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nanchang high tech zone mami 259922.10.2014: Drei Ereignisse rund um den 65. Gründungstag (1. Oktober) der Volksrepublik China manifestieren den Aufstieg des „Reichs der Mitte“ und zugleich den ökonomischen Niedergang der USA: ein Hotelkauf, ein Börsengang und eine statistische Korrektur von IWF und Weltbank. Um mit dem letzten zu beginnen: Zu seiner Jahrestagung Anfang Oktober legte der IWF korrigierte Zahlen zu den Bruttoinlandsprodukten (BIP) der einzelnen Länder, einschließlich einer Projektion für 2014, vor. Danach wird China beim BIP, berechnet nach Kaufkraftparitäten (ppp) für Ende 2014 eine höhere Wirtschaftsleistung als die USA verzeichnen: 17.632 Milliarden Dollar (China) zu 17.416 Mrd. Dollar für die USA.

Das Ranking der Wirtschaftsleistung nach Kaufkraft gilt für den Vergleich von Volkswirtschaften als aussagekräftiger als die Bewertung unter Zugrundelegung aktueller Wechselkurse, bei der Unter- bzw. Überbewertungen von Währungen enthalten sind. In den Zahlen des IWF sind die zum Staatsgebiet Chinas gehörenden administrativen Sonderzonen Hongkong und Macao noch nicht enthalten, deren aggregiertes BIP nach ppp weitere 450 Milliarden ausmacht. Die Zahlen bedeuten eine historische Zäsur: Deutlich früher als bislang erwartet, verdrängt China die USA als weltgrößte Wirtschaftsmacht. Die USA hatten diese Position über hundert Jahre inne. Vorausgegangen waren in den vergangenen zehn Jahren die Eroberung des Exportweltmeister-Titels von Deutschland, dann  größte Handelsnation der Welt und  Aufstieg zur weltgrößten Industriemacht – jeweils gegenüber den USA. Der Wirtschaftsredakteur der SZ, Nikolaus Piper, stellt sich bereits die bange „grundsätzliche Frage“: „Kann eine Nation noch Supermacht sein, wenn sie nicht mehr die größte Volkswirtschaft der Erde ist?“.

Auch die Schwellenländer sind nach den neuen Zahlen (zu ähnlichen Ergebnissen kam im Frühjahr die Weltbank bei der Neuberechnung ihres Internationalen Vergleichsprogramms – ICP; vgl. isw-report 97: Wirtschafts-Nato TTIP, S. 19) deutlich stärker als bisher angenommen. Indien hat danach Japan, das bisher als drittgrößte Volkswirtschaft eingestuft wurde, deutlich hinter sich gelassen, Russland und Brasilien rangieren auf Platz sechs und sieben, hinter Deutschland. Die fünf BRICS-Staaten – Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika - brachten es 2013  zusammen auf ein BIP zu Kaufkraftparitäten von 30,1 Billionen Dollar und sind damit den G7-Staaten mit 33,2 Billionen dicht auf den Fersen. Mit den unterschiedlichen Wachstumsraten dürfte sich der Abstand 2014 auf zwei Billionen Dollar verringern. Vor allem in der Krise nach 2007 haben die Schwellenländer das Kräfteverhältnis zu ihren Gunsten verschieben können.

Wie die Financial Times im Zusammenhang mit der IWF-BIP-Korrektur berichtet, haben die entwickelten Ökonomien in den sechs Jahren zwischen 2007 und 2013 gerade mal um 4 Prozent expandiert. „Das äquivalente Wachstum in den aufsteigenden Ökonomien betrug 37 Prozent, war neunmal schneller“ (FT, 9.10.14). Der historisch einmalige Aufholprozess der Schwellenländer und der politisch-ökonomische Machtverlust des Metropolenkapitalismus ist auch der eigentliche Grund, weshalb die Regierungen in Washington und Brüssel alle Hebel in Bewegung setzen, um eine transatlantische Freihandelszone zu schaffen: TTIP soll den USA und EU ihre dominante weltpolitische und ökonomische Stellung gegenüber einer immer stärker werdenden multipolaren Welt erhalten.

Ein Chinese erobert die Wallstreet

Alibaba group Headquarters wikimedia LOMBARDKurz vor dem halbrunden Jahrestag der Volksrepublik schrieb der Chinese Jack Ma an der  legendären New Yorker Wallstreet Geschichte. Mit seinem chinesischen Online-Handelskonzern Alibaba (Foto: Firmensitz in Hangzhou) legte er an der US-Börse den bislang größten Börsengang hin. Auch das zeigt einen Trand auf. Alibaba, dessen Produkte außerhalb Chinas kaum jemand kennt und kauft, macht auf dem Binnenmarkt mehr Umsatz als Amazon und Ebay zusammen in der ganzen Welt. Es unterstreicht, dass der weltgrößte Konsumentenmarkt inzwischen in der Volksrepublik liegt, der Grund, weshalb immer mehr westliche Konzerne auf diesen Markt drängen, zum Verkaufen, weniger zum Produzieren. Umgekehrt laufen immer mehr chinesische Konzerne aufgrund dieses gigantischen Heimatmarktes zu globaler Größe auf und fordern die Konzerne des Metropolenkapitalismus heraus. Nach der Fortune 500 Global List 2014 rangierten unter den 500 größten Konzernen der Welt 95 chinesische Firmen, 2001 waren es gerade mal 12. Die USA dominieren zwar die Liste noch mit 128 Konzernen, ihre Zahl nimmt jedoch jährlich regelmäßig ab, während die Chinesen zusätzliche Plätze erobern.

„Zuversicht“ verkauft

Waldorf Astoria hotel NY Bock Digne Das dritte Ereignis im genannten Zusammenhang hat in erster Linie symbolische Aussagekraft. Der chinesische Versicherungskonzern Anbang Insurance Group bezahlte den bisher höchsten Preis für ein Hotel: 1,95 Milliarden Dollar. Es handelt sich dabei um keine gewöhnliche Herberge, sondern um das wohl berühmteste Hotel der Welt: Das Waldorf Astoria in New York. Mit 1413 Zimmern ist es eines der größten Luxushotels der Welt. Es war in den vergangenen Jahrzehnten eine Art Ikone der Macht und des Glanzes des US-Kapitalismus. Zur Eröffnung 1931 hielt der damalige US-Präsident Herbert Hoover eine Radioansprache: Das neue Hotel setze „den Maßstab für das Wachstum der Macht, des Wohlstands und der Kunstfertigkeit der Nation und sei „eine Demonstration von Mut und Zuversicht des ganzen Landes“.

Text: Fred Schmid, isw

Fotos:
High Tech Zone, Nanchang : mami
Alibaba group Headquarters, Hangzhou : Thomas LOMBARD, wikimedia
Hotel Waldorf Astoria, NY : Marie Sophie Bock Digne

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