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berlin gedenktafel KL Haus 171213 mami 439718.12.2013: Am Dienstag wurde am Berliner Karl-Liebknecht-Haus die Gedenktafel für die in den Jahren 1933 bis 1950 in der Sowjetunion verfolgten und ermordeten deutschen AntifaschistInnen enthüllt. Der Beschluss des Vorstandes der Partei DIE LINKE, am Karl Liebknecht Haus eine Gedenktafel anzubringen, rief und ruft heftige Reaktionen hervor. Auf der nichtautorisierten facebook-Seite "Deutsche Kommunistische Partei" wurde zu einer Gegenkundgebung „gegen die Enthüllung des revisionistischen Tafelprojekts“ aufgerufen. Verteilt wurde die Stellungnahme des Landesvorstands der DKP Berlin, der zwar nicht bezweifelt, dass deutsche KommunistInnen Opfer des von Stalin entfesselten Terrors wurden, der jedoch diese Verbrechen relativiert und es als falsch erachtet, „vermöge der Gedenktafel an das Schicksal der betroffenen Antifaschisten und Kommunisten zu erinnern“. Peter Harry Schmitt, dessen Vater und Großmutter Opfer der Repressionen wurden, schreibt: „Für mich ist das nicht ein hässlicher Erbteil wie es in der Erklärung der DKP Berlin heißt, sondern wir reden über Verbrechen, die uns noch heute belasten und bewegen. .. Ich lasse mir auch bestimmt nicht von der DKP Berlin unterstellen, dass ich letztlich das Geschäft des Gegners betreibe und Gesellschaftskritik auf Knien leiste. .. Ein öffentliches Gedenken verbunden mit aufrechter Aufarbeitung hilft uns allen.“

Stellungnahme von Peter Harry Schmitt:

berlin gedenktafel KL Haus 171213 mami 4403Am 18. Oktober beschloss der Parteivorstand der Partei DIE LINKE, am Karl Liebknecht Haus eine Gedenktafel anzubringen: "Ehrendes Gedenken an Tausende deutsche Kommunistinnen und Kommunisten, Antifaschistinnen und Antifaschisten, die in der Sowjetunion zwischen den 1930er und 1950er Jahren willkürlich verfolgt, entrechtet, in Straflager deportiert, auf Jahrzehnte verbannt und ermordet wurden."

Der Landesvorstand der DKP Berlin verurteilt Ort und Art des Erinnerns.

Ich würde als Ort der Gedenktafel auch die Gedenkstätte Friedrichsfelde vorziehen. Es geht jedoch weniger um den Ort des Gedenkens, sondern vielmehr um die Sache und die damit im notwendigen Zusammenhang stehende weitere Aufarbeitung dieses Abschnitts unserer Geschichte.

Für mich ist das nicht ein hässlicher Erbteil, wie es in der Erklärung der DKP Berlin heißt, sondern wir reden über Verbrechen, die uns noch heute belasten und bewegen. Zumal die Beschreibung als hässlich auch schnell zum verdecken oder schminken verführen kann.

Der Landesvorstand der DKP Berlin unterstellt, dass mit der Gedenktafel auch an Verschweigen und Unterdrückung schmerzlicher Wahrheiten während der DDR erinnert werden soll - als Akt der „Entschuldigung ... der PDS bzw. Linkspartei … gegenüber diesem imperialistischen Staat“.

Diese These will ich nicht kommentieren, frage mich jedoch: Will die DKP Berlin ernsthaft behaupten, dass in der DDR diese Tatsachen nicht tatsächlich verschwiegen bzw. unzureichend aufgearbeitet wurden? Dass den Zurückgekehrten von der Führung meiner damaligen Partei, der SED, nicht auferlegt wurde, über die Repressionen zu schweigen?

Auch das gehört zu unserer Geschichte.

Was wissen wir heute über die Zeit von 1936 bis in die 1950er Jahre in der Sowjetunion? Wo sind die Zeitzeugen oder ihre Aufzeichnungen und Berichte?

Ja ich unterstütze die Bemühungen des „Arbeitskreises zum Gedenken an die in der sowjetischen Emigration verfolgten, deportierten und ermordeten Antifaschisten“ unter dem Dach der Berliner VVN-BdA für eine Gedenktafel am Karl Liebknecht Haus.

Auch meine Großeltern mussten 1933 vor der Verfolgung durch die Faschisten in die Sowjetunion emigrieren.

