Reisetagebuch aus Kurdistan

Reisetagebuch Newroz-Delegation 2012 vom 16.3.12 – 24.3.12

Nach einer so intensiven Woche in Kurdistan, während der leider keine Zeit geblieben ist die Eindrücke tagtäglich aufzuschreiben und auszuwerten, ist es schwierig sich all die hunderten Erfahrungen wieder in Erinnerung zu rufen, die man in dieser Woche erlebt hat. Es ist schon ein komisches Gefühl, an einem Samstag morgen noch in Kurdistan/Amed (türkisch: Diyarbakir) aufzuwachen, einem Kriegsgebiet in dem täglich Menschen verhaftet, verletzt und umgebracht werden und sich am selben Tag nur am Abend wieder im vergleichsweise friedlichen Berlin zu befinden.
Was soll man beschreiben ohne etwas auszulassen? Mit welchen Worten soll man über etwas berichten, um nicht zu emotional aber auch nicht zu formal zu sein? Das ist nicht leicht. Versuchen muss man es trotzdem.

Kerem Schamberger

Amed – Hauptstadt des Widerstandes

Amed – Hauptstadt des Widerstandes

16./17.03.2012: Nach einem langen Flug und umsteigen in Istanbul kommen wir in Amed (türkisch: Diyarbakir) an. Der Flughafen ist voll von Polizei und Agenten in Zivil. Beim Verlassen des Gebäudes fährt uns ein kalter Wind ins Gesicht. Der Winter ist immer noch in der Region, in den nahen Bergen hat es so viel wie seit langem nicht mehr geschneit. Wir werden herzlich von jungen GenossInnen begrüßt. Gleich am Anfang betonen sie, dass es momentan sehr schwer ist politische Arbeit zu machen. Sämtliche Strukturen seien durch die tausenden Festnahmen geschwächt, die es in den letzten Monaten gegeben hat (allein in den letzten 15 Monaten waren es ca. 10.000 Verhaftungen). Viele Menschen müssten politische Positionen einnehmen, auf die sie nicht vorbereitet werden konnten.

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Eine Millionen Menschen bei Newrozfeier

Eine Millionen Menschen bei Newrozfeier

18.03.2012: Am Abend gehen wir frühzeitig ins Bett, denn am nächsten Morgen, Sonntag den 18. März, soll von kurdischer Seite die offizielle Newrozfeier beginnen. Auch wenn alle ruhig und gelassen wirken, eine gewisse Anspannung ist trotzdem zu spüren. Der türkische Staat hat alle Newrozfeiern, die vor dem 21.3.12, dem eigentlichen Neujahrstag stattfinden sollen verboten. Die Begründung ist bescheuert: Feste sollen nur an dem Tag gefeiert werden, auf den sie auch wirklich fallen. Dabei wird Newroz traditionell eine Woche um das eigentliche Datum herum begangen. In den letzten Jahren hat dies den Staat noch nicht so sehr gestört. Dieses Jahr ist es aber eine politische Entscheidung, das Fest im voraus zu verbieten. Die AKP will verhindern, dass die kurdische Bewegung wieder Millionen von Menschen mobilisiert, wie sie das in den letzten Jahren schon geschafft hatte.

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Auf dem Weg in die Berge

Auf dem Weg in die Berge

19.03.2012: Am nächsten Morgen fahren wir Vormittags los. Ein weiter Weg liegt vor uns. Wir wollen es bis ins 450 km entfernte Colemerg (türkisch: Hakkari) im iranisch-irakischen Grenzgebiet schaffen. Der Tag vergeht hauptsächlich im Bus. Je tiefer wir nach Kurdistan fahren, desto stärker wird die Präsenz des Militärs. Es wird deutlich, dass wir in eine wahnsinnig militarisierte Gegend fahren. Bis wir in der Nacht in Colemerg ankommen, mussten wir mindestens sieben Militärkontrollen, mit Passkontrolle, manchmal Durchsuchung des Busses und Befragung passieren. Kurz vor Colemerg erfolgt die stärkste Kontrolle, diesmal von Sondereinsatzkräften der Polizei. Dazu muss man wissen, dass die meisten türkischen Polizisten sich aus politischen Gründen zum Dienst in Kurdistan melden, viele von ihnen sind Faschisten oder der Regierungspartei AKP nahe stehend. Entsprechend verhalten sie sich auch uns gegenüber. Wir werden befragt, kontrolliert und durchsucht, während uns umstehende Sicherheitskräfte als »Hurensöhne, die hier nichts zu suchen hätten« beschimpfen. Widerwillig lassen sie uns durch, aber nicht bevor sie uns gedroht und unsere Notizen kopiert haben.

