Im Interview
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20.04.2011: Anlässlich der Vorbereitungen des Ostermarsch Rhein/Ruhr sprach die UZ mit dem Ostermarsch-Aktivisten der ersten Stunde Willi Hoffmeister. Der Gewerkschafter, Mitglied der IG-Metall- Delegiertenversammlung in Dortmund, war früher Betriebsrat bei der Hoesch- Westfalenhütte.

UZ: Willi, du kommst gerade von der Pressekonferenz des Ostermarsch- Rhein/Ruhr-Komitees. Wie laufen die Vorbereitungen, was gibt es an aktuellen neuen Informationen?

Willi Hoffmeister: In Düsseldorf beim Ostermarsch Rheinland wird dieses Jahr auf einer großen Kundgebung Horst Schmitthenner sprechen. Horst Schmitthenner ist langjähriges Vorstandsmitglied der IG Metall und hat heute noch bei der IG Metall das Verbindungsbüro Soziale Bewegungen. Er wird zum Afghanistan-Krieg Stellung nehmen und die Frage der Rüstungsproduktion und der Rüstungsexporte ansprechen.

Als zweiter wird Robin Cramer von der Landesschülervertretung sprechen zum Thema Bundeswehr in den Schulen. Dieser Kooperationsvertrag in NRW war einer der ersten, die seinerzeit beschlossen wurden. Die Hoffnung die wir hatten, dass jetzt mit der neuen Landesregierung der Vertrag zurückgenommen wird, hat sich als Illusion erwiesen. Ich habe auf der Delegiertenversammlung der IG Metall in Dortmund dazu gesprochen und habe einhellige Unterstützung zur Ablehnung der Bundeswehr in den Schulen bekommen.

Ich würde mich freuen wenn der Jugendblock in Düsseldorf mit einem entsprechenden Transparent zustande kommt. Das Netzwerk, das sich jetzt gebildet hat, mit der Gewerkschaftsjugend, mit der Landesschülervertretung, mit der DFG/VK und anderen Gruppen, das arbeitet hervorragend daran, diesen Kooperationsvertrag hinfällig zu machen.

Am Ostermontag, für die dritte Etappe, gibt es eine interessante Sache. In Dortmund gibt es einen Bundestagsabgeordneten, den Sozialdemokraten Marko Bülow. Bülow stimmt im Bundestag gegen jeden Auslandseinsatz der Bundeswehr. Er wird auf der letzten Etappe in Dortmund- Dorstfeld reden und dadurch haben die SPD Dortmund und die Grünen dazu aufgerufen, ab diesem Punkt den Ostermarsch mitzumachen und zu unterstützen. Ich freue mich besonders darüber. Selbst bei allen Vorbehalten, dass Marko Bülow bei Auslandseinsätzen der Blauhelme der UNO andere Positionen hat als wir, die Friedensbewegung. Aber dafür sind wir da, dass wir das diskutieren und uns damit auseinandersetzen.

Die Atomenergiefrage hat mit dem Reaktor- Gau in Japan eine zusätzliche Brisanz gekriegt. Es wird an 12 AKW Standorten Demonstrationen und Kundgebungen geben. Wir unterstützen das. Wir haben anlässlich des 25. Jahrestag des Unfalls in Tschernobyl, für den Ostermontag, einen Redneraustausch vereinbart. Von uns wird jemand in Gronau sprechen und von dort wird jemand bei uns auf dem Ostermarsch sprechen. Es ist ja der Wille der Friedensbewegung, die Anti-AKW-Bewegung und die Friedensbewegung enger miteinander zu verbinden, es sind zwei Seiten derselben Medaille, Atomkraft und Atomwaffen.

UZ: Du hast die gewerkschaftliche Friedensarbeit in der Zeit als Stahlarbeiter in NRW maßgeblich mit geprägt. Wie sehen die gewerkschaftlichen Aktivitäten zum diesjährigen Ostermarsch aus?

Willi Hoffmeister: Ich habe das eben auch auf der Pressekonferenz gesagt, es war für mich ein ganz wichtiger Teil der Friedensarbeit, dass es damals gelungen ist mit solch einem Thema hinter die Werkstore zu kommen. Denn es hieß ja immer, Demokratie endet am Werkstor, und dahinter gibt es nur Arbeit und Ausbeutung. Wir haben es damals geschafft, dass die betriebliche Friedensarbeit zugenommen hat, mit über 400 betrieblichen Friedensinitiativen, die über einige Jahre in den Betrieben aktiv gearbeitet haben. Einer der wichtigen Punkte war, den Weg aufzuzeigen, wie kommen wir von der Rüstungs- zur friedlichen Produktion. Das hatte punktuell großen Erfolg.

