5 Jahre Krise in Europa: 10 Millionen Arbeitslose mehr

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eu arbeitslosigkeit isw info49 30008.04.2013: Europa im Jahr fünf der Krise: Finanzkrise – Bankenkrise – Wirtschaftskrise – Staatsschuldenkrise und zurück. Seit über einem Jahr stecken EU und Eurozone erneut in der Rezession, der Süden Europas gar in einer tiefen Depression. Auch für 2013 wird ein Schrumpfen der Wirtschaftsleistung prognostiziert. Die Talfahrt der Eurozone hat sich im März sogar beschleunigt. Die Folgen für die Menschen sind verheerend: Rekord-Arbeitslosigkeit, Rekord-Armut, Rekord-Schulden – Kürzung bei Sozialleistungen, Renten und öffentlicher Daseinsvorsorge, Kaufkrafteinbußen usw. usf. Binnen eines Jahres hat die Zahl der Arbeitslosen sowohl in der EU als auch in der Eurozone um 1,8 Millionen zugenommen (alle Zahlen eurostat).

Die Arbeitslosenquote stieg im Februar im Euroraum auf 12,0%, in der EU auf 10,9% - Rekord! Soviele Arbeitslose gab es in Europa noch nie: 26,3 Millionen in der EU – glatte zehn Millionen mehr als im Februar 2008 (16,2 Millionen); 62% mehr als vor fünf Jahren. Eurozone: 19,1 Millionen, 7,7 Millionen mehr als 2008 (11,4 Millionen), ein Plus von 68%. Hinter diesen nüchternen Zahlen verbergen sich millionenfache Einzel- und Familienschicksale, zerstörte Existenzen und Lebensplanungen, Hoffnungs- und Ratlosigkeit. Und insbesondere was die Jugend anbelangt: Perspektivlosigkeit, verbaute Zukunft.

Das Problem der Jugendarbeitslosigkeit ist besonders gravierend. Jeder vierte junge Europäer unter 25 Jahren hat keinen Job: 23,5% in der EU, 23,9% im Euroraum. Und die vorhandenen Arbeitsplätze sind zum großen Teil prekär. In den Peripherieländern ist das Arbeitsplatzproblem der Jugend zur gesellschaftlichen Tragödie geworden: Mehr als die Hälfte der Jugendlichen sind in Griechenland (58,4%) und Spanien (55,7%) ohne Arbeit, in Portugal (38,2%) und Italien (37,8%) ist es mehr als jeder Dritte, in Zypern 31,8%, in Irland 30,8 %. Insgesamt 5,7 Millionen Jugendliche in der EU sind ohne Arbeit, (3,6 Millionen im Euroraum). Deutschland dagegen hat mit 7,7% die niedrigste Jugendarbeitslosigkeit in der gesamten EU. Es ist zudem das einzige Land, in dem die Jugendarbeitslosigkeit seit 2008 gesunken ist.

eu alo quote isw INFO47 37Frappierend ist vor allem das Nord-Süd-Gefälle, das immer stärkere Auseinanderdriften Europas. Während in den sogenannten Kernländern Deutschland, Niederlande, Österreich und bislang auch noch Frankreich (es steckt allerdings momentan in der tiefsten Krise seit vier Jahren) die Arbeitslosenquoten in den vergangenen Jahren gesunken sind und unter dem Wert von 2008 liegen, haben sich die Quoten in den Peripherieländern verdoppelt bis verdreifacht (siehe Grafik). Im  Durchschnitt lag die Arbeitslosenquote im Süden Ende 2012 bei 15,1%, im Norden bei 6,6%. Vor der Krise war es umgekehrt: 2006 lag der Norden bei etwa neun Prozent, der Süden bei etwa acht Prozent Arbeitslosen (siehe Grafik).

