Jagdszenen aus ... Deutschland

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alt21.02.2010:  Was sich im Herbst 2009 bei dem Redeverbot des Israel-Kritikers Ilan Pappe bereits andeutete, wurde jetzt durch ein gleichartiges Ereignis gleich an mehreren Stellen Deutschlands bestätigt. Das deutsche Netzwerk von bedingungslosen 'Israel-Freunden' und Befürwortern der zionistischen Aggression im Nahen Osten gegen die palästinensische Nation versucht mit verstärkten Mitteln, jede Kritik dagegen und jede Aufklärung über die Wirklichkeit und Vergangenheit der israelischen Kolonialpolitik in der Öffentlichkeit durch Erwirken von Raumnutzungsverboten zu unterbinden. In diesen Tagen traf es den jüdischen Professor Norman Finkelstein. Vordergündig ein Erfolg, denn Norman Finkelstein fühlte sich gezwungen, seine Reise zu Vorträgen in München (24./25. Februar) und in Berlin (26.2.) abzusagen.

Geplant waren drei Vorträge aus Anlass des Jahrestages der brutalen Bombardierung des Gaza-Streifens vor einem Jahr (Januar 2009). "Die Verantwortung der deutschen Regierung an der fortgesetzten Aushungerung der palästinensischen Bevölkerung", "Die Wurzeln des Konfliktes - die Chancen für Frieden", "Analyse der israelischen Invasion und ihrer Konsequenzen" waren die Titel der in diesem Kontext stehenden Veranstaltungen. Nun verweigerte zuerst die Trinitatis-Gemeinde in Berlin bereits zugesagte Räume, ebenso verweigerten die Heinrich-Böll-Stiftung und die Rosa-Luxemburg-Stiftung in Berlin ersatzweise Raumnutzungen und offenbar verweigert erneut in München die Stadtverwaltung zugesagte Räume. Die Gründe sind immer die gleichen und halten auch der geringsten Prüfung nicht stand.

Norman G. Finkelstein ist ein US-amerikanischer Politikwissenschaftler, 1953 in Brooklyn, New York City, geboren. Seine Eltern hatten das Warschauer Ghetto und die Hölle von Majdanek und Auschwitz überlebt und waren in die USA ausgewandert. Er promovierte in Princeton mit einer Arbeit über die Theorie des Zionismus. Die Schwerpunkte seiner wissenschaftlichen Arbeit sind der Holocaust und der israelisch-palästinensische Konflikt. Zu diesen Themen hat er mehrere gewichtige und in viele Sprachen übersetzte Bücher publiziert. Bis 2007 lehrte er an der De Paul University of Chicago. Seine grundlegend menschliche Haltung wird durch folgendes Zitat deutlich:

"Es gibt sicher Gründe, gute wie schlechte, warum sich anständige Deutsche mit dem Leid der Palästinenser lieber nicht allzu intensiv beschäftigen wollen. Es gibt jedoch mindestens zwei gute Gründe dafür, warum sie es eben doch tun sollten.

Erstens nutzt Israel das unsagbare Leid, das den Juden während des Zweiten Weltkriegs angetan wurde, aus, um seine Verbrechen an den Palästinensern zu rechtfertigen. Der verstorbene palästinensisch-amerikanische Literaturwissenschaftler Edward Said pflegte zu sagen, der palästinensische Kampf sei deswegen so schwierig, weil die Palästinenser die Opfer von Opfern seien. Daraus ergibt sich für die Deutschen die Notwendigkeit, einen Spagat zu versuchen, nämlich die nach Wiedergutmachung verlangende deutsche Vergangenheit im Blick zu behalten, dabei aber Menschenrechtsverletzungen, die es heute zu beenden gilt, nicht aus den Augen zu verlieren. Zugegeben, diesen moralischen Imperativ zu befolgen, mag nicht immer leicht sein. Doch die Sühne für vergangene Verbrechen darf niemals zur Duldung aktueller Verbrechen führen. Die moralische Herausforderung, die sich daraus für die Deutschen ergibt, könnte nicht größer sein. Sie besteht darin, einerseits der Verantwortung gerecht zu werden, die ihnen aus den Verbrechen des 'Dritten Reichs' gegen das jüdische Volk erwächst, es andrerseits aber auch nicht zuzulassen, dass ihnen aufgrund dieses schrecklichen Vermächtnisses das Recht abgesprochen wird, aktuelle Verbrechen anzuprangern, nur weil diese von einem Staat begangen werden, der sich selbst als jüdisch definiert. Sich dieser Herausforderung zu stellen, ist in Wahrheit die würdigste Form der Holocaust-Erinnerung.

Zweitens wirkt der israelisch-palästinensische Konflikt für die ganze Menschheit vergiftend – eine Gefahr, die gar nicht überschätzt werden kann. Ich meine nicht einmal, dass dieser Konflikt eine Kettenreaktion auslösen und schließlich zur nuklearen Verwüstung führen könnte, oder dass er die muslimische Welt womöglich zu Wahnsinnstaten verleitet, auch wenn dies zweifellos ernste Sorgen sind. Ich meine vielmehr die zersetzende Wirkung dieses Konflikts, was die Moral anbelangt … Was sich seit dem 11. September (2001) geändert hat, ist, dass die USA und Israel es nunmehr darauf anlegen, die während der letzten hundert Jahre bei der Entwicklung von Völker- und Menschenrechtsnormen erzielten Fortschritte mit vereinten Kräften rückgängig zu machen. Die Weigerung, in die Barbarei zurückzufallen, wird mit Appeasement gegenüber Terroristen gleichgesetzt."

Wer müsste bei den letzten Worten nicht unwillkürlich an die vor wenigen Tagen durch die Ermordung eines Hamas-Funktionärs in Abu Dhabi erneut offenbar gewordene Mordpraxis des israelischen Geheimdienstes Mossad denken. Seitenweise beschreiben selbst bürgerliche Zeitungen diesen von der israelischen Führung organisierten Mord-Wahn, der zivilisatorisch erkämpfte Werte und jegliche Gesetzesgrenzen bei Bedarf ohne Skrupel außer Kraft setzt.

Eine ausführliche Dokumentation der aktuellen, zionistischen Hetzjagd gegen Norman Finkelstein und seine Veranstaltungsreihe ist im Palästina-Portal nachzulesen. Dort findet man auch diverse Stellungnahmen gegen die Raumverweigerungen, Scheinbegründungen der Verweigerer und Darstellungen ihrer 'Zivilcourage' gegen Menschenrechtsverletzungen durch Israel, sowie Hinweise auf Organisationen und Personen, die an der Treibjagd teilnehmen. Leider beteiligten sich auch Teile der Partei 'Die Linke' und der Grünen.

Die erneuten blindwütigen Aggressionen zur Verhinderung der israel-kritischen Vorträge von Norman Finkelstein sind jedoch keine spontane Aktion Einzelner, sondern Teil einer gezielten Außenpolitik des Staates Israel und wohl organisiert. Wir hatten schon im Herbst 2009 über diese entsprechende Neuausrichtung der israelischen Außenpolitik berichtet - eine Reaktion auf die für Israel negativen Auswirkungen des GAZA-Bombardements und insbesondere des Goldstone-Berichtes. Jetzt liegt seit Mitte Februar eine Studie des 'Reut Institute' vor, in der strategische Empfehlungen für Israels Regierung erarbeitet wurden. Diese beinhalten insbesondere den verstärkten Ausbau von Netzwerken zur Unterstützung Israels im Ausland, bestehend aus Individuen, einflußreichen Personen, jüdischen Gemeinden, NGOs, 'informellen Botschaftern' aus unterschiedlichen Gesellschaftskreisen. Auch die angemessene finanzielle Unterstützung dieser Netzwerke solle gesichert werden (s. Anlage). Aktiv sind diese Netzwerke aber schon lange, nicht nur in den USA, sondern auch bei uns. Ihr höchster Repräsentant ist offenbar Bundeskanzlerin Angela Merkel, wie ihr Agieren vielfältig belegt.

Allerdings - wenn die friedliebenden Menschen der Welt sich zusammenschließen wird Israels neuer außenpolitischer Anstrengung kein Erfolg beschert sein. Denn wie schon ein bedeutender Kommunist einst sagte: "Eine gerechte Sache findet viele Unterstützer, ein ungerechte findet wenige, jedoch viele Gegner."

Text: hth  /  Foto: Norman Finkelstein

 

 

 

 

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