Wir zahlen nicht für Eure Krise - 40.000 demonstrieren für soziale Gerechtigkeit

E-Mail Drucken PDF

13.06.2010: Über 40.000 Menschen haben am Samstag, 12. Juni, in Stuttgart und Berlin gegen die Folgen der Finanzkrise und die unsoziale Sparpolitik der Bundesregierung protestiert. Zu den Demonstrationen hatte ein breites gesellschaftliches Bündnis aus Gewerkschaften, Initiativen, sozialen Bewegungen und Parteien aufgerufen.

Frank Bsirske wies in seiner Rede darauf hin, dass die Raubtiere der Finanzspekulation noch frei herumlaufen und weitermachen, wie vor der Krise. Jetzt werde mit den Bankenrettungsgeldern gegen ganze Staaten spekuliert. Dieses Regime der Maßlosigkeit müsse beseitigt werden. Es könne nicht sein, dass das Casino Finanzmarkt mit Steuergeldern renoviert und den Spekulanten zurückgegeben werde. Diejenigen, die dreißig Jahre lang das Lied von der Privatisierung und vom schlanken Staat gesungen hätten, redeten jetzt - wie die FDP - davon, der Staat sei ein teurer Schwächling und man habe über die Verhältnisse gelebt. Wir haben nicht über unsere Verhältnisse gelebt, sondern unterhalb unserer Möglichkeiten, so Bsirske und fragte:

Wer ist denn da gemeint - haben etwa die Arbeitslosen über ihre Verhältnisse gelebt? Etwa die Krankenversicherten? Die Eltern, die einen Kitaplatz suchen? Da setzt das Sparprogramm der Bundesregierung an - bei der Rüstung oder den Hochvermögenden und Millionenerben bleiben die Sparvorschläge sehr vage. Allen solle klar sein, dieses Sparprogramm ist erst der Anfang, da mit ihm nicht mal die Hälfte der bis 2016 geplanten Einsparungen abgedeckt seien. Das Geld, das in den kommenden Jahren bei den Städten und Gemeinden fehle müsse dort geholt werden, wo es im Überfluß vorhanden sei: Es sei doch nicht einzusehen, dass der Börsenhandel der einzige Wirtschaftsbereich ist, bei dem keine Umsatzsteuer erhoben werde. Der Verzicht auf die Besteuerung von Veräußerungsgewinnen und der Plan, die Gewerbesteuer abzuschaffen, sind Anschläge auf unsere Sozialsysteme. Vielmehr müsse gefordert werden, dass alle Gewerbesteuer zahlen, auch z.B. Rechtsanwälte oder Ärzte, deren Befreiung von der Gewerbesteuer noch auf eine Bestimmung aus der Zeit des Faschismus zurückreiche. Gerecht wäre ein Mindestlohn von 8,50 Euro, gerecht wäre ein sozialökologischer Umbau, bei dem die "starken Schultern" mehr tragen müssen als die schwachen. Gerecht wäre die Stärkung der Kaufkraft, des Binnenmarktes. Dieses Signal müsse jetzt in die Betriebe getragen werden, dort müssten Zeichen gesetzt werden, schloss Bsirske seine Rede.

Als vollen Erfolg bewertet der DGB-Landesvorsitzende Nikolaus Landgraf die Kundgebung auf dem Stuttgarter Schloßplatz. Sie stand unter dem Motto „Das nennt ihr gerecht? Gerecht geht anders!“ Nach DGB-Angaben sind mehr als 20.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer dem Aufruf von attac, Kirchlichem Dienst in der Arbeitswelt (KDA), Föderation demokratischer Arbeitervereine (DIDF), Bündnis 90/Die Grünen, Die Linke, SPD und dem Bündnis „Wir zahlen nicht für eure Krise“ gefolgt. Im Mittelpunkt der Reden stand die Forderung nach einer Regulierung der Finanzbranche und die Kritik am Sparpogramm der Bundesregierung.

Nikolaus Landgraf forderte in seiner Rede eine stärkere Beteiligung der Finanzbranche und der Vermögenden bei der Bewältigung der Krisenlasten: „Wir fordern endlich Leitplanken für die Finanzbranche, die Wiedereinführung der Vermögenssteuer – eine Landessteuer – die höhere Besteuerung großer Erbschaften, eine Finanztransaktionssteuer und einen höheren Spitzensteuersatz. Geld ist genug da – es ist nur falsch verteilt!“

In einem gellenden Pfeifkonzert gingen die Reden von Vertretern von SPD und Grünen unter. Sprechchöre wie "Hartz vier - das wart ihr!" oder "SPD und Grüne - runter von der Bühne" übertönten bei weiten die Reden dieser beiden Parteivertreter. Sie mussten mit roten "Rettungsschirmen", Transparenten und Polizei vor dem Unmut vieler Kundgebungsteilnehmer geschützt werden.