Während mein Großvater, Heinrich Schmitt, von den Nazis in das Zuchthaus Landsberg gesperrt worden war, wurde sein Sohn Harry 1938 in Moskau inhaftiert.

In seinem letzten politischen Lebenslauf (1999) schrieb mein Vater Harry Schmitt:

„Während der Massenrepressalien in der SU in den Jahren 1936 bis 1939 und länger, erfolgte am 17.2.1938 meine Verhaftung durch das Jeshov`sche NKWD mit der verbrecherisch erfundenen, ehrabschneidenden Beschuldigungen ‘deutscher Faschist in illegaler HJ in Moskau zu sein‘. Mit der gleichen Beschuldigung und meinem - genauso ungeheuer verlogen vorgefertigtem- angeblichen Geständnis dann die Verurteilung durch ein anonymes Gremium des NKWD in Abwesenheit zu 5 Jahren Zwangsarbeit-‘Besserungs‘-Lager der GULAG.
Durch die unermüdlichen Bemühungen meiner Mutter, meiner besten Genossin, und der damit erreichten Intervention des Genossen Wilhelm Piek und des Genossen Georgi Dimitroff erfolgte eine Überprüfung meiner Angelegenheit durch die dafür zuständig gewesene Militär-Staatsanwaltschaft mit der Haftentlassung nach 2 Jahren und der erfolgten Rehabilitierung“

Am Tag des Überfalls auf die Sowjetunion meldete er sich freiwillig zum Kampf gegen die deutschen Faschisten. Er war Partisan, Einzelkämpfer und Militäraufklärer hinter der Front. Im August 1945 wurde er als Gardehauptmann aus der roten Armee entlassen.

Dass mein Vater und meine Großmutter Anna Schmitt Opfer der Verfolgungen in der Sowjetunion waren, habe ich erst 1989 erfahren. Meine Großmutter, sie starb 1984, sprach immer mit der größten Hochachtung von ihrer Zeit in der Sowjetunion. Sie war erst Ende 1945 oder Anfang 1946 aus Kasachstan zurückkehrt und sagte immer: „Ich wurde so sehr gebraucht, dass sie mich nicht sofort nach Kriegsende zurückkehren lassen konnten.“

Seit 2000 versuche ich die „schwarzen Löcher“  in der Geschichte unserer Familie aufzufüllen. Ich bin gern bereit, den Berliner Genossen davon zu berichten wie mühsam und doch relativ erfolglos das ist.

Ja, es wurde verschwiegen. Und uns wurde die Möglichkeit genommen, von aufrechten Kommunistinnen und Kommunisten zu erfahren, was tatsächlich stattgefunden hat .

Auch deshalb kann heute die ideologische Keule des „Stalinismus“ geschwungen werden.

Ich lasse mir auch bestimmt nicht von der DKP Berlin unterstellen, dass ich letztlich das Geschäft des Gegners betreibe und Gesellschaftskritik auf Knien leiste (welch ein Pathos), wenn ich dieses Unrecht nicht in Zusammenhang mit den unbeschreiblichen Leistungen des gesamte Sowjetvolkes im 2. Weltkrieg  stelle.

Ich distanziere mich zutiefst von einer Frage wie: Waren die Repressalien vor Beginn des Krieges nicht Voraussetzung und Bedingung für die Zerschlagung des Faschismus?*

Wir müssen uns unserer Geschichte stellen, ob sie uns gefällt oder nicht. Wir müssen Antworten finden, auch wenn das immer noch ein schmerzhafter Prozess ist.

Ein öffentliches Gedenken verbunden mit aufrechter Aufarbeitung hilft uns allen.

An dieser Stelle sei den Berliner Genossen auch einmal ein Besuch in der Ernst Thälmann Gedenkstätte in Hamburg empfohlen. Dort wird schon lange der Hamburger Genossinnen und Genossen gedacht, die diesen Repressalien in der Sowjetunion zum Opfer gefallen sind.

Peter Harry Schmitt, Zossen, Brandenburg

* Im "Berliner Anstoß", Zeitung der DKP Berlin, war in einer Kritik an der Erklärung des PV zum 70. Jahrestag des Überfalls des faschistischen Deutschlands auf die Sowjetunion zu lesen: "Die Bewertung der Rolle Stalins in der Anfangsperiode des Krieges ist antistalinistisch und identisch mit der unseres Gegners. Warum haben ... Fragen/ Überlegungen keine Rolle gespielt, wie: Waren die Repressalien vor Beginn des Krieges nicht Voraussetzung und Bedingung für Zerschlagung des Faschismus?"

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