Regionalgruppe Emsland
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Emsland Atomfabrik 2 18 12 1317.12.2018: Am 6. Dezember kam es im nuklearen Teil des im emsländischen Lingen ansässigen Betriebs des Konzerns Framatome/ANF zu einer Explosion mit anschließendem Brand. In dieser Fabrik werden seit 40 Jahren Brennelemente für Druck- und Siedewasserreaktoren hergestellt. Diese werden vor allem an störungsanfällige Atomkraftwerke im benachbarten Ausland geliefert.

 

Dieser Zwischenfall war schon der dritte in diesem Jahr und zeigt welche Gefahrenquelle dieser Betrieb ist. Zusammen mit den weiteren meldepflichtigen Ereignissen in den letzten Wochen ergibt sich das Bild, dass die 40 Jahre alte Brennelementefabrik inzwischen altersschwach und nicht mehr im ausreichenden Maße sicherheitstechnisch betriebsfähig ist.

In den ersten offiziellen Meldungen war lediglich von einem Brand im nicht radioaktiven Teil die Rede, was sich im Nachhinein als Falschinformation herausstellte. Die Betreiber korrigierten das dann und bestätigten, dass es eine Explosion mit anschließendem Brand im nuklearen Teil der Fabrik gab. Ursache der Falschmeldung sei die verwendete Fachsprache, sie habe zu dem Missverständnis geführt.

Vom niedersächsischen Umweltministerium gab es dann auch gleich eine beschwichtigende Meldung, es sei zu keiner Gefährdung der Mitarbeiter, der Umwelt noch der Bevölkerung gekommen. Natürlich gab es auch wieder von Seiten der Stadt Standardaussagen wie "für dem Betrieb gelten höchste Sicherheitsstandards zum Schutz der Bevölkerung" und "Ermittlungen der Ursache des Brandes sei wichtig um derartige Unfälle künftig ausschließen zu können".

Diese Art der Informationspolitik der Verantwortlichen hat zu erheblichem Verlust des noch vorhandenen Vertrauens der Bevölkerung geführt. Ob es tatsächlich zu keiner Freisetzung von Radioaktivität gekommen ist, müssen erst noch Messungen belegen. Hierzu gibt es die klare Forderung, nicht nur der Umweltinitiativen, dass dies von unabhängigen Instituten gemacht werden muss.

Doch für die meisten ist "das Fass übergelaufen". Und so meldeten der BUND und eine örtliche Bürgerinitiative für den 13. Dezember eine Mahnwache vor dem Neuen Rathaus in Lingen an. Doch die Stadtverwaltung hat nicht nur nichts zur Aufklärung beigetragen, sondern hat sogar eine Mahnwache vor dem Rathaus verhindert. Die Genehmigung wurde mit der Begründung verweigert, es handle sich hier nicht um einen öffentlichen Raum, sondern dieser Platz gehöre der Stadt Lingen. Da aber in der Vergangenheit Kundgebungen an dieser Stelle meist kein Problem waren, wurde nicht ohne Grund von den Anmelder*innen vermutet, dass den Verantwortlichen der Stadt Lingen die Gewinne von Framatome/ANF – natürlich wird das Argument Arbeitsplätze vorgeschoben - wichtiger sind als die Unversehrtheit der Bürger*innen.

Emsland Atomfabrik 3 18 12 13Da der Platz vor dem Neuen Rathaus nicht genehmigt wurde, riefen der Elternverein Restrisiko Emsland, der Arbeitskreis Umwelt Schüttorf, das Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen, der BUND Emsland sowie der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) zu einer Protestmahnwache vor dem Bahnhof in Lingen auf. Das Motto lautete "genug ist genug".

Jetzt Atomanlage endgültig stilllegen

Von den Redner*innen dort wurde die sofortige Stilllegung der Brennelementefabrik und dem noch im Betrieb befindlichen AKW Emsland gefordert. Natürlich gab es auch heftige Kritik an der Informationspolitik des Betriebes und der öffentlichen Stellen. Teilnehmer*innen fragten sich was noch verschwiegen wird und ob der Betrieb wirklich zurzeit stillsteht.

"Seit Jahren beliefert Lingen vor allem die störanfälligsten Atomkraftwerke im benachbarten Ausland – von den belgischen Rissereaktoren Tihange und Doel bis zu den französischen Pannenmeilern Fessenheim und Cattenom. Auch im Koalitionsvertrag in Berlin wird ein Exportstopp für Brennelemente anvisiert. Nun erweist sich die Brennelementefabrik selbst als enorme Gefahrenquelle für die Region. Niedersachsens Umweltminister Lies und Bundesumweltministerin Schulze müssen jetzt die Konsequenzen ziehen und die Atomanlage endgültig stilllegen, da der Betrieb nicht mehr zu verantworten ist," sagte Christina Burchert vom Arbeitskreis Umwelt Schüttorf.

Emsland Atomfabrik 4 18 12 13Nach der Kundgebung am Bahnhof formierte sich eine spontane Demonstration zum Neuen Rathaus in Lingen. Dort wurde mit Nachdruck kritisiert, dass sich der Lingener Stadtrat, der am Nachmittag getagt hatte, nicht mit dem Störfall in der Brennelementefabrik befasst hat.

"Das Verhalten der Atommafia zeigt, dass sie für Profit zu allem bereit sind, natürlich auch um das klar zu sagen, die Unwahrheit zu sagen", meint Ralf Czogalla von der marxistischen linken Emsland. Und weiter: "Die Gefährdung der Menschen und der Natur sind ihnen da vollkommen egal! Schon seit längerer Zeit gibt es die Lingen-Resolution mit der die Stilllegung der Atomanlagen in Lingen gefordert wird."

In dieser Resolution heißt es: "Wir kommen ohne Atomstrom aus und wollen nicht, dass aus Deutschland auch in Zukunft Brennelemente für den Betrieb von Atomkraftwerken in anderen Ländern exportiert werden. Wer aus der Atomenergie in Deutschland aussteigen will, muss auch die Brennelementeproduktion stoppen. Dass das möglich ist, wurde bereits vor 25 Jahren mit der Stilllegung der hessischen Brennelementefabriken in Hanau bewiesen.
Wir fordern deshalb von der niedersächsischen Landesregierung und der Bundesregierung die sofortige Stilllegung des AKW Emsland sowie der Brennelementefabrik Lingen.
Die Zeit für einen echten Atomausstieg ist auch im Emsland mehr als reif."

Diese Resolution wird inzwischen von 356 lokalen Unterstützern, regionale Organisationen und landes- und bundesweite sowie internationale Verbände unterstützt. "Auch wir, die marxistische linke Emsland gehören dazu", so Ralf Czogalla.

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