Rodung und Polizeieinsatz im Dannenröder Forst stoppen!

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Dannenroeder Wald Danni bleibt24.11.2020: update | Video Wut, Widerstand und Utopie #DanniBleibt     
23.11.2020: Im mittelhessischen Dannenröder Forst bei Homberg/Ohm heulen die Motorsägen und die Bäume krachen zu Boden ++ Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) und die hessische CDU/Grüne-Landesregierung lassen den Dannenröder Wald auf einer Fläche von 27 Hektar für die Autobahn A49 roden  ++ mehrere schwerverletzte Umweltschützer*innen durch Polizeieinsätze ++ Grüne, Linke und Aktivist*innen fordern in offenem Brief Stopp des Polizeieinsatzes und der Rodung

 

Über dem Wald kreisen Polizeihubschrauber, am Boden sind mehrere Hundertschaften Polizei und zwei Wasserwerfer im Einsatz. 27 Hektar Mischwald sollen für den Ausbau der A49 gefällt werden. Seit einem Jahr ist der Wald von Klima- und Umweltaktivist*innen besetzt. Sie versuchen dieses Wahnsinns-Projekt zu stoppen, mit dem mitten in einer sich rasant beschleunigenden Klimakatastrophe ein uralter Wald für noch mehr Verkehr zerstört wird.

Dannenroeder Wald Ue60 Demo 2020 11 21Am Sonntag (22.11.) haben Aktivist*innen mit einer weiteren Blockadeaktion gegen die Rodungen protestiert. Unterstützung erhielten sie über das Wochenende von eine Ü60-Demo und 400 Aktivist*innen von "Ende Gelände", die aus verschiedenen Städten anreisten. Mit der Aktion schließe man sich dem Protest des Bündnisses "Wald statt Asphalt" und der lokalen Initiative "Keine A49" an, sagte Ende Gelände-Sprecherin Ronja Weil. Rund 250 teils in weiße Anzüge gekleidete Menschen zogen am Sonntagmorgen mit dem Transparent "Mischwald statt Staatsgewalt" in das Waldstück, um dort die Räumungs- und Rodungsarbeiten zu blockieren. Sie blockierten einen Bagger am nördlichen Waldrand, die Räumungsarbeiten standen den Tag über still.Dannenroeder Wald gekapptes Seil

Am Samstag (21.11.) war es erneut zu einem schweren Unfall im Wald gekommen. Eine Frau stürzte aus einer Holzplattform in vier bis sechs Meter Höhe auf den Boden und kam schwer verletzt ins Krankenhaus. Nach Angaben von Aktivist*innen hatte ein Polizist die Plattform so stark ins Schwanken gebracht, dass die Waldschützerin abstürzte.

Polizei TaserGlimpflich verlief diesmal noch der Einsatz von Elektroschockern durch die Polizei. In 20 Meter Höhe setzten sie einen Elektro-Taser ein, weil sich zwei Personen "massiv aneinanderklammerten". Die Klammerung "wurde mit einem elektrischen Impuls gelöst" und die "Personen zu Boden gebracht", twitterte die Polizei Mittelhessen.[1] Elektroschocker verursachen eine schmerzhafte Muskelkontraktion im ganzen Körper und können etwa bei Herzfehlern tödlich wirken.

Bereits vor einer Woche war eine Aktivistin aus fünf Meter Höhe abgestürzt und lebensgefährlich verletzt worden, weil ein Polizist ein Sicherungsseil durchgeschnitten hatte. Nur einen Tag später fiel eine andere Person aus dem gleichen Grund aus einem travers gespannten Seil, war aber doppelt gesichert und pendelte lediglich zwischen den Baumstämmen – was auch zu schweren Verletzungen führen kann.

Die Unfälle und lebensbedrohliche Situationen häufen sich, seit die Polizei immer weiter in das Innere des Waldes vordringt. Nach Angaben der Waldbesetzer*innen sind inzwischen zwei der insgesamt elf Baumhaus-Camps im nördlichen sowie südlichen Teil des Waldstücks geräumt und entfernt worden.

