Braunschweig: Keine Ehrung für Minna Faßhauer

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minnafasshauer rote seiten braunschweig14.01.2014: Als 2010 die Grabstelle von Minna Faßhauer wiedergefunden wurde, war die Freude bei vielen Gewerkschaftern, alteingesessenen Braunschweigerinnen, SozialistInnen und Kommunistlnnen groß. Vor allem Braunschweiger Gewerkschafterinnen sahen die erste Ministerin Deutschlands immer in ihren Reihen. Viele durch Minna Faßhauer mit der November-Revolution erkämpften Rechte wie der Achtstundentag, die Tarifautonomie, Arbeitsschutz, viele Bestimmungen aus der Sozialgesetzgebung, aber auch die Trennung von Staat und Kirche und die Aufhebung der Geschlechtertrennung an den Schulen haben heute noch Gültigkeit.

So verwundert es nicht, daß die Planung der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten in Braunschweig, einen Gedenkstein auf das von ihnen erworbene Grab zu setzen, große Zustimmung erfuhr. Folgerichtig wurde der Antrag 2010 beim Friedhofsamt gestellt und der Braunschweiger Künstler Tobias Vergin mit der Schaffung eines Gedenksteins beauftragt.

2013 kam die Ablehnung mit der Begründung, das Nutzungsrecht sei 1978 abgelaufen (...) und: „Die beabsichtigte Nutzung der Grabstätte für die Aufstellung eines Grabmals zur Ehrung von Frau Faßhauer ohne Belegung entspricht nicht dem (...) Zweck des Friedhofs."

Minna Faßhauer, verunglimpft, verfolgt, kriminalisiert, wurde von den Faschisten verurteilt, weil sie antifaschistische Flugblätter verteilt haben soll. Sie wurde in das KZ Moringen verschleppt.

Daß der ersten Frau Deutschlands, die - wenn auch nur kurz - ein Ministeramt bekleidete, in Braunschweig die ihr zustehende Ehrung verweigert wird, ist ein Skandal!

Aber es passt in den politischen Mainstream: alles, was an die historischen Anläufe erinnert, in denen Menschen ihre Leben selbstbestimmt gestaltet haben, soll vergessen gemacht werden. Für diese ersten Anläufe stehen die Pariser Commune in Frankreich, die Oktoberrevolution in Russland, die Novemberrevolution in Deutschland.

Dafür steht auch Minna Faßhauer, die gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen in den Reihen der Arbeiterschaft für ein besseres Leben und eine befreite Zukunft gekämpft hat.

Für die Braunschweiger Stadtverwaltung ein Verbrechen.

Für uns peinlich und unwürdig!

Quelle: Braunschweigs rote Seiten, Stadtzeitung der DKP Braunschweig, Januar 2014


 

Aus der Dokumentation der VVN/BdA Hannover „Frauen gegen den Faschismus 1933 – 1945

Eine Waschfrau als Volksbildungsministerin

Minna Faßhauer

Minna Faßhauer wurde 1875 in Bleckendorf bei Magdeburg geboren. Sie kam aus einem Arbeiterhaus, besuchte die kleine Dorfschule und ging mit 17 Jahren als Hausgehilfin, damals Dienstmädchen genannt, nach Braunschweig. Sie wurde hellwach, als sie die Lage der arbeitenden Menschen in Deutschland sah - ihre eigene Lage! Sie ließ sich von den Schriften Clara Zetkins beeindrucken, wurde Mitglied der SPD und ging 1917 mit vielen anderen Arbeitern zur USPD.

1918 arbeitete sie mit August Merges zusammen, der nach der Novemberrevolution in Deutschland vorübergehend Ministerpräsident im ehemaligen Herzogtum, nunmehr Freistaat Braunschweig wurde. Er holte Minna Faßhauer in sein Ministerium und machte sie zur Volksbildungsministerin.

Minna Faßhauer beseitigte während ihrer Amtszeit mit einem Federstrich durch ein "Gesetz über die Neuordnung der Schulaufsicht" die geistliche Schulaufsicht. Die Schule war inzwischen der Kirche entwachsen, trotzdem war jahrzehntelang um diese geistliche Schulaufsicht gerungen worden.

Wenig später kam der General Märker mit der von Noske berufenen Soldateska und setzte die Regierung Merges ab.

Minna Faßhauer kämpfte in der Weimarer Republik weiter für die Arbeiterbewegung und ging zur KPD. Ab 1933 arbeitete sie im Widerstand, wurde 1933 verhaftet und kam ins KZ Moringen, von Oktober 1933 bis März 1938 erstes zentrales Frauenkonzentrationslager.

Es ist uns bisher nicht gelungen, über die Haftzeiten und weiteren Aktivitäten Minna Faßhauers Genaueres zu erfahren.

Nach 1945 war sie politisch aktiv, bis sie 1949 der Tod aus unseren Reihen riß. Heute trägt eine Schule im Bezirk Magdeburg, ihrer Heimat, ihren Namen.

Nicht nur wegen ihrer politischen Bedeutung als Volksbildungsministerin ist der Name Minna Faßhauer für uns heute von Bedeutung, sondern auch, weil sich an ihrem Beispiel zeigt, wie bürgerliche Geschichtsschreibung spottet und diffamiert, wenn Menschen aus dem Volke es wagen, ihre eigenen Geschicke selbst in die Hand zu nehmen: Sie spricht von "dunklen Ausschreitungen" und "unglaublichen politischen Verwirrungen des deutschen Volkes."