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Knapp am Massaker vorbei in Gewer

Knapp am Massaker vorbei in Gewer

20.03.2012: Der Bürgermeister und der Vorsitzende der BDP in Colemerg laden uns ein mit ihnen gemeinsam nach Gewer (türkisch: Yüksekova) zu fahren und dort die verbotenen Newroz-Feiern zu beobachten. Das 60km von Colemerg entfernte Gewer ist komplett in der Hand der kurdischen Bewegung, nur die in der Stadt stationierten Polizisten und Soldaten stellen die Repräsentation des türkischen Staates sicher. Als wir an der Hauptstrasse ankommen ist die Situation unübersichtlich. In einer kleinen Bäckerei drängen sich 20-30 Menschen, auch wir werden hinein gebeten. In der Mitte sitzt der Parlamentsabgeordnete Adil Kurt. Sein Anzug ist komplett durchnässt, bei Temperaturen knapp über Null Grad keine angenehme Sache. Er wärmt sich seine Socken an einem Heizstrahler und beginnt zu berichten, dass seit den frühen Morgenstunden die Polizei massiv gegen Menschenansammlungen vorgeht. Er selbst wurde von einem Wasserwerfer getroffen.

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Ruhiges Newroz in Colemerg

Ruhiges Newroz in Colemerg

21.03.2012: Am nächsten Tag wird deutlich, dass sich der türkische Staat mit dem Verbot aller Newroz-Feiern ein politisches Eigentor geschossen hat. In der Stadt Colemerg, die offiziell 60.000 Einwohner hat, strömen die Menschen zu zehntausenden auf den zentralen Platz. Da wir nun den offiziellen Newroztag am 21.3 haben und die Feiern auch von Staatsseite erlaubt sind, bleibt alles ruhig, die Polizei greift niemanden an (Wie wir später erfahren, ist es in den Abendstunden dann doch noch zu kleineren Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Bevölkerung gekommen).

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Die bewusste Blindheit der Medien am Beispiel Cizre

Die bewusste Blindheit der Medien am Beispiel Cizre

22.03.2012: Am Donnerstag, den 22.3., dem letzten politischen Tag in Kurdistan erleben wir ein weiteres Paradebeispiel der verfälschenden und verlogenen Berichterstattung der türkischen Medien. Was war passiert? In der Früh fahren wir nach Cizre und besuchen dort das BDP-Parteibüro. Als wir ankommen, sind wir schockiert. Das komplette Haus ist verwüstet, die Außenmauer von Einschusslöchern übersät und das stählerne Eingangstor eingerammt. An vielen Stellen klebt getrocknetes Blut am Boden. Die Geschichte die wir hier erfahren ist erschreckend und erinnert noch mehr (wie so viel bereits beschriebenes) an die 90er Jahre, als tausende Menschen verschleppt und ermordet wurden. Ein junger Freund namens Zerdest Roni berichtet über die Ereignisse.

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Eine vorsichtige Bewertung

Eine vorsichtige Bewertung

Eine Woche Kurdistan, eine Woche voller Erlebnisse und Gespräche. Eine abschließende Bewertung kann noch nicht getroffen werden. Natürlich war diese Woche prägend für viele der, meist jungen, Teilnehmer unserer Delegation aus Deutschland. In Kurdistan wird viel offensichtlicher deutlich was Ausbeutung und Unterdrückung im nationalen und kapitalistischen Rahmen bedeuten.

Aber die Frage stellt sich, inwiefern diese Delegationen, die die FreundInnen der BDP viel Anstrengung, Kraft und auch Geld kosten, der kurdischen Sache nützen?

