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23.05.2012:  Eine heftige Debatte wurde in der letzten Zeit in Venezuela über Ein- und Auswanderung geführt. Anstoß waren Behauptungen der Opposition, dass viele Fachleute, Geschäftsleute und Bewohner der 'Oberklasse' aus dem Land auswandern, während Kenner an der Seite der Regierung darauf hinweisen, dass Venezuela ein wahrer 'Anziehungspunkt' für Ausländer geworden sei und das zweitbeliebteste Zielland in Südamerika für Auswanderer geworden sei.

Unlängst verbreitete sich ein 18-minütiges Video mit dem Titel 'Caracas, Stadt der Abschiede' im Internet wie ein Virus. In dem Video sprachen hellhäutige Venezolaner aus der Oberklasse, die in der Bevölkerung von Caracas lediglich eine Minderheit sind, darüber, wie sehr sie sich wünschten, das Land zu verlassen.

Venezuelas private Medien haben zudem Berichte über eine Schicht von Venezolanern verbreitet, die aus dem Lande "fliehen" würden. Das online-Nachrichtenportal Noticias.com berichtete bereits im November 2010: "Alle Fachleute fliehen, und die Chinesen und Haitianer kommen herein."

Das Portal behauptete in seinem Artikel, dass in jenem Jahr "viele Reiche und Venezolaner der Mittelklasse" das Land wegen der Enteignungen und wirtschaftlichen Widersprüche fliehen würden, und dass ein "Exodus von Wissenschaftlern, Ärzten, Geschäftsleuten und Ingenieuren" stattfände.

Die konservative Tageszeitung El Universal verbreitete, dass "die Vereinigten Staaten das Ziel" der venezolanischen Emigranten sei, und dass dort in den letzten zehn Jahren die Zahl der Venezolaner in der Gesamtbevölkerung um 135% zugenommen habe.

In eine ähnliche Kerbe schlug El Nacional in einem Artikel im April dieses Jahres mit dem Titel "Preis- und Wechselkurskontrollen erzeugen Unternehmensabwanderungen". Dort wurde beschrieben, wie der Spielzeughersteller Mattel bekannt machte, dass man den Firmensitz schließen und den Markt in Venezuela von Mexiko aus bedienen wolle.

Aller oppositioneller Propaganda und Verzerrung entgegen stehen jedoch die statistischen Zahlen. Laut 2010-Statistiken der Weltbank lebten in jenem Jahr nur 521.500 Venezolaner im Ausland, jedoch 2.122.300 Kolumbianer, 1.367.300 Brasilianer, 1.090.800 Peruaner und 956.800 Argentinier. Darüber hinaus besagen diese Statistiken, dass 1.007.400 Menschen nach Venezuela einwanderten, was in Südamerika nach Argentinien die höchste Einwanderungszahl darstellt.

Die Statistiken der Weltbank besagen ferner, dass im Jahre 2010 knapp 20% der Einwanderer nach Venezuela Flüchtlinge waren, und dass die hauptsächlichen Herkunftsländer der Einwanderer Kolumbien, Spanien, Portugal, Italien, Peru, Ekuador, Chile, die Dominikanische Republik, Syrien und Kuba waren. Die wichtigsten Ziele der Auswanderer waren damals die Vereinigten Staaten von Amerika, Spanien, Kolumbien, Portugal, die Dominikanische Republik, Ekuador, Kanada, Italien und Großbritannien.

In einem Artikel vor drei Tagen wies der Schriftsteller Luis Britto Garica darauf hin, dass solche Zielländer der Emigranten aus Venezuela wie die USA, Spanien und Italien allesamt ein geringeres wirtschaftliches Wachstum haben, als Venezuela. Wenn Venezolaner auswanderten, würden sie in den Zielländern zudem keineswegs gut behandelt: "Die Beantragungen eines Visums für die USA oder Kanada wird (von den Behörden dieser Staaten) wie ein Verdachtsfall von Verbrechen behandelt."

Nach Angaben des 'Homeland Security Departments' der USA sind 55,26% der Migranten aus Venezuela unter 34 Jahren alt. "Die Mehrheit unserer auswandernden Jugend wurde vom venezolanischen Staat gebührenfrei unter Lernbedingungen ausgebildet, die ihre Kinder im Ausland nicht finden werden. Viele der 'Empörten' [der Occupy-Bewegung] in aller Welt sind besipielsweise qualifizierte Menschen, die keine Arbeit finden", stellte Britto Garcia fest und wies auf den weltweiten Zug von in den Entwicklungsländern ausgebildeten Fachkräften in die 'entwickelten' Länder der Erde hin.

Er zitierte den kubanischen stellvertretenden Ministerpräsidenten Carlos Lage, der bereits im Jahre 1999 sagte, dass "jetzt eine Million Wissenschaftler und Fachkräfte, die in Lateinamerika mit Kosten von etwa 30 Mrd. US-Dollar ausgebildet wurden, in den entwickelten Ländern leben. Und wir müssen nunmehr noch zahlen, um von ihren Erfindungen und wissenschaftlichen Beiträgen einen Nutzen zu haben."

Trotz all dieser Sachverhalte "bleibt jedoch Venezuela viel eher ein Raum voller Anziehungskraft, als einer des Fliehens", schrieb Britto Garcia und die oben genannten Zahlen sprechen überzeugend dafür. 

Einwanderer nach Venezuela finden das Land aus einer ganzen Reihe von Gründen attraktiv. Dazu zählt die Einfachheit der Migration, das unproblematische Gründen kleiner Geschäfte, die politische Lage dort, der Zugang zur öffentlichen Gesundheitsfürsorge. Letztere wird von Venezuela in keiner Weise auf Grund des Herkunftslandes oder des Aufenthaltsstatus für Migranten eingeschränkt.

Venezuela schiebt Ausländer auch nicht ab, selbst wenn deren Visa abgelaufen sind. Sie werden nur in dem Fall abgeschoben, wenn sie schwere Verbrechen in dem Lande begangen haben.

Zudem hat die Behörde SAIME (Verwaltungsdienst für Identifikation, Migration und Ausländer) in Venezuela seit 2009 ein Anti-Korruptionsprogramm laufen, um Polizeibeamte an der Erpressung von illegal in Venezuela lebenden Ausländern zu hindern. Die Behörde hat ferner die Bürokratie beschnitten, die VISA-Voraussetzungen gestrafft und die entsprechenden Bearbeitungszeiten verbessert. Der Wartezeit für eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis in Venezuela wurde erst kürzlich von fünf Jahren mit einem gültigen Visum auf zwei Jahre verkürzt.

Quelle:  venezuelanalysis

 

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