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US Kriegsflugzeug QatarProfiteure des Krieges – die US-Iran-Krise und der militärisch-industrielle Komplex

13.02.2020: Während die Welt um die Jahreswende in Sorge um einen neuen, katastrophalen Krieg in Nahost den Atem anhielt, ließen die CEOs und Shareholder der weltweit größten Rüstungskonzerne die Sektkorken knallen. Allein die fünf größten US-Waffenfabrikanten konnten in wenigen Tagen den Wert ihrer Unternehmen um 20,7 Milliarden US-Dollar steigern.

 

Um die Jahreswende eskalierten in Nahost die Spannungen zwischen den USA und dem Iran. Mit einem maximal inkompetenten Narzissten im Weißen Haus steht die Welt anno 2020 so nah an einem potentiellen Krieg zwischen den beiden Erzfeinden wie zu keinem anderen Zeitpunkt seit der Islamischen Revolution 1979. Entgegen den Beteuerungen der Trump-Administration, die völkerrechtswidrige Hinrichtung von General Qassem Soleimani hätte die Welt zu "einem sichereren Ort" gemacht, ist das genaue Gegenteil der Fall. Über den Menschen in Israel, den Emiraten, Saudi-Arabien und dem Irak hängt auch nach dem Luftschlag Teherans gegen zwei US-Basen im Irak weiterhin das Damoklesschwert einer möglichen Vergeltung des Iran für die Hinrichtung seines höchsten Generals, des zweitmächtigsten Mannes im Land – mag eine weitere Eskalation im Moment zwar unwahrscheinlich sein, haben uns Trumps Neocon-Feuerteufel schon viel zu oft eines Besseren belehrt und der Welt ein ums andere Mal bewiesen, dass auch nur ein Funken militärstrategischer Rationalität und damit ein Mindestmaß an Vorhersehbarkeit von ihnen nicht zu erwarten ist.

Es gibt nur Verlierer in diesem Spiel mit dem Feuer. So scheint es. Doch ist auch dieser Satz nicht ganz korrekt, denn: Einen Gewinner gibt es schon.

Die Profiteure des Krieges

Es mag wie eine allzu abgedroschene Binsenweisheit anmuten, doch gibt es bei jedem Verbrechen immer auch Profiteure des Unrechts: Der Menschenhändler, der Sexsklavinnen aus Rumänien und dem Westbalkan nach Westeuropa verschleppt, verdient sich und seiner Familie ebenso ein Einkommen wie die vergleichsweise gutbezahlten Schlächter des IS und der Al-Qaida. In genau diese Reihe der Menschenfeinde möchte ich auch jene Gruppe der Profiteure stellen, die sich mit jeder zuspitzenden Eskalation im Nahen und Mittleren Osten und überall anders auf der Welt ihre Bankkonten üppig füllen: die Rüstungsindustrie. Ich kann mir kaum einen verwerflicheren, moralisch bankrotteren Beruf vorstellen als jenen all der Frauen und Männer dieser Welt, die mit dem Verkauf von Panzern und Raketen, von Drohnen, Gewehren und Giftgas ihr täglich Brot verdienen. Diese Menschen sind kein Teil der zivilisierten Gesellschaft, sie sind Misanthropen, Menschenfeinde, die sich mit dem Mord an Unschuldigen ihre Taschen füllen, und als genau das öffentlich geächtet werden müssen: als Komplizen an Massenmord.

Auf Markets Insider, der Börsensparte der weltweit renommierten Wirtschaftspublikation Business Insider vom Axel Springer Verlag, finden sich minutenaktualisiert die Börsenwerte der Konzerne dieser Welt. Ich habe mir die Marktentwicklungen der zehn umsatzstärksten Rüstungskonzerne der Welt (eigentlich neun, denn für die russische Almaz-Antey auf Platz neun gibt es keine öffentlich zugänglichen Daten) um die Jahreswende genauer angesehen, jene Woche vom 31. Dezember 2019 bis zum 6. Januar 2020 also, in der die gegenwärtige US-Iran-Krise zu eskalieren drohte, und konnte in der Tendenz zwar wenig Überraschendes, in dem Ausmaße jedoch äußerst Bezeichnendes ermitteln: Die neun umsatzstärksten Rüstungskonzerne der Welt vermehrten den Börsenwert ihrer Unternehmen in wenigen Tagen akkumuliert um schwindelerregende 22,8 Milliarden US-Dollar, oder 3,7 Prozent.

Der Großteil dieser Zuwächse (20,7 Milliarden Dollar) fällt – verständlicherweise – auf die fünf größten US-Rüstungskonzerne, die ohnehin die fünf größten der Welt ausmachen: Lockheed Martin, Boeing, Raytheon, Northrop Grumman und General Dynamics (die britische BAE Systems auf Platz sechs der weltweiten Rüstungscharts hat immerhin um 670 Millionen Dollar oder 3,7 Prozent zugelegt; die italienische Leonardo um 189 Millionen Dollar (3,0 Prozent) und die französische Thales Group um 426 Millionen (2,2 Prozent)).