ILO: Europa steht vor sozialen Unruhen

Als Folge dieser ungleichen Entwicklung ist nach Ansicht der UN-Organisation ILO (Internationale Arbeitsorganisation) das Risiko sozialer Unruhen in den EU-Südländern stark angestiegen; vor allem in den Ländern wie Zypern, Griechenland, Portugal und Italien. Im EU-Schnitt liegt der Risiko-Index für den Ausbruch sozialer Unruhen um zwölf Prozentpunkte höher als vor Beginn der Finanzkrise. Die ILO misst das Risiko in einem speziellen Indikator. In Deutschland, Finnland und Belgien hingegen sank das Risiko. In dem Diskussionspapier der ILO, das am Montag (8.4.13)auf einer Konferenz in Oslo diskutiert wird,  heißt es unter anderem, "in sämtlichen von der Krise betroffenen Ländern hat die hohe Arbeitslosigkeit in Verbindung mit zunehmender Unsicherheit der Beschäftigung und Kürzungen von Löhnen und Sozialleistungen im Zusammenhang mit Sparmaßnahmen ein Gefühl der Ungerechtigkeit ausgelöst und zu friedlichen Demonstrationen ebenso wie zu weniger friedlichen Ausbrüchen von sozialen Unruhen geführt. Unter solchen Umständen sind Ansteckungseffekte in anderen europäischen Ländern nur eine Frage der Zeit".

Die ILO macht vor allem die Sparpolitik, die den Krisenländern verordnet wurde, für den Anstieg der Arbeitslosenzahl in diesen Ländern verantwortlich. Es ist aber nicht der alleinige Grund. Im Zuge der Überakkumulationskrise – insbesondere 2009 - wurden die strukturschwächeren Ökonomien des Südens weitgehend aus dem Weltmarkt katapultiert und ihre Binnenmärkte zudem von der deutschen Exportwalze überrollt. Dazu hatten Finanzkrise und staatliche Bankenrettungen die Staatsfinanzen ruiniert und die Staatsverschuldung auf neue Höhen getrieben. Das Austeritätsdiktat der Troika und die durch die Ratingagenturen hochgehebelten Zinsen, zogen diese Länder vollends in den Krisenstrudel.

Umgekehrt gehört der Norden zu den Krisengewinnern. Vor allem Deutschland konnte sich, gedopt durch niedrigste Lohnstückkosten und unterbewerteten Euro-Kurs, bislang aus der Krise exportieren. Niedrigzinsen entlasteten die Staatshaushalte und verschafften den aus Deutschland operierenden Konzernen erhebliche Konkurrenzvorteile (z.B. Automobilindustrie). Und die Unternehmen in Deutschland schlagen  jetzt aus der Arbeitsplatzmisere der Krisenländer auch noch Extra-Gewinne: "Nutznießer der Perspektivlosigkeit einer ganzen Generation Südländer könnte womöglich die deutsche Wirtschaft sein", schreibt das Handelsblatt (3.4.13). "Die Firmen suchen weiter händeringend nach Fachkräften; die Erwerbstätigkeit in Deutschland erklimmt Quartal für Quartal neue Höchststände – auch weil junge Ausländer hier ihr Glück suchen".

In einem Interview mit rp-online (30.3.13) erklärte BA-Chef Frank-Jürgen Weise: "Ende letzten Jahres hat sich die Zahl der Beschäftigten in Deutschland aus Spanien, Italien, Portugal und Griechenland um rund 33.000 auf 462.000 erhöht. ... Bei der Suche nach Fachkräften in diesen Ländern konzentrieren wir uns vor allem auf Ingenieure, Ärzte und Pflegekräfte." In Deutschland fehlen allein 30.000 Pflegefachkräfte. Der Braindrain ist für das Kapital hiezulande lukrativ: Man spart sich Ausbildungskosten und hat mit den Arbeitskräften aus den Südländern zugleich ein Lohndruckmittel in der Hand.

Fred Schmid, isw

Siehe auch isw-wirtschaftsinfo 47: Bilanz 2012 – Bilanz schwarz-gelbe Bundesregierung – Ausblick 2013. Erscheint am 15. April 2013

eu arbeitslosigkeit isw info49

 

Marseille-Forum

Am 10. und 11. November treffen sich die progressiven Kräfte Europas in Marseille zum Marseille-Forum, um eine Alternative Zukunft für Europa zu diskutieren. Die Europäische Linke unterstützt dieses Treffen.
Pierre Laurent, Nationalsekretär der Französischen Kommunistischen Partei (PCF):

EL Marseille-Forum PierreLaurent


 

