Regionalgruppe München
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Afrin Demo MUC 2018 03 16 HelebceUnter der Losung "Gestern Halabdscha - Heute Efrin" fand am 16. März in München eine Demonstration gegen den völkerrechtswidrigen Überfall der Türkei auf Nordsyrien/Afrin statt ++ Auszüge aus dem Aufruf ++ Redebeitrag marxistische linke: My Lai, Halabdscha - und heute Afrin!

 

Gestern Halabdscha - Heute Efrin

In dem Aufruf heißt es u.a.:

Halabdscha MassakerAm Tag genau 30 Jahre nach dem Halabdscha Massaker, welcher im Jahr 1988 im größten gegen Zivilisten gerichteten Giftgasangriff der Weltgeschichte mehrere tausend vor allem kurdische Todesopfer und unzählige Verletzte gefordert hat, ist diese Gefahr so präsent wie nie. Es muss unbedingt verhindert werden, dass sich Geschichte wiederholt! Efrîn darf nicht zum neuen Halabdscha werden!

Das Bündnis ‘Hände Weg von Efrîn’ ruft deshalb am 30. Jahrestags des Massakers von Halabdscha zu einer Großdemonstration auf, mit welcher nicht nur an das Massaker von Halabdscha und der Anfal-Völkermord erinnert werden soll, sondern auch zum Ausdruck gebracht werden wird, dass der türkische Angriffskrieg und die bevorstehenden Massaker sofort gestoppt werden müssen.

Der Giftgasangriff von Halabdscha und der ‘Anfal-Völkermord’:

Das Massaker von Halabdscha, das einen Höhepunkt im so genannten ‘Anfal-Völkermord’ darstellt, ist eines der tragischsten Kapitel der kurdischen Geschichte. Im Zuge des Iran-Irak Kriegs (1980 – 88) hat der irakische Staat im Rahmen einer breiten genozidären Kampagne gegen das kurdische Volk im Nordirak/Ostkurdistan mehr als 100.000 Menschen getötet, 90% der Dörfer zerstört und mehr als 40 Orte mit Giftgas bombardiert, darunter Halabdscha eine Stadt mit damals 70.000 Einwohnern. Hier wurden bei einem Luftwaffenangriff mit Giftgas etwa 5000 Menschen getötet. Ungefähr doppelt so viele wurden schwer verletzt und leiden bis heute an Krankheiten wie Nervenlähmungen, Tumorbildungen, Fehlgeburten und Lungenschäden.

Die Parallelen zwischen Efrîn und Halabdscha sind dramatisch:

Wie in Efrîn ging die Gewalt von einer diktatorischen Regierung aus, die im eigenen Land politische Kritik und Minderheiten brutal unterdrückt und ihre Region mit Krieg überzieht. Das Massaker von Halabdscha und der Anfal-Völkermord waren keine Ausnahme, sondern konsequente Fortsetzung einer Politik der Gewalt gegen Minderheiten und Andersdenkende, die für den ‘starken Mann’ Saddam Hussein ebenso charakteristisch ist, wie für den Despoten Erdogan.

Wie in Efrîn ist die internationale Gemeinschaft zutiefst in das Massaker verstrickt. Auch wenn der irakische Staat Saddam Husseins der Hauptverantwortliche für Halabdscha und den Anfal-Völkermord war, wurde er tatkräftig von den internationalen Mächten unterstützt. Wie heute unterstützten die Vereinigten Staaten und andere internationale Regierungen den Irak in dem blutigen Krieg gegen den Iran, weil sie sich davon versprachen, diesen im Machtkampf um den Mittleren Osten zu vernichten.

Afrin Demo MUC 2018 03 16 2Wie in Efrîn spielt ‘Exportweltmeister’ Deutschland dabei eine besondere Rolle. In Halabdscha haben deutsche Firmen die für Giftgasangriffe benötigte Materialien geliefert: Laut der UN steht fest, dass 52,6 % der irakischen Ausrüstung zur Chemiewaffenproduktion aus Deutschland stammten. Zwischen 1982 und 1991 wurden Rüstungsgüter im Wert von über 1 Millliarde Mark an den Irak geliefert. Heute sind deutsche Panzer und andere Rüstungsgüter für die Efrîn-Operation zentral und die Türkei ist – durch die NATO-Partnerschaft, Waffenlieferungen und die immer stärker werdende Unterdrückung der kurdischen Opposition hier zu Lande – ein enger Verbündeter der Bundesrepublik Deutschland.

Wie in Efrîn wurden in Halabdscha und dem Anfal-Völkermord vor allem Waffen eingesetzt, die ihre schreckliche Wirkung aus großer Entfernung entfalten, nämlich Luftangriffe und Artilleriebeschuss. Gerade wenn das in dicht besiedelten städtischen Gebieten passiert, heißt das, dass besonders hohe Verluste in der Zivilbevölkerung zu erwarten sind: 75% der Opfer von Halabdscha waren Frauen und Kinder.