US Ruestungsindustrie Boersenzuwachs



Steigerung der Börsenwerte (Marktkapitalisierung) der zehn umsatzstärksten Rüstungskonzerne der Welt vom 31. Dezember 2019 auf den 6. Januar 2020:

1.   Lockheed Martin (USA)  6,1%    6,7 Mrd. $ 
2.  Boeing (USA) 2,5%   4,5 Mrd. $ 
3.  Northrop Grumman (USA)      9,3%     5,4 Mrd. $ 
4.   Raytheon (USA)  3,6%   2,2 Mrd. $ 
5.  General Dynamics (USA) 3,7%   1,9 Mrd. $ 
6.  BAE Systems (UK) 3,7%   670 Mio. $ 
7.  Airbus (EU) 3,2%   887 Mio. $
8.  Leonardo (I) 3,0%   189 Mio. $ 
9.  Almaz-Antey (RU) k.A.   k.A.     
10 .  Thales Group (FR) 2,2%   426 Mio. $ 

 

In absoluten Zahlen führt Lockheed Martin – der mit weitem Abstand umsatzstärkste Rüstungskonzern der Welt, der unter anderem die Hellfire-Raketen der Predator-Dohne fabriziert – mit einem Zuwachs von mehr als 6,7 Milliarden US-Dollar diese unrühmliche Liste an. In relativen Zahlen steht Northrop Grumman – bekannt für seine B-2-Tarnkappenbomber – mit 9,3 Prozent Zuwachs ganz oben: Etwas Säbelrasseln des US-Präsidenten und seine illegale Hinrichtung eines iranischen Generals lassen den Börsenwert des Bomberproduzenten in wenigen Tagen um fast ein Zehntel in die Höhe schießen.

Für die größte deutsche Rüstungsschmiede Rheinmetall (Platz 25 der weltweiten Rüstungscharts) sah die Entwicklung weniger rosig aus. So verringerte der Kanonen- und Munitionsfabrikant aus Düsseldorf – der im letzten Jahr insbesondere mit seinem Umgehen des deutschen "Rüstungsstopps" nach Saudi-Arabien als Komplize an Kriegsverbrechen im Jemenkrieg in die Schlagzeilen geriet – seinen Börsenwert gar um 37 Millionen US-Dollar, während der zweitgrößte deutsche Rüstungskonzern, ThyssenKrupp, weder Plus noch Minus machte. Das transeuropäische Rüstungskonglomerat Airbus, an dem die deutsche GZBV mit 11 Prozent größter Anteilseigner ist, legte im selben Zeitraum 887 Millionen Dollar oder 3,2 Prozent zu.

"Unser Unternehmen hat 2019 eine außergewöhnliche Performance erreicht. 2020 werden wir uns darauf konzentrieren, unseren Kunden innovative globale Lösungen anzubieten und langfristigen Wert für unsere Aktionäre zu generieren."
Marillyn A. Hewson, Chairman, President and Chief Executive Officer of Lockheed Martin Corporation

Während die Welt in Sorge um einen neuen, katastrophalen Krieg in Nahost den Atem anhielt, ließen die CEOs und Shareholder der weltweit größten Rüstungskonzerne die Sektkorken knallen. 2018 gaben die Länder der Welt mehr als 1,8 Billionen US-Dollar fürs Militär aus (Anstieg um 2,6 Prozent zum Vorjahr) – mehr als ein Drittel davon entfiel auf die USA, die so viel wie die acht folgenden Länder zusammen ausgaben (China, Saudi-Arabien, Indien, Frankreich, Russland, Großbritannien, Deutschland und Japan). Prahlte Donald Trump noch jüngst auf Twitter, die USA hätten "das mächtigste und am besten ausgestattete Militär der Welt", können sich die großen US-Rüstungsschmieden schon auf neue Milliardenaufträge freuen, um einen "feindseligen Iran" in die Schranken zu weisen.

Der militärisch-industrielle Medienkomplex

Einen weiteren Aspekt über die schmierige, korrupte Nähe zwischen Politik, Medien und Rüstungsindustrie im US-Establishment deckte der exzellente Investigativjournalist Lee Fang auf der Website The Intercept auf. Fang durchforstete im Zuge der Hinrichtung Soleimanis die US-Medienlandschaft und legte seinen Fokus dabei auf die Hintergründe jener iranophoben "Experten" der Washingtoner Sicherheitsblase, die den US-Präsidenten für seinen Mord am General regelrecht lobpriesen. Fang: "Viele der Experten, die im nationalen Fernsehen erschienen oder in wichtigen Publikationen zitiert wurden, um das Vorgehen des Präsidenten zu loben, haben im Verborgenen gehaltene Verbindung zur Rüstungsindustrie – der einzigen einheimischen Industrie, die überhaupt von zunehmender Gewalt profitiert." (Wie wir im ersten Teil dieses Artikels gesehen haben.)

Autor: Jakob Reimann
erschienen am 11. Januar 2020 auf http://justicenow.de

kommunisten.de dankt justicenow.de für die Genehmigung zur Veröffentlichung

 

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