Bernd Riexinger Geschäftsführer des Bezirks Stuttgart der Gewerkschaft ver.di und Mitglied des geschäftsführenden Landesvorstands der Partei Die Linke kritisierte in seiner Rede die "dreiste Lüge", die Menschen hätten über ihre Verhältnisse gelebt und fragte: Hat die Verkäuferin im Supermarkt, haben die Kurzarbeiter, die Hartz IV-Bezieher, die Rentner oder die Alleinerziehenden, die jetzt zur Kasse gebeten werden über über ihre Verhältnisse gelebt? Wer jetzt die Vermögensbesitzer schont, begeht einen "sozialdarwinistischen Anschlag auf die Gerechtigkeit", das ist eine "große Schweinerei". Die Verursacher der Finanzkrise müssten jetzt zur Kasse gebeten werden. Was wir brauchen ist eine Börsenumsatzsteuer, eine Steuer auf Millionenvermögen und ein konsequentes Vorgehen gegen Steuerhinterziehung, die als das zu behandeln ist was sie wirklich ist: Ein krimineller Akt und kein Kavaliersdelikt. Banken müssen vergesellschaftet und unter demokratische Kontrolle gestellt werden. Wir müssen auf die Straße für Arbeitszeitverkürzung und für die Forderungen "weg mit Hartz IV" und einen existenzsichernden Mindestlohn. Offensichtlich müssen wir mit den Herrschenden französisch und griechisch reden. Die Zeit der Anpassung ist vorbei, jetzt geht es auch um den politischen Streik, den Generalstreik.

Und zum Schluß seiner Rede: "Für eine soziale Demokratie und eine solidarische Gesellschaft statt Kapitalismus"

Text: Walter Listl Foto: Siggi (Demo Berlin)

Fotostrecke aus Stuttgart (Fotos: SoS/Roland S.)


 

marxli-G20

marxistische linke: Jetzt Mitglied werden


Das war`s dann wohl mit r2g

Das war`s dann wohl mit r2g

von Bettina Jürgensen und Leo Mayer  
19.09.2017: Das wäre wohl die letzte Chance für eine rot-rot-grüne Regierungskoalition gewesen. Wobei es nicht einfach um eine andere Regierung gegangen wäre, sondern um eine andere Politik und ein anderes Regieren – gedacht als "ein Projekt der gesellschaftlichen Linken und der solidarischen Milieus; als eine politische Idee, die allen drei Parteien von außen aufgedrängt wird und sie dazu nötigt, sich zu ändern und über sich hinauszuwachsen" ("Das Unmögliche versuchen", Institut Solidarische Moderne).

Weiterlesen...

Logo-Weiloisirgendwiazamhaengd

Das Agrarbündnis BGL/TS will mit diesem Film den Bauern Unterstützung entgegenbringen und aufzeigen, dass die immer intensivere Landwirtschaft, unser Konsumverhalten und falsche politische Weichenstellungen negative Auswirkungen auf die ganze Welt haben.

Filmvorführungen "Weiloisirgendwiazamhängd“
Montag, 5. Juni 2017, 11.00 Uhr,  Breitwand Kino, 82131 Gauting
Montag, 5. Juni 2017, 14.00 Uhr,  Breitwand Kino, 82229 Seefeld
Montag, 25. September 2017, 19.30 Uhr, Pfarrheim St. Severin in Mitterfelden
Dienstag, 17. Oktober 2017, 19.30 Uhr, Kino Herrsching am Ammersee

Trailer zum Film: http://www.weiloisirgendwiazamhaengd.de/


… Rückfall in die Barbarei

… Rückfall in die Barbarei

31.08.2017: Die Europäische Union toleriert das Sterben im Mittelmeer nicht nur – sie provoziert es. Finanziert und ausgerüstet von der EU übernehmen libysche Milizen – fälschlicherweise "Küstenwache" genannt – für die EU die Drecksarbeit. 20 Milliarden Euro verlangt der libysche Warlord Chalifa Haftar von der EU, damit er mit seinen Mannen weiterhin Flüchtende daran hindert nach Europa zu gelangen, über 100 Millionen hat er bereits erhalten. Aus Europa wurden moderne Schiffe für die Küsten- und Seekontrolle geliefert, dazu Waffen und Ausbildungskurse und was man sonst noch so braucht für den kleinen Seekrieg gegen Flüchtende.

Weiterlesen...

Marina Mortágua: "Die Bedingungen des Kampfes verbessern"

Marina Mortágua:

Portugal: Bedeutende soziale Verbesserungen und wirtschaftliche Erholung – mit unsicheren Aussichten

29.08.2017: Das Ergebnis der Parlamentswahl im Oktober 2015 in Portugal war ein Signal des Protestes und des Wunsches nach Veränderung. Der Bloco de Esquerda (Linksblock) erreichte 10,19 % und die Wahlallianz aus Kommunistischer Partei PCP und Ökologisch-Grünen Partei PEV (PCP-PEV) 8,25 %. Trotz des jahrelangen harten Sparkurses schaffte es die PS (32,31 %) nicht, mehr Stimmen als die Rechtskoalition aus PSD und CDS zu gewinnen (36,86%). Die Linksparteien schlossen mit der Sozialistischen Partei eine Vereinbarung zur Tolerierung der Minderheitsregierung unter der Führung von António Costa - hauptsächlich, um einer weiteren Rechtsregierung vorzubeugen und der Sparpolitik einen Riegel vorzuschieben.

Weiterlesen...

Dossier "Linke Strategien"

Im Dossier "Linke Strategien" sind Artikel zusammengestellt, die auf kommunisten.de in verschiedenen Rubriken erschienen sind und sich mit Fragen linker Strategie, Neuformierung der Linken, etc. befassen.

Zum Dossier


isw anzeige 150


 

america21 quer 150



Banner

 

Empfohlene Links

Neues Deutschland
Sozialistische Tageszeitung

Zeitschrift LUXEMBURG
Gesellschaftsanalyse und linke Praxis

Zeitschrift Z
Zeitschrift marxistische Erneuerung

Unsere Zeit
Wochenzeitung der DKP

Marxistische Blätter
Die der DKP verbundene Zeitschrift für marxistische Theorie und Politik erscheint alle 2 Monate.