Heute ist die Angst um den Arbeitsplatz und die Lohnfrage für die Kumpels mehr in den Mittelpunkt gerückt und maßgeblich dadurch leider wohl diese Bewegung zusammengebrochen.

UZ: In dem Ostermarsch-Aufruf Ruhr sagt ihr „NEIN!“ zum Krieg in Afghanistan und fordert „Beendet den Krieg jetzt! Zieht die Bundeswehr ab, unterstützt Verhandlungen mit allen Konfliktparteien!“. Was sagt das Ostermarschbündnis zum NATO-Krieg in Libyen und wieso steht dazu nichts in eurem Aufruf?

Willi Hoffmeister: Wir sind in der unglücklichen Lage, dass wir den Ostermarschaufruf sehr früh machen mussten. Er wird im Januar beschlossen und da konnten wir zu Libyen noch nichts sagen. Wir haben jetzt eine Erklärung gemacht, in der es heißt, dass der Militäreinsatz eindeutig gegen das Völkerrecht verstößt. Afghanistan wird eine große Rolle spielen auf dem Ostermarsch. Unsere Forderung ist: Schluss mit dem Krieg. Bundeswehr raus aus Afghanistan. Wir brauchen keine Verteidigung am Hindukusch, wir brauchen die Verteidigung unserer demokratischen Errungenschaften.

UZ: Willi, du bist ein Ostermarschierer der ersten Stunde. Was waren damals deine Beweggründe zum ersten Ostermarsch vor 50 Jahren zu gehen?

Willi Hoffmeister: In meiner Lehrzeit 1947/48 bin ich in diese Bewegung gekommen, weil mein Onkel nach elf Jahren Konzentrationslager und Krieg mir gesagt hat, Junge, tu alles, damit es dazu nicht wieder kommt. Das war für mich ein Aufhänger, der mich das ganze Leben begleitet hat. Die Ostermärsche waren eine Zusammenfassung der verschiedensten Bewegung der damaligen Zeit. Man war unterschiedlicher Meinung, aber man hat sich geeinigt auf diesen Marsch, der von England rüberkam. Es war und ist der Marsch der Atomwaffengegner. Seit 1961 war ich auf dem Ostermarsch dabei.

UZ: Was waren für dich die beeindruckendsten Erlebnisse in 50 Jahren Ostermarsch?

Willi Hoffmeister: Das schönste Erlebnis – ich habe ja jetzt die Ausstellung 50 Jahre Ostermarsch gemacht, wo ich viele Dokumente zusammengetragen habe und da ist ein Bild, das zeigt in Dortmund auf der Krepingstraße das Zusammentreffen der Ostermärsche Ruhr und des Ostermarsches Ostwestfalen/Münster. Das war so ein tolles Erlebnis, da kommen mir heute noch die Tränen in die Augen, wenn ich daran denke.

UZ: 50 Jahre Ostermarsch und trotzdem sind die Atomwaffen nicht abgeschafft, haben wir mehr Kriege weltweit als je zuvor. Was sagst du einem jungen Menschen warum er sich am Ostermarsch beteiligen soll?

Willi Hoffmeister: Heute liegen noch immer Atomwaffen in der Eifel. Nun kann man sich fragen, ist das eine Niederlage, dass wir es nicht geschafft haben die wegzukriegen? Wichtig ist für mich, dass es diese Bewegung nach wie vor gibt und ich kann mich nicht entsinnen, dass es einen Ostermarsch gegeben hat, wo diese Forderung nach Abschaffung der Atomwaffen keine Rolle gespielt hat. Man muss da dran bleiben.

Ich frage immer die jungen Menschen, was brennt euch auf der Seele? Die Antwort ist meist, ich möchte einen Beruf erlernen und eine gute Arbeit bekommen. Das ist ja auch das, was wir immer gesagt haben, das Revier muss leben, Frieden und Arbeit. Und ich sage den Jugendlichen, dass sie ihre Themen in den Ostermarsch einbringen können, sie haben Widerhall. Ich sage ihnen aber auch, nehmt euch kein Beispiel an uns alten Knaben. Wir haben einen eingefahrenen Rhythmus, bringt eigene Ideen ein, macht irgend etwas, aber macht etwas!

Ich denke, heute mit der Pressekonferenz mit den vielen jungen Leuten dabei, mit der jungen Bewegung, da habe ich keine Sorge, dass sich der Ostermarsch totläuft. Ich habe volles Vertrauen in die Jugend, das sie dort voll einsteigen wird.

Die Fragen stellte Wolfgang Teuber (Vorabdruck aus der UZ vom 23.04.11)