IG Metall vor Gewerkschaftstag: Gerechte Übergänge!

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Klima IGM VW BraunschweigStephan Krull zum bevorstehenden Gewerkschaftstag der IG Metall    

01.10.2019: Die IG Metall als größte Gewerkschaft in Deutschland mit ca. 2,4 Millionen Mitgliedern hat auf ihrem bevorstehenden Gewerkschaftstag (6. bis 12. Oktober) einen wesentlichen Punkt auf der Tagesordnung: die soziale, ökologische und demokratische Transformation der Industrie im Schatten der Klimakrise.

 

Der Gewerkschaftstag von ver.di (22.-29.9.19) setzte ein ermutigendes Zeichen für den Schulterschluss von Gewerkschaft und Fridays for Future. "Wir werden gemeinsam für eine ökologische Wende, die sozial gerecht gestaltet wird, kämpfen und werden Hand in Hand für diese Zukunft nach vorne gehen“, versprach der neugewählte Vorsitzende Frank Werneke im Anschluss an die Rede von Freya Matilda Schlabes, 16-jährige Aktivistin der Fridays for Future. Jetzt geht es darum, dieses Versprechen in den Betrieben und Verwaltungen umzusetzen.

Noch schwieriger dürfte es für die IG Metall werden. Zwar hat sich auch die IG Metall mit ihren Bastionen in Automobil- und Lkw-Werken den Pariser Klimazielen verpflichtet und hält sich zugute, dass sie mit ihrer Großkundgebung »Fairwandel« im Juni in Berlin die Frage einer Vereinbarkeit von Klimaschutz und dem Erhalt gut bezahlter Arbeitsplätze auf die Straße getragen hat. Auch hatte die IG Metall ihre Mitglieder aufgefordert, sich an den Klimaaktionen am 20. September zu beteiligen. Aber innerhalb der IG Metall gibt es Widerstand.

Stephan Krull zum bevorstehenden Gewerkschaftstag der IG Metall:

Stephan KrullDie IG Metall als größte Gewerkschaft in Deutschland mit ca. 2,4 Millionen Mitgliedern hat vor ihrem Gewerkschaftstag im Oktober (6. bis 12. Oktober) einen wesentlichen Punkt auf der Tagesordnung: die soziale, ökologische und demokratische Transformation der Industrie im Schatten der Klimakrise.

Metallerinnen und Metaller fordern lautstark Reformen und Investitionen. Es geht um gute Bildung, gute Arbeit und gute Lebensbedingungen für alle Menschen. Dazu hat im Sommer eine Demonstration von 50.000 Gewerkschaftsmitgliedern vor dem Parlament in Berlin stattgefunden.

„Wir wollen nicht tatenlos dabei zusehen, wie die Transformation über uns hinwegrollt und unsere Arbeitsplätze dabei unter die Räder kommen.“ Der Widerspruch zwischen Wachstum, Arbeit und Produktion einerseits und begrenzten Ressourcen andererseits muss aufgelöst werden. Dazu wird beim Gewerkschaftstag auch über weitere kollektive Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit beraten. Die Position der IG Metall: Klimaschutz und der Einsatz für gute und sichere Arbeitsplätze sind kein Widerspruch – im Gegenteil. Der notwendige ökologische Umbau der Wirtschaft und der Kampf gegen die drohende Klimakatastrophe werden nur dann gelingen, wenn Ökologie und Ökonomie konsequent zusammen gedacht wird.

Die Verkehrswende, Energiewende, Klimaschutz und industrieller Wandel müssen endlich angegangen werden ― und zwar so, dass wir auch morgen noch gute Arbeit haben. Dies alles funktioniert nicht von alleine. Es braucht einen Plan, massive Investitionen und entschlossenes Handeln.

Bei einem Gespräch mit Friday for Future – die IG Metall hat den globalen Klimastreik am 20. September im Rahmen ihrer rechtlichen Möglichkeiten unterstützt – gab es viel Übereinstimmung; Die eine denkt vor allem ans Klima, der andere auch an gute und sichere Arbeitsplätze. Ein Widerspruch? Nicht, wenn es zusammen gedacht wird. Eine sozial-ökologische Transformation kann nur gelingen, wenn sie demokratisch gestaltet ist, wenn den Menschen gute Perspektiven für sich entwickeln können. Um dies zu erreichen, ist ein grundlegender Umbau unseres Wirtschaftssystems notwendig. Zu konkreten Maßnahmen etwa zählt die Forderung der Vertreter der Fridays for Future-Bewegung, dass Schüler, Studenten und Auszubildende künftig kostenlos mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren können. Hierzu, sowie zu weiteren konkreten Maßnahmen, die dem Klimaschutz dienen, soll insbesondere vor Ort die Zusammenarbeit zwischen IG Metall und Fridays for Future erfolgen.

Dominant in Deutschland ist die Auto- und Zulieferindustrie mit ca. 800.000 Arbeitsplätzen. Wenn aber mit einem guten Plan und massiven Investitionen der öffentliche Verkehr ausgebaut wird, werden viele Züge, Straßenbahnen, Busse, Schienen und elektrische Anlagen benötigt, ebenso Fahrerinnen und Fahrer sowie Wartungspersonal. Wenn so an die Begrenzung des Klimawandels gegangen wird, dann stimmen die Arbeiterinnen und Arbeiter, die Gewerkschaftsmitglieder auch zu: Workers for future!

Schon im Juli beschlossen IG Metall, der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) sowie der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) eine gemeinsamen Initiative „Die Klima- und Mobilitätswende gestalten“. Zu den dringend anzugehenden Maßnahmen gehört der Schienenausbau für Nah- und Fernverkehr, der Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs und die Förderung von sozial verträglicher Gebäudesanierung insbesondere im Mietwohnungsbau. Dazu gehört ebenso der Ausbau der Stromnetze, die den Anforderungen von Verkehrs- und Wärmewende derzeit nicht genügen.

In einer Erklärung der Gewerkschaft heißt es weiter:
„Die IG Metall teilt das Ziel von Fridays for Future, die drohende Klimakatastrophe abzuwenden und hält einen raschen und grundlegenden ökologischen Umbau unseres Wirtschaftens für dringend notwendig. Um Druck für eine soziale, ökologische und demokratische Transformation zu machen, braucht es breite Mehrheiten in der Zivilgesellschaft. Die IG Metall begrüßt es daher, wenn ihre Mitglieder sich am Klimaaktionstag am 20. September beteiligen und Flagge zeigen für einen Wandel, der Klimaschutz, sichere Arbeitsplätze und soziale Gerechtigkeit verbindet.“

Tatsache ist aber auch, dass es über die Strategie der Gewerkschaft sehr unterschiedliche, teils konträre Positionen gibt. Mehr sozialpartnerschaftlich orientierte Betriebsräte vor allem aus der Automobilindustrie sind sehr auf Distanz zu den Herausforderungen des Klimawandels. Aber es gibt keine Alternative, denn die multiple Krise, mit der wir es zu tun haben, kostet bereits heute viele Jobs. Nicht die Transformation wird Arbeitsplätze vernichten, sondern der unterlassene Klimaschutz vernichtet Leben und Arbeit. Immer mehr Menschen verstehen: Auf einem toten Planeten gibt es keine Jobs.

 

Wir danken Stephan Krull für die Genehmigung zur Veröffentlichung auf kommunisten.de
Der Artikel wurde von http://stephankrull.info übernommen.


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