com/itamarbengvir/status/2092204179351552263
Seit 1952, wie Roland Friedrich, UNRWA-Direktor für das Westjordanland, vor wenigen Wochen in Erinnerung rief, haben hier Tausende junger Menschen im Alter zwischen 15 und 19 Jahren ihren Abschluss gemacht, die in den weiß und blau gestrichenen Klassenzimmern einen Beruf erlernt und eine kostenlose Ausbildung erhalten haben. Zuletzt besuchten 270 Schülerinnen und Schüler die 16 angebotenen Kurse, doch von den Räumlichkeiten, den Krankenstationen, den Kindergärten und den Grundversorgungsdiensten profitieren über 16.000 Menschen des bevölkerungsreichsten Stadtteils Ostjerusalems.
Kafr ’Aqab ist ein armes, überbevölkertes Viertel ohne Grünflächen, Krankenhäuser und eine ordentliche Kanalisation. Öffentliche Dienstleistungen sind ein Wunschtraum: Israel stellt keine bereit (sie liegen jenseits der Mauer, heißt es), will aber auch nicht auf das Land verzichten, auf dem die Wohnblocks stehen. Die Palästinensische Autonomiebehörde wird daran gehindert, solche Dienstleistungen bereitzustellen: Hier hat sie nicht einmal formelle Befugnisse.
Ben Gvir brachte es auf X in wenigen Worten auf den Punkt: "UNRWA in unseren Händen", schrieb er zu einem Foto, das am Eingang des Qalandiya-Ausbildungszentrums aufgenommen wurde.
Premierminister Netanjahu ließ sich von seinem faschistischen Koalitionspartner nicht übertrumpfen und beanspruchte die Verantwortung für den Vorstoß, der mit der Schließung des Kontrollpunkts von Qalandiya zwischen Ramallah und Jerusalem sowie dem Einsatz des Militärs im Stadtteil begann – begleitet von den üblichen Festnahmen und Verhaftungen von Palästinensern entlang der Straße.
"Israel wird keiner Organisation, deren Mitarbeiter in Terrorismus und das Massaker vom 7. Oktober verwickelt sind, gestatten, auf seinem Territorium tätig zu sein", sagte er und griff dabei auf den Hauptvorwurf gegen die Organisation zurück, die schon lange vor dem Angriff der Hamas wegen ihrer politischen Bedeutung (das Rückkehrrecht der palästinensischen Flüchtlinge) im Visier stand und an den mehrere europäische Außenministerien glauben wollten, ohne Beweise zu sehen, und der sie monatelang die Mittel für die UNRWA gestrichen hatten.
Das UNRWA erklärt, dass UN-Immunitäten und das Recht auf Bildung verletzt werden. UNRWA-Generalkommissar Christian Saunders: "Keine Behörde darf einfach so eine UN-Einrichtung betreten. Die heute ergriffenen Maßnahmen stellen nicht nur einen Angriff auf ein Gebäude dar, sondern verwehren diesen jungen Menschen den Zugang zu Bildung und Ausbildung, die sie benötigen, um einen Arbeitsplatz zu finden und sich eine Zukunft aufzubauen."



