Kapital & Arbeit
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12.07.2011: Man stelle sich vor, die Gewerkschaften würden eine Lohnerhöhung von 22 Prozent auch nur fordern. Die unheilige Allianz aus Kapital und Kabinett und medialen Konzernschreibern würde Zeter und Mordio schreien. Nicht so, wenn es um die Gehaltsexzesse der Topmanager geht, das ist kaum eine Pressenotiz wert. Die Konzernbosse aber haben im vergangenen Jahr nicht nur 22 Prozent mehr gefordert, sondern in dieser Höhe auch zugelangt. Im Durchschnitt erhöhten sich die Dax-30-Vorstände ihre Bezüge um 525.000 Euro (+ 21,96%) auf jetzt 2,915 Millionen Gesamtvergütung (fixe Barvergütung plus Boni, Prämien und Tantiemen). Das geht aus der jetzt veröffentlichten Vorstandsvergütungsstudie 2011 der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) hervor.  Die Vorstandsbosse strichen fast das Doppelte ein: 4,537 Millionen Euro im Durchschnitt. Ebenfalls plus 22% (21,6%).  Spitzenreiter sind hier Martin Winterkorn (VW) 9,33 Millionen, Josef Ackermann 8,99 Mio., Siemens-Chef Löscher 8,98 Mio. und Daimler-Boss Zetsche 8,82 Mio. Euro. Dazu kamen im Durchschnitt 570 Tausend Euro jährliche Pensionszusagen, damit die Manager im Ruhestand  nicht in die Altersarmut abrutschen.

Auch in der zweiten Liga der Konzerne, nämlich im MDax wurde noch klotzig verdient: 1,55 Millionen Euro pro Vorstand. Knapp 18 % mehr. Bestverdienender Vorstandsboss ist hier Mathias Döpfner vom Axel Springer Verlag mit 6,61 Millionen Euro Jahressalär. Seine Vorstandskollegen erhalten 4,48 Mio. Euro.

Die Vergütungssteigerungen bei den Dax-Konzernen sind mit + 22% genau zehnmal so hoch  wie die  Lohnerhöhungen der abhängig Beschäftigten im vergangenen Jahr. Denn die Bruttolöhne stiegen 2010 gerade mal um um  2,2%. Auch im Zehnjahresvergleich erhöhten die Bosse ihre Bezüge um ein Mehrfaches gegenüber dem was sie ihren Belegschaften zubilligten. Die Bruttolöhne erhöhten sich von 2001 bis 2010 um 10,7%. Nimmt man die Nettolöhne (Bruttolöhne minus Lohnsteuer und Sozialabgaben) und berücksichtigt die Erhöhung der Verbraucherpreise, dann ergibt sich ein Reallohnabbau in diesem Zeitraum von fast drei Prozent (2,9%). Die durchschnittliche Barvergütung bei den Vorstandsbezügen wurde im gleichen Zeitraum um 75% nach oben geschraubt. Die Bosse haben damit ganz sicher keinen Kaufkraftverlust zu verzeichnen. Dennoch wollen sie ihre Einkommen jetzt krisenfester machen und erhöhen seit der Finanzkrise den Anteil ihrer fixen Barvergütungen an  ihren Bezügen.

Angesichts des anhaltenden Profitfeuerwerks der Dax-Konzerne, werden die Vorstandsbezüge auch 2011 zweistellig zulegen. Die Tariflöhne dagegen dürften kaum mehr als 2,5 bis 3% steigen. Das reicht gerade zum Ausgleich der Inflationsrate, die ebenfalls auf 2,4 bis 3,0 Prozent geschätzt wird. Die realen Nettolöhne dürften angesichts der „kalten Lohnsteuerprogression“ und erhöhter Sozialabgaben sogar schwinden. Bei vielen „dürften die Nettostundenlöhne im XXL-Jahr real sogar sinken“, meint auch Frank Hechtner, Steuerexperte an der Freien Universität Berlin.

Text: fresch      Karrikatur: Bernd Bücking (isw-report 37)