Carolus Wimmer: "Der Gipfel von Cartagena war ein glückliches Scheitern"

E-Mail Drucken PDF

29.04.2012: Am 14. und 15. April fand in Cartagena, Kolumbien, das 6. Gipfeltreffen der Regierungschefs Amerikas statt. Die Präsidenten Venezuelas, Ecuadors, Nicaraguas, Haitís y Perús nahmen aus verschiedenen Gründen nicht teil. Rafael Correa, Präsident Ecuadors, begründete seine Nichtteilnahme mit dem Ausschluss Cubas. Die Vereinigung der ALBA-Staaten erklärte, dass ihre Mitglieder bei künftigen Gipfeltreffen nicht mehr teilnehmen werden, wenn Cuba ausgeschlossen bleibe. Für Carolus Wimmer, Internationaler Sekretär der Kommunistischen Partei Venezuelas (PCV) und Mitglied des Lateinamerikanischen Parlaments, zeigte das Gipfeltreffen die Stärke der lateinamerikanischen Länder und der Karibik.

"Der Gipfel von Cartagena war ein glückliches Scheitern, das Lateinamerika und die Karibik vereinigte"

Die VI. Gipfelkonferenz "Cumbre de las Américas" Cartagena 2012 endete ohne eine gemeinsame Abschlusserklärung, da die 34 Staaten zu keinem Konsens fanden, obwohl sich die Mehrheit der Nationen - 32 um genau zu sein - in den Themen die zur Diskussion standen einig waren. Dennoch ist der lateinamerikanische Abgeordnete Carolus Wimmer der Meinung, dass man das "Scheitern der Gipfelkonferenz feiern sollte, weil es den Konsens aller Länder Lateinamerikas und der Karibik, von Mexico bis Argentinien, bestätigt".

"Die Gipfelkonferenz von Cartagena war ein glückliches Scheitern, das Lateinamerika und die Karibik nötig hatten, um die Union und die gemeinsamen, unumstrittenen Ziele zu konsolidieren", meint der Abgeordnete der Venezuela-Gruppe im Parlatino (Lateinamerikanisches Parlament).

Der Parlamentarier hebt hervor, dass der wahre Verlierer in diesem kontinentalen Gipfel die Vereinigten Staaten sind, die aber dennoch, wie sonst auch ihre imperialistische Politik durchsetzen wollten und wie üblich bei diesen Gesprächen stets den Ton angeben konnten. Wie gewohnt lag auch diesmal eine gemeinsame Abschluss Erklärung vor, die "zufälligerweise" wieder in Washington verfasst worden war.

"Trotz der vorhandenen politischen und ideologischen Unterschiede in Lateinamerika, gab es einen durchgehenden Konsens in allen Themen. 32 Staaten waren in der Lage sich gegen die Meinung der USA zu äußeren, etwas das in der Vergangenheit noch unvorstellbar war. Man erinnerte an Kuba, das seit 50 Jahren unter dem wirtschaftlichen und finanziellen Boykott der USA leidet, nur weil Kuba es gewagt hat, souverän zu sein", betont der Abgeordnete.

Wimmer unterstreicht, dass sich die Haltung der lateinamerikanischen Länder gegenüber der kolonialistischen Politik der Vereinigten Staaten und Kanada radikal zum Gegenteil verändert hat. Heute stehen die USA und Kanada mit ihrer Politik alleine da. Und Kuba, das seit eh und je isoliert wurde, genießt heutzutage die Unterstützung aller 32 Länder Lateinamerikas, die darauf bestanden, dass Kuba bei der nächsten Gipfelkonferenz eingeladen werden muss.

Der antiimperialistische Kampf
"Der größte Erfolg in Cartagena ist die entschlossene antiimperialistische Haltung der Länder Lateinamerikas und der Karibik, nicht nur im Bezug auf Kuba, sondern auch um den Kampf Argentiniens, die Insel Malvinas wieder ihr Eigen nennen zu dürfen. Ein Territorium, das historisch und geographisch Argentinien gehört", sagt Carolus Wimmer.

Der Parlamentarier weist darauf hin, dass die USA versucht hatten, die gemeinsame Arbeit der Länder zu boykottieren, was ihnen aber nicht gelungen ist. "Auch nicht durch die Teilnahme der Präsidenten, die eine pro-USA Politik betreiben, wie es bei Chile, Kolumbien, Ländern Mittelamerikas und Mexico der Fall ist, also jenen Ländern, die sie leicht bedrohen und erpressen können."

Wimmer erinnert daran, dass die Gipfelkonferenz zum zweiten Male ohne Konsens endete, da allein die USA und "ihre Filiale" Kanada dagegen gestimmt hatten. Er wies darauf hin, dass mit Cartagena vielleicht das Ende von kontinentalen Gipfeln erreicht ist, bei denen die USA ein Veto-Recht hat.

In diesen Sinne, meint Wimmer, handele es sich nicht nur darum, die imperialistische Politik der USA abzulehnen, sondern "neue revolutionäre Wege" aufzubauen, wie z.B. die CELAC (die Gemeinschaft der lateinamerikanischen und der karibischen Staaten), die darauf hinarbeitet das neokolonialistische Joch zu durchbrechen.

