Analysen

isw report 107 cover04.03.2017: Der isw-Report 107/108 setzt sich mit einer der brisantesten Fragen unserer Tage auseinander: Wie wird der Kampf um die Region des Nahen und Mittleren Ostens, wo mit Öl und Gas global-strategisch wichtige Ressourcen lagern, weitergehen? Gibt es Chancen für einen Weg zum Frieden? Oder brennt die Lunte am Pulverfass Nahost bis zu dem Punkt weiter, wo die Kriege in noch größere, in internationale Dimensionen explodieren würden?

Karin Kulow untersucht die Entwicklung von den Tagen des Sykes-Picot-Deals im Ersten Weltkrieg an, als England und Frankreich die imperialistische Gestaltung des Nahen Ostens festlegten. Diese westliche Strategie legte das Fundament für das heutige Desaster, wo Bürgerkriegsparteien und imperialistische Kräfte die Spirale von Gewalt und Gegengewalt anheizen. Kulow plädiert dafür, in der Region einen Paradigmenwechsel in Richtung eines friedlichen Miteinanders durchzusetzen. Ein sinnvoller Beginn wäre die Einführung eines rigorosen Waffenlieferungsstopps.

Fred Schmid führt vor, wie sich Öl und Erdgas auf die einzelnen Staaten im Nahen Osten verteilen, und wie die beiden Hauptförderer, Saudi-Arabien und der Iran, sich im Kampf um die regionale Vorherrschaft gegenüberstehen und selbst Gegenstand imperialistischer Einflussnahme sind. Es geht, so sein Fazit, um die Kontrolle der Verteilungsströme und Marktzugänge, um die Hegemonie über die Region, in der die größten Energieschätze der Erde lagern.

Kerem Schamberger setzt sich auseinander mit den „Kurden als neuer alter Akteur im Machtgefüge des Nahen Ostens“. Im Ergebnis des Ersten Weltkriegs wurde die kurdische Bevölkerung über vier Nationalstaaten verteilt, die meist eine antikurdische Politik verfolgten: Türkei, Syrien, Irak und Iran. Im Norden Syriens haben die Kurden in Rojava eine selbstverwaltete Zone organisieren können. Gegen den Vorwurf, die Kurden hätten so in Syrien der ausländischen Intervention die Tür geöffnet, führt Schamberger ins Feld, die Kurden hätten zwischenimperialistische Wider-sprüche ausgenützt, um die eigene Emanzipation voranzubringen.

Mit Syrien kommt Claudia Haydt zum derzeit gefährlichsten und schlimmsten Brennpunkt des Pulverfasses Nahost. Hunderttausende Tote, die Hälfte der Bevölkerung auf der Flucht, die Lebenserwartung im Land von 70 auf 55 Jahre gefallen. Die Verantwortung des Westens ist offenkundig. Die EU hat mit ihrer „Nachbarschaftspolitik“ bis zum Ausbruch des Bürgerkrieges neoliberale Änderungen durchgedrückt und damit die soziale Lage breiter Schichten verschlechtert. Die USA haben mit ihrer Strategie eines „New Middle East“ gezielt auf die Unterminierung der Assad-Regierung hingearbeitet. Heute hat Deutschland zusammen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten bei den sogenannten „Freunden Syriens“ die Verantwortung für die Arbeitsgruppe „Wirtschaftlicher Wiederaufbau für Syrien“. Die USA, Deutschland, die sunnitischen Dynastien am Golf arbeiten nach wie vor an der Übernahme Syriens. Die Autorin untersucht die Interessen Russlands, der USA und der Türkei. Eine Chance für das syrische Volk sieht sie nur, wenn sofort jede externe Unterstützung für bewaffnete Formationen in Syrien eingestellt wird; wenn alle Sanktionen aufgehoben werden und wenn umfassende humanitäre und ökonomische Hilfe für einen Wiederaufbau geleistet wird.

Inhalt:

Karin Kulow: Der Nahe Osten – Krisenlandschaft und Pulverfass

  1. Sykes-Picot-Deal als schicksalhafter Ausgangspunkt
  2. US-amerikanisch-russische  Rivalitäten
  3. „Arabischer Frühling“ – Katalysator durch US-Krieg 2003 ausgelöster regionaler Dynamiken
  4. Islamismus als Ausdruck eines Clash of Civilizations?

