Gisela Elsner : Erkenntnis mit satirischen Mitteln

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elsner veranstaltung hof petermann koehler13.05.2017: „Wegbereiterin einer weiblichen Tradition moderner Satire“ - so lautet das Fazit eines Features des Bayerischen Rundfunks am 29. April, also wenige Tage vor Gisela Elsners Geburtstag. Trotz einiger Brüche in ihrem Werk bestreitet heute, 25 Jahre nach ihrem Suizid, niemand mehr den hohen literarischen Rang dieser unbequem-schrägen Autorin aus Bayern. Auf der Veranstaltung der Marx-Engels-Stiftung in Hof „Erinnerung an Gisela Elsner“, die von der DKP Hof unterstützt wurde, stellte der Berliner Literaturwissenschaftler Dr. Kai Köhler wichtige Stationen aus Leben und Werk der in Nürnberg geborenen Schriftstellerin vor. Eva Petermann, Vorstandsmitglied der MES, trug Auszüge aus Elsners stark autobiografisch geprägter Erzählung „Die Zerreißprobe“ sowie aus „Fliegeralarm“ vor.

Der kurz vor Kriegsende in den Ruinen Nürnbergs spielende Roman war für den Verlag damals ein totaler Flop. Ebenso wie in ihrem letzten Roman „Heiligblut“ beschreibt sie überaus drastisch darin die Verheerungen und Nachwirkungen des Faschismus. Die vorgetragenen Beispiele grotesk-satirischer Verfremdung lösten bei den Zuhörern zum Teil kopfschüttelndes Gelächter aus.

Kai Köhler, Mitglied der 2007 gegründeten Gisela-Elsner-Gesellschaft, wies darauf hin, dass die bekennende Kommunistin Elsner den Faschismus durchweg „in der Kontinuität bürgerlicher Herrschaft“ sehe, als „die Konsequenz des liberalen Konkurrenzprinzips“, so Köhler. 1983 konnte der nach einem katholischen Wallfahrtsort benannte Roman nur auf russisch in Moskau erscheinen, mit beachtlichem Erfolg beim dortigen Publikum. Erst der neu gegründete Verbrecher-Verlag machte 2007 auch dieses Werk der deutschsprachigen Öffentlichkeit zugänglich.

Aber: Ist solcherart beißend-pessimistischer Lesestoff überhaupt zumutbar? Darauf gab es auf der Veranstaltung verschiedene Antworten. Generell hat es satirische Literatur ohnehin nicht leicht, sich auf dem Literaturmarkt zu behaupten. Dies gilt bekanntermaßen umso mehr, wenn sie provokativ die Deformierungen im Kapitalismus aufs Korn nimmt. Ein berühmtes Gegenbeispiel ist - etliche Jahre später! - die heute erfolgreiche Österreicherin Elfriede Jelinek, die mitunter als „Elsners jüngere Schwester“ bezeichnet wurde.

Zu ihrer Zeit indes stand Elsner, die „zu früh Gekommene“, mit ihren Texten eindeutig „in krassem Widerspruch zu Geschlechterbildern, die einer Frau diese Schärfe nicht zubilligen mochten“, stellte Kai Köhler fest.

Hinzu kam ihr „vertrackter“ Stil mit spezieller „Wiederholungstechnik“ und einem Satzbau, „der die Vertracktheit der Situationen andeutet“. Unbeschadet dessen sind viele ihrer Werke ausgesprochen unterhaltsam und spannend. Einerseits abstoßend, andererseits geradezu brüllend komisch wirken allzu-realistische Detail-Beobachtungen und skurrile Perspektiven. Das fängt an bei ihrem Debüt von 1964 mit „Die Riesenzwerge“ bis hin zu ihren Bestsellern „Abseits“, „Der Punktsieg“ oder auch dem später verfilmten Roman „Die Zähmung“.

Sicher, nicht alles erscheint gelungen und konsequent zu Ende geführt. Ihre groß-bürgerliche Herkunft schränkt ihren Horizont ein, subjektiven Bemühungen z.B. in der Dortmunder „Gruppe 61“ zum Trotz. Abgesehen davon ist den Texten ihrer letzten Jahre zumeist ein nachlässiges Lektorat anzumerken. Zumal sie selbst kaum dazukam, an ihren Texten zu feilen.

Die Zeit saß ihr im Nacken. Sie wollte und musste liefern: Um die Miete zu bezahlen, um überhaupt als freischaffende Künstlerin überleben zu können. Verarmt, krank und isoliert, die Niederlage der sozialistischen Länder von 1989 vor Augen, stürzte sie sich 1992 aus dem Leben – einem Leben ohne Illusionen und ohne Kompromisse, bis an die eigenen Grenzen.

