Vorwärts und nicht vergessen!

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Ernst_Busch_Platz_kiel06.09.2011: Das jahrzehntelange Engagement fortschrittlicher Kieler Bürger, dem großen Sohn der Stadt, Ernst Busch, endlich seine gebührende öffentliche Würdigung zuteil kommen zu lassen, hatte endlich Erfolg. Am 2. September wurde das sog. Wasserplatz am Germaniahafen in der boomenden Kieler City in Ernst-Busch-Platz umbenannt. Unter den Anwesenden der Zeremonie waren viele, die bereits vor 11 Jahren, zu Ernst Buschs 100. Geburtstag gehofft hatten, dass die Stadt über ihren antikommunistischen Schatten springen möge: Allen voran die Mitglieder des Kieler Ernst-Busch-Chores, des Motorradclubs „Kuhle Wampe“, Gewerkschafter, Sozialdemokraten, Sozialisten (Die LINKE), Kommunisten (DKP). (Auf dem Foto u.a. Ulrich Busch, Sohn von Ernst Busch; Oberbürgermeister Torsten Albig; Bruno Levtzow (Ortsbeiratsvorsitzender, SPD); DKP-Vorsitzende Bettina Jürgensen)

Wenn ein wenig Kritik an die Teilnehmer gerichtet werden sollte: Ein wenig mehr rote Fahnen hätte Ernst Busch bestimmt gefallen. Nun gut – wir werden`s irgendwann bestimmt nachholen.

Kiels Oberbürgermeister Torsten Albig (SPD) würdigte Ernst Busch als bedeutende Kieler Persönlichkeit. „Es gibt Dinge in Buschs Leben, die ich nicht teilen kann“ so Albig, dennoch würdige man einen „brillanten Sänger und Schauspieler, aber auch einen politisch engagierten Menschen, der gegen Faschismus und für die Rechte der Arbeiter eintrat.“

Es ist nur zu begrüßen, das die Kieler Sozialdemokraten sich in den letzten Jahren wieder stärker auf  geschichtliche Traditionen der Arbeiterbewegung der Stadt besinnen und diese in der Öffentlichkeit und im Stadtbild zu verankern suchen. Das betrifft z.B. die Würdigung des Kieler „Matrosenaufstandes“ durch die Umbenennung des Bahnhofsvorplatzes in „Platz der Kieler Matrosen“ oder die Teilnahme an der Aktion „Stolpersteine“ bei der u.a. auch antifaschistische Widerstandskämpfer aus der Arbeiterbewegung gewürdigt werden.

Aber es bleibt natürlich noch vieles zu tun. Erinnert sei nur das unselige „Hindenburgufer“, das einer schnellstmöglichen Umbenennung harrt. Im Zusammenhang mit den letztjährigen Gedenken an den Beginn der Novemberrevolution in Kiel wurde das Ufer bereits mehrmals symbolisch in Gedenken an den Vorsitzenden des Kieler Arbeiter- und Soldatenrates in Karl-Artelt-Ufer umbenannt. Dieser symbolischen Handlung sollte schnellstmöglich ein entsprechender Beschluss der Kieler Stadtvertretung folgen. Dies wird sicherlich auf den erbitterten Widerstand konservativer Kräfte in der Stadt treffen, die in Hindenburg nach wie vor als einen ihrer politischen Vorbilder sehen (Militarismus, Ostexpansion). Aber gerade im Vorfeld des 100. Jahrestages des Beginns des 1. Weltkrieges (1914), der Diskussion über die Rolle der Bundeswehr und der Rolle der Marine und des Rüstungsstandortes Kiel im Besonderen ist diese Diskussion vonnöten. Und in dieser Diskussion müssen auch die SPD und die Gewerkschaften Farbe bekennen: Die Ehrung der revolutionären Matrosen und Arbeiter und des Kommunisten Ernst Busch ist die eine Seite – Schlussfolgerungen aus ihren Kämpfen für die Gegenwart zu ziehen ist die notwendige andere Seite.

Wer war Ernst Busch?

1900 in Kiel geboren absolvierte er eine Lehre als Schlosser auf der Germaniawerft, war Teilnehmer am Kieler Matrosen- und Arbeiteraufstand im November 1918, Theaterschauspieler in Kiel und Berlin, Kino- und Schallplattenstar der späten Weimarer Republik. Hier spielte er u. a. in dem Film „Kuhle Wampe oder Wem gehört die Welt“ und sang dort das berühmte Solidaritätslied. Nach der Machtübergabe an Hitler floh Busch in Sowjetunion und begab sich sofort nach Beginn des spanischen Bürgerkrieges zu den Internationalen Brigaden; trat dort in den Schützengräben und im belagerten Madrid auf. Nach der Niederlage der Spanischen Republik wurde er an das faschistische Deutschland ausgeliefert und dort wegen Hochverrat zum Tode verurteilt. Durch die Fürsprache seines früheren Kollegen Gustav Gründgens wurde das Urteil in eine Zuchthausstrafe umgewandelt und im Mai 1945 befreite ihn die Rote Armee aus der Haft. Bis zu seinem Tode (1980) lebte und arbeite Busch als Schauspieler und Sänger in der DDR – besonders produktiv waren die Jahre der Zusammenarbeit mit Bert Brecht und Hanns Eisler von 1946 bis 1956. In diesem Zeitraum war er nicht nur in zahlreichen Rollen am Berliner Ensemble zu sehen sondern nahm an die 150 Lieder auf: neben den alten Arbeiterkampfliedern, Chansons ( Tucholsky), Spanienliedern auch viele neugeschaffene Lieder (Antikriegslieder, DDR-Aufbau-Lieder).

Busch, seit Ende der 20er Jahre KPD- und ab 1946 SED-Mitglied sah im Aufbau des Sozialismus in der DDR eine große Hoffnung, dass zumindest in einem Teil Deutschlands die Lehren aus zwei imperialistischen Kriegen gezogen wurden. In einem Interview, dass er 1966 einer Kieler Jugendzeitschrift gab, sagte er: „Ich singe nicht nur für die Deutschen in unserer Republik. Viele der Lieder sind Antikriegslieder. In dieser Hinsicht hat sich die Lage ja nicht verändert.“ Gegenüber dem DDR-Kulturbetrieb hatte Busch mitunter eine kritische Sicht. Sein rauhbeiniges Auftreten brachte ihm manchen Ärger. Aber er bewegtes etwas. In dem bereits zitierten Interview schließt Busch mit der Bemerkung: “Die Westdeutschen sollten froh sein, dass die DDR existiert.“

Aus dem Solidaritätslied von Ernst Busch (in der Fassung aus dem Film „Kuhle Wampe oder Wem gehört die Welt”)

Vorwärts und nicht vergessen
Worin unsere Stärke besteht.
Beim Hungern und beim Essen
Vorwärts, nicht vergessen
Die Solidarität
...
Vorwärts und nicht vergessen
Unsre Straße und unser Feld
Vorwärts und nicht vergessen:
Wessen Straße ist die Straße
Wessen Welt ist die Welt?

 


CD-Empfehlungen

Ernst Busch, Lieder der Arbeiterklasse / Lieder aus dem spanischen Bürgerkrieg, pläne
Ernst Busch, 1960 Live in Berlin, edel 2010


Text: gst     Foto: PEWE Arbeiterfotografie Kiel

siehe auch: UZ vom 9. September 2011

 

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