Ferda Cetin: USA ein temporärer Partner

E-Mail Drucken PDF

Ein Kommentar von Ferda Cetin zur Incirlik-Debatte      

Ferda-Cetin25.05.2017: Vor mehreren Tagen gab es in den Zeitungen eine Nachricht mit der jeweils selben Überschrift, die in Hinsicht auf den Inhalt und die Sprache interessant war. Die Nachricht bezüglich der Incirlik-Krise zwischen Deutschland und der Türkei wurde wie folgt wiedergegeben: "Die deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen ist für die Suche nach einem alternativen Ort für Incirlik in Jordanien."

Der "Ort" ist der Boden einer anderen Gesellschaft. Die "Besichtigerin" hingegen hat die Macht mit ihrem Geld das gewünschte "Grundstück" zu kaufen. Die "Alternativen" sind die Türkei und Jordanien. Im Falle der beiden Länder handelt es sich um Nationalstaaten, die ihren eigenen Gesellschaften Unheil bringen, aber nach außen zu Objekten des imperialen Systems geworden sind.

Mit dem Niedergang der Sowjetunion ist auch das Gleichgewicht zusammengebrochen, das während des Kalten Krieges bestand. Doch dieser Zusammenbruch bedeutet nicht, dass auch das imperialistische System und der Kolonialismus zusammengebrochen sind und die Welt in eine neue Ära des Friedens, der Gerechtigkeit und Freiheit getreten ist.

Der postmoderne Kolonialismus hat unter dem Namen der Globalisierung eine neue und umfassende Transformation erlebt. Das imperialistische System teilt mit seiner Erneuerung nicht Wohlstand und Reichtum, sondern die Ausbeutung der ganzen Welt im Namen von Globalisierung von Neuem auf. Die Kriege im Irak, Syrien, Libyen und Jemen sind Teil dieses Plans. Dasselbe gilt auch für den Besuch der deutschen Verteidigungsministerin in Jordanien, um eine Alternative für Incirlik "zu besichtigen".

Der in The Independent vergangene Woche erschienene Artikel des Mittelost-Experten Robert Fisk ist ein offenes Beispiel dafür, wie nicht nur Staaten, sondern die westliche Welt im Allgemeinen den Osten und die östlichen Gesellschaften objektivieren. Fisk schreibt folgendes: "Solange bis man die Kurden aufgeben kann, sind sie für die USA ein 'sicherer' Verbündeter."

Der stellvertretende Staatssekretär im US-Außenministerium Jonathan Cohen, der zuständig für Europa und Eurasien ist, bestätigte in seiner Rede auf einer Podiumsdiskussion des Mittelost-Instituts in Washington am 19. Mai die Worte von Robert Fisk. Cohen betonte, dass sie der YPG keinerlei Versprechen gegeben hätten:
"Die Beziehungen zwischen Amerika und der Türkei sind umfassend und tief. Die Streitigkeiten bezüglich des Gebrauchs der Demokratischen Kräfte Syriens für Rakka ist ein taktisches Thema. Dies wird keinen Einfluss auf einen strategischen Wechsel unseres Sicherheits-Engagements gegenüber der Türkei haben. Im taktischen Bereich gibt es Uneinigkeiten, aber wir hatten intensive und vielfältige Beziehungen mit der Türkei und das wird so bleiben. Amerika betrachtet die YPG als Kampfpartner, denn sie sind in diesem Gebiet Syriens die einzige Kraft und verfügen über die Kapazität Rakka zu befreien. Die Beziehungen mit ihnen sind vorübergehend, flexibel und taktisch."

Auch wenn die Worte von Jonathan Cohen nicht die ganze Wahrheit zur Sprache bringen, sind sie doch Ausdruck einer wichtigen Realität. Die dem englischen Staatsmann Lord Palmerston zugesprochene Aussage "Große Mächte haben weder permanente Freunde noch permanente Feinde, sie haben nur permanente Interessen" ist immer noch für die USA und alle anderen imperialistischen Staaten von Gültigkeit. Folglich sind weder die Türkei, die Kurden und der Iran ewige und strategische Freunde oder ewige Feinde der USA.

Der Freiheitskampf der Kurden, den sie mit großen Opfern und großer Aufopferungsbereitschaft in den vier Teilen Kurdistans führen, ist im Wesentlichen ein Krieg, um das eigene Land von den Kolonisatoren zu befreien und nicht mehr Objekt der Politik von Anderen zu sein, sondern eine eigenen Politik zu entwickeln.

Für dieses Ziel sind Beziehungen, Bündnisse und Allianzen legitim, die aus freiem Willen entstehen. Doch diese Beziehungen machen es nicht notwendig, sich von den seit hundert Jahren Tyrannei ausübenden und heute schwächelnden Herrschenden zu befreien und sich bei noch stärkeren Herrschenden einzunisten.

Aus diesem Grund sollte das (militärische) Bündnis der Kurden mit den USA in Syrien und im Irak weder übertrieben, noch sollte den USA eine "befreiende" Rolle zugesprochen werden. Der stellvertretende Staatssekretär im US-Außenministerium Jonathan Cohen erklärt, dass sie ein vorübergehendes Bündnis mit den Kurden geschlossen haben und die Kurden zurzeit ausnutzen.

Auch für die Kurden ist die USA gegen die Türkei, den Iran und Syrien heute ein praktischer und temporärer Partner. Die strategischen Hauptpartner der kurdischen Gesellschaft werden nicht die Staaten, sondern die Völker sein. Oder wie es das Mitglied der Außenarbeitskommission des Nationalkongress Kurdistan, Selahattin Soro, ausdrückt: "Die Kurden werden weder das Opfer, noch die Azapen [1] von irgendjemanden sein".

[1] Azapen waren irreguläre Infanterieeinheiten des Osmanischen Reiches, die als freiwillige Hilfstruppen in besonderen Situationen von der Bevölkerung einzelner Regionen gestellt und unterhalten werden mussten

Ferda Cetin ist Journalist und Kolumnist für die Zeitung Yeni Özgür Politika und andere kurdische Medien.
Der Artikel erschien bei http://civaka-azad.org


siehe auch

 

 

isw-Forum 2017

isw-forum2017

25. isw-forum


Komm mit zum 24. internationalen Farkha Jugend Festival!

Farkha-Festival2016 16

Das Farkha Festival 2017 der Jugend der Palästinensischen Volkspartei wird vom 23. – 30. Juli stattfinden.
Lasst uns gemeinsam hinfahren und uns unsere Solidarität mit den palästinensischen Genoss*innen zeigen!

weiterlesen


Europäische Bürgerinitiative: Glyphosat verbieten

Glyphosat EBI-Logo

unterzeichnen
zum Artikel


Logo-Weiloisirgendwiazamhaengd

Das Agrarbündnis BGL/TS will mit diesem Film den Bauern Unterstützung entgegenbringen und aufzeigen, dass die immer intensivere Landwirtschaft, unser Konsumverhalten und falsche politische Weichenstellungen negative Auswirkungen auf die ganze Welt haben.

Filmvorführungen "Weiloisirgendwiazamhängd“
Montag, 5. Juni 2017, 11.00 Uhr,  Breitwand Kino, 82131 Gauting
Montag, 5. Juni 2017, 14.00 Uhr,  Breitwand Kino, 82229 Seefeld
Montag, 25. September 2017, 19.30 Uhr, Pfarrheim St. Severin in Mitterfelden
Dienstag, 17. Oktober 2017, 19.30 Uhr, Kino Herrsching am Ammersee

Trailer zum Film: http://www.weiloisirgendwiazamhaengd.de/


Klimademo-MUC 2

marxistische linke: Jetzt Mitglied werden


Theodor Bergmann ist tot

Theodor Bergmann ist tot

14.06.2017: Die marxistische linke hat einen Freund verloren. Theo hätte am 25. November bei der Bundesmitgliederversammlung der marxistischen linken zum Thema  '100 Jahre Oktoberrevolution  - Der Sozialismus lebt, dort wo er reformfähig war: in China und Cuba' mit uns diskutiert.  Theo war ein hervorragender China-Kenner, der mit kritisch-solidarischem Blick auf die gesellschaftliche und politische Entwicklung in China nie den ungeheuren industriellen und auch rechtsstaatlichen Fortschritt ignorierte, den China seit dem Ende der Kulturrevolution zu verzeichnen hat. Zuletzt arbeitete er an einer erweiterten zweiten Auflage seine Buches 'Der chinesische Weg'.  Leider werden wir ohne ihn weiterarbeiten müssen. Er wird uns fehlen.

Weiterlesen...

Dossier "Linke Strategien"

Im Dossier "Linke Strategien" sind Artikel zusammengestellt, die auf kommunisten.de in verschiedenen Rubriken erschienen sind und sich mit Fragen linker Strategie, Neuformierung der Linken, etc. befassen.

Zum Dossier


Britische Wähler signalisieren: Links ist in!

Britische Wähler signalisieren: Links ist in!

Ein Kommentar von Georg Polikeit  

12.06.2017: Das Sensationelle am Ergebnis der britischen Unterhauswahl vom 8. Juni ist nicht, dass sich die rechtskonservative Premierministerin Theresa May grandios verrechnet hat und nun mit einer deutlichen Schwächung ihrer Position versuchen muss, die Wünsche des in der Londoner City ansässigen Finanzkapitals in Politik umzusetzen.

Weiterlesen...

Effie Achtsioglou: "Es ist die Gesellschaft, die Bewegung, die Partei"

Effie Achtsioglou:

09.06.2017: Die griechische Arbeitsministerin Effie Achtsioglou nimmt Stellung zu den Verhandlungen mit den internationalen Gläubigern und den Perpsektiven linker Politik in Griechenland. Zu den laufenden Verhandlungen und mit Blick auf die Tagung der Euro-Gruppe am 15. Juni meint sie, dass jetzt der Punkt erreicht sei, an dem sich die andere Seite bewegen müsse. Effie Achtsioglou ist überzeugt, dass linke Politik immer eine Mischung aus Widersprüchen, Kompromissen und Schritten nach vorn ist. Jetzt gelte es, die Risse zu erweitern, die die aufgezwungenen Anpassungsprogramme hinterlassen. Entscheidend sei dabei "die Gesellschaft, die Bewegung, die Partei."

Weiterlesen...

isw anzeige 150


 

america21 quer 150



Banner

 

Empfohlene Links

Unsere Zeit
Wochenzeitung der DKP

Neues Deutschland
Sozialistische Tageszeitung

Zeitschrift LUXEMBURG
Gesellschaftsanalyse und linke Praxis

Zeitschrift Z
Zeitschrift marxistische Erneuerung

Marxistische Blätter
Die der DKP verbundene Zeitschrift für marxistische Theorie und Politik erscheint alle 2 Monate.