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marxli-G20

marxistische linke: Jetzt Mitglied werden


G20 Hamburg: Jetzt erst recht! Demonstrationsrecht gegen Polizeiwillkür durchsetzen

G20 Hamburg: Jetzt erst recht! Demonstrationsrecht gegen Polizeiwillkür durchsetzen

07.07.2017: Aus Hamburg kommen Bilder, die wir sonst aus der Türkei kennen. Vermummte Polizei setzt wahllos Knüppel, Wasserwerfer und Pfefferspray gegen Demonstrierende ein, auch gegen Unbeteiligte. Am Boden Liegende werden brutal misshandelt. Bettina Jürgensen zu den Protesten gegen den G20-Gipfel in Hamburg:

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Europäische Bürgerinitiative: Glyphosat verbieten

Glyphosat EBI-Logo

Glyphosat ist wahrscheinlich krebserregend. Und 2017 entscheidet die EU: Darf das Ackergift weiter auf unsere Felder gespritzt werden? Monsanto, Bayer und Co. kämpfen mit aller Macht für ihren Bestseller. Wir halten dagegen – mit einer Europäischen Bürgerinitiative (EBI). Bis Ende Juni brauchen wir eine Million Unterschriften!

Gemeinsam haben wir 1.320.517 Unterschriften gesammelt!

Artikel: EU-Kommission und Monsanto stoppen - Glyphosat verbieten!


Logo-Weiloisirgendwiazamhaengd

Das Agrarbündnis BGL/TS will mit diesem Film den Bauern Unterstützung entgegenbringen und aufzeigen, dass die immer intensivere Landwirtschaft, unser Konsumverhalten und falsche politische Weichenstellungen negative Auswirkungen auf die ganze Welt haben.

Filmvorführungen "Weiloisirgendwiazamhängd“
Montag, 5. Juni 2017, 11.00 Uhr,  Breitwand Kino, 82131 Gauting
Montag, 5. Juni 2017, 14.00 Uhr,  Breitwand Kino, 82229 Seefeld
Montag, 25. September 2017, 19.30 Uhr, Pfarrheim St. Severin in Mitterfelden
Dienstag, 17. Oktober 2017, 19.30 Uhr, Kino Herrsching am Ammersee

Trailer zum Film: http://www.weiloisirgendwiazamhaengd.de/


Was nach Hamburg nicht untergehen darf

Was nach Hamburg nicht untergehen darf

ein Kommentar von Max van Beveren   

13.07.2017: Kaum zogen vermummte Gruppen durch Hamburgs Straßen, um Barrikaden zu bauen, Autos anzuzünden und einen Supermarkt zu plündern, war der Aufschrei in den Medien, in der Politik und in den Sozialen Netzwerken riesengroß und ist es nach wie vor. Die inhaltliche Kritik am G20-Gipfel, der weltweite Terror durch Kriegseinsätze, die Ursachen für Flucht und die brennenden Geflüchtetenunterkünften hierzulande verschwinden völlig hinter der Debatte um die gewaltsamen Auseinandersetzungen. Für die Regierenden sind die Gewalttätigkeiten ein willkommener Anlass, um weitere Grundrechtseinschränkungen und undemokratische Gesetze durchzusetzen, die nicht nur die gesamte Linke, sondern auch die restliche Bevölkerung treffen werden.

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Mit mut zu etwas Neuem

Mit mut zu etwas Neuem

Interview mit Claudia Stamm und Stephan Lessenich zur Gründung der neuen Partei

Frage: Warum habt Ihr die Initiative zur Gründung einer neuen Partei ergriffen?

Stephan Lessenich: Ich habe wahrgenommen, dass sich der Wind in der Welt und auch hier in Bayern dreht. Dass politische Parteien gerade hier im Freistaat im Angesicht der rechtspopulistischen Entwicklungen nach und nach Positionen geräumt haben, die früher selbstverständlich gewesen wären. Die Fluchtbewegungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass wir gesellschaftlich vor großen Herausforderungen stehen.

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Dossier "Linke Strategien"

Im Dossier "Linke Strategien" sind Artikel zusammengestellt, die auf kommunisten.de in verschiedenen Rubriken erschienen sind und sich mit Fragen linker Strategie, Neuformierung der Linken, etc. befassen.

Zum Dossier


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