Ehre den ermordeten Sowjetsoldaten in Hebertshausen !

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alt07.05.09: Jedes Jahr zu Anfang Mai gedenken viele Menschen in aller Welt, besonders aber in Deutschland, in verschiedenen Anlässen des Ende des Zweiten Weltkrieges in Europa und feiern die Niederschlagung der faschistischen Schlächter. Einer der auch international beachtetsten Gedanktage ist der zur Befreiung des Konzentrationslagers Dachau. Obwohl damit verbunden, ist aber die Würdigung der nur zwei Kilometer davon entfernt ermordeten über 4000 Sowjetsoldaten und die Trauerveranstaltung in der 'SS-Schießanlage Hebertshausen' von offiziellen Stellen und öffentlichen Medien stets nachrangig behandelt worden.

Nach 1945 wurde der SS-Schießplatz zunächst von den amerikanischen Besatzungstruppen genutzt, danach war die Anlage dem Verfall überlassen worden und staatliche Stellen hätten ihn am liebsten beseitigt. Nur dem unermüdlichen Kampf einiger Antifaschisten und Kommunisten im Raum München seit den sechziger Jahren war es zu verdanken, dass die Kenntnis über die dort verübten Verbrechen verbreitet wurden, Gedenksteine aufgestellt und eine breitere Öffentlichkeit für den Erhalt und angemessene Gestaltung dieser Stätte gewonnen wurde. 1985 fand erstmalig anlässlich des 40. Jahrestages der Befreiung vom Faschismus nach der Gedenkfeier im ehemaligen KZ Dachau ein 'Friedensweg' von dort zur Erschießungsstätte auf dem SS-Schießplatz statt. Aus Rücksicht auf die Gesundheit der ehemaligen Häftlinge des Konzentrationslagers Dachau und das umfangreiche Programm der Befreiungsfeiern wurde in den folgenden Jahren aber vom Fußmarsch von Dachau nach Hebertshausen Abstand genommen. Jetzt fahren Busse die Teilnehmer nach der Gedenkfeier im ehemaligen KZ zum SS-Schießplatz.

Auf der Grundlage der sogenannten 'Kommissarbefehle' wurden seit Mitte 1941 Offiziere und Soldaten der UdSSR nach Gefangennahme durch die Wehrmacht 'ausgesondert', unter Bruch des Völkerrechtes und der Kriegskonventionen 'entlassen', der SS übergeben und jeweils in den nächstgelegenen Konzentrationslagern ohne jegliche weitere Verfahren umgebracht. Ausgesondert wurden "alle bedeutenden Funktionäre des Staates und der Partei, insbesondere die Funktionäre der Kommintern, alle maßgebenden Parteifunktionäre der KPdSU ..., alle Volkskommissare ..., alle ehemaligen Polit-Kommissare in der Roten Armee, ... die führenden Persönlichkeiten des Wirtschaftslebens, die sowjetrussischen Intelligenzler, alle Juden, alle Personen die als Aufwiegler oder fanatische Kommunisten festgestellt (wurden)." In Hebertshausen wurden vor allem sowjetische Offiziere (ca. 1100) und Mannschaften aus Hammelburg (ca. 2000) im Rahmen dieser Politik in den Jahren 1941/42 umgebracht. Die Erschießungen wurden mit größter Brutalität durchgeführt, um den SS-Einheiten bedingungslose Härte und Grausamkeit anzuerziehen. Einzelheiten siehe http://tinyurl.com/pz6c6t oder http://tinyurl.com/qshpt3.

In diesem Jahr fand die Gedenkfeier am 3.5.09 statt. Veranstalter war wieder die 'Initiative Jahrestag der Befreiung'. Es sprachen Ernst Grube (Päsidium der Lagergemeinschaft Dachau), Freiwillige der Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste in der Evang. Versöhnungskirche/KZ-Gedenkstätte Dachau und ein ehemaliger sowjetischer Dachau-Häftling aus der Ukraine. Die würdevolle Ehrung der Ermordeten wurde durch ein Trompetensolo umrahmt. Auch unsere Partei war mit etlichen Mitgliedern und Parteifahnen sichtbar vertreten.

Ernst Grube zeigte sich in seiner Rede (vollständiger Text s. Anlage) betroffen von Aussagen des Bayerischen Ministerpräsidenten Seehofer zur Befreiung des KZ-Dachaus in den Vortagen, dass der Weg des Erinnerns jetzt vollendet sei und über sein Verschweigen der Tatsache, dass vor allem Kommunisten, Sozialdemokraten und kämpferische Gewerkschafter das vorrangige Ziel der Verfolgung durch die deutschen Faschisten waren. Auch seien weiterhin viele der Verbrechen des NS-Staates und der Wehrmacht ungesühnt. In diesem Zusammenhang sei auch die Klage der BRD vor dem IGH in Den Haag zur Verhinderung von Wiedergutmachungsansprüchen der Opfer solcher Verbrechen in Griechenland und Italien zurück zu ziehen. Das Verhalten der BRD in dieser Sache käme einer Verhöhnung der Opfer gleich. Ernst Grube forderte den bayerischen Ministerpräsidenten auf, im Sinne der Forderung

Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg!

keine Ausgrenzungen zuzulassen, wie dies durch Aufnahme der antifaschistischen Organisation 'a.i.d.a' in den Verfassungsschutzbericht geschah und restliche Mittel für die Fertigstellung der Gedenkstätte 'SS-Schießplatz Hebertshausen' bereit zu stellen.

Schwer aber war es, in dieser Situation nicht an die ganz unterschiedlichen Auslegungen gerade der letzten Forderung (Nie wieder Krieg!) zu denken, die von Vielen praktiziert wurde und wird, welche Kränze am Mahnmal in der KZ-Gedenkstätte Dachau ablegten. Für uns bedeutet es jedenfalls: kein Krieg in Afghanistan, kein Krieg im Irak, kein Krieg gegen Jugoslawien/Serbien, kein Krieg gegen das palästinensische Volk im Gaza-Streifen, kein Schüren von kriegerischen Auseinandersetzungen wo immer in der Welt durch Einmischung und Hegemoniestreben.

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 Text und Fotos: hth

 

 

 

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