100 Jahre Oktoberrevolution

marxistische linke lädt ein

Logo-Revolution-Gegenrevolution

Das 20. Jahrhundert war eines der Revolutionen: in Russland, Ungarn, Deutschland, Spanien, China, Mexico, Chile, Cuba und vielen anderen Staaten. Daraus ragen die Oktoberrevolution und Maos Langer Marsch mit dem Sieg der Kommunisten 1949 als epocheprägende Ereignisse heraus. Diese Revolutionen sind Teil des langen Zyklus von Revolution und Gegenrevolution, der mit der französischen Revolution 1789 eröffnet wurde. Ging dieser lange Revolutionszyklus mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion zu Ende?  Was kann Revolution in den Ländern des entwickelten Kapitalismus heute noch heißen?
Wir diskutieren mit

Frank Deppe
Autor des Buches: 1917 | 2017 - Revolution & Gegenrevolution

Sa., 25. November 2017, 15:00 Uhr
Frankfurt a.M.
Gewerkschaftshaus, Wilhelm-Leuschner-Str. 69-71

Hinweis
Mi, 22. November 2017, 20:00 Uhr, Rüsselsheim, Stadtbücherei am Treff
Veranstalter: attac, DGB und Naturfreunden Rüsselsheim


 

Tödliche Agri Kultur - Wie Monsanto die Welt vergiftet

Monsanto-Glifosato

Demnächst entscheidet die EU über die Verlängerung der Zulassung von Glyphosat. Die EU will, dass Monsanto seinen Bestseller weitere zehn Jahre verkaufen darf.

Seit 20 Jahren werden in Argentinien riesige Flächen mit gentechnisch veränderter Soja bepflanzt. In Monokultur. Anfangs war das für die Landwirte, die Saatgutverkäufer und die Chemie-Konzerne ein Freudenfest. Allen voran: Monsanto. Heute ist das Modell Monsanto gescheitert. Nicht für die Investmentfonds, aber für die Landwirte vor Ort und für die Verbraucher in den Städten.

Tödliche Agri Kultur - Wie Monsanto die Welt vergiftet
Ein Film von Gaby Weber

siehe auch


 

wenn die umstaende 300p

marxistische linke: Jetzt Mitglied werden


Sie kommen im Morgengrauen!

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von Bettina Jürgensen

18.11.2017: Am Montag in aller Frühe kam die Nachricht, dass es bei unserem Genossen Kerem Schamberger aus München eine Hausdurchsuchung gegeben hat! Die erste Frage war: Was wollen DIE schon wieder von Kerem? In letzter Zeit wurde immer häufiger seine Facebookseite gesperrt, vor fast genau einem Jahr sollte die Zulassung als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni in München verhindert werden, Kerem kämpfte erfolgreich gegen sein drohendes Berufsverbot. Jetzt musste er bei seiner Hausdurchsuchung zusehen und Handy, Laptop, USB-Sticks wurden beschlagnahmt.

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Marsch ins militärische Kerneuropa

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Kommentar von Leo Mayer
15.11.2017: Am Montag haben die Außen- und Verteidigungsminister von 23 der 28 EU-Staaten mitgeteilt, eine Militärunion zu gründen. "Ein großer Tag für Europa", sagte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) in Brüssel dazu. Ein großer Tag vor allem für die Rüstungsindustrie. Denn jeder EU-Staat, der sich an der Militärunion beteiligen will, muss sich verpflichten, die nationalen Rüstungsausgaben regelmäßig zu steigern.

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Walter Baier: "Forum in Marseille ist ein erster Schritt"

Walter Baier:

Frage: Am 10. und 11. November beraten in Marseille Parteien, Initiativen und Organisationen über neue Formen der Zusammenarbeit . Es gibt bereits verschiedene linke Foren und Denkfabriken, transform! ist eine davon. Warum muss jetzt noch ein weiteres Forum entstehen?

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Dossier "Linke Strategien"

Im Dossier "Linke Strategien" sind Artikel zusammengestellt, die auf kommunisten.de in verschiedenen Rubriken erschienen sind und sich mit Fragen linker Strategie, Neuformierung der Linken, etc. befassen.

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