Hanna Amireh: Niemand darf erwarten, dass die Palästinenser Ruhe geben werden

E-Mail Drucken PDF

26.10.2015: Hanna Amireh, Mitglied des Politbüros der „Palästinensischen Volkspartei“ (PPP) und Vertreter der PPP im Exekutivkomitee der PLO äußert sich zur aktuellen Situation im israelisch-palästinensischen Konflikt. Die politische Führung der PLO denke intensiv über eine Änderung ihrer Politik nach, denn diese habe nichts gebracht. Deshalb rebelliere jetzt die Jugend. Hanna Amireh: "Wenn die Israelis die vergangenen Abkommen nicht einhalten und die Kolonisierung (Siedlungsbau) nicht vollständig stoppen, dann sind auch wir nicht mehr an die Abkommen gebunden."


Frage: Wie betrachten Sie diese Revolte junger Palästinenser?

Hanna Amireh: Sie zeigt vor allem, dass die Situation, die bisher vorherrschte, nicht andauern kann. Gleichzeitig versucht Israel, neue Maßnahmen vor Ort durchzusetzen: die Al-Aqsa-Moschee und die heiligsten Stätten, die Siedlungen … Die Leute haben davon genug. Sie meinen auch, dass die Palästinenserbehörde, die PLO, die Parteien ihnen keinerlei Lösung bieten. Sie schauen auf ihr Land und nehmen wahr, dass ihr Land immer mehr zusammenschrumpft. Außerdem ist die Situation im Mittleren Osten, im ganzen Umfeld von Palästina, sehr schlecht und man spricht nur von Syrien, Irak, Iran. Die Palästinenser haben das Gefühl, von den arabischen Staaten, von der internationalen Gemeinschaft aufgegeben zu sein. Sie meinen, dass sie den Israelis zum Fraß überlassen werden. Also bringen sie ihre Ablehnung dieser Situation zum Ausdruck. Sie können das nicht mehr ertragen. Was auf der Esplanade der Moscheen passiert ist, war nur der Zündfunke. Israel muss seine Politik korrigieren. Aber solange diese Regierung da ist, erwarten wir davon gar nichts. Es muss eine Änderung geben. Und die Änderung muss von Israel kommen.

Die einzige Lösung ist, der Besetzung ein Ende zu machen. Die Spannungen, die wir gegenwärtig erleben, können sich abschwächen, aber wenn die Besetzung anhält, wird sich eine neue Explosion ereignen, bis es eine Lösung gibt. Die Israelis wollen nur den Status quo beibehalten, was für sie Beibehaltung der Besetzung bedeutet. Seit Jahrzehnten meinen sie, dass sie alle möglichen militärischen Szenarien haben, um jeden palästinensischen Widerstand im Schach zu halten. Sie sagen, dass sie die Macht hätten, das zu tun, was sie wollen. Jetzt sehen sie, dass ihre Macht nicht ausreicht, die Besetzung beizubehalten. Aber solange es kein internationales Eingreifen gibt, wird sich nichts ändern. Die internationale Gemeinschaft muss handeln, um die Palästinenser zu schützen, Druck auf die Israelis ausüben und aufhören, von „vertrauensbildenden gegenseitigen Maßnahmen“ zu reden, die von niemandem kontrolliert werden. Niemand kann den Palästinensern sagen aufzuhören, ohne als Verräter angesehen zu werden. Die Kolonisierung (Siedlungsbau) muss gestoppt, den Leuten muss erlaubt werden, frei zu leben. Die jungen Leute, die heute in Aktion treten, sind genauso alt wie die abgeschlossenen Verträge (von Oslo, Anm.). Niemand darf erwarten, dass die Palästinenser Ruhe geben werden. Niemand!

Frage: Zwischen diesen Jugendlichen und der Palästinensischen Autonomiebehörde und den politischen Parteien hat sich ein Graben herausgebildet. Was tun Sie?

Hanna Amireh: Das ist unser größtes Problem. Es ist uns nicht gelungen, die jungen Leute von unseren Entscheidungen zu überzeugen, weil diese Entscheidungen nichts gebracht haben. Die politische Führung denkt jetzt intensiv darüber nach, die Politik zu ändern. Wenn die Israelis die vergangenen Abkommen nicht einhalten und die Kolonisierung (Siedlungsbau) nicht vollständig stoppen, dann sind auch wir nicht mehr an die Abkommen gebunden. Das Problem wird dann anders gestellt sein. Wir werden die Ansicht vertreten, ein besetzter Staat zu sein, und wir werden uns zurückziehen (aus der Verwaltung der Gebiete, Anm.). Es wird dann keine Palästinenserbehörde mehr geben. Das wird dann das Problem des Sicherheitsrats, des internationalen Schutzes sein.

Frage: Es ist nicht das erste Mal, dass die palästinensische Führung mit diesem Argument droht, aber ohne es jemals anzuwenden. Sind Sie jetzt dazu bereit?

Hanna Amireh: Israel drängt uns dazu, das zu tun. Als PPP sind wir für diese Option. Das wird nicht von allen Organisationen der PLO geteilt. Aber alle spüren gut, dass man sich bewegen muss. Das ist nicht einfach. Die Debatten werden weitergehen.

txt: aus "Humanité
Übersetzung: Georg Polikeit


siehe auch:

 

marxli-G20

marxistische linke: Jetzt Mitglied werden


G20 Hamburg: Jetzt erst recht! Demonstrationsrecht gegen Polizeiwillkür durchsetzen

G20 Hamburg: Jetzt erst recht! Demonstrationsrecht gegen Polizeiwillkür durchsetzen

07.07.2017: Aus Hamburg kommen Bilder, die wir sonst aus der Türkei kennen. Vermummte Polizei setzt wahllos Knüppel, Wasserwerfer und Pfefferspray gegen Demonstrierende ein, auch gegen Unbeteiligte. Am Boden Liegende werden brutal misshandelt. Bettina Jürgensen zu den Protesten gegen den G20-Gipfel in Hamburg:

Weiterlesen...

Europäische Bürgerinitiative: Glyphosat verbieten

Glyphosat EBI-Logo

Glyphosat ist wahrscheinlich krebserregend. Und 2017 entscheidet die EU: Darf das Ackergift weiter auf unsere Felder gespritzt werden? Monsanto, Bayer und Co. kämpfen mit aller Macht für ihren Bestseller. Wir halten dagegen – mit einer Europäischen Bürgerinitiative (EBI). Bis Ende Juni brauchen wir eine Million Unterschriften!

Gemeinsam haben wir 1.320.517 Unterschriften gesammelt!

Artikel: EU-Kommission und Monsanto stoppen - Glyphosat verbieten!


Logo-Weiloisirgendwiazamhaengd

Das Agrarbündnis BGL/TS will mit diesem Film den Bauern Unterstützung entgegenbringen und aufzeigen, dass die immer intensivere Landwirtschaft, unser Konsumverhalten und falsche politische Weichenstellungen negative Auswirkungen auf die ganze Welt haben.

Filmvorführungen "Weiloisirgendwiazamhängd“
Montag, 5. Juni 2017, 11.00 Uhr,  Breitwand Kino, 82131 Gauting
Montag, 5. Juni 2017, 14.00 Uhr,  Breitwand Kino, 82229 Seefeld
Montag, 25. September 2017, 19.30 Uhr, Pfarrheim St. Severin in Mitterfelden
Dienstag, 17. Oktober 2017, 19.30 Uhr, Kino Herrsching am Ammersee

Trailer zum Film: http://www.weiloisirgendwiazamhaengd.de/


Was nach Hamburg nicht untergehen darf

Was nach Hamburg nicht untergehen darf

ein Kommentar von Max van Beveren   

13.07.2017: Kaum zogen vermummte Gruppen durch Hamburgs Straßen, um Barrikaden zu bauen, Autos anzuzünden und einen Supermarkt zu plündern, war der Aufschrei in den Medien, in der Politik und in den Sozialen Netzwerken riesengroß und ist es nach wie vor. Die inhaltliche Kritik am G20-Gipfel, der weltweite Terror durch Kriegseinsätze, die Ursachen für Flucht und die brennenden Geflüchtetenunterkünften hierzulande verschwinden völlig hinter der Debatte um die gewaltsamen Auseinandersetzungen. Für die Regierenden sind die Gewalttätigkeiten ein willkommener Anlass, um weitere Grundrechtseinschränkungen und undemokratische Gesetze durchzusetzen, die nicht nur die gesamte Linke, sondern auch die restliche Bevölkerung treffen werden.

Weiterlesen...

Mit mut zu etwas Neuem

Mit mut zu etwas Neuem

Interview mit Claudia Stamm und Stephan Lessenich zur Gründung der neuen Partei

Frage: Warum habt Ihr die Initiative zur Gründung einer neuen Partei ergriffen?

Stephan Lessenich: Ich habe wahrgenommen, dass sich der Wind in der Welt und auch hier in Bayern dreht. Dass politische Parteien gerade hier im Freistaat im Angesicht der rechtspopulistischen Entwicklungen nach und nach Positionen geräumt haben, die früher selbstverständlich gewesen wären. Die Fluchtbewegungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass wir gesellschaftlich vor großen Herausforderungen stehen.

Weiterlesen...

Dossier "Linke Strategien"

Im Dossier "Linke Strategien" sind Artikel zusammengestellt, die auf kommunisten.de in verschiedenen Rubriken erschienen sind und sich mit Fragen linker Strategie, Neuformierung der Linken, etc. befassen.

Zum Dossier


isw anzeige 150


 

america21 quer 150



Banner

 

Empfohlene Links

Neues Deutschland
Sozialistische Tageszeitung

Zeitschrift LUXEMBURG
Gesellschaftsanalyse und linke Praxis

Zeitschrift Z
Zeitschrift marxistische Erneuerung

Unsere Zeit
Wochenzeitung der DKP

Marxistische Blätter
Die der DKP verbundene Zeitschrift für marxistische Theorie und Politik erscheint alle 2 Monate.