Natürlich - ein Volk sollte sich nicht selbst regieren, sondern dies lieber den "gesalbten Schafsköpfen" (so nennt der Dichter Georg Büchner die Monarchen seiner Zeit) überlassen!

Ein Schweizer Professor sieht die Amtszeit von Merges und Faßhauer so:

"So war in Braunschweig nach dem Rücktritt des Herzogs Wilhelm ein Schneider namens Merges Ministerpräsident geworden. Als alles drunter und drüber ging, fand man eines Tages an der Reiterstatue des ehemaligen Herzogs einen Zettel angeheftet mit dem Vers:

"Lieber Wilhelm, steig hernieder, und regiere Du uns wieder!
Laß in diesen schweren Zeiten, lieber Schneider Merges reiten!"

Damals war in Braunschweig eine Waschfrau Kultusminister geworden und wenn einer zu ihr zur Audienz kam, der sich um eine Stelle bewarb, pflegte sie ihm, nachdem sie ihn einen Augenblick angehört hatte, auf die Schulter zu klopfen, es konnte auch ein Ministerialrat oder ein höherer Lehrer sein, und zu sagen: "Biste! Biste!" Darauf konnte der Ernannte sich wieder entfernen. Von der sittlichen Verwahrlosung, die nach der Revolution durch das Volk ging, gab ein Spottvers eine Vorstellung:

"Mit dem Hute in der Hand kommt man durch das ganze Land.
Mit der Mitze ins Jenicke latscht man durch die Republike!" (Prof. Emil Ermatinger, Jahre des Wirkens, Verlag Hueber/Lpzg.)

Die Absicht des Professors ist klar!

Aber warum sollte Minna Faßhauer vor Ministerialräten oder höheren Lehrern kriechen? Warum sollte nicht jeder aus dem Volke, zu dem sie ja gehörte, ungehindert Zutritt zu ihr haben? Warum sollte sie sich nicht von einfachen Leuten beraten lassen? Und wenn der Herr Professor von sittlicher Verwahrlosung spricht: Wer war am Krieg schuld? Wer an den unbeschreiblich erbärmlichen Verhältnissen für das arme Volk?

Eine Waschfrau als Volksbildungsministerin! Es wäre schön, wenn wir gesellschaftliche Verhältnisse hätten, die dies einfacher gestatten!

 

Marseille-Forum

Am 10. und 11. November treffen sich die progressiven Kräfte Europas in Marseille zum Marseille-Forum, um eine Alternative Zukunft für Europa zu diskutieren. Die Europäische Linke unterstützt dieses Treffen.
Pierre Laurent, Nationalsekretär der Französischen Kommunistischen Partei (PCF):

EL Marseille-Forum PierreLaurent


 

100 Jahre Oktoberrevolution

marxistische linke lädt ein

Logo-Revolution-Gegenrevolution

Das 20. Jahrhundert war eines der Revolutionen: in Russland, Ungarn, Deutschland, Spanien, China, Mexico, Chile, Cuba und vielen anderen Staaten. Daraus ragen die Oktoberrevolution und Maos Langer Marsch mit dem Sieg der Kommunisten 1949 als epocheprägende Ereignisse heraus. Diese Revolutionen sind Teil des langen Zyklus von Revolution und Gegenrevolution, der mit der französischen Revolution 1789 eröffnet wurde. Ging dieser lange Revolutionszyklus mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion zu Ende?  Was kann Revolution in den Ländern des entwickelten Kapitalismus heute noch heißen?
Wir diskutieren mit

Frank Deppe
Autor des Buches: 1917 | 2017 - Revolution & Gegenrevolution

Sa., 25. November 2017, 15:00 Uhr
Frankfurt a.M.
Gewerkschaftshaus, Wilhelm-Leuschner-Str. 69-71


 

Tödliche Agri Kultur - Wie Monsanto die Welt vergiftet

Monsanto-Glifosato

Demnächst entscheidet die EU über die Verlängerung der Zulassung von Glyphosat. Die EU will, dass Monsanto seinen Bestseller weitere zehn Jahre verkaufen darf.

Seit 20 Jahren werden in Argentinien riesige Flächen mit gentechnisch veränderter Soja bepflanzt. In Monokultur. Anfangs war das für die Landwirte, die Saatgutverkäufer und die Chemie-Konzerne ein Freudenfest. Allen voran: Monsanto. Heute ist das Modell Monsanto gescheitert. Nicht für die Investmentfonds, aber für die Landwirte vor Ort und für die Verbraucher in den Städten.

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Ein Film von Gaby Weber

siehe auch


 

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23.11.2017: Christian Lindner (FDP) hat die Jamaika-Verhandlungen platzen lassen. Offen ist im Moment wie es weitergeht. Eine Minderheitenregierung wäre ein interessantes Projekt: Sie müsste Mehrheiten suchen. Der Bundestag würde dadurch massiv an Einfluss gewinnen. Und möglicherweise dadurch auch die gesellschaftlichen Bewegungen. Ob CDU/CSU und SPD das wollen? Aber unabhängig davon zeigt sich, wie weit die Republik nach rechts gerutscht ist.

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Im Dossier "Linke Strategien" sind Artikel zusammengestellt, die auf kommunisten.de in verschiedenen Rubriken erschienen sind und sich mit Fragen linker Strategie, Neuformierung der Linken, etc. befassen.

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