Kapital & Arbeit
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kreuznach 1Mai2016 metzroth 0107.05.2016: Am Mittwoch letzter Woche waren es noch rund 1.000 streikende Mitglieder von ver.di und GEW, die bei einer Streikversammlung des ver.di-Bezirks Rhein-Nahe-Hunsrück durch die Innenstadt von Bad Kreuznach zogen um sich auf dem Kornmarkt zu einer beeindruckenden Streikversammlung zu treffen. Jetzt führten Metaller aus der Region, die in der Nacht von Freitag auf Samstag mit dem ersten Warnstreik beim Automobilzulieferer Continental Teves in Rheinböllen das Ende der Friedenspflicht nicht ungenutzt verstreichen ließen, den Demonstrationszug am 1. Mai in der Nahestadt an. So wie ihre Kolleginnen und Kollegen vor Tagen ein Angebot der öffentlichen Arbeitgeber von 0,6% für 2016 und 1,2% für 2017 zurückwiesen, wollen sie nicht die 2,1%- Provokation der Metallindustriellen kampflos hinnehmen. Der 1. Bevollmächtige der IGM in Bad Kreuznach, Edgar Brakhuis, kündigte Warnstreiks für Montagmorgen in lokalen Metallbetrieben an. Vier Musiker der Band „Old Jazz Events“ sorgten für gute Stimmung bei der Demo und unterstrichen den Willen der Metaller, ihren Bossen den Marsch zu blasen.

In seiner Eröffnungsansprache forderte der DGB-Vorsitzende Jürgen Locher Zeit für mehr Solidarität zwischen den Arbeitenden, den Alten und Jungen, den Einheimischen und Flüchtlingen, den Starken und Schwachen. Er wies Angriffe gegen den Mindestlohn zurück und warnte vor der AfD, die auch an der Nahe für ihre fremdenfeindliche und sozialreaktionäre Politik leicht zweistellige Wahlergebnisse erreichte.

kreuznach 1Mai2016 Hinzer VMHauptredner war Jürgen Hinzer (Foto), vor seinem Ruhestand Bundesstreikleiter der Gewerkschaft NGG. Mit historischen Rückblicken beginnend lies er die 400 Gewerkschafter*innen auf dem Platz an seinen Kampferfahrungen aus 164 Streiks teil haben. Er setzte sich mit Betrieben auch vor Ort auseinander, wie ein mittlerweile international agierender Farbenhersteller oder einem IT-Spezialisten mit hunderten Beschäftigten, bei denen es immer noch keine Betriebsräte gibt. Die internationale Solidarität ihm ein wichtiges Anliegen. Er berichtete von Unterstützung streikender Coca-Cola-Arbeiter in Thessaloniki und Maidemonstrationen auf dem Taksimplatz in Istanbul, aber auch von ausländischer Solidarität mit der Belegschaft von amazon, die schon seit 3 Jahren um einen Tarifvertrag kämpft. Der nun schon 2 ½-jährigen Kampf in Bad Kreuznach gegen die Sonntagsöffnungen im Einzelhandel, der mittlerweile den DGB, die KAB und die lokale Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirche in einer Allianz für den freien Sonntag zusammenführte, führte Hinzer als beispielhaft an. Er erinnerte daran, daß in Frankfurt jüngst ein solcher sonntäglicher Shoppingrummel durch Klagen von ver.di und KAB verhindert werden konnte. (Mehr aus seiner Rede im beigefügten Redekonzept).

Die örtliche ver.di-Vorsitzende Ulrike Blitz stellte danach als selbst Betroffene nochmals den Kampf um den Tarifabschluß und das Ergebnis für über 2 Millionen Kolleginnen und Kollegen bei Bund und Kommunen vor. An 7 Infoständen stellten fast alle DGB-Gewerkschaften ihre Politik und ihre Forderungen dar. Als Gäste waren mit eigenen Ständen vertreten amnesty international, Greenpeace, die VVN-BdA, die Katholische Arbeitnehmerbewegung und der regionale Leserkreis der Nachdenkseiten. Für Speisen von Bratwurst über Köfte bis Käsekuchen und Getränke sorgten gemeinnützige Vereine von Migranten aus der Türkei, ein deutsch-philippinischer für Katastrophenhilfe und ein gerade in der Jugendarbeit sehr reger Tanzsportverein. Drei unter dem Namen „Du oder Ett“ auftretende Schülerinnen der Regionalen Musikschule waren schon vor Wochen direkt nach ihrem musikalischen Beitrag zu einer Demonstration gegen die AfD engagiert worden. Dass es den Kleinen nicht langweilig wurde, dafür sorgte das Spielmobil des örtlichen Kinderschutzbundes.

kreuznach 1Mai2016  Halk Evi VMIn einer ersten Nachbetrachtung zeigten sich Mitglieder des DGB-Kreisvorstands zufrieden mit Verlauf und Beteiligung, auch wenn man das Vorjahresergebnis gerne übertroffen hätte. Die Mischung zwischen traditioneller Demonstration und Kundgebung, mit der Rede eines Kreisvorstandsmitglieds, eines Hauptredner und Sprecher*innen von in Tarifkämpfen stehenden Kolleg*innen einerseits und für befreundete Organisationen offenem Platz, Musik, Kinderunterhaltung, Speisen, Getränken und ausreichend Sitzmöglichkeiten andererseits wird seit Jahren gut angenommen. Die lokale Pressearbeit des DGB im Vorfeld und die regelmäßigen Berichte zweier Tageszeitungen und einer Internetzeitung sorgen dafür, dass weit über den Kreis der Teilnehmenden bekannt wird, daß und für was der DGB auf die Straße geht am 1. Mai.

Text/Fotos: Volker Metzroth

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