Wer Erbauung und „das Positive“ sucht, ist bei Gisela Elsner an der falschen Adresse. „Ihr Werk speist sich aus der Ablehnung des Bestehenden, das sie in ihrer Familie, dann im Kulturbetrieb und insgesamt mit einem wachen Blick auf die Logik ihrer und unserer Gesellschaftsordnung erfahren hat,“ resümierte Kai Köhler. Sie hinterlässt uns Zeugnisse unbändiger, urkomischer Fabulierfreude wie auch intellektuell-sensibler Schärfe und nicht zuletzt eine Menge „Erkenntnis mit satirischen Mitteln.“

Text: Eva Petermann
Foto: Randolph Oechslein
(Eva Petermann und Dr. Kai Köhler auf der Veranstaltung „In Erinnerung an Gisela Elsner“ in Hof / Saale)

Weitere Veranstaltungen finden sich u.a. unter www.giselaelsner.de


elsner Flueche verbrecher verlag coverGisela Elsner: Flüche einer Verfluchten. Kritische Schriften 1

Zu Lebzeiten von Gisela Elsner erschien eine Vielzahl ihrer kritischen Schriften, doch nur einige wenige waren schließlich in dem 1988 erschienenen Buch „Gefahrensphären“, Elsners einzigem Essayband, versammelt. In diesen beiden Bänden nun sind Gisela Elsners Schriften, ergänzt um zum Teil sehr umfangreiche Nachlasstexte, erstmals in Gänze wahrnehmbar. Im ersten Band der Kritischen Schriften – „Flüche einer Verfluchten“ – finden sich ihre politischen Artikel und ihre Schriften zum Kommunismus. Im zweiten – „Im literarischen Ghetto“ – finden sich ihre literatur- und kulturkritischen Essays. Ob die Grünen, Kafkas Werke, die DKP oder Frauenmagazine – all diese Themen werden mit der gleichen sprachlichen Schärfe analysiert!

 

Leseprobe

Ruf aus der tiefsten Tiefe des Unlands

All jenen professionellen, passionierten Antikommunisten, die jetzt feixend und händereibend behaupten: ENDLICH SEID IHR KOMNMUNISTEN AM ENDE, müssen wir deutschen Kommunisten, egal, ob wir nun hüben oder drüben hausen, erwidern: DAS IST NICHT WAHR: WIR FANGEN GERADE WIEDER EINMAL AN, DEN ANFANG DES ANFANGS DES WEGES ZU SUCHEN, DER UNS MÖGLICHERWEISE ZU UNSEREM ZIEL FÜHREN KANN.

Selbst wenn sich dieser Weg wieder einmal als ein falscher Weg erweisen sollte, wird dies wenigstens den Vorteil haben, daß unsere Nachgeborenen wissen, welchen weiteren von uns eingeschlagenen Weg sie keineswegs einschlagen dürfen. Selbst wenn unsere Nachgeborenen ebenfalls einen Weg einschlagen sollten, der sich abermals als ein weiterer falscher Weg erweisen sollte, wird dies ebenfalls wenigstens den Vorteil haben, daß die Nachgeborenen unserer Nachgeborenen wissen, welche Wege sie keineswegs einschlagen dürfen.

Irgendwann werden hoffentlich irgendwelche Nachgeborenen der Nachgeborenen unserer Nachgeborenen den richtigen Weg einschlagen, der sich offensichtlich inmitten eines Wirrwarrs von Irrwegen in diesem Unland befindet, das die bedeutschten Deutschen, die im Gegensatz zu den unbedeutschten Deutschen immer in der Mehrheit sind, ihre Heimat heißen.

Hoffentlich kommt uns Kommunisten die Hoffnung, unser Ziel zu erreichen, obwohl es den Anschein hat, als entfernte sich dieses Ziel um so weiter, je verzweifelter wir ihm zustreben, nicht abhanden, während wir in diesem Unland, das für die unbedeutschten Deutschen höllischer als die Hölle ist, auf irgendwelchen Irrwegen unterwegs sind. Denn ohne Hoffnung geraten wir ganz zwangsläufig wie immer ins Hintertreffen. Denn ohne Hoffnung bleiben wir gewiß mitten auf der Strecke auf irgendwelchen Irrwegen auf der Suche nach dem Weg zu unserem Ziel stecken. Denn ohne Hoffnum, gehen wir zweifellos lange bevor wir den Anfang des Anfangs des Weges zu unserem Ziel gefunden haben vor die Hunde. Falls dies der Fall sein sollte, wird die feixende, händereibende Sippschaft der professionellen, passionierten Antikommunisten zu Recht behaupten: ENDLICl1 SEID IHR KOMMUNISTEN AM ENDE.

Aber noch ist uns hoffentlich die Hoffnung trotz unserer unüberbietbar hoffnungslosen Lage nicht bis auf den letzten Hoffnungsfunken abhanden gekommen. Wenn uns nämlich selbst der letzte Hoffnungsfunke abhanden gekommen wäre, fingen wir wohl kaum gerade wieder einmal an, den Anfang des Anfangs des sich inmitten eines Wirrwarrs von Irrwegen befindenden Weges zu suchen, der uns ungeachtet der Tatsache, daß es in diesem Unland von Irrwegen förmlich wimmelt, möglicherweise zu unserem schier unendlich weit entfernt, ja schier unerreichbar erscheinenden Ziel fuhren kann.

