EU übernimmt türkische Medienzensur: Eutelsat sperrt kurdische Fernsehsender

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Eutelsat Hands-off kurdTV01.05.2017 | update 07.05.2017: Der Satellitenbetreiber Eutelsat stellt die Übertragung der kurdischen Fernsehsender RonahiTV, NewsChannel und Sterk TV ein. Am 24. März hat Eutelsat von der türkischen Aufsichtsbehörde für Radio und Fernsehen ein Schreiben mit der Aufforderung erhalten, dass die kurdischen Sender gesperrt werden sollen, weil sie gegen Gesetze der Türkei verstoßen würden. Wie kurdische Nachrichtendienste melden, ist Eutelsat heute dem Zensurwunsch der türkischen Regierung nachgekommen und hat die Sender gesperrt.

Eutelsat ist der drittgrößte Satellitenbetreiber der Welt und wurde als übernationale Organisation durch eine Regierungsvereinbarung zwischen 26 europäischen Staaten gegründet. Das staatliche französische Finanzinstitut CDC Infrastructure of France ist mit 26,15% größter Anteilseigner. Über die Satelliten von Eutelsat sind Fernsehprogramme in Europa, dem Mittleren Osten, Afrika, Indien und einem großen Teil Asiens und Amerikas zu empfangen.

Bereits im Oktober 2016 hat Eutelsat die Ausstrahlung des in Belgien ansässigen kurdischen Nachrichtensenders MedNuce TV und des aus Stockholm arbeitenden TV-Kanals Newroz auf Antrag der Erdogan-Regierung gestoppt. Am Tag zuvor waren in der Türkei zehn Sender verboten worden. Eutelsat stellte nicht nur den Betrieb von MedNuce TV und Newroz TV ein, sondern forderte andere europäische Satellitenbetreiber auf, ebenfalls den Sendeplatz für die kurdischen Fernsehsender zu streichen. Mitte November hat ein Pariser Gericht den Stopp der Ausstrahlung durch den Satellitenbetreiber Eutelsat für unrechtmäßig erklärt. Weder ein Satellitenbetreiber noch die türkische Medienaufsicht hätten das Recht, über die Ausstrahlung von TV-Sendern in Europa zu entscheiden, so das Urteil. Was aber Eutelsat nicht daran hindert, jetzt wieder den Zensur- und Verbotswünschen Ankaras zu folgen.

Das jetzige Verbot kommt wenige Tage nachdem türkisches Militär mit Bombenangriffen die kurdischen Radiostationen Cira Radio im Nordirak, Rojava Voice in Cizire / Nordsyrien und Avrin FM im Kanton Afrin / Nordsyrien zerstört hat. In der Türkei wurde vor zwei Tagen der Zugang zu Wikipedia gesperrt. Hunderte Zeitungen, Radio- und Fernsehstationen wurden von der Erdogan-Regierung geschlossen, Hunderte JournalistInnen ins Gefängnis geworfen. Am heutigen 1. Mai geht die Polizei mit Gummigeschoßen, Wasserwerfern und äusserster Brutalität gegen die Teilnehmerinnen an 1.Mai-Veranstaltungen vor. Hunderte wurden verhaftet.

Trotzdem übernimmt die EU die Zensurpolitik der türkischen Regierung. Das geschieht in Übereinstimmung mit einer Politik der EU und ihrer Mitgliedsländer, die das Ergebnis des Referendums trotz offensichtlichen Wahlbetrugs anerkennt und die Beziehungen zur Türkei einschließlich von Waffenlieferungen aufrechterhält und ausbauen will. Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) wies beim Treffen der EU-Außenminister auf Malta am vergangenen Freitag (28.4.2017) alle Forderungen nach einem Einfrieren der EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei energisch zurück. "Die deutsche Bundesregierung ist strikt dagegen, dass wir die Gespräche abbrechen", sagte er. Die Bundesregierung hat erst kürzlich Öcalan-Porträts und Kennzeichen zahlreicher kurdischer Organisationen auf die Verbotsliste gesetzt. Darunter sogar das Zeichen der kurdischen Volksverteidigungseinheiten YPG/YPJ, einem der wichtigsten Verbündeten der USA im Kampf gegen die Terrororganisation IS. Nach Informationen von WDR und Süddeutscher Zeitung teilte das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend der aus Ankara gesteuerten islamistischen Vereinigung Ditib am Freitag mit, dass jetzt bereits bewilligte Gelder ausgezahlt werden, die im Zuge der Spitzel-Affäre zunächst zurückgehalten worden waren. Dabei handelt es sich um mehr als eine Million Euro.