Fred Schmid: Kriege um das Schwarze und Blaue Gold

  1. „Ölwaffe“ und Ölkrieg
  2. Arabische „Vision 2030“: Petro-Chemie statt Rohöl
  3. Rohstoff-Riese Persien erwacht
  4. Gas-Pipeline-Poker

Kerem Schamberger: Die Kurden als neuer alter Akteur im Machtgefüge des Nahen Ostens

  1. Zerrieben im imperialistischen Machtgefüge – Die Kurden im 20. Jahrhundert
  2. Zentrale kurdische Akteure und ihre Lösungsansätze
  3. Die Revolution in Rojava
  4. Rojava, die Kurden und die Ausnutzung zwischen-imperialistischer Widersprüche
  5. Die Zukunft des kurdischen Freiheitsstrebens

Claudia Haydt: Syrien zwischen Stellvertreterkrieg und Bürgerkrieg

  1. Zerstörerische EU-Nachbarschaftspolitik
  2. US-Pläne eines New Middle East
  3. Die Waffen des Krieges
  4. Jeder gegen jeden – Regionaler und globaler Stellvertreterkrieg
  5. USA und Russland
  6. Türkei
  7. Deutsche Einflussnahme
  8. Daesh/Islamischer Staat
  9. Wer sind die bewaffneten Aufständischen?
  10. Eine Chance für Syrien?

Pulverfass Nahost, report 107/108
Umfang 56 Seiten
4,50 € (zzgl. Versandkosten)
Mitherausgeberin: Informationsstelle Militarisierung e.V.
zu bestellen hier

Wir sprechen über Palästina

Gazakrieg Grafik Totoe 2024 04 07

mit Rihm Miriam Hamdan von "Palästina spricht"

Wir unterhalten uns über den israelischen Vernichtungskrieg, die Rolle Deutschlands (am 8. und 9. April findet beim Internationalen Gerichtshof in Den Haag die Anhörung über die Klage Nicaraguas gegen Deutschland wegen Beihilfe zum Völkermord statt), die Situation in Gaza und dem Westjordanland und den "Tag danach".

Onlineveranstaltung der marxistischen linken
Donnerstag, 18. April, 19 Uhr

https://us02web.zoom.us/j/82064720080
Meeting-ID: 820 6472 0080


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Logo Ratschlag marxistische Politik

Ratschlag marxistische Politik:

Gewerkschaften zwischen Integration und Klassenkampf

Samstag, 20. April 2024, 11:00 Uhr bis 16:30 Uhr
in Frankfurt am Main

Es referieren:
Nicole Mayer-Ahuja, Professorin für Soziologie, Uni Göttingen
Frank Deppe, emer. Professor für Politikwissenschaft, Marburg

Zu diesem Ratschlag laden ein:
Bettina Jürgensen, Frank Deppe, Heinz Bierbaum, Heinz Stehr, Ingar Solty

Anmeldung aufgrund begrenzter Raumkapazität bis spätestens 13.04.24 erforderlich unter:
marxlink-muc@t-online.de


 

Farkha2023 21 Buehnentranspi

Farkha-Festival 2024 abgesagt.
Wegen Völkermord in Gaza und Staatsterror und Siedlergewalt im Westjordanland.
hier geht es weiter zum Text


 

 

UNRWA Gazakrieg Essenausgabe

UNRWA Nothilfeaufruf für Gaza
Vereint in Menschlichkeit, vereint in Aktion

Mehr als 2 Millionen Menschen, darunter 1,7 Millionen Palästina-Flüchtlinge, zahlen den verheerenden Preis für die Eskalation im Gazastreifen.
Zivilisten sterben, während die Welt zusieht. Die Luftangriffe gehen weiter. Familien werden massenweise vertrieben. Lebensrettende Hilfsgüter gehen zur Neige. Der Zugang für humanitäre Hilfe wird nach wie vor verweigert.
Unter diesen Umständen sind Hunderttausende von Vertriebenen in UNRWA-Schulen untergebracht. Tausende unserer humanitären Helfer sind vor Ort, um Hilfe zu leisten, aber Nahrungsmittel, Wasser und andere lebenswichtige Güter werden bald aufgebraucht sein.
Das UNRWA fordert den sofortigen Zugang zu humanitärer Hilfe und die Bereitstellung von Nahrungsmitteln und anderen Hilfsgütern für bedürftige Palästina-Flüchtlinge.
Dies ist ein Moment, der zum Handeln auffordert. Lassen Sie uns gemeinsam für die Menschlichkeit eintreten und denjenigen, die es am meisten brauchen, die dringend benötigte Hilfe bringen.

Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge

Spenden: https://donate.unrwa.org/gaza/~my-donation


 

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