Wie in Efrîn, wo die Gefahr 100.000-fachen Todes trotz Erdogan’s genozidärer Rhetorik verharmlost wird, wurden in Halabdscha vorherige Ankündigungen eines Völkermords ignoriert. Halabdscha war ein Völkermord mit Ansage: Chemie-Ali Ali Hassan al Majid hatte den Giftgasangriff freimütig angekündigt, forderte den Tod aller männlichen Kurden zwischen 15 und 70 Jahren. Er wurde trotzdem nicht verhindert. Eine Flugverbotszone wurde erst viel später eingerichtet. Auch Erdogan kündigt ethnische Säuberungen an – und die internationale Politik verweist auf seine angeblichen Sicherheitsinteressen.
(aus dem Aufruf)

 

Hier der Redebeitrag der marxistischen linken bei der Kundgebung:

My Lai, Halabdscha - und heute Afrin!

Heute ist es 30 Jahre her, dass im irakischen Halabdscha im größten gegen Zivilisten gerichteten Giftgasangriff der Weltgeschichte mehrere tausend Menschen, vor allem Kurd*innen, ermordet und unzählige verletzt wurden. Das Giftgas kam aus Deutschland.

My Lai 1Heute, auch auf den Tag genau, jährt sich zum 50. Mal das Massaker von My Lai. Eine US-amerikanische Einheit hat damals, am 16. März 1968, mehr als 500 Bewohner eines vietnamesischen Dorfes - alles unbewaffnete Zivilisten, Frauen, Kinder, Babys, Greise - abgeschlachtet. Dieses Massaker gab einen wichtigen Impuls für die Bewegung gegen den Vietnamkrieg.

Der weltweite Protest gegen den Vietnamkrieg, die weltweite Solidarität mit dem Vietcong hat dazu beigetragen, dass die Supermacht USA schließlich geschlagen aus Vietnam abziehen musste.

Heute schlachten die türkische Armee und ihre dschihadistischen Söldner die Bevölkerung Afrins ab - mit Genehmigung und Zustimmung aus Moskau, mit Duldung durch Deutschland, die EU und die Nato. Und die Welt schaut zu bzw. weg. Eine Situation wie vor My Lai.

Vor unserer Haustüre und vor unseren Augen errichtet Erdogan eine faschistische Diktatur und führt einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen Nordsyrien/Rojava. Er will Afrin ethnisch säubern, um dort seine islamistischen Banden anzusiedeln.

Gleichzeitig bedroht er Griechenland und Zypern. Er will auch dort Grenzen neu ziehen.

Und was macht Deutschland? Was macht die Europäische Union?
Deutschland liefert nach wie vor - und entgegen allen offiziellen Verkündigungen - die Waffen an die Türkei für den völkerrechtswidrigen Krieg und für das geplante Massaker.
Wie vor 30 Jahren in Halabdscha: Die Waffen, mit denen die Kurd*innen abgeschlachtet werden, kommen aus Deutschland

Und die Europäische Union: Die will Erdogan mit weiteren 3 Mrd. Euro dafür belohnen, dass er mit seinem Krieg Flüchtlinge produziert, dies dann aber davon abhält, nach Europa zu fliehen.

Und künftig sollen, wenn es nach dem Willen der EU-Kommission geht, europäische und die türkische Geheimdienste und Polizei noch enger zusammenarbeiten

Die Türkei bereitet ein Massaker in Afrin vor.

Und die Großmächte schauen zu, weil sie längst ihre Pläne für die Aufteilung Syriens in Einflusszonen auf dem Tisch haben.

Nach sieben Jahren Mord und Zerstörung, ist der Krieg wieder da, wo er begonnen hat: bei den nackten Interessen von Welt- und Regionalmächten. Dafür wird die Bevölkerung Afrins von Russland, den USA, der EU, der Türkei, von Saudi-Arabien auf die Schlachtbank von Erdoğans Mördern gelegt.

Das Massaker könnte noch verhindert werden.

  • Vor allem Russland könnte dieses drohende Massaker noch verhindern. Russland kontrolliert den Luftraum über Afrin. Russland könnte den Luftraum für türkische Kriegsflugzeuge sperren, wie es das bereits zu Beginn des Krieges für vier Tage gemacht hat.

  • Auch Assad könnte dies, indem er die syrische Armee zur Verteidigung der territorialen Integrität Syriens und zur Unterstützung der kurdischen Kräfte nach Afrin schickt.

  • Die USA könnten eine Flugverbotszone verhängen, müssten dazu allerdings in einem Gebiet eingreifen, das von Russland kontrolliert wird.

  • Deutschland, bzw. Europa könnte das drohende Massaker verhindern, indem sie der Türkei sofort den Waffen- und Geldhahn zudrehen. Die Begründung lieferte der wissenschaftliche Dienst des Bundestages, als er feststellte, dass für das von der Türkei postulierte Recht zur Selbstverteidigung in Syrien Beweise fehlen.

  • Die UNO und die NATO könnte ein Massaker verhindern, indem sie die Türkei zur Einhaltung der UN-Resolution zur 30-tägigen Waffenruhe zwingt.

Die Regierungen werden das nicht von sich aus tun. Nur weltweiter Protest kann sie dazu zwingen! Dann kann Afrin zum Vietnam von Erdogan werden - bevor es zu einem Massaker wie in My Lai kommt

Halt Stand, tapferes Afrin! Es lebe die YPG! Es lebe die YPJ! Hoch die Internationale Solidarität!

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