"Die Organisation Amerikanischer Staaten (OEA, die spanische Kürzung) habe ihren Sinn und ihre Bedeutung verloren. CELAC dagegen stelle einen Übergangsprozess dar, durch den man den anderen Staaten, die noch unter dem politischen Einfluss der USA stehen, überzeugen und gewinnen kann, um die endgültige Unabhängigkeit zu erlangen", betont Wimmer.

Der Abgeordnete zweifelt nicht daran, dass man einer gemeinsamen Erklärung zustimmen könne, wenn nur die 33 Staaten von CELAC, einschließlich Kubas, an der Gipfelkonferenz teilnehmen würden. "Das Gemeinnützige in Lateinamerika und in der Karibik ist gewährleistet, nur die USA und Kanada stehen dem kontinentalen Sieg entgegen. Darum stoßen wir auf Cartagena an, weil dieses Treffen es ermöglichte, die ungleichen Gipfel des amerikanischen Konsens hinter sich lassen und die Tore zu einem lateinamerikanischen Konsens zu öffnen."

Quelle: Especial de Prensa, Caracas, 17 April 2012


 

marxistische linke Emsland

Die marxistische linke Emsland lädt ein zum Thema:

Kräfte sammeln für einen linken Aufbruch

 
Kräfte sammeln für einen linken Aufbruch

am 29.09.2016, 19.30 Uhr

im Gasthof Klaas, Frerener Str. 37, 49809 Lingen

mit Leo Mayer, Vorstandsmitglied marxistische linke

weiterlesen


marxistische linke: Jetzt Mitglied werden


Wie weiter nach dem Einknicken der SPD

Wie weiter nach dem Einknicken der SPD

21.09.2016: Ist es die Lust an der Inszenierung des eigenen Untergangs? Oder was treibt die SPD? Da demonstrieren 320.000 Menschen gegen CETA, da unterschreiben in Bayern 50.000 Menschen an einem Tag das Volksbegehren 'CETA im Bundesrat ablehnen' und Sigmar Gabriel sagt nach der Zustimmung des SPD-Konvents zu CETA, das sei "ein guter Tag" für die SPD gewesen. Einige Überlegungen zu Schlussfolgerungen von Leo Mayer :

Weiterlesen...

Dossier "Linke Strategien"

Im Dossier "Linke Strategien" sind Artikel zusammengestellt, die auf kommunisten.de in verschiedenen Rubriken erschienen sind und sich mit Fragen linker Strategie, Neuformierung der Linken, etc. befassen.

Zum Dossier


TTIP-Ask-your-MEP-1

TTIP-Logo-Do-the-CETA-Check

 click


Nicht Grundstein, sondern Grabstein für S21

Nicht Grundstein, sondern Grabstein für S21

16.09.2016:  Sechs Jahre nach dem Baubeginn von Stuttgart21 hat Bahnchef Rüdiger Grube heute feierlich den Grundstein gelegt. Kurz vor der Grundsteinlegung hat der Bundesrechnungshof zwei Prüfberichte an den Bundestag geschickt. Einer der Texte bleibt wegen Bahn-Geschäftsgeheimnissen in der "Geheimschutzstelle“ aber dauerhaft unter Verschluss. Abgeordnete können ihn nur unter Auflagen einsehen. Sabine Leidig, verkehrspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE und Vorstandsmitglied von marxistische linke kommentiert:

Weiterlesen...

Brasilien: 60 Prozent wollen rasch eine neue Präsidentenwahl

Brasilien: 60 Prozent wollen rasch eine neue Präsidentenwahl

06.08.2016: Interview der „Humanité Dimanche“ mit José Reinaldo Carvalho, Verantwortlicher für Internationale Beziehungen bei der Kommunistischen Partei von Brasilien (PCdoB)

Humanité Dimanche : Welche Aktionen haben die „Arbeiterpartei“ und die Linke vorgesehen vor der endgültigen Entscheidung über das Schicksal von Dilma Rousseff, die Ende August kommen soll?

José Reinaldo Carvalho : Auf der politischen Ebene stellt sich die Linke immer noch entschieden gegen die usurpatorische Regierung von Michel Temer und kämpft sie für die Wiederherstellung des Mandats der Präsidentin Dilma Rousseff, das sie mit der Zustimmung von 54 Millionen Brasilianern demokratisch erhalten hat.  Am Sonntag, den 31. Juli haben Demonstrationen stattgefunden unter der Losung „Fora, Temer!“ („Temer verschwinde!“).

Weiterlesen...

isw anzeige 150


 

america21 quer 150



Banner

 

Empfohlene Links

Unsere Zeit
Wochenzeitung der DKP

Neues Deutschland
Sozialistische Tageszeitung

Zeitschrift LUXEMBURG
Gesellschaftsanalyse und linke Praxis

Zeitschrift Z
Zeitschrift marxistische Erneuerung

Marxistische Blätter
Die der DKP verbundene Zeitschrift für marxistische Theorie und Politik erscheint alle 2 Monate.