Die Kritik an der türkischen Zensurpolitik muss sich deshalb nicht nur gegen Ankara richten, sondern auch gegen EU und die Regierungen der EU-Mitgliedsländer. Gleichzeitig muss der Druck gegen die Einstufung der PKK als terroristische Organisation und für die Aufhebung des PKK-Verbots erhöht werden.

update 07.05.2017:
Entgegen der Ankündigung von Eutelsat werden RonahiTV, NewsChannel und Sterk TV noch immer ausgesendet. Der weltweite Protest zeigte Wirkung. Vom Tisch ist die Drohung jedoch noch nicht. Kurdische VertreterInnen und Organisationen rufen die internationale Gemeinschaft auf, die Presse- und Meinungsfreiheit gegen diese Angriffe zu verteidigen. Die marxistische linke und kommunisten.de schließen sich diesem Aufruf an. Denn gerade in Zeiten, in denen die Türkei immer weiter in Richtung einer brutalen Diktatur abdriftet und über ihre Grenzen hinweg einen brutalen Krieg gegen die kurdische Bevölkerung führt, muss das kurdische Fernsehen sichtbar machen, was in Kurdistan passiert!


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G20 Hamburg: Jetzt erst recht! Demonstrationsrecht gegen Polizeiwillkür durchsetzen

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07.07.2017: Aus Hamburg kommen Bilder, die wir sonst aus der Türkei kennen. Vermummte Polizei setzt wahllos Knüppel, Wasserwerfer und Pfefferspray gegen Demonstrierende ein, auch gegen Unbeteiligte. Am Boden Liegende werden brutal misshandelt. Bettina Jürgensen zu den Protesten gegen den G20-Gipfel in Hamburg:

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Europäische Bürgerinitiative: Glyphosat verbieten

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Glyphosat ist wahrscheinlich krebserregend. Und 2017 entscheidet die EU: Darf das Ackergift weiter auf unsere Felder gespritzt werden? Monsanto, Bayer und Co. kämpfen mit aller Macht für ihren Bestseller. Wir halten dagegen – mit einer Europäischen Bürgerinitiative (EBI). Bis Ende Juni brauchen wir eine Million Unterschriften!

Gemeinsam haben wir 1.320.517 Unterschriften gesammelt!

Artikel: EU-Kommission und Monsanto stoppen - Glyphosat verbieten!


Logo-Weiloisirgendwiazamhaengd

Das Agrarbündnis BGL/TS will mit diesem Film den Bauern Unterstützung entgegenbringen und aufzeigen, dass die immer intensivere Landwirtschaft, unser Konsumverhalten und falsche politische Weichenstellungen negative Auswirkungen auf die ganze Welt haben.

Filmvorführungen "Weiloisirgendwiazamhängd“
Montag, 5. Juni 2017, 11.00 Uhr,  Breitwand Kino, 82131 Gauting
Montag, 5. Juni 2017, 14.00 Uhr,  Breitwand Kino, 82229 Seefeld
Montag, 25. September 2017, 19.30 Uhr, Pfarrheim St. Severin in Mitterfelden
Dienstag, 17. Oktober 2017, 19.30 Uhr, Kino Herrsching am Ammersee

Trailer zum Film: http://www.weiloisirgendwiazamhaengd.de/


Was nach Hamburg nicht untergehen darf

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ein Kommentar von Max van Beveren   

13.07.2017: Kaum zogen vermummte Gruppen durch Hamburgs Straßen, um Barrikaden zu bauen, Autos anzuzünden und einen Supermarkt zu plündern, war der Aufschrei in den Medien, in der Politik und in den Sozialen Netzwerken riesengroß und ist es nach wie vor. Die inhaltliche Kritik am G20-Gipfel, der weltweite Terror durch Kriegseinsätze, die Ursachen für Flucht und die brennenden Geflüchtetenunterkünften hierzulande verschwinden völlig hinter der Debatte um die gewaltsamen Auseinandersetzungen. Für die Regierenden sind die Gewalttätigkeiten ein willkommener Anlass, um weitere Grundrechtseinschränkungen und undemokratische Gesetze durchzusetzen, die nicht nur die gesamte Linke, sondern auch die restliche Bevölkerung treffen werden.

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Mit mut zu etwas Neuem

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Interview mit Claudia Stamm und Stephan Lessenich zur Gründung der neuen Partei

Frage: Warum habt Ihr die Initiative zur Gründung einer neuen Partei ergriffen?

Stephan Lessenich: Ich habe wahrgenommen, dass sich der Wind in der Welt und auch hier in Bayern dreht. Dass politische Parteien gerade hier im Freistaat im Angesicht der rechtspopulistischen Entwicklungen nach und nach Positionen geräumt haben, die früher selbstverständlich gewesen wären. Die Fluchtbewegungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass wir gesellschaftlich vor großen Herausforderungen stehen.

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Dossier "Linke Strategien"

Im Dossier "Linke Strategien" sind Artikel zusammengestellt, die auf kommunisten.de in verschiedenen Rubriken erschienen sind und sich mit Fragen linker Strategie, Neuformierung der Linken, etc. befassen.

Zum Dossier


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