Uruguay steigt aus TISA aus

E-Mail Drucken PDF

18.09.2015: Nach einem entsprechenden Beschluss der Vollversammlung des regierenden linken Parteienbündnisses "Frente Amplio" (FA), hat die Regierung Uruguays den Ausstieg aus den Verhandlungen zum Internationalen Dienstleistungsabkommen (TISA) bekanntgegeben.


TISA zielt auf die Deregulierung öffentlicher Dienstleistungen wie die Gesundheits-, Wasser- und Energieversorgung ab und soll transnationalen Unternehmen einen Freifahrtschein bei ihren weltweiten Investitionsaktivitäten geben. Bislang verhandelten die USA, die EU und weitere 22 Länder (darunter die Türkei, Kanada, Mexiko, Costa Rica, Kolumbien, Panama, Paraguay, Uruguay, Australien, Japan, Norwegen, Schweiz, Israel und Neuseeland), um den Handel mit Dienstleistungen zu liberalisieren. Die Verhandlungen finden unter strengster Geheimhaltung in Genf statt.

Wie bei TTIP und dem Transpazifischen Freihandels- und Investitionsabkommen TPP sind auch bei TISA die "Emerging Markets", also z.B. die BRICS-Staaten Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika nicht beteiligt.

In Uruguay warnen die Gewerkschaften und die sie unterstützenden Parteien vor allem vor einer Privatisierung der bisher von Staatsunternehmen abgedeckten Bereiche Telekommunikation und Energie.

In den letzten Monaten war der Widerstand gegen TISA gewachsen, immer wieder gab es Protestaktionen, zuletzt im Juni einen landesweiten Streik. Vor diesem Hintergrund untersuchten die verschiedenen Ministerien die möglichen Auswirkungen von TISA. Laut einem Bericht des Arbeitsministeriums steht das Abkommen mit den Normen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) im Widerspruch, für das Industrieministerium birgt es erhebliche Risiken für den Telekommunikationsbereich, das Landwirtschaftsministerium sieht den in Uruguay gegenwärtig gut funktionierenden Herkunftsnachweis für Fleischprodukte in Gefahr. Und das Gesundheitsministerium fürchtet um bestimmte Sonderregelungen für Einkommensschwache.

Der Ausstieg aus den Verhandlungen ist jedoch in der Regierung nicht unumstritten. Innerhalb der FA wandten sich die Sozialistische Partei, die Kommunistische Partei und die Bewegung der Volksbeteiligung (MPP) gegen das Abkommen. Die sozialdemokratische Partei, die Asamblea Uruguay des Wirtschaftsministers Danilo Astori sowie die ebenfalls sozialdemokratische Partei Nuevo Espacio von Außenminister Rodolfo Nin Novoa, waren für die Fortsetzung der Verhandlungen. Letztendlich votierte am Samstag, 5. September, eine große Mehrheit mit 117 Stimmen für den Ausstieg aus den Verhandlungen (22 dagegen).

Die rechte Parlamentsopposition versuchte die Regierungskoalition zu spalten, in dem sie eine ad hoc- Mehrheit mit den Kräften innerhalb der FA vorschlug, die für die Fortführung der Verhandlungen votierten. Dies wurde jedoch von der Ministerin für Tourismus, Lilian Kechichian, die als Sprecherin des Ministerrates auftrat, umgehend zurückgewiesen. "Der Präsident respektiert die Mehrheit und bittet den Außenminister dies umzusetzen", sagte sie.

Der sozialistische Parlamentarier Roberto Chiazzaro betonte, dass TISA zum ersten Mal in einem Land breit und öffentlich diskutiert worden sei. "Es ist bemerkenswert, wie die Menschen informiert waren, wie sie sich beteiligten und diskutierten. Und Präsident Tabaré Vázquez ist zu beglückwünschen, dass er den Menschen und seiner politischen Organisation zugehört hat, bevor er eine Entscheidung getroffen hat", sagte er.

Uruguay ist das erste Land, das aus dem seit 2012 laufenden Verhandlungsprozess aussteigt. Singapore gehörte zu den Initiatoren, zog sich aber sofort zurück, als die USA und die EU ihre Sicht auf das Abkommen und ihre Forderungen vortrugen.

 

 

marxistische linke: Jetzt Mitglied werden


STOP TTIP & CETA: Mit dem 'Alternativen Handelsmandat' von der Defensive in die Offensive?!

STOP TTIP & CETA: Mit dem 'Alternativen Handelsmandat' von der Defensive in die Offensive?!

01.11.2016: Im Protest gegen TTIP und CETA ist eine breite und bunte Protestbewegung entstanden, die sich einig ist in der Ablehnung. Mit der Unterzeichnung von CETA tritt der Widerstand in eine neue Phase ein. Bernd Seewöster ( marxistische linke ) schlägt vor, mit praktikablen Gegenvorschlägen die Behauptung der offiziellen Politik zu widerlegen, dass es keine Alternative gäbe. Er meint, das 'Alternative Handelsmandat' kann als Plattform für eine breite gemeinsame Debatte und für den Übergang aus einer rein defensiven Haltung in eine fordernde, offensive Strategie dienen.

Weiterlesen...

Dossier "Linke Strategien"

Im Dossier "Linke Strategien" sind Artikel zusammengestellt, die auf kommunisten.de in verschiedenen Rubriken erschienen sind und sich mit Fragen linker Strategie, Neuformierung der Linken, etc. befassen.

Zum Dossier


Zu den Routerausfällen bei der Telekom

Zu den Routerausfällen bei der Telekom

04.12.2016: Kaum eine Nachrichtensendung kommt derzeit aus ohne Berichte über die Internetattacken auf bestimmte Routertypen der Telekom. Auch ich war betroffen und habe dann, ohne Kenntnis der tatsächlichen aus der beruflichen Erfahrung heraus, daß Elektronik dazu neigt, in undefinierte Zustände zu gehen, den Stecker gezogen und nach einer Minute wieder gesteckt. Unter technischen Aspekten will ich gar nicht in die Diskussion einsteigen, nach einigen Jahren Ruhestand bin ich bei vielem auch nur noch Nutzer ohne intime Kenntnis des „Innenlebens“.

Weiterlesen...

"Zum vierten Mal sperrte Facebook mein Profil"

02.12.2016: Kerem Schamberger nutzt facebook, um über die Situation in Kurdistan und der Türkei aufzuklären. Der Konzern reagiert mit Zensur. Wiederholt wurde sein Profil gesperrt, jetzt für 30 Tage. Florian Wilde sprach mit Kerem Schamberger.

Weiterlesen...

isw anzeige 150


 

america21 quer 150



Banner

 

Empfohlene Links

Unsere Zeit
Wochenzeitung der DKP

Neues Deutschland
Sozialistische Tageszeitung

Zeitschrift LUXEMBURG
Gesellschaftsanalyse und linke Praxis

Zeitschrift Z
Zeitschrift marxistische Erneuerung

Marxistische Blätter
Die der DKP verbundene Zeitschrift für marxistische Theorie und Politik erscheint alle 2 Monate.