Grüne mitverantwortlich

Die Besetzer*innen appellierten am Sonntag erneut an die hessischen Grünen, den Einsatz zu stoppen. "Für jede Gefährdung von Menschenleben, jede Verletzung, jedes Trauma sind die Grünen mitverantwortlich, so lange sie den Einsatz mittragen", sagte eine Sprecherin.

"Im Danni sehen wir die Realität schwarz-grüner Klimazerstörung"

"Im Danni sehen wir die Realität schwarz-grüner Klimazerstörung" erklärte Ronja Weil von Ende Gelände. "Wir senden Grüße aus dem Wald an den Bundesparteitag der Grünen", sagte sie gegenüber der taz. Die Grünen hatten sich am Samstag geeinigt, das 1,5-Grad-Ziel zur Grundlage ihrer Politik zu machen. "Wir zeigen hier schon mal, wie das geht", sagte Weil. Und drohte in Richtung der Hessischen Landesregierung: "Wenn sie die gewalttätige Räumung fortführen, werden wir die Rodung zu ihrem politischen Desaster machen."

Offener Brief: Dauereinsatz ohne Pause gefährdet Menschenleben –Rodungsstopp jetzt!

Am Donnerstag haben sich eine Reihe von Politiker*innen, Aktivist*innen und Umweltschutz-Gruppierungen einem offenen Brief an Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU), den hessischen Verkehrsminister und Stellvertreter des Ministerpräsidenten Tarek Al-Waziran (Grüne) und an die Baufirma DEGES GmbH gewandt und den Stopp der Rodung und des Polizeieinsatzes im Dannenröder Forst verlangt.

Die Unterzeichner*innen verweisen darauf, dass ein Mensch am Sonntag, 15. November, durch einen Sturz schwer verletzt wurde. Ein Polizist steht unter Verdacht, das Unglück ausgelöst zu haben, als er ein Sicherungsseil durchtrennte. Der "pausenlose Dauereinsatz" erhöhe die Spannung auf allen Seiten, führe zu Fehleranfälligkeit und trage zur Eskalation bei, heißt es in dem Schreiben. Außerdem mache die Corona-Lage den Polizeieinsatz "unverantwortlich". "Wie passt es zusammen, wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel dazu aufruft‚ die Kontakte zu anderen Menschen außerhalb der Angehörigen des eigenen Hausstands auf ein absolutes Minimum zu verringern --und zugleich tausende Polizeikräfte aus dem ganzen Bundesgebiet in einen vermeidbaren wochenlangen Großeinsatz geschickt werden?"

Unterschrieben wurde der Brief von der Grünen Jugend Deutschland und von einer ganzen Reihe von Grünen-Landtagsabgeordneten aus verschiedenen Bundesländern, aber nicht aus dem Hessischen Landtag. Für DIE LINKE haben die hessische Fraktionschefin Janine Wissler, die verkehrspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, Sabine Leidig, und etliche andere unterzeichnet.

Auch Luisa Neubauer von Fridays for Future, die Aktivistin Carola Rackete, Jürgen Resch (Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe), Kerem Schamberger (Vorstandsmitglied des Institut Solidarische Moderne) und eine Reihe weiterer Einzelpersonen haben neben regionalen und überregionalen Initiativen unterzeichnet.[2]

 

"Hessen und der Konflikt um den Dannenröder Forst zeigen, dass sich mit einer schwarz-grünen Koalition nichts zum Besseren wendet."
Kerem Schamberger, Unterzeichner des offenen Briefes

 

   

 

 

  

 

Anmerkungen

[1] https://twitter.com/Polizei_MH/status/1330047040634568704
[2] https://www.attac.de/startseite/teaser-detailansicht/news/dannenroeder-wald-offener-brief/

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