Literatur und Kunst
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felixmueller gst 474423.01.2014: Ein rußgeschwärzter Arbeiter steht vor einem brodelnden Stahlungetüm; hinter ihm sprühen einem Feuerwerk gleich die Funken. Der "Hochofenarbeiter " aus dem Jahr 1927 ist eins der Gemälde von Conrad Felixmüller (1897-1977), das gegenwärtig in einer großen Werkschau im Ernst-Barlach-Haus in Hamburg zu sehen ist. Mit seinen Bildern aus der Arbeitswelt, die überwiegend im Ruhrgebiet und im Erzgebirge entstanden sind, war Felixmüller in den zwanziger Jahren ein stilprägender bildender Künstler, der sich einer proletarisch- realistischen Darstellungsweise verpflichtet fühlte und seine politische Heimat in der KPD fand.

Die Ausstellung präsentiert rund 80 Werke aus den Jahren 1914 bis 1933, großformatige Gemälde, aber auch Aquarelle, Tuschezeichnungen sowie Holzschnitte für die Titelblätter politischer Zeitschriften, so vor allem für "Die Aktion". Diese seit 1911 herausgegebene Wochenschrift wurde zum ideologischen Sammelbecken vor allem expressionistischer Schriftsteller und Künstler, denen es um eine enge Verbindung von moderner Kunst und Politik ging. Unter der Losung "Nieder mit dem Krieg!" zeichnete sich "Die Aktion" auch während des Ersten Weltkrieges dadurch aus, dass sie eine konsequente Antikriegshaltung bewahrte. Nach Kriegsende versuchte sie in Wort und Bild "den Blick der revolutionären Bereitschaft" auf die Arbeiterklasse zu lenken.

Nachdem Felixmüller 1920 mit den Sächsischen Staatspreis ausgezeichnet worden war, entschied er sich, das damit verbundene Stipendium nicht, wie üblich, für einen Aufenthalt in der Villa Massimo in Rom zu verwenden, sondern in die Kohlenreviere des Ruhrgebiets zu reisen. Die dort entstandenen Bilder und Zeichnungen - die in einer repräsentativen Auswahl in Hamburg zu sehen sind - zeigen die Härte der Arbeitswelt, politisches Aufbegehren und vor allem proletarisches Selbstbewusstsein.

Nach der Machtübertragung an den Faschismus wurde Felixmüller aus dem Berliner Künstlerbund ausgeschlossen, seine Bilder wurden aus allen öffentlichen Sammlungen entfernt, 150 seiner Werke  wurden vernichtet. 1949 wurde Felixmüller zum Professor an der Pädagogischen Fakultät der Universität Halle berufen. Hier lehrte er bis 1961 und ging nach seiner Emeritierung wieder zurück nach Berlin.1967 siedelte er aus der DDR nach Berlin-Zehlendorf (Westberlin) über, wo er 1977 starb.

Das Umfeld dieser Ausstellung kann nicht gegensätzlicher sein. Aber da lassen sich die Hamburger Geschäftsleute nicht lumpen. Nach der Ausstellung des revolutionären russischen Künstlers Rodtschenko im Sommer im piekfeinen Bucerius-Kunst-Forum wird das proletarische Oevre Konrad Felixmüllers nun im Ernst-Barlach-Haus präsentiert, gelegen im Jenischpark an der Blankeneser Elbchaussee.

Der Hamburger Industrielle Reemtsma hatte 1961 das Ernst-Barlach-Haus gestiftet. Nach seiner Begegnung mit dem Zeichner, Grafiker, Bildhauer und dramatischen Autor Ernst Barlach (1870–1938) begann Reemtsma in der Mitte der 1930er Jahre eine Sammlung von Werken Ernst Barlachs aufzubauen. Er verstand es, diese allen Widerständen zum Trotz vor dem faschistischen Kulturvandalismus zu bewahren. nachdem zahlreiche Großplastiken zerstört, der Großteil  seiner Werke beschlagnahmt und der Künstler als entartet klassifiziert und mit Ausstellungs- sowie Arbeitsverbot belegt worden war.

Eine beeindruckende Sammlung Barlachscher Holzplastiken ist in dem Hamburger Barlach-Haus zu sehen - als Dauerausstellung zusätzlich zu Felixmüllers „Glückseligkeit und Kampfesmut.“

Die Felixmüller-Ausstellung kann noch bis zum 2. Februar besucht und bestaunt werden.

Text/Fotos: Günther Stamer


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