Aus Bewegungen und Parteien

28.03.2010: Das war ein großer Erfolg: Über 2.500 Menschen setzten am Samstag, den 27. März 2010, in Lübeck ein deutliches Zeichen gegen Rechts. Mit Sitzblockaden wurde ein von der NPD initiierter Aufmarsch von Neonazis nach kurzer Zeit gestoppt. Die Polizei sah sich gezwungen den Aufmarsch der Rechten, wegen der „Unverhältnismäßigkeit“ von Räumaktionen gegen viele hundert Menschen, nach wenigen hundert Metern zu beenden.  Bereits zwei Stunden nach ihrem Eintreffen saßen die rund 200 Neonazis wieder im Zug.

Ein breites Bündnis aus außerparlamentarischen Gruppen, Gewerkschaften, Kirchen, Parteien (wie u. a. SPD, Grüne, Partei „Die Linke“, DKP) und Einzelpersonen hatte unter dem Motto „Wir können sie stoppen!“ zu Sternmärschen, kirchlichen Andachten und Blockaden rund um die geplante Marschroute der Neonazis am Lübecker Hauptbahnhof aufgerufen. Keinen Fußbreit wolle man den Faschisten für ihren alljährlichen Geschichtsrevisionismus zum Jahrestag der Bombardierung Lübecks im 2. Weltkrieg lassen.

Ab sieben Uhr in den frühen Morgenstunden folgte eine bunte Gruppe von ca. 500 Antifaschisten, darunter die Lübecker und Ostholsteinische DKP, diesem Aufruf mit Blockaden auf zentralen Punkten der geplanten Marschroute. Im Laufe des Vormittags erhielten diese Blockadepunkte, und eine Demonstration vor dem Hauptbahnhof, aus Lübeck und ganz Norddeutschland soviel Zulauf, dass bereits vor dem geplanten Eintreffen der Züge der Neonazis um kurz vor zwölf Uhr, ein Durchkommen rund um den Hauptbahnhof nahezu unmöglich wurde. Mit selbst geschmierten Broten, Süßigkeiten, von der PdL und der SDAJ verteilten Flugblättern, Musik aus angrenzenden Wohnungen, welche Anwohner mittels Lautsprechern in ihre Fenstern auf die Straße abspielten, und von den Lübecker DKP Genossinnen und Genossen verteilten Ausgaben der UZ, wurde die Moral der Blockierenden gestärkt.

Nur durch die Räumung eines der vier Blockadepunkte, am Lübecker Ziegelteller, konnte es die fast 2.000 Polizisten um die Mittagszeit herum den Nazis überhaupt ermöglichen den Bahnhof zu verlassen. Als diese dort, ca. 200 Meter vom Bahnhof entfernt, eine „Auftaktkundgebung“ mit ihrer dumpfen Hetze begannen, besetzten die vorher von dort „geräumten“ Antifaschistinnen und Antifaschisten mit weiteren Blockaden jede Straße, welche für ein Weiterführen des Nazimarsches  nötig gewesen wäre.

Nach kurzer Beratung sah sich die Polizei gezwungen „die Verhältnismäßigkeit der Mittel“ zu waren und die Nazikundgebung aufzulösen. Begleitet vom lautstarken Spott und deutlichen Parolen (Nazifreie Zone), welche das Bündnis tags zuvor entlang der geplanten Marschrute an alle Haushalte verteilt hatte, in den Fenstern der angliedernden Häuser, wurden sie nach nicht ganz zwei Stunden wieder in ihre Züge verfrachtet. Lübeck hatte dem braunen Spuk unmissverständlich deutlich gemacht, dass sie unerwünscht seien!

Dennoch wurde auch in diesem Jahr von vielen Rednerinnen und Rednern moniert, dass die Hansestadt Lübeck wieder einmal nicht das Rückrat besaß, den Nazimarsch konsequent und von Anfang an zu verbieten. Dies erzürnte nicht nur die vielen tausend Antifaschisten, sondern auch den Lübecker Einzelhandel, welcher nun zusätzlichen Druck auf die Stadt ausüben will, damit sich dieser Spuk nicht 2011 wiederholt. Wie die DKP Lübeck-Ostholstein nach dem Erfolg erklärte, bleibt zu hoffen, dass die Verantwortlichen in der „Lübschen“ Bürgerschaft und Verwaltung nun endlich die Zeichen der Zeit begreifen und im kommenden Jahr den Aufmarsch von Anfang an verbieten.

Text: Walter Brenten    Fotos: Henrik Matthes

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Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge

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