Flüche einer Verfluchten. Kritische Schriften 1
Gisela Elsner
Broschur, 416 Seiten
Verbrecher Verlag
Preis: 16,00 €
ISBN: 9783940426628

Im Verbrecher Verlag erschienen:

gisela elsner gesellschaftDie teuflische Komödie
Versuche, die Wirklichkeit zu bewältigen - Ges. Erzählungen 1
Zerreißproben - Gesammelte Erzählungen 2
Im literarischen Ghetto. Kritische Schriften 2
Flüche einer Verfluchten. Kritische Schriften 1
Fliegeralarm
Otto der Großaktionär
Heilig Blut
Das Berührungsverbot
Die Zähmung. Chronik einer Ehe

 

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G20 Hamburg: Jetzt erst recht! Demonstrationsrecht gegen Polizeiwillkür durchsetzen

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07.07.2017: Aus Hamburg kommen Bilder, die wir sonst aus der Türkei kennen. Vermummte Polizei setzt wahllos Knüppel, Wasserwerfer und Pfefferspray gegen Demonstrierende ein, auch gegen Unbeteiligte. Am Boden Liegende werden brutal misshandelt. Bettina Jürgensen zu den Protesten gegen den G20-Gipfel in Hamburg:

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Europäische Bürgerinitiative: Glyphosat verbieten

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Glyphosat ist wahrscheinlich krebserregend. Und 2017 entscheidet die EU: Darf das Ackergift weiter auf unsere Felder gespritzt werden? Monsanto, Bayer und Co. kämpfen mit aller Macht für ihren Bestseller. Wir halten dagegen – mit einer Europäischen Bürgerinitiative (EBI). Bis Ende Juni brauchen wir eine Million Unterschriften!

Gemeinsam haben wir 1.320.517 Unterschriften gesammelt!

Artikel: EU-Kommission und Monsanto stoppen - Glyphosat verbieten!


Logo-Weiloisirgendwiazamhaengd

Das Agrarbündnis BGL/TS will mit diesem Film den Bauern Unterstützung entgegenbringen und aufzeigen, dass die immer intensivere Landwirtschaft, unser Konsumverhalten und falsche politische Weichenstellungen negative Auswirkungen auf die ganze Welt haben.

Filmvorführungen "Weiloisirgendwiazamhängd“
Montag, 5. Juni 2017, 11.00 Uhr,  Breitwand Kino, 82131 Gauting
Montag, 5. Juni 2017, 14.00 Uhr,  Breitwand Kino, 82229 Seefeld
Montag, 25. September 2017, 19.30 Uhr, Pfarrheim St. Severin in Mitterfelden
Dienstag, 17. Oktober 2017, 19.30 Uhr, Kino Herrsching am Ammersee

Trailer zum Film: http://www.weiloisirgendwiazamhaengd.de/


Was nach Hamburg nicht untergehen darf

Was nach Hamburg nicht untergehen darf

ein Kommentar von Max van Beveren   

13.07.2017: Kaum zogen vermummte Gruppen durch Hamburgs Straßen, um Barrikaden zu bauen, Autos anzuzünden und einen Supermarkt zu plündern, war der Aufschrei in den Medien, in der Politik und in den Sozialen Netzwerken riesengroß und ist es nach wie vor. Die inhaltliche Kritik am G20-Gipfel, der weltweite Terror durch Kriegseinsätze, die Ursachen für Flucht und die brennenden Geflüchtetenunterkünften hierzulande verschwinden völlig hinter der Debatte um die gewaltsamen Auseinandersetzungen. Für die Regierenden sind die Gewalttätigkeiten ein willkommener Anlass, um weitere Grundrechtseinschränkungen und undemokratische Gesetze durchzusetzen, die nicht nur die gesamte Linke, sondern auch die restliche Bevölkerung treffen werden.

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Mit mut zu etwas Neuem

Mit mut zu etwas Neuem

Interview mit Claudia Stamm und Stephan Lessenich zur Gründung der neuen Partei

Frage: Warum habt Ihr die Initiative zur Gründung einer neuen Partei ergriffen?

Stephan Lessenich: Ich habe wahrgenommen, dass sich der Wind in der Welt und auch hier in Bayern dreht. Dass politische Parteien gerade hier im Freistaat im Angesicht der rechtspopulistischen Entwicklungen nach und nach Positionen geräumt haben, die früher selbstverständlich gewesen wären. Die Fluchtbewegungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass wir gesellschaftlich vor großen Herausforderungen stehen.

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Dossier "Linke Strategien"

Im Dossier "Linke Strategien" sind Artikel zusammengestellt, die auf kommunisten.de in verschiedenen Rubriken erschienen sind und sich mit Fragen linker Strategie, Neuformierung der Linken, etc. befassen